Atlantik Kanaren - Kapverden 2012

 

Atlantik Azoren - Coruna 2013

 

 

 

  

Windgedanken und Wellenworte

 

Vertraut doch unsichtbar bleibt uns die Kraft,

wie sie im Lebenssegel sich gebärdet,

die mit den Wogen Wellenzeichen schafft,

und wiegend uns spurlos von Welt zu Welt befördert.

 

 

Fahrtensegeln.

Metapher des Lebens?

 

Metaphysisches des Reisens unter Segel:

 

Die Seligkeit des Abschieds,

die Ruhe in der Dynamik der See

und das Glück der Ankunft 

 

Von Hermann Engl

 

Nordatlantik

Man kann ein Segelschiff dazu benutzen, um damit über alle Ozeane rund um die Erde zu reisen, ohne irgendwo anzulegen, ohne auch nur einem Menschen ins Gesicht zu schauen, ohne eine fremde Küste zu betreten und ohne eine Pflanze oder ein typisches Landtier zu beobachten.

 

Man kann das als Herausforderung sehen und seinen sportlichen Ehrgeiz darein setzen, dies in möglichst kurzer Zeit hinter sich zu bringen. So etwas stellt ohne Zweifel eine gewaltige Leistung dar. Egal, ob alleine, einhand, wie der Segler sagt, oder mit Begleitern, mit Crew.

 

Aber abseits aller Schnelligkeitsrekorderitis, und gewissermaßen ihr zum Trotz, lässt sich ein Segelschiff immer noch als das benutzen, als das es in vielen Jahrtausenden entwickelt wurde: Als Reisefahrzeug, das uns aufgrund seiner eher gemächlichen Geschwindigkeit zum bergenden Heim wird, und uns auf ausgesprochen umweltverträgliche Art diesen Planeten praktisch in seiner Gesamtheit erleben lässt.

 

Immerhin nutzen Seemenschen einen Lebensraum, der 70 Prozent der Erdoberfläche bedeckt, während sich die Landmenschen auf den restlichen 30 Prozent drängen.

 

Nun wird der durchschnittliche Landbewohner schwerlich das Gefühl nachempfinden können oder wollen, das von einem Besitz ergreift, der seine Heimat auf dem Wasser gefunden hat. Doch lassen sich immer mehr Menschen von einem Leben unter Segeln auf dem Wasser faszinieren. Die weltweite Yacht-Industrie kommt ihnen mit einer Produktion von rund 15.000 Einheiten pro Jahr entgegen.  Die Navigation, vormals geheimes Wissen der Kapitäne, hat sich im GPS-Zeitalter zu einer Leichtigkeit entwickelt, wie sie Computerspielen zu eigen ist.  Der Komfort moderner Yachten tut ein Übriges, Menschen in ihren Bann zu locken.

 

Ist damit der wahre Fahrtensegler, der Seemensch geboren?

 

Ihn erwarten allerdings einige Hürden, die sich trotz aller Technik nicht verändert haben, seit dem der Mensch sich auf die Ozeane wagt und diese Anforderungen sollten nicht unterschätzt werden. Da ist die See mit ihren harten Gesetzmäßigkeiten, die dem Seemenschen manche Anpassung abverlangt. Er bleibt dem nach wie vor chaotischen Wetter ausgeliefert. Und im Umgang mit diesen beiden lernt er schnell seine eigenen Grenzen kennen.

Atlantische Begleiter

 

 

Als Bewohner eines Segelschiffes auf See bist du dauernd auf der Hut, musst es sein. Dein Leben, dein Überleben und falls vorhanden, das deiner Begleiter hängt davon ab. Es hängt davon ab, dass du jede Bewegung deines Schiffes mitbekommst, jedes Geräusch, jede Regung des Wetters analysierst, die richtigen Folgerungen ziehst und Entscheidungen triffst und reagierst. Nicht irgendwann, sondern jetzt, sofort.

 

Dein Einsatz wird verlangt, dein Kopf, deine Hände, deine Arme, dein Mut und deine Entschlossenheit. Ob im Hellen oder Dunkeln. Während das Schiff ruhig dahin gleitet oder von der ungeheuren Kraft des Windes gejagt mit fliegender Bugsee über meterhohe Wellen rauscht, eintaucht und wieder hochschießt. Du musst vielleicht nur die Segelstellung ändern, vielleicht aber die Fläche reduzieren, um Schäden zu vermeiden. Um zu vermeiden, dass du und dein Schiff zum Spielball der Elemente werden, aufgerieben zwischen Meer und Himmel, zwischen Wasser und Wind.

 

Im Zweifel heißt das: Rein ins Ölzeug, hinaus ins Cockpit, kurbeln, was das Zeug hält, bis dir ein Gemisch aus Schweiß und Salzwasser in die Augen rinnt und dir die Luft wegbleibt. Oder rauf auf das Deck, anleinen, vor zum Mast laufen, krabbeln, kriechen, und spätestens am Mast musst du wieder stehen, die Winschen bedienen, Großfall lösen, Reffleinen dicht holen, knallende Segel runterholen, das Reffauge des Segels in den Haken ziehen, Fall und Unterliek wieder mit der Winsch dicht holen, während Gischt um dich fliegt, Schoten schlagen und dir der Ozean mit Zentnern von Wasser  auf die Schultern haut, alles wieder festzurren, zurück ins Cockpit klettern und Ruhe finden in der unentwegten Bewegung.

 

Nordatlantik. Ungefähr 38° Nord Kurs Ost

Der gemeine Landmensch mag sich fragen: warum machen Leute so was? Warum fahren sie hinaus in diese nasse Wüstenei, arbeiten bis zur totalen Erschöpfung, ringen mit Wind und Wellen, um irgendwo anzukommen, wo man auch recht komfortabel und viel schneller hätte mit dem Flieger hinkommen können? 

 

Dem Hochleistungssportler, dem Einhandsegler, dem es lediglich darum geht eine definierte Leistung zu bringen, stellt man so eine Frage gewöhnlich nicht. Man bietet dem Marathonläufer ja auch kein Fahrrad, dem Radrennfahrer kein Motorrad an.

 

Wahre Fahrtensegler folgen einer völlig anderen Philosophie. Klar, auch sie planen ihre Reisen, aber mit großen Spielräumen. Man möchte einem Wetter weiträumig ausweichen können oder an schönen Orten verweilen. Und da unser Fahrzeug auch unser Zuhause ist, leben wir in einer ganz anderen Reisewelt. Und die ist bei weitem nicht mit dem, schon etwas abgegriffenen Spruch umrissen, vom Weg, der das Ziel sei. Es handelt sich dabei um ein Dasein, das zwischen Abschied und Ankommen eine der intensivsten Arten des Lebens fordert, wozu du dauernd alle Sinne brauchst und schließlich auf innigste Weise mit den Elementen dieses Planeten verwoben bist, vielleicht, bis du in ihnen aufgehst.  

 

Fahrtensegler genießen die Seeligkeit des Abschieds, das Auslaufen, das Verlassen eines Hafens, das Sich-Hineinwerfen in die weiten Arme des Ozeans und die Reduktion auf diesen starken Körper, dieses schlanke Schiff, das mit seinen Schwingen soviel Kraft einfängt und mit mächtig rauschender Bugsee seine Richtung findet. Dann wird es wieder lebendig, jenes Gefühl, das den Körper aus Stahl wie eine Erweiterung meines eigenen empfinden lässt. Er liegt gebettet im Wasser, im Materiellen, ohne fest damit verbunden zu sein. Ihn treibt eine Kraft, die niemand in ihrer Gesamtheit fassen kann.

 

Würde ich diesen Körper soweit mit materiellen Gütern belasten, dass er im Wasser, im Materiellen, versinken müsste, so verlöre er im Untergang den Kontakt zu jener Kraft, die ihm Fahrt und Richtung geben kann, die Kraft, die ihn treibt.

 

Wir Segler werden uns hüten, das zu tun. Als Bewusstsein und Seele dieses Körpers steuern wir ihn und bewahren seine Unversehrtheit, seine Leichtigkeit. In seiner Geborgenheit finden wir erholsame Ruhe, obgleich wir mit ihm ständig in Bewegung sind. Ist es nicht eine sinnige Metapher unseres Daseins?

 

Und Fahrtensegler empfinden endlich das tiefe Glück der Ankunft. Du hast den Weg gefunden. Zurück aus der steten Unruhe des Lebens dort draußen, liegt Dein Zuhause plötzlich vertäut ganz still und fest an einer steinernen Pier, an einem gepflegten Schwimmsteg. Oder es liegt in ruhigem Wasser vor Anker, nah der Küste und doch in Distanz zum Land, das dem Seefahrer und seinem Zuhause ja immer auch Gefahr ist. 

Karibik
Die Ketsch DASY vor Negril, Jamaika

 

Vielleicht musst du das Schiff aber an einem dreckigen, staubigen, verlärmten Kai festmachen. Je nachdem wo du gelandet bist, hagelt es Forderungen, Bedrängnisse, Verlangen. Kein Wunder, dass augenblicklich die Sehnsucht erwacht und der Blick immer häufiger zum Horizont wandert.

 

Dies alles und noch viel mehr habe ich erfahren auf den Reisen mit meiner 18 m langen Segelyacht DAISY, mit der ich von April 2007 bis Oktober 2015 dreimal den Nordatlantik umrundet und einige seiner Nebenmeere durchkreuzt habe.

 

Hermann Engl

Dezember 2015

 

 

Was bringt es,

eine Ketsch zu segeln? 

 

Eine Ketsch zu segeln bedeutet eine besonders sichere Form, unter Segeln zu leben. Das mit zwei Masten ausgestattete Segelschiff, bei dem der achtere Mast, der Besanmast, etwas niedriger als der Großmast ausgeführt ist, bringt einige segeltechnische Vorteile.

Der bedeutendste: Die Gesamtsegelfläche ist unterteilt und kann variabel eingesetzt werden. Der Großmast muss deshalb nicht so hoch sein wie bei einer Slup, die nur von Großsegel und Genua, bzw. Fock getrieben wird. Folglich kann der Segeldruckpunkt niedriger liegen, wodurch die Krängung reduziert wird.

Darüber hinaus stehen bei raumen Kursen mit Windeinfall bis ca. 120° mit Genua und Besansegel zwei Segel mit Druck von Luv zur Verfügung, wo die Slup das Groß streichen muss, damit die Genua Luft bekommt. Vorteil der Ketsch, dank Besansegel: Mehr Segelfläche, stabilere Lage.

Auch beim Segeln am Wind hilft das Besansegel. Es bringt zwar meist – je nach Abstand zum Großsegel – eher geringen Fahrtzuwachs, aber es erhöht den Luvdruck und optimiert den Kurswinkel zum Wind. Je größer der Kurswinkel zum Wind, umso mehr trägt das Besansegel zum Speed bei. Die Ketsch läuft dann, wenn richtig getrimmt, auch ohne Autopilot den gewünschten Kurs ganz von alleine hübsch geradeaus.

Sollte es mal richtig hart werden auf See, so daß auf das Großsegel völlig verzichtet werden muss, lässt sich die Ketsch mit kleiner Fock und Besansegel, das vielleicht auch noch reffbar ausgeführt ist, recht sicher durch die aufgewühlte Wasserwüste steuern.

Technische Vorteile bietet der Besanmast auch als Geräteträger. Radarantenne, AIS-Antenne, Horn, Windgenerator, E-Kompass, Deckstrahler sind auf diesem zweiten Mast gut aufgehoben und relativ leicht erreichbar, vor allem, wenn Trittelemente angebracht sind.

Und zu guter Letzt bieten die meisten Ketschen unter dem Besanbaum ein geräumiges Achterdeck, das auch bei Am-Wind-Kursen zum Sonnenbad etc. einlädt, weil die Gischt eventueller der Bugseen nicht so weit fliegt und für ein Dinner lässt sich bei Liegezeiten dort auch eine klappbare Essgruppe etablieren.

Wer sich also für Ketschsegeln interessiert, schließt sich einfach diesem Club an und bekommt Zugang zu günstigen Segelreisen unter drei Segeln. www.hermann-engl.de

 

Mitglied werden und

Ketsch-Segeln fördern durch Ketsch-Segeln:

 

Anmelden mit den Kontaktformular. Vorname, Name, Adresse, Geburtsdatum, E-Mail-Adresse, gesegelte Meilen.

 

Einmaliger Mitgliedsbeitrag 25 Euro einzahlen per Paypal über die Mailadresse: hermann.engl@t-online.de

 

Biscaya

 

Kontakt:  

Hermann Engl

Seereisender und Autor

0049 15119335910

hermann.engl@t-online.de

 

 

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