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Korfu, Marina Gouvia. DAISY hat ihr Winterlager erreicht.
29.01.2012 – Skipper wieder an Bord! Leider hat der Schreiner noch gar nichts gemcht. Das Fundament der Ankerwinsch muss erneuert werden, die überprüfte und erneuerte große Rettungsinsel vor dem Großmast bekommt einen Holzüberbau, um sie zu schützen und in der Vorpiek wird es einen neuen Zwischenboden für das Dinghi geben. Lars aus Kolbermoor ist am 24.01.12 mit an Bord gekommen und am 28.01. kam Christel aus Hamburg dazu. Es ist kühl draußen aber hübsch warm im Schiff. Interessante Menschen rundherum. (Noch mehr ganz unten)
DIE GESCHICHTE von Anfang an
Dort, wo am 27. April 2007 das Segelprogramm "Fliegender Holländer" begann, startete sie im April 2010 zu einer weiteren Reise: Mit runderneuerten Segeln, neuen Außenlautsprechern im Mittelcockpit, die Dellen, die ihr das Sturmtief Daisy Eckernförder Yachthafen Jaich zugefügt hatte, sind ausgebeult, die Scheuerleiste repariert.Frisch geputzt, mit neuen Netzhauptschaltern im Elektrikschrank, neuem Dunstabzug in der Pantry, so glitt sie hinaus in den Frühlingstag auf der Ostsee und zwar nach Osten.
Die erste Reise hatte sie im April 2007 in die westliche Richtung geführt.
Ein neuer Muldenkühlschrank mit 110 Liter Fassungs- vermögen erleichtert das Leben auf der DAISY, und die neue Rückenlehne macht die Tischrunde perfekt.
April 2007 - Durch den Nord-Ostsee-Kanal und nach einem Stopp in Cuxhaven, wo Hartwig und Bärbel aus München zustiegen, landete DAISY in Helgoland. Flottes Segeln bei ruhiger See stimmte die sechsköpfige Crew auf einen erholsamen Törn ein. Hans aus Kassel und Hannes aus Peißenberg waren schon in Travemünde an Bord gekommen. In Eckernförde stieß Günther dazu. Er wollte nur eine Woche Nordsee schnuppern, und ihn rechtzeitig für seinen Flug ab London an Land zu bringen, sollte in ein kleines Abenteuer münden.
Zuvor meisterte die Crew in schönstem Teamwork die Einsteuerung nach Terschelling in den Niederlanden. Im dicht besetzten Hafen ließ eine massive Motoryacht mit passendem Namen „Goliath“ die DAISY für die Nacht längsseits ins Päckchen gehen. Der Skipper der DAISY besuchte tags drauf in Harlingen, dem Heimathafen der DAISY, den Notar, der die Umschreibung und Neuregistrierung des Schiffes betrieb. Noch am Nachmittag verließ DAISY mit dem letzten ablaufenden Wasser das verflixte Wattenmeer. Kurs England war angesagt und Ipswich hieß das Ziel. Günther wollte dort von Bord gehen: Seine Segelwoche war um.
Ein Tag in der umtriebigen hübschen Stadt am River Orwell lag hinter der Crew, als sie nach kurzer Flußfahrt in Harwich festmachte und von einem humorvollen Hafenmeister herzlich empfangen wurde. Von dort nahm DAISY früh morgens Kurs auf die Themsemündung. Segeln im Gezeitenrevier zwischen Sandbänken gegen lebhaften Westwind forderte volle Konzentration. DAISY pflügte unverdrossen durch die 1-2 m-Seen von Wende zu Wende. Noch vor der Abenddämmerung fiel der Anker in der ersten Themsebiegung in ruhigem Wasser. Hans hatte Gemüse gekocht und servierte ein perfektes Dinner.
Nach London zu kommen beanspruchte fast den gesamten folgenden Tag. Nach Anmeldung per Funk wurde DAISY gegen 18 Uhr in die reizvollste Stadtmarina geschleust, die der Skipper je gesehen hat: St. Katarine-Haven, ca. 200 m vom Tower entfernt. Die erste Etappe im Segelprogramm „Fliegender Holländer“ war geschafft. Die Crew genoß die zwei Tage in der Metropole. Der Skipper ging Seekarten kaufen und Wäsche waschen.
Langsam wird es Zeit, die Bordwandaufschrift der DAISY zu ändern. Die erforderlichen Klebebuchstaben sollte es laut Internet und der Auskunft des Hafenpersonals in Southampton geben. „A reason to sail to Southampton“. Der Gentlemen lachte herzlich. Er sprach etwas Deutsch, war in Berlin und Mönchen-Gladbach aufgewachsen. Papa war dort Soldat gewesen. Samstags war die Crew abgereist, glücklich über das Erlebte, wie sie versicherte, und über die gute Stimmung an Bord.
Die DAISY vor der Towerbridge: Warten auf die Schleusung in eine der bestgelegenen Marinas Europas: St. Katarine im Herzen Londons.
Da liegt sie mit ihren eleganten Linien, nur ein paar Hundert Meter vom Tower entfernt. Die Crew genoss die drei Tage in der Metropole.
Etappe zwei: London - Dublin
Schiffsputz. Plötzlich stand da Helmi aus München mit Seesack und Rucksack am gate. Helmi wollte - begeistert vom Programm „Fliegender Holländer“ - möglichst alle Etappen mitsegeln. Er war jetzt 68 und erzählte, er sei vor drei Jahren einige Monate in der Karibik und über den halben Atlantik bis zu den Azoren gesegelt. Er richtete sich an Bord ein. Dann gings ans Proviantieren. Zwei voll beladene Einkaufswagen hielten bald vor der schweren, schwarz lackierten Eisenpforte der Marina. Da stand das nächste Crew-Member: Wolfgang aus Erlangen . Den 51jährigen Charterskipper reizte das ganz andere Revier. Mit ihm war DAISY startklar für die nächste Etappe bis Dublin. Noch eine Nacht in London, am nächsten Morgen ging es los. Abends ankerte das Schiff wieder am Themseknie bei munterem West und gegenläufigem Strom. Tags drauf ging es erneut durch die Themsemündung. Diesmal mit raumem Wind und mit dem Strom. 11 und 12 Knoten über Grund halfen, die Strecke nach Dover bis zum Abend zu meistern. Die Wetterkarte legte einen Hafentag nahe. Acht Beaufort West und Regen! Die Festung über Dover bildete die historischen Walls of England. Es gab eine Menge zu lernen und unten im historischen Pub „White Horse“ die vielen Kanalschwimmer zu bedenken, die sich dort an den Wänden verewigt hatten.
Weiter geht’s nach Southampton, durch den Kessel des westlichen Solent, und schon liegt DAISY in Dartmouth, dem reizvollen Städtchen am River Dart. Hier in Dartmouth übernahm der Skipper die DAISY vor drei Jahren zum ersten Mal. Die Scillys sorgten für eine kleine Irritation: Mittelmeer-Vegetation! Herrliche Sonne und ein Ankerplatz zum Verlieben. Das Dinghi brachte die Crew der Blumenpracht näher. Es folgten Milford Haven, Wales, und der Sprung nach Irland. Jerome, der ehemalige Tankerkapitän, lag mit seinem rostigen Fischkutter achteraus in der Schleuse. Kam von den Äußeren Hebrinden mit einer vollen Ladung Scallops im Schiffsbauch. Sie fingen in drei Monaten den Jahresbedarf an Kabeljau. Er lud die DAISY-Leute später zum Bier ein. Ein lustiger Abend.
Arklow war der Landfall in Irland. Kleines Städtchen mit sagenhafter Kneipendichte. Irisch eben. Ein abendlicher Überraschungsgast: Egon Friedrich aus Köln. Der ehemalige Studienrat läßt nun Brötchen und Brot backen und vertreibt es in den Naturkostläden Dublins. Natürlich hat er auch die DAISY versorgt. Richtiges Brot! Der weak point im sonst so sympathischen angelsächsischen way of life. Die Überfahrt nach Irland durch die berüchtigte Irische See bzw. den St. Georges-Channel gestaltete sich sehr kommod: NW 3, kaum Welle. Ach ja: Helmi hatte in Milford Haven die DAISY verlassen. Die Seekrankheit hatte ihm zu sehr zugesetzt. Der Arme fuhr mit dem Zug nach London, um in sein geliebtes München heimzufliegen.
Der Hafen Dun Loaghaire - Vorort von Dublin - empfing DAISY mit Regen und einer Regatta vor der Hafeneinfahrt und im Vorhafen. Als der Skipper höflich im Vorhafen die Fahrt drosselt, um dem Feld sportlich Vortritt zu lassen, donnerte eine Stimme aus dem Funkgerät: "This is a Port go ahead!" Okay. Die Holzjollen mußten also um die Stahlketsch herumkurven. DAISY bekam einen komfortablen Liegeplatz in der Riesen-Marina: fast ein Kilometer Weg über Schwimmstege bis zum Land! Dublin! Vier Tage blieb DAISY dort liegen zum Crewwechsel, Wäsche waschen und Ergänzen der Vorräte.
3. Etappe: Dublin - Bergen
Uschi, Matthias, Albrecht und der Skipper fanden sich zu einer Crew zusammen, die über Schottland nach Norwegen segeln wollte. Zwei kurze Schläge führten DAISY an der irischen Küste nach Norden. Der Ankerwacht im Strangford Lough ging eine sehr konzentrierte Einsteuerung voraus. Untiefen waren zu umschiffen und der richtige Platz mit Rücksicht auf die Gezeit zu finden. Morgens nach dem Frühstück ließ sich DAISY mit dem gewaltigen Ebbstrom hinaustragen - und erlebte ein bläuliches Wunder: Die Overfalls an der Mündung! Brandungswellen von zwei Metern, wo der Strom über die Barre hinweg auf stehendes Wasser trifft! DAISY rauschte durch die Zone von einer Kabellänge und befand sich auf dem Weg nach Schottland bei blankem Himmel und leichtem NE.
Hinter den Rhins of Galloway sollte der nächste Ankerplatz liegen: Loch Ryan. Das waren dann schon 83 sm, und nach dem Ankerfallen auf sechs m Wasser gab es Lammbraten mit Bratkartoffeln und Gurkensalat. Ein idyllischer Platz: grüne Berge rundherum. Der nächste Schlag sollte eine Steigerung bringen: Campbeltown. DAISY war schon mal da, und Mr. McCillester machte große Augen, als ihn der Skipper mit Namen begrüßte. DAISY mußte im Päckchen liegen mit einer ansehnlichen Holzketsch, und der Charme der alten schottischen Stadt nahm die Crew gefangen. Hier gab es ein Skipperdinner im feinsten Hotel: Argyll Arms Hotel. Die Registrierung der DAISY auf den Namen ihres neuen Eigners in den Niederlanden war perfekt! Tags drauf geht's weiter, leider weitgehend ohne Wind nach Norden. Zwischen Jura und Isla fand sich gegenüber von Port Askaig ein wunderbarer Ankerplatz. Der Caledonische Canal ist nicht mehr weit!
Dienstschluss im Caledonischen Canal: Ab 18 Uhr geht nichts mehr an Brücken und Schleusen. Ein Sommerabend- Dinner in den Bergen Schottlands beschließt den Tag, jedenfalls den Arbeitstag.
29 Schleusen sind zu bewältigen. Als wir uns entschließen, das Leinenpersonal in Gestalt von Uschi und Albrecht samt Leinen gleich an Land zu lassen in der Schleusentreppe, läuft die Schleusung völlig stressfrei. Nur muss man daran denken, beim Abwärtsschleusen die Leute vor der letzten Kammer wieder an Bord zu nehmen!
In Inverness, dem östlichen Ende des Kanals, wird die erste Übernachtung nicht berechnet. Man hat sie mit der Kanalgebühr von 295 GBP bereits beglichen. Da wir zwei Tage bleiben wollen, übernachten wir noch vor der letzten Schleuse nach der Caleway-Marina. Dort gibt es übrigens einen gut sortierten Schiffsausrüster. Auch dort an der Pier kostet die Nacht nichts für die DAISY, und auf Landstrom sind wir - dank unseres Fisher-Panda - nicht unbedingt immer angewiesen.
Norwegen empfing die DAISY mit zarter Sonne am frühen Morgen. Das Einlaufen in die Felslandschaft der Fjorde bewältigten Albrecht und der Skipper an Deck, während Uschi sich schlummernd von den Strapazen der beiden zurückliegenden Nächte erholte. Die Fahrt durch die Ölfelder Norwegens hatte zwar kaum Aufregung gebracht, der Wind stimmte weitgehend. Aber nun die Fjorde. Felsen überall. Die nächsten Wochen bestimmten sie die Navigation.
Hjellestadt, nah am Bergener Flughafen. Beflissen sucht der Skipper den Hafenmeister auf und fragt nach Zoll bzw. Grenzpolizei. Der Mann schaut ihn groß an: Zoll? Kein Mensch geht hier zum Zoll. Na gut. Tolerantes, liberales Skandinavien. Nach einem kurzen Stopp in diesem buchstäblich erstbesten Yachthafen liefen wir weiter Richtung Bergen und fanden eine kleine Bucht und dort eine gelbe Boje. Der Gezeitenstrom wendete die DAISY im Tidentakt, während zahllose Wochenendausflügler mit Motorbooten durch einen kleinen Kanal dem dahinterliegenden See zustrebten. Nach dieser Eingewöhnung wagten wir uns nach Bergen. Vor den alten Hansehäusern an der Hanse-Brygge gab es genau einen Liegeplatz für die DAISY. Die Mittsommernacht kündigte sich an. Der Trubel nahm turbulente Formen an.
Eine kleine Segelyacht geht an der DAISY längseits. Hilf- reiche Tipps von den beiden jungen Männern aus Stavanger. Wir haben sie auf ein Bier eingeladen. Sie wollen in Bergen die Mittsommernacht feiern.
Crewwechsel. Albrecht muss am frühen Morgen los, Uschi erst am nächsten Tag. Hannes trifft per Taxi ein und Gerlinde kommt mit dem Bus. Nach ein paar Ausrüstungsergänzungen - vor allem ein Hafenhandbuch, das es für Mitglieder der Reddningsselskapet kostenlos gibt, und weiteren Seekarten - legt DAISY montags darauf wieder ab.
4. Etappe Bergen - Narvik
Die Gewässer Norwegens werden von Motorbooten beherrscht. Kein Wunder: In den Fjorden, von Bergen gesäumt, gibt es eher selten Wind. Erst im Mangersfjord setzen Hannes, Gerlinde und der Skipper das Groß und rollen die Genua aus. Aber gleich bläst es mit fünf Beaufort, und als die DAISY in den Fedjefjord kreuzt, kachelt es noch viel stärker. Schnell wird eine Bucht gesucht und gefunden: genau gegenüber, ausgestattet mit einer riesigen Tonne. Der Liegeplatz für die nächsten 48 Stunden. Der Sturm tobt so wild, dass auf den 200 Metern zum Land in Luv eine See von mehr als einem Meter entsteht. DAISY wiegt sich gelassen, lässt den Wind in den Wanten singen und wird von zwei Trossen an der großen Kunststofftonne gehalten. Unsere Vorräte bieten die Grundlage für zwei Gourmettage. Erst am Mittwoch kann es weiter gehen. Florø weit im Norden erreichen wir nach 74 sm gegen 22:45. Es ist beinah taghell. Der Skipper einer bildschönen schwarzen Holzketsch, der sein Schiff am Rhein selbst gebaut hat, schwärmt von Norwegen: Keine Polizei, kein Zoll, kein Hafenmeister, man hat echt seine Ruhe. Fein. Maløy, Alesund, Vingvägen, Rørvik, Mayhamna sind unsere weiteren Stationen. Dann findet der Skipper der DAISY in der Karte eine Bucht, an deren Ufer das Petter-Dass-Monument eingezeichnet ist. Alstahaug heißt die Halbinsel. Der Erfinder des Dass-Satzes? Malerische Umgebung. Ein supermodernes Gebäude zeigt der Bucht eine Art Heck, viereckig, könnte auch eine Trompete sein. Kühn eingeschnitten in den Naturfels: das neue Petter-Dass-Museum. Geehrt wird damit der bedeutendste Barockdichter Norwegens.

Petter Dass war Pfarrer in dem kleinen Dorf, dessen Kirche heute noch offen steht. Und sein bekanntestes Gedicht heißt „Trompete des Nordlandes“. Leider nicht vorrätig im alten Museum, auch später beim zweiten Besuch nicht.
Die DAISY verbringt abermals eine Nacht auf dem Nordmeer. Als wir am 8. Juli um 15:40 Uhr in Bodø festmachen, stehen wieder 10 Motorstunden im Logbuch, aber auch 16 Segelstunden. Endlich trifft der Skipper mal einen Leser seiner Bücher. Der Mann aus Hamburg kann es kaum fassen, den Autor des Segelromans vor sich zu haben, den er gerade liest. Urlaubslektüre im Wohnmobil: „Mörderisches Meer“.
Tags drauf fällt um 7 Uhr morgens der Anker in Røthnesvaagen. Es gibt einfach keine Nacht, die uns zum Anhalten nötigt. Also genießen Hannes und der Skipper ein Nachtmahl und legen sich in die Koje bis 15 Uhr. Um 16 Uhr gibt es dann Frühstück. Verrückte Sommerzeit.
Am 11. Juli machen wir DAISY in Narvik fest. Steuerbord längsseits an einer alten Holzbrücke. Wir sind früh dran, so bekommt Hannes seinen Flieger in Bodø. Kaum ist er weg, stehen zwei junge, smarte Herren in schwarzer Uniform auf der Brücke. „Dürfen wir an Bord kommen?“ In Narvik, das muss der Skipper nun erfahren, hat das liberale Norwegen ein Ende. Vergessen wir’s, war teuer genug.
5. Etappe: Narvik-Trondheim
80 km liegt der Flughafen entfernt, auf der Nordseite des Ofotfjordes. Gudula und Hartmut, bereits DAISY-erfahren, Maria, Helga und Eckehard kommen von dort mit dem Bus an, aber ohne Gepäck. Irgendwie schlau, denn tags drauf werden die Seesäcke direkt ans Schiff geliefert. Dann kommt auch Bernd wieder an Bord. Herzliches Wiedersehen. Die beiden Mountainbikes der DAISY werden heftig gebraucht. Das Stadtzentrum liegt drei Kilometer entfernt. Per Rucksack kommen die erforderlichen Dinge an Bord. Der Zoll hat ein paar schmerzliche Lücken geschlagen. Am Sonntag legen wir ab und besichtigen erst mal den Beisfjord. Hier erinnert ein sichtbares Wrack an die dunklen Jahre unserer Heimat. Um 21:30 Uhr fällt der Anker bei Skarstad. Chefsmutje Gudula bereitet frischen Fisch in Senfsauce. Ein Vorgeschmack, der viel verspricht. Unser nächstes Ziel heißt Svolvaer, die Hauptstadt der Lofoten. DAISY rauscht quer über den Vestfjord unter gerefftem Groß und halber Genua. Wieder ein Segelgenuss der feineren Art. In Svolver sorgt Sig Tobiasson für einen neuen Akzent im Salon der DAISY. „Abschied der Wikinger“ heißt das kleine Ölgemälde, das der Skipper in der Galerie des sympathischen Kunstmalers findet und kurz entschlossen erwirbt. Trägt sehr zur Wohnlichkeit bei und passt irgendwie zum Charakter der DAISY. Immerhin war Onkel Knut, der Wikinger, schon in Neufundland. Manchmal blitzt eben etwas aus einem Vorleben des Skippers auf. Hat er tatsächlich mal in Haitabu gelebt? Der Hafentag wird allgemein genossen.
Der Trollfjord ist ein Muss mit seinen steilen Felswänden und der engsten Stelle von gerade mal 50 Metern.
Danach wenden wir den Bug der DAISY nach Süden. Nun zahlt sich aus, dass der Skipper die wichtigsten Häfen und Buchten schon kennt. Und doch gibt es Neues zu erleben. In Bodø legt sich eine mächtige Ketsch ins Päckchen. Irgendwie bekannt. Skipper Lars erzählt beim 17-Uhr-Tee, dass es sich um die ehemalige THOR aus Eckernförde handelt. Die THOR, auf der Skipper Hermann mal einen Weihnachtsnachmittag verbrachte. Sie wurde nach Norwegen verkauft, ihr früherer Eigner habe ein Hotel in Kolumbien eröffnet, erzählt Lars. Um 19 Uhr verlässt DAISY Bodø. Es wird ohnehin nicht dunkel. Zwei Ankerbuchten und einen Regentag später läuft sie in den Holandsfjord ein. Ein etwas schwächlicher Schwimmsteg hält sie auf Position.
Der Swartisen- Gletscher, das „Schwarzeis“, hat uns angelockt. Der zweitgrößte Gletscher Norwegens kommt fast bis auf Meereshöhe herab. Mehrere Stunden verbringen wir auf den erstaunlich blanken Felsen im Bett des Gletschers. Gegen 22 Uhr läuft die MS COLOMBUS ein, ankert mitten im Fjord und setzt 360 Passagiere aus. Genau gegenüber der DAISY. Zwei davon gehen gar nicht erst an Land, sondern kommen gleich an Bord: Esther und Dietmar, enge Freunde Bernds aus Oberhausen, verbringen einen romantischen Abend im Kreis der DAISY-Crew.
Alstahaug, Bronmoysund, Granvikvaagen, Rørvik und Storfosna heißen die Anker- und Anlegeplätze der DAISY auf dem Weg nach Trondheim. Der Lochberg Torhatten wird halb umkreist und die Sage der sieben Schwestern ist seit Alstahaug sehr präsent. In der Königsstadt Norwegens kommen die Fahrräder wieder zum Einsatz, denn der sehr sichere Liegeplatz im Schatten einer Futtermittelfabrik ist gut zwei Kilometer vom Stadtkern Trondheims entfernt.
Sonniger Abschied in Trondheim: Die Crew wuchs zu einer lustigen Gemeinschaft zusammen.
Am letzten Tag dieser Etappe gibt der Heizstab des elektrischen Wasserboilers seinen Geist auf. Zum Glück kommt Albrecht wieder an Bord. Während Herma-Bianca sich die Stadt anschaut, bauen wir die Warmwasseranlage um. Der E-Heizstab ist auf die Schnelle nicht zu kriegen, und Albrecht schließt die Schiffsheizung an den Boiler an. Ein gut sortierter Ausrüster hat dafür alle Teile vorrätig. So können wir künftig auch auf Dieselbasis Warmwasser bereiten. Der neue E-Heizstab wird bestellt und soll nach Kristiansund geschickt werden. Ebenso ein neues Rückschlagventil für das achtere WC. Da ist die vorige Crew aber bereits verabschiedet und Trondheims Historie und Sehenswürdigkeiten inklusive Rüstkammer mit der Dokumentation der unsäglichen Ereignisse vom 9. April 1940 eindrucksvoll verinnerlicht.
Der alte Hafen von Trondheim
6. Etappe: Trondheim – Edinburgh
Am Montag, 6. August 2007, um 20:30 Uhr verlässt die DAISY den Hafen von Trondheim. An Bord: Herma-Bianca, Albrecht und der Skipper. Die Nacht hat uns wieder oder umgekehrt. Nach 11 Meilen fällt der Anker in der Bucht Tauterstraet, einer Insel mitten im Trondheimfjord. Die Lichter der Stadt geben ein prächtiges Bild. Hafengeld gespart und weg vom Stadtlärm. Aber die in Trondheim erstandene zusätzliche Leuchte für den Navitisch funktioniert nicht. Also am nächsten Morgen zurück. Die englische Segelyacht TUCAN liegt immer noch da. Gelegenheitshalber wird auch gleich getankt. Um 16:30 geht es dann noch mal los. Nach sehr schmackhaftem Gemüseeintopf mit Kartoffeln schläft gegen 21:30 der Wind ein. Um 22:07 liegt DAISY längsseits in Svelves, und die Küche wartet mit einem Risotto mit Zucchini auf. In Kristiansund fragt der Skipper nicht ganz vergeblich nach dem Heizstab. Er ist nämlich nicht da, sondern wurde angeblich nach Kristiansand im äußersten Süden Norwegens gesandt. Wie eine Segelyacht in vier Tagen von Trondheim dorthin gelangen soll, hat sich die Dame von der Bestellannahme vielleicht nicht so richtig vergegenwärtigt. Neuer Versuch: Die Sachen werden nach Bergen geschickt. Im schönen Alesund hat man die Schwimmsteganlage bereits weggeräumt. Die Saison ist vorbei. Also muss die DAISY im engen Altstadthafen ein Plätzchen finden. Das Drehen auf dem Teller zwischen den Häusern gelingt trotz Seitenwind. Harheidlandet, Kjelkenes und Sandnes, drei Ankerbuchten, eine malerischer als die andere. In Sandnes liegt auch die blaue Westerly LE DAUPHIN von Tom Aitken aus Schottland. Er hat der DAISY in Rørvik einen Liegeplatz verschafft. Man wird sich noch kennenlernen. Das Wetter wendet sich zum Schlechten: Grauer Himmel, Regen, starker bis sehr starker Süd. Von 8 Bft spricht der Wetterbericht. Da wird die Einladung nach Eivindvik auf Gulen noch verlockender: Eine Hinweistafel und ein Seitenblick durchs Glas machen die Entscheidung perfekt.
Ein heimeliges Dörfchen mit passablem Hafen. LE DAUPHIN ist schon da. Skipper Hermann versucht zwar tags darauf, dem Wetter zu trotzen, kehrt aber reumütig nach sechs Meilen wieder um.
Es kommt zu einem geselligen Teenachmittag an Bord der DAISY mit Tom samt Gattin und seinen Gästen aus Sidney, Australien.
Tags darauf wird Bergen angesteuert. Der innere Weg scheint für die DAISY zu riskant. Dafür müssen im Fedjefjord 15 Meilen gegenan gemeistert werden bis zum Abzweig in den Mangersfjord. In strömendem Regen wird die DAISY an der Hansebrygge eingeparkt: Vorn eineinhalb Meter und achtern ebensoviel. Mitten in der Nacht kommt Pia aus Berlin an Bord. Am Morgen sucht der Skipper den Ausrüster auf: Die Teile sind tatsächlich da. Nun kann es losgehen. Eigentlich sollte nach der Ankernacht im Huftafjord – Pia serviert Taschenkrabben und Salat – gleich die Reise nach Edinburgh starten. Aber die Gasflasche gibt unvorhergesehener Weise nichts mehr her. Der Skipper wollte eigentlich den Erwerb einer teuren norwegischen Flasche vermeiden. So wird Leirvik angesteuert. Ein sehr guter Hafen für die DAISY. Es ergibt sich wieder mal alles zum Besten: Die Gelegenheit, ein gerissenes Lazyjack zu reparieren, ein gutes Norwegen-Abschiedsdinner und eine deutsche Segelyacht, die die letzte leere deutsche Gasflasche mitnimmt. Am Montag, 20. August 2007, um 17:55 Uhr legt die DAISY ab. Mit Winden aus NE bis 5 Bft. segeln wir über eine kaum bewegte Nordsee. Die entstehende See läuft mit uns. Ein sehr komfortables und schnelles Segeln. Am 22.08.07 um 03:10 Uhr wird der 0-Meridian nach Westen übersegelt. Um 14 Uhr Landsicht, um 17 Uhr fest in der kleinen Marina von Peterhead. Gegen 19 Uhr passieren wir zu Fuß das Denkmal für den Fieldmarshall Kieth, born 1758, died 1796 in the battle of Hochkirch. Wilhelm I. von Preussen stiftete das Monument. Wir kehren beeindruckt in das schlichte Pub „Harbour Lights“ ein. Keine Erleuchtung. Der Naviabteilung der DAISY fehlen ein paar Seekarten von der englischen Ostküste. In Peterhead gibt es nichts Derartiges. Doch der sehr freundliche Immigration-Officer, der tags drauf die DAISY aufsucht – sie kommt ja von außerhalb der EU – weiß Rat: Thomas Gunn in Aberdeen hat alles.
Das stimmt fast. Eine Karte wird uns nachgeschickt nach Edinburgh bzw. Leith. Aber Aberdeen glänzt auch durch Hochbetrieb im Handelshafen und lebhafte Nächte. Die zum Geisterschloss-Pub umgebaute Kirche könnte Joanne Rowling inspiriert haben. Es gelingt uns, dem Großschiffsbetrieb unbeschädigt zu entkommen. Durch die Nacht gelangen wir nach Granton, dem Sportboothafen Edinburghs. Der Royal Forth Yachtclub nimmt uns gegen eine erträgliche Gebühr in seine Obhut. DAISY liegt erst an einer hohen, alten, verfallenden Beton-Holzbrücke in direkter Nachbarschaft zu zwei Lotsenbooten, die im Halbstundentakt losbrausen und wiederkommen. Sie setzen die Lotsen für den ebenfalls sehr betriebsamen Handelshafen Leiths über. Das Regattawochenende hat viele Gäste nach Granton gelockt. Am Montag kann DAISY dann an den einzigen Schwimmsteg verlegt werden. Bei Ebbe steckt sie ihren Kiel etwa einen Meter in den Modder des Hafenbeckens. Eine Woche darf sie dieses Spiel der Gezeiten mitmachen. Nora und Doug kommen an Bord und wir feiern bei einem kleinen Candle-Light-Dinner Wiedersehen. Der Skipper hat Zeit, gegen den Rost anzugehen. Ein erhebliches Stück der Steuerbordseite an Deck wird neu gemalt. Sieht gut aus. Dann trifft Cornelia ein. Am Samstagabend laden uns Nora und Doug zu einer supermodernen argentinischen Zirkusshow im Rahmen des Edinburgh-Festivals ein: Fuerzabanda. Eine beeindruckende Wasser-Akkustik-Körper-Artistik-Show. Ein Info-Aushang an der Reling der DAISY zeigt Wirkung: John fragt, ob er nach Ipswich mitsegeln darf. Er darf natürlich. Edith und Julian treffen ein. Nach dem Feuerwerk zum Ende des Festivals gelangen sie dank Doug an Bord.
7. Etappe: Edinburgh – Brest
Cornelia bleibt in Edinburgh, um montags wieder heimzufliegen. Eyemouth könnte besser Haimouth heißen mit seiner Einfahrt, gespickt mit Klippen wie Haifischzähnen. Wir kommen unbeschadet rein und am nächsten Morgen über eine beachtliche Brandungswelle wieder raus. Edith und Julian vertragen die alte Nordseedünung eher schlecht, eigentlich gar nicht. Nach zwei Tagen segeln John und der Skipper ab Blyth allein zu zweit weiter. Übrigens bei ruhiger See, schönstem Wetter und guten westlichen Winden. John besitzt selbst eine kleine Ketsch, hat aber den Firth of Forth noch nicht sehr ausgreifend verlassen. Er genießt das Segeln auf der DAISY, und der Skipper der DAISY lernt viel Seemannsenglisch dazu. Leider taucht wieder ein Problem mit dem Großsegel auf.Die Lattenschuhe. Die Verbindungsbolzen rutschen dauernd aus den Schuhen. Kein Wunder, sie werden nur einseitig von einem Metallbügel gehalten. Das Widerlager ist eine Kunststoffplatte unter dem Segeltuch. Der Skipper schnitzt Holzplättchen, um dem Übel beizukommen. Die gesamte Segelgarderobe, ausgenommen der Beilken-Spinnaker, stammen übrigens von HEINO HAASE in Travemünde.
Wir besuchen Hartlepool, doch das Marine-Museum hat bereits geschlossen. So verziehen wir uns wieder hinaus auf die See. In Ipswich finden wir zwei Tage später auf Anhieb einen Platz in der Neptuns Marina. Als die nette Dame an der Rezeption nach dem Liegeplatz fragt, sage ich wahrheitsgemäß: At the Hammerhead D. Fragt sie: In front or behind? Sage ich: Sorry, only at the Hammerhead. Sieht sie mich ungläubig lächelnd an: The full length? Ich muss es gestehen. Oh, your boat is a bigger one?
Tags drauf geht John von Bord, und Maximilian und Joe kommen an. Es bleibt bei der Bordsprache Englisch. Joe kommt aus Coloradosprings und spricht neben seiner Muttersprache nur Russisch. Gemächliche Flußfahrt nach Harwich. Dort legen wir an, nachdem der überaus freundliche Hafenmeister Platz an der Pier geschaffen hat für die DAISY, die er bereits kennt, s.o.. Der ehemalige Kümo-Kapitän Dieter aus Fehmarn begrüßt uns. Er erweist sich wahrer Engel, fährt uns zum Supermarkt und zurück. Wir verbringen einen lustigen Pub-Abend. Morgens legen wir ab, segeln an der Themsemündung vorbei. Im englischen Kanal null Wind ab Dover. In Dartmouth taucht ein Problem auf: Es stinkt furchtbar im Schiff. Wir bauen den Fäkalientank aus. Der Absaugstutzen ist total abgerostet. Der Tank wird geputzt und geschweißt und völlig neu verrohrt wieder eingebaut. Hat zwei Tage gedauert, aber nun ist das vordere Bad wieder total sauber und kein übler Geruch mehr festzustellen.
In Lezardrieux kommen wir mit dem Dinghi an Land: Frankreich. Der europäische Kontinent hat die DAISY wieder. Max und Joe segelten mit bis Brest.
Wir erreichen Lezardrieux in Frankreich nach einem Besuch in Guernsey. Wir bekommen dort einen Platz am Ponton und müssen hier wie dort das Schlauchboot klarmachen, um an Land zu kommen. Durch die Nacht segeln wir nach L’Aber Wrac’h und genießen französische Küche. Am Donnerstag, 20.September 2007, um 22 Uhr liegt DAISY in der Marina du Moulin Blanc in Brest. Harte Arbeit wartet auf den Skipper: Er reinigt die Toilettenableitungen. Und setzt die Pumpe im vorderen WC instand. Nun läuft alles wieder wie neu. Martin aus der Schweiz und Georg aus München treffen wie vereinbart ein. Kennenlernen bei einem französischen Dinner. PP
8. Etappe: Brest – La Coruna
In ca. 48 Stunden legt DAISY 364 sm zurück. Es weht aus Nordwest, und das muss genutzt werden. Nach einer stürmischen Nacht im Hafen und umfangreicheren Einkäufen im fernen Einkaufszentrum legen wir um 16 Uhr ab. Den Motor schicken wir erst nach Verlassen der Bucht schlafen. Hinauskreuzen gegen den Wind bei dem Verkehr und angesichts eines auslaufenden Flugzeugträgers samt Begleitung scheint doch recht aufwendig. Aber dann geht’s los. Mit bis über zehn Knoten SOG rauschen wir nach Süden. Es wird auch wirklich Zeit, endlich in die Wärme zu kommen.
Erst mal vorbei an einigen Felszacken und denen des Cap du Raz. Dann abfallen auf Kurs Süd. Die Seen gehen hoch. Sie haben die ganze Biscaya zur Verfügung, um sich aufzubauen. Martin, Schorsch und der Skipper lösen sich nachts ab. Der Autopilot hält das Schiff unermüdlich auf Kurs. Um nicht vor den Wind zu geraten, müssen wir Südkurs halten. Erst am zweiten Tag dreht der Wind zu unseren Gunsten. Wir halsen genau zweimal und erreichen San Sebastian am späten Nachmittag des 26. September 2007. Der beabsichtigte Liegeplatz im kleinen engen Hafen ist besetzt. Wir sehen es bei einem ersten Anlauf auf die Einfahrt. Also abdrehen und erst mal in der weiten Bucht ankern.
Aber der Seegang lässt die dort an Bojen liegenden Yachten lebhaft schaukeln. Auch als der Anker der Daisy im Grund festsitzt, wiegen wir heftig in der See, wenn auch viel weniger als draußen. Endlich erreicht der Skipper seine Tochter Julia per Telefon. Sie lebt in San Sebastian. Julia veranlasst, dass der Liegeplatz im Hafen frei gemacht wird. Nach einem erneuten Funkanruf Kanal 09 beim Yachtclub gibt es grünes Licht für die Einfahrt. Man kommt der DAISY sogar mit einem Motorboot entgegen, um sie in das Becken zu geleiten. Julia, Mikel und Aingeru erwarten die DAISY auf der Hafenmauer. Inzwischen ist die Tide fortgeschritten. Das Anlegemanöver scheint reibungslos zu klappen, aber den letzten Meter zum Steg schafft die DAISY nicht mehr. Sie steht auf dem Sandgrund des Hafens. Das Wasser fällt weiter und DAISY neigt sich vor Donostia. Ca. 10 Grad legt sie sich zur Seite, um nach einer Dreiviertelstunde wieder aufzuschwimmen. Wir verlegen sie um eine Schiffslänge nach Süden, wo der Hafengrund tiefer liegt. Am Morgen lesen wir in der Zeitung, dass am folgenden Tag ein historischer Tiefstpunkt der Ebbe erreicht wird.
Das kann die Crew nicht aufhalten, die Schönheit und Lebendigkeit dieser Stadt zu erleben. Hier gibt es alles, auch einen sehr feinen Yachtclub, nur keinen Ausrüster für Sportboote. So bleibt der Wunsch nach einer lokalen Küstenkarte unerfüllt. Der englische Almanach Reeds begleitet uns also weiter an der Küste entlang.
Die jüngste Steuerfrau von Donostia: Aingeru findet die DAISY so toll wie ihr Abuelo. Mutti Julia wacht. Im Hintergrund die königliche Stadt und der Hafen bei Niedrigwasser.
Es sind zehn Menschen an Bord, als die DAISY am Samstag, 29. September 2007, wieder ablegt. Johannes Bauer mit Freundin aus Indien, spanische Freunde von Julia und Mikel, Aingeru, Cornelia und die Crew. Bilbao ist das Ziel. Der Hafen Getxo, eine riesige Marina, wird um 20 Uhr nach schönen Segelstunden und rund einer Motorstunde erreicht. In Bilbao fliegt die internationale Gesellschaft wieder auseinander. Selbst in der großen Hafenstadt Bilbao gibt es nur sehr dürftiges Kartenmaterial. Aber mit dem Reeds ist DAISY ausreichend gerüstet, um Castro Urdiales zu erreichen. Eine uralte Stadt mit imposanter Kirche auf dem Felsvorsprung und mächtigem Kastell. Auch Santander. Ein freundlicher Wind lässt DAISYs Segelqualitäten zur Geltung kommen. Wir ankern vor der mondänen Hafenpromenade. Nur riesige Fähren, Kreuzfahrer und Handelsschiffe oder Yachten bis 10 m finden hier Anlegemöglichkeiten. Wir setzen das Beiboot ein und bleiben in nobler Distanz zum Getriebe der Stadt.
Castro Urdiales bietet guten Schutz und manche Perspektiven, als sei die Zeit stehen geblieben.
Die Klippen von Santander waren kurz vorher noch in dicken Nebel gehüllt, der Hafen geschlossen.
Ribadesella wird als wenig empfehlenswert beschrieben, also peilen wir gleich Gijon an. Der Westsüdwest zwingt uns zum Kreuzen, aber DAISY schafft mit knapp weniger als 50° am Wind die Distanz durch die Nacht. Mit dem Radar schauen wir durch den herbstlichen Nebel. Die Nacht dauert nun ungewohnt lang. Erst gegen acht Uhr dämmert der Tag herauf. Gegen neun liegt DAISY wohl vertäut im Hafen einer schönen spanischen Handelsstadt. Uns wird eine Box zugewiesen, so liegt DAISY wie selten eingeparkt in einer großen Flotte von Sportbooten. Die Gedanken des Skippers fliegen schon nach Lissabon und Sines, von wo aus die DAISY mit vielen leeren Kojen nach Las Palmas segeln wird. Wer kommt mit?
Der Sprung nach La Coruna bekommt nur eine einzige Zwischenstation. Am Mittwoch, 10. Oktober 2007, fällt um 18:20 der Anker im Vorhafen von Cedeira. 129 Seemeilen, davon rund 30 durch pottendichten Nebel. Martin, Schorsch und der Skipper wechselten sich in den Wachen ab. In Cedeira gibt es noch keine Marina, aber am Fischereihafen, auf dem Weg zur Stadt, verkündet eine riesige Tafel hochfliegende Pläne: Ein wohlgeschützter Sportboothafen soll hier entstehen. Zum Dinner findet sich die Crew in dem kleinen Restaurant Bisra ein. Es gibt Lammkoteletts und frischen Fisch, dazu hervorragenden Wein. Kein Wunder, dass tags drauf die Maschine erst um 12 Uhr gestartet wird zum Anker auf gehen. Es sind ja nur noch 36 Meilen bis La Coruna.
Der frische Nordwest bringt die DAISY gut in Fahrt. Mit dem ersten Reff im Groß und der Genua rauscht sie um die Westecke Europas. Herrliches Segeln! Um 18:15 Uhr liegt sie in der Marina A Coruna fest vertäut am Hammerkopf eines Schwimmsteges, direkt hinter der gewaltigen Molenmauer. Doch der Schwell des Hafenverkehrs bricht sich heftig am Yachtheck. 757,7 sm haben wir zu dritt bewältigt. In die schönen Erinnerungen mischt sich ein kleiner Schatten, ein technisches Problem: Die Hauptmaschine produziert heftigen weißen Qualm, Wasserdampf. Dabei verbraucht der Sechszylinder kein Öl und kein Kühlwasser aus dem inneren Kreislauf. Der Impeller der Seewasserpumpe arbeitet einwandfrei. Der Seewasserfilter ist sauber wie neu. Martin, der Maschinenbauingenieur aus der Schweiz und Spezialist für Schwingungen riesiger Schiffsdiesel, kommt der Ursache auf die Spur. Aber es wird Ralph vorbehalten sein, sie zu beseitigen. Martin reist früh morgens ab nach Hause und Schorsch folgt ihm am Mittag.
Mit Gabi aus Stuttgart kommt eine DAISY-Kennerin an Bord. Der Skipper findet Zeit, den neuen Heizstab in den Wasserboiler einzubauen. Eigentlich eine einfache Angelegenheit, wenn der alte nicht so verquollen und verbogen gewesen wäre.
9. Etappe La Coruna –Las Palmas
Ralph kommt am Samstag, 13. Oktober, in La Coruna an und findet sich nach kurzer Irrfahrt von Marina zu Marina – die Taxifahrer scheinen nicht ganz auf dem neuesten Stand zu sein, was die Hafenanlagen der Stadt betrifft – an Bord ein. Er betritt zum ersten Mal in seinem nunmehr über 65 Jahre währenden Leben eine seegehende Segelyacht. Am 14.10.2007 gegen 13 Uhr legen wir ab zu einem Probeschlag auf die Bucht von La Coruna. Frischer Wind und Sonne satt begleiten die DAISY. Um 19.30 Uhr liegt sie wieder fest in der Nauta Coruna Marina. Ralph findet eine klare Diagnose für den weißen Qualm, den die Hauptmaschine produziert. Aber die Zeit reicht nicht, um die Ursache zu beseitigen. Am Montag, 15. Oktober, wird Proviant eingekauft und Wasser gebunkert. Der Skipper gibt den Kerosinofen weg, der nur Platz wegnimmt in der Achterlast und dank einer funktionierenden neuen Webasto-Schiffsheizung nicht mehr gebraucht wird. Jose freut sich königlich und wird die DAISY kaum je vergessen. Abends trifft Gerlinde ein, und die Crew für die Reise nach Lissabon ist komplett. Am Dienstag, 16. Oktober um 09:00 Uhr ist es leicht bewölkt. Unmittelbar nach dem Ablegen um 09:10 werden die Segel gesetzt. Groß, Genua und Besan setzen den NE mit seinen 3 Bft in gute Fahrt um.
Nach 63 nm fällt um 22:00 Uhr der Anker in Laxe bei 43°13.280 N 009°00.082 W. Es gibt Steaks mit Nudeln und Salat an Bord und zum Dessert ein Eis. Am 17. Oktober um 09:50 Uhr hängt der Himmel voller Wolken. Um 11:00 läuft DAISY unter Maschine aus, da kein Wind die See kräuselt. Per SMS bestellt der Skipper ein Rückschlagventil für die vordere Toilette, das Rüdiger aus Hamburg mitbringen möge. Um 20:15 Uhr erfordert der NE mit seinen 4-5 Bft eine Halse. Um 21:00 Uhr gibt es Dinner mit Lammkoteletts mit Kartoffeln und Gurkensalat. DAISY läuft mit 7 kn SOG (Speed over Ground) nach 160°. Am 18.10.07 gegen 09:00 Uhr segelt sie vor Groß und Besan nach 180° klar vor dem Wind. Um 10:00 Uhr ist der Wind ganz weg und der Diesel kommt zum Einsatz. Erst um 20:00 Uhr kann die Maschine wieder ruhen. Ein Nordwind mit 4 Bft schiebt kräftig an. Am Freitag, 19.10.07, gegen 07:00 Uhr hilft wieder nur der Sechszylinder beim Vorankommen. Um 22:00 Uhr liegt DAISY in der Marina Cascais, in der Mündung des Tejo. Gabi möchte sofort von Bord, um sich in einem Hotel von den Strapazen der Nachtfahrt zu erholen, bevor sie tags drauf nach Hause fliegt.
Die riesige Autobrücke über den Teijo in Lissabon. Ralph genießt schon das Bordleben. Von hier an segelt er allein mit dem Skipper.
Dann befindet sich DAISY bereits in Alcantara, einer Marina vor dem Stadtzentrum Lissabons schräg unterhalb der Tejobrücke. Sie gelangt unter Segeln dorthin und beweist dabei in einer kleinen Feierabendwettfahrt ihre Speedqualitäten. Als besonders schön erweist sich diese Marina nicht, aber als recht teuer. DAISY liegt vor Muring und Heckleinen hübsch eingeparkt. Auch Gerlinde findet ein Hotelzimmer, und so können Ralph und der Skipper in Ruhe die Ersatzteile besorgen, um dem Diesel das Qualmen abzugewöhnen. Zur Feier dieses Triumphes geht die Crew in Cascais bei B&B zum Dinner: Rindersteak. Das Lokal versprach mehr. Am Dienstag, 23.10.07, immerhin 31. Geburtstag von Maximilian Engl, werden die Teile eingebaut. Ein Gummiknie in der Seewasserzuleitung muss durch ein starres Eisenknie ersetzt werden. Im Schiffsbestand finden sich entsprechende Schlauchleitungen und in kürzester Zeit hat Ralph das Problem beseitigt. Seitdem die Maschine ungehindert Seewasser ansaugen kann, läuft sie praktisch qualmfrei. Zur Belohnung gibt es Lachssteak mit Kartoffelpüree an Bord, dazu ein feines Gläschen Weißwein. Am 24.10.07 wird noch einiges eingekauft. Aber der Versuch, eine neue Gasflasche zu bekommen, scheitert. Um 14:20 wird die Maschine gestartet zum Ablegen aus der Box A1. DAISY liegt mit dem Bug voran in der Box, an ihrer Backbordseite befindet sich eine neue hohe Hafenmauer aus Beton. Die ganze Marina scheint funkelnagelneu zu sein. Der Wind weht, völlig ungewöhnlich, wie wenig später einer der hilfreichen Marineros sagen wird, gegen die Hafenmauer. Es gelingt nicht, DAISY gegen den Wind zu drehen, ohne mit dem Heck die Hafenmauer zu touchieren. Als ein Marinero mit einem Schlauchboot den Bug gegen den Wind drückt, passiert es: Das Schiff dreht sich um den Kiel, die stählerne Ecke der Heckplattform der DAISY berührt ganz sachte die Hafenmauer aber es reicht, um ein Stück aus der neuen Betonwand zu hauen. Aber DAISY kommt frei und Ralph drückt lange auf den Knopf, der das Horn der DAISY ertönen lässt, als sie die Rezeption der Marina Cascais passiert. Ihr Bug richtet sich auf die Kanarischen Inseln.
Es wird Nacht auf dem Atlantik. Die DAISY ist unterwegs zu den Kanarischen Inseln. Bald wird das Dinner serviert.
Der Start in die erste Nacht hinaus auf den Atlantik gelingt besonders gut. Bei kräftiger Backstagsbrise läuft die DAISY den heranrollenden Seen fast davon. Nur fast natürlich. Ralph und der Skipper können im Mittelcockpit in aller Ruhe dinnieren. Der zunehmende Mond spendet Silberglanz und macht die Fahrt zu einem erhebenden Erlebnis. Vier Nächte und fünf Tage rauscht das Schiff elegant durch die drei bis vier Meter hohen und sehr weiten Wellen. Ein paar Frachter kommen in Sicht, bleiben aber fern bis auf die „Wallenius“ aus Wilhelmshaven. Sie ändert tatsächlich ihren Kurs zum Ausweichen.
Endlich taucht Lanzarote am Horizont auf. Ralph wundert sich, dass ihm die sanfte Schaukelei auf der DAISY überhaupt nichts anhaben kann. Bei bester Laune wird der Anker vor Playa Blanca an der Nordwestküste abgefiert und nach einem Gläschen voller Nachdenken über die glückliche Reise das Dinghi aufgebaut. Die Wüsteninsel beeindruckt durch unglaublichen Touristentrubel. Überrascht schlendert die Crew durch eine funkelnagelneue Marina. Tags drauf geht es weiter nach Fuerteventura, wo der Anker vor Morro Jable fällt. Dann sind es nur noch 59 sm bis Las Palmas, der Hauptstadt von Gran Canaria.
Erinnert eher an eine afrikanische Wüste: Lanzarotes Ostküste. Fallwinde treiben die DAISY ordentlich an.
Die Suche nach einem Liegeplatz im Hafen der Hauptstadt Gran Canarias scheitert an der ARC 2007. Die Organisatoren des Atlantic Race of Cruisers haben schon mehr als zwei Wochen vor dem Start den gesamten Hafen reserviert. So steht die Crew vor leeren Liegeplätzen und muss doch draußen im Vorhafen ankern. Immerhin müssen Wasser gebunkert und eine Menge Proviant gestaut werden. Da wäre ein Stegliegeplatz hilfreich. So kommt Ralph per Dinghi an Land und Walter, Hans und Rüdiger auf dem gleichen Weg an Bord.
10. Etappe – Las Palmas – Trinidad
Es bietet sich an, den Hafen tags drauf zu verlassen und Santa Cruz auf Teneriffa anzulaufen, um alles Erforderliche zu erledigen. Dort findet sich problemlos ein passender Liegeplatz in der Marina Atlantico. 21 Kisten liefert der Service von Corteingles an. Die Tanks sind randvoll, dazu noch fünf 5-l-Flaschen Frischwasser und 60 1,5-l-Flaschen Mineralwasser. Leider fällt die Kühltruhe aus: Der Wärmetauscher erweist sich als völlig versalzen und dicht. Das Ersatzaggregat, das der gut sortierte Chandler Blanco Mar in der Calle Santiago liefern will, soll am 8. November aus Barcelona angeliefert werden. Kostenpunkt: rund 500 Euro. Tatsächlich klingelt um 13 Uhr das Telefon. Das Gerät ist da. Der Skipper holt es selbst ab. Raul, der Marina-Mechanikus, schließt bei Einbruch der Dunkelheit die Kühlmittelleitungen an. Perfekte Arbeit. Am 9. November um 08:30 legt DAISY ab. 144 Eier sind an Bord, 60 eingefrorene Semmeln, dazu rund 40 Joghurt-Brötchen, Obst, Salat, tief gefrorenes Fleisch, Konserven etc. Der Skipper rechnet mit 17 Tagen bis Trinidad. Die ersten Tage lassen sich mäßig an.
Der Spi steht. Unter Besan, Groß und Spinnaker läuft Daisy guten Speed über den Atlantik. Rüdiger und der Skipper begutachten die Segel. Das Groß macht wieder Probleme. Die Lattenschuhe weisen einen Konstruktionsfehler auf.
Dann kann der Spi vier Tage am Stück eingesetzt werden. Der 60-Fuß-Racer AKENA aus Frankreich zieht vorüber, der erste von zwei Funkkontakten der gesamten Reise. Die beiden Segler an Bord nehmen in einem Feld von 14 Booten an einem Race nach Salvador Bahia teil und suchen ebenfalls mehr Wind. Nach längerer Pause kommt der Wind zurück und der Spi geht wieder rauf. Doch in der zweiten Nacht geht eine Quernaht auf, genau zum Wachwechsel um Mitternacht. Walter macht fast täglich Messungen mit seinem Sextanten. Als früherer U-Boot-Navigator kann er es nicht lassen. Hans, der Autohändler in Ruhe, genießt die Reise, die er sich zum 60. geschenkt hat. Und Rüdiger, Seemann und langjähriger Mitarbeiter des BSH, freut sich am Bordleben und an den Segelqualitäten der DAISY. Der Impeller des Generators muss gewechselt werden, die Verklickerbeleuchtung am Besanmast wird erneuert und ein Scheinwerfer am Großmast ausgebaut. Langweilig wird es dem Skipper und seiner Crew nicht. Als der Wind länger als erwartet ausbleibt, und zwar bereits südlich des 20. Breitengrades, muss der Diesel helfen. 300 sm nach Südwesten schiebt er DAISY nun doch noch in die Passatzone hinein. Aber wertvolle Zeit ist verstrichen. Aus 17 werden 21 Tage. Ach ja, der zweite Funkkontakt: Zwei Tage vor Tobago läuft ein Fischkutter entgegen, Abstand 3 Meilen.“Hello, hello!“, ruft es aus dem Funkgerät. „Are you okay?“ Der DAISY-Skipper meldet sich und erklärt sich. Mit einem munteren: “Have a nice trip”, verschwindet der Kutter am Horizont.
Die Einsteuerung nach Chagaramas, dem Sportbootzentrum Trinidads und Einklarierungshafen, bringt spannende Stunden: Bei Dunkelheit zwischen zwei engstehenden Bergen hindurch gegen kräftigen Strom und in einen dicht besetzten Hafen. Doch DAISY kann gleich am Customs-Dock festgemacht werden. Es gab Telefonkontakt mit Hannes und Uschi, die bereits einen Tag auf Trinidad verbracht haben, als DAISY mit einem Tag Verspätung einläuft. Rüdiger bekommt seinen Flug trotz rechtzeitiger Ankunft und allen Bemühungen leider nicht mehr. Die Einklarierungsformalitäten nehmen doch mehr Zeit in Anspruch. Rüdiger will nach USA weiterreisen und muss einen späteren Flug nehmen. Walter bleibt noch auf Trinidad und Hans fliegt einen Tag später nach Hause.
11. Etappe Trinidad – Antigua
Die dramatischste Etappe bisher! DAISY bekommt eine Box in der Crews-Inn-Marina. Uschi, Pia, Albrecht und Hannes quartieren sich auf dem Schiff ein. Leider sorgt Pia für einen unschönen Eklat. Der Skipper muß entscheiden, sie nicht auf die Reise mitzunehmen. Die Crew zeigt sich erleichtert. Bei Budget-Marina gibt es ein paar nötige Ersatzteile, zum Beispiel neue Strahler für die Deckscheinwerfer. Für 160 US-Dollar laufen 750 l Diesel in den Tank. DAISY ist gerüstet für die Reise nach Norden. Der erste Schlag führt gleich durch die Nacht nach Grenada. Karibisches Flair umfängt die Crew. Die Hitze setzt ihr allerdings auch zu. Das Meer ist so warm, dass es kaum noch erfrischt. Die Inselwelt der Tobago Cays, das herrliche Wasser dort, der Zauber von Bequia, wo DAISY in Port Elizabeth an die Boje geht, bilden die nächsten Stationen.
Vor Bequia auf dem Weg nach Port Elizabeth entsteht dieses Bild. Schnell, aber gerefft zieht DAISY ihre Bahn.
Doch dann wird’s kriminell: Weiter nach St.Vincent. Den kleinen Ort Chateaubelair wird die Crew nie mehr vergessen. Schrille Hilfeschreie wecken den Skipper. Er springt aus der Koje und sieht Lichtschein im Salon und Geschrei und Gebrüll. Albrecht ringt mit einem Schwarzen. Der Skipper kommt nicht weit. Ein anderer Eindringling hält ihm eine Machete an den Hals und schreit: "I will kill you, give me your money, money, I will kill you!" Der schwarze Mann drängt den Skipper in die Tür zu seiner Kabine zurück. "Wait, wait man!" schreit der Skipper zurück. Er will Zeit gewinnen, schubst den Schwarzen von sich. Der haut ihm die Machete quer über die Brust in den rechten Unterarm. Dem Skipper gelingt es, die Türklinke zu erreichen, er schlägt die Tür zu. Aber es plätschert zu seinen Füßen. Über seiner Luke sieht er die Täter nach achtern fliehen. Erst jetzt entdeckt der Skipper das Loch in seinem Arm, aus dem das Blut strömt. Er rennt in den Salon, ruft die Namen seiner Crew, sieht sie alle im Salon, Albrecht mit einem Betttuch um den rechten Oberarm gewickelt.
Jetzt erfährt der Skipper den Hergang der letzten Sekunden: Albrecht hatte sich mit bloßen Händen auf einen der Täter gestürzt, der ihm dabei in den Oberarm hieb: eine sehr tiefe Fleischwunde. Hannes hat die Situation entschärft, indem er dem Täter seinen Geldbeutel hinhielt. Der nahm sämtliches Geld heraus, rund 700 Euro, und rannte zum Niedergang. Da das Schiebeluk versperrt war, musste er tief geduckt durch den Niedergang und rannte mit Wucht gegen den Cockpittisch, was ihm eine mächtige Platzwunde am Hirn zufügte - und ihn ziemlich eindeutig kennzeichnete.
Per Funk, Telephon und Notraketen wird Hilfe erbeten. Doch die Polizei stellt nur einen blinkenden Streifenwagen an die Pier. Schließlich fahren der Skipper und Albrecht im strömenden Regen mit dem Dinghi an Land. Sie werden von den Beamten in Empfang genommen und zur Medizinstation gebracht. Da kein Arzt vorhanden ist, fährt ein Ambulanzwagen die beiden nach erster Wundversorgung in die Hauptstadt Kingstown zum einzigen Krankenhaus des Landes. Eine einstündige Berg- und Talfahrt durch den Urwald der Karibikinsel. Die diensthabende Ärztin näht die Verletzungen recht perfekt. Am Morgen gegen neun lässt der Verwaltungschef des Krankenhauses die beiden von seinem Fahrer wieder mit einem Ambulanzwagen nach Chateaubelair zurückfahren.
Der Chauffeur gibt sich alle Mühe, seinen Kollegen von der Nachtschicht noch zu toppen, was die Fahrzeit betrifft. Rallyetempo auf engsten Bergstraßen! In Chateaubelair ist inzwischen eine Sonderkommission der Kriminalpolizei am Werk. Die Direktorin des Tourismusdepartments ruft an und entschuldigt sich beim Skipper. Der Minister für Tourismus trifft mittags persönlich ein und tut desgleichen. Ein Abgeordneter nimmt den Vorfall haarklein auf und empört sich über die Untätigkeit von Polizei und Küstenwache. Die Gemeinde ist aufgebracht über den Vorfall. Gegen Mittag werden drei Tatverdächtige der Crew vorgeführt. An ihren Stimmen werden die Täter eindeutig erkannt. Der größte von ihnen trägt ein großes Pflaster auf der Stirn. Ein Gruppe von sechs Kriminalbeamten fährt zur DAISY hinaus und sammelt Fingerabdrücke und Blutspuren ein. Die Beamten kämpfen sichtlich mit den Schiffsbewegungen in der Dünung, die jetzt mäßig in die Bucht steht.
Da eine Abreise am gleichen Tag unmöglich geworden ist – der Skipper möchte nicht nachts in diesen Gewässern unterwegs sein –, schickt die Regierung ein Küstenwachboot vorbei. Es wird höchste Sicherheit zugesagt. Am Morgen kommt eine Polizeistreife an Bord und überbringt 100 Euro, 100 US-Dollar und 100 EC-Dollar als Spende der Gemeinde. Kriminalität gibt es überall auf der Welt. aber wo entschuldigt sich die Regierung persönlich dafür bei den Opfern? Hier ist es geschehen. Eine Segeltour in die Karibik hat freilich wenig gemein mit einem Törn in der Adria oder auf dem Starnberger See. Man muss wissen, dass es sich um eine Reise in die Dritte Welt handelt. Und wer auf Abenteuerfahrt geht, sollte sich nicht wundern, wenn er welche erlebt. Er darf sich glücklich schätzen, wenn er sie überlebt. Aber wir lernen daraus. Hier gibt es nicht den doppelten Boden staatlich garantierter Sicherheit. Hier muss man auf sich selbst aufpassen, meint der Skipper dazu und wird das Schiff nachts künftig immer komplett dicht versperren.
Chateaubelair, St. Vincent, malerisch, aber nicht gerade reich. Die Polizeistation, die Krankenstation und die Bergstraße in die Hauptstadt lernt die Crew besonders gut kennen.
Albrecht entscheidet, möglichst bald heim zu fliegen. Er kann den rechten Arm nicht gebrauchen. In Soufriere, St. Lucia, geht er von Bord. Dafür kommt Matthias, Uschis Freund, auf die DAISY. Das Dinner im Hotelresort in Soufriere, wo Matthias Station gemacht hatte, wird so zur Zäsur dieser Reise, außerdem geht dort der Ankerstick über Bord und taucht auf 20 m ab. Die resolute Hotel-Inhaberin spricht ebenfalls ihr Bedauern über den Vorfall aus. Viele Menschen bis hinauf nach Antigua werden das noch tun, denn die Naht am rechten Handgelenk des Skippers ist kaum zu übersehen. Von nun an versichern alle, dass so etwas in ihrer Gegend nicht geschehen würde. Dennoch achtet der Skipper peinlich darauf, dass das Schiff nachts richtig verrammelt ist. Darunter leidet die Lüftung des Bootes, und der Vorsatz weicht auf. Aber mit Erreichen der internationalen Yachtszene in Martinique und Antigua wächst auch das Sicherheitsgefühl wieder. Hier sind Vorkommnisse wie das Erlebte in der Tat kaum denkbar.
Hannes, schon zum dritten Mal dabei, in seinem Element. Antigua ist das Ziel.
Die DAISY läuft bei herrlichem Wetter English Harbour an der Südküste Antiguas an. In Nelsons Dockyard findet sich ein Plätzchen zum Anlegen mit Landkontakt. Der Buganker fällt, und die Daisy geht nach schöner Mittelmeermanier rückwärts in die Lücke. Der Holländer nebenan äußert sich später anerkennend über das gelungene Manöver. Vor den Ruinen und Bauten des alten englischen Stützpunktes packt die Crew ihre Sachen. Am Abend stehen Thomas und Marie vor dem Heck der DAISY, und wenig später trifft Gerlinde wieder mal ein. Der Wunsch, Weihnachten und Silvester auf dem Schiff zu verbringen, verbindet sie.
12. Etappe: Antigua – Santo Domingo, Dominikanische Republik
Am Montag, 24. Dezember 2007, um 15 Uhr verlässt DAISY Nelsons Dockyard. Eine Stunde später fällt der Anker in der Morrisbay kurz um die Ecke, westlich von Port Elizabeth. Raus aus dem Trubel des quirligen Yachtzentrums. Es gibt Fischfilet mit Kapernsauce, Reis und Salat. Am 1. Weihnachtstag zieht allein die Genua die DAISY bei herrlicher Sonne und kräftigem Passat nach Bath auf der Insel Nevis. 50 sm in neun Stunden. Die ganze Perlenkette der Antillen wird abgeklappert: St. Kitts, Statia, St. Maarten. Lästig und teuer: das Ein- und Ausklarieren. Fast jede Insel ein eigenes Staatswesen. Auf den Spuren der historischen Räubereien der europäischen Nationen: Mächtige Forts an jeder Ecke, mal verfallen, mal wieder in Schuss gebracht und als Sehenswürdigkeit dargestellt. Doch wie viel Sklavenblut wurde dort vergossen! Die exotische Natur lässt es einen bald wieder vergessen. Als Höhepunkt betrachtet die Crew die Ankerstunden vor Dog Island im Inselstaat Anguilla. Eine Traumbucht, die allerdings nur tagsüber genutzt werden kann. Dann geht es nachts über die Sombrero-Passage in den Gorda Sound. DAISY kreuzt in die Britisch Virgin Islands. Zurück in der Zivilisation: das schönste Segelgebiet der Welt. Grüne Inseln rundumher, kräftiger Passat aus Ost, unglaublich blaues Meer und keine Welle. Ein Stelldichein der größten und teuersten Yachten der Welt. Und DAISY mitten drin. Sie bekommt einen Liegeplatz in Tortola in der Village Cay Marina. Aber dem Skipper wird nahegelegt, diesen Umstand beim Einklarieren nicht zu erwähnen. Dies habe hier streng nur am Anker liegend zu erfolgen. Es geht gut. Danach findet der Skipper Gelegenheit, in einem Restaurant die Homepage zu erneuern. Ein Abend und ein Vormittag ohne Skipper für die Crew. Dann geht es weiter. Schliesslich heisst das Törnziel Santo Domingo in der Dominikanischen Republik.
Einklariert und ausgeraubt
Zwischenstation in St. Thomas. US-amerikanisches Gebiet wie Puerto Rico. Friedlich liegt die DAISY an einer der Bojen des Yachtclubs vor Charlotte-Amalie. Rob, ein gemütlicher Grauschopf, der auf dem benachbarten Taiwanklipper lebt, kassiert in der Abendstunde 30 USD und gibt eine Menge Tipps, wie man den Abend an Land verbringen könnte. Aber ohne Einklarierung? I never saw you. Am nächsten Morgen landen und starten Wasserflugzeuge in dichter Folge direkt neben der DAISY. Ein Linienverkehr offenbar. Der Beamte von der Immigration hat dann auch einen Vorschlag. "Take the ferry to BVI, come back with the next ferry and a visum. I have never seen you and your yacht." Kostenpunkt 50 USD pro Person plus ein verlorener Tag. Die Entscheidung fällt leicht: Dann machen wir eben einen Bogen um die US-Virgin-Islands.
Es gelingt noch ein Einkaufsstreifzug, und die DAISY wirft die Leine zur Boje los. Nach 296 nm und durchsegelter Mona-Passage mit viel See und wenig Wind stellt sich die Frage wieder: Wo einklarieren, diesmal in der Dominikanischen Republik? Das Handbuch bietet den Hafen La Romana an. Aber dort findet sich nicht einmal ein Liegeplatz, auch keine Ankermöglichkeit. Aber die Boca Chavon öffnet weit ihre Arme und gewährt DAISY und einer englischen Motoryacht einen sicheren Platz zum Übernachten. Der Anker sitzt wieder auf Anhieb bei kompletter Kette und auf 5 m Wasser. Dann wird es wieder ernst. Der nächste Zollhafen heißt San Pedro de Macoris. Später wird uns Palermo bestätigen, dass er besser Porto de Ladrones heißen sollte, Hafen der Diebe. Er bietet zunächst eine komfortable Ankermöglichkeit im Hafenbecken hinter einem schwimmenden Kraftwerk. Aber sobald das Schiff still liegt, kommt die Behörde längsseits. Und zwar mit Hilfe eines herbeizitierten Fischers. Der Skipper möge bitte an Land kommen zum Einklarieren. Der sehr korrekt gekleidete Beamte im Büro kassiert 93 USD und schreibt für jeden eine Einreisebescheinigung aus. Kaum hat der Skipper das Büro verlassen, tönt die Stimme des Vize: Hermann, wir haben die Behörde an Bord. Sechs Mann überprüfen alles. Komm schnell. Der Skipper eilt, was das Dinghi hergibt. Sechs Männer, teils in Uniform und bewaffnet, teils in Freizeitzivil, lungern auf dem hell erleuchteten Schiff herum, sitzen im Salon am Tisch. Im Handbuch steht, dass die Beamten gern ein Geschenk hätten. Was haben wir zu verschenken? Also bedenkt der Skipper die möglicherweise Wichtigeren mit je einer Flasche Wein und die übrigen mit Bier. Fröhlich verlassen sie die DAISY. Einklariert und ausgeraubt, konstatiert Thomas trocken.
Anschließend kommt das Dinghi samt Motor und Tank per Kutterstag auf das Vorschiff. Die Lage scheint nicht ganz geheuer, obgleich das Schiff von Land her von starken Scheinwerfern beleuchtet wird. Man hätte ... Gegen 03:45 Uhr hört Thomas Geräusche auf dem Vorschiff, und sein Schrei jagt drei schwarze Burschen über die Reling ins Wasser, während der Skipper die Deckscheinwerfer anknipst. Verdammt, der Außenborder. Nein, er ist noch an Deck, liegt allerdings mit geknacktem Schloss neben dem Schlauchboot an einen Plastikkanister geknotet, klar zum Abtransport. Nochmal Schwein gehabt. Doch Tank und Schlauch sind weg.
Der Skipper hält nun selbst Wache. Seine Versuche, über Funk und Telefon Polizei oder Küstenwache zu alarmieren, bleiben vergeblich. Auch die EXPLORER OF THE SEA ruft in dieser Nacht, offenbar in ähnlicher Lage, ungehört um Hilfe. Am hellen Tag geht die DAISY längsseits an die Pier. Polizisten und Hafenbeamte hören sich die Geschichte interessiert an. Aber niemand gedenkt eine Anzeige aufzunehmen. Wie gesagt: Es gibt eben Regionen in dieser Welt, in denen kein doppelter Boden behördlicher Sicherheit verfügbar ist. Hier muss jeder selbst sein Schicksal in die Hand nehmen und selbst aufpassen. Als der Liegeplatz auch noch von einem riesigen Frachter beansprucht wird, legt der Skipper entnervt ab.
"Lasst uns nach Santo Domingo segeln". Nein, das Handbuch nennt noch Andres, sagt Gerlinde. Und die Kursänderung lohnt sich. Eine neue, perfekte Marina. Die Einfahrt etwas trickreich und seicht, aber mit Hilfe der sehr freundlichen Marineros auch für DAISY gut zu meistern. Hier gibt es alles: Sicherheitsdienst, Waschräume, Restaurant, sogar ein Einklarierungsbüro. Die Beamten wundern sich über die Kollegen aus San Pedro, die nicht einmal die Pässe stempelten.
Raul ist der Mann für alles in der Marina Boca Chica. Freundlich, hilfsbereit und immer da.
Wie in einer anderen Welt: Das Büro des privaten Yachthafens Boca Chica bei Andrés an der Südküste der Dominikani- schen Republik. Der Tisch in der Ecke soll mit dem Flaggschiff des Christopher Columbus hierher gekommen sein.
Die DAISY bekommt einen Längsseitsplatz, und der Gedanke liegt nahe, hier noch eine weitere Nacht zu verbringen. Die Privatmarina gleicht einem Ghetto. Alles piekfein in wilder Umgebung. Wer nicht zu Fuß in den nahen Ort will, schwingt sich jenseits des Schlagbaumes auf den Sozius eines Motorradtaxis und lässt sich für ein bis fünf USD fahren. So kommt der Skipper tags drauf auch zu seiner Auslaufgenehmigung der Kriegsmarine. Im Ort gibt es einfache Geschäfte für alles, sogar Nagelstudios und Friseure.
Am Abend läuft bei anbrechender Dämmerung ein Kat in den Hafen. Gegen ablandigen Wind versucht Silvio anzulegen, fängt sich eine Bojentrosse in eine der Schrauben ein, befreit sie wieder und gelangt endlich doch an den Steg. Der Schweizer ist von Curacao allein herüber gesegelt. Auch er will nach Jamaika, aber erst gegen Ende des Monats. DAISY legt nachmittags ab, und nach dem 17-Uhr-Tee liegt die Silhouette der 2,6-Millionenstadt Danto Domingo vor ihrem Bug.
Alles überstanden: Viele Nachtfahrten, Diebe, Gaunereien und sehr schöne Buchten und noch mehr fantastische Segelstunden auf der DAISY - Thomas, Gerlinde und Marie wenige Meilen vor Santo Domingo.
Santo Domingo, Endstation für diese Etappe. Zwar eine hervorragend bewachte Marina, doch ein Nest von Dieben und Gaunern. Der Skipper wird es einhand fast fluchtartig wieder verlassen.
Der Hafen zeigt sich zunächst als kleiner, schmutziger Industriehafen. Wo soll sich hier bitte die Marina Sans Souci befinden? Thomas entdeckt sie als erster, da er schon mal für alle Fälle vorn am Bug den Anker klar legt. Hinter dem riesigen Bug eines Frachters tut sich tatsächlich eine Pier mit einer größeren Motoryacht, drei Segelyachten und einer Anzahl kleiner Motoryachten auf. DAISY wird gedreht, und während Thomas den Anker abfiert, rückwärts in die Lücke manövriert, die sich auftut, als Hafenmitarbeiter ein kleines Motorboot verlegen. Palermo ist am Werk. Er wird die scheidende Crew zum Flughafen bringen, den Skipper zum Supermarkt und mit der gesamten Ware zurück, zum Kartenladen in die Stadt fahren, 70 Gallonen Diesel besorgen sowie einen neuen gebrauchten Tank für den Außenborder samt manguera, einem Schlauch. Er tut das natürlich auch zu seinem und seiner Kumpel Nutzen. In welchem Maße, wird dem Skipper erst später klar. Aber hilfreich allemal.
Hilfreiche Hände bringen Diesel an Bord der DAISY. Die Hafenstadt verfügt nicht über eine Schiffstankstelle. Links Palermo, der Boss.
Gallone für Gallone läuft in den Tank. 280 USD für 70 Gallons. "Santo Domingo est dinario", kommentiert Palermo diesen Preis lakonisch und einige andere auch. Nelson und sein Kumpel sind jedenfalls beteiligt.
Santo Domingo war einmal eine der bedeutendsten Städte der Neuen Welt. Das ist auch heute nicht zu übersehen. Der Bruder des Entdeckers Kolumbus gründete sie, und Spanier und Briten schlugen sich um sie. Sir Francis Drake, der Pirat Seiner Majestät, soll hier im Palast den vornehmen Spanierinnen den Schmuck abgenommen haben. Das Stadtbild fasziniert auch heute noch, wenn auch an jeder Ecke mehrere Polizisten stehen müssen, um einigermaßen Sicherheit zu gewährleisten.
Die DAISY im Yachthafen Sans Souci gegenüber der Cuidad Colonial Santo Domingo, beliebtes Ziel von Kreuzfahrern.
Vergangenheit in Stein und Bronze: Das Zentrum von Santo Domingo.
Nun schreiben wir den 14. Januar, und der Skipper gedenkt abzulegen, sofern er eine Erlaubnis der Kriegsmarine dafür einholen kann. Auf dem Weg vom Internetcafé zum Yachthafen hält neben ihm Palermo mit seinem PKW. Er lädt ihn ein mitzufahren und bringt ihn zur Marina de Guerra, der Kriegsmarine. Der Skipper braucht ein Depacho zum Auslaufen. Ein Weg von gut drei Kilometern. Der Soldat dort füllt ein Formular aus, als täte er dies zum ersten Mal in seinem Leben. Und Palermo erklärt ihm, dass er dafür 500 Pesos zu kassieren habe, weil Santo Domingo est dinero. Der Soldat tut es auch entgegen des Skippers Hinweis, dass dieser Verwaltungsakt nirgends in der Dominikanischen Republik etwas kosten würde. Santo Domingo est ... Es wird Abend, und auf der Rückfahrt bekniet Palermo den Skipper, ihn für seine Leistungen zu bezahlen. Der Skipper ist der Meinung, das längst erledigt zu haben. Doch schiebt er ihm seine letzten 500 Pesos zu. Er kann sowieso nichts mehr damit anfangen. Ungefähr 15 USD. Nun aber nichts wie weg. Doch vor dem Auslaufen kommt noch ein junger Beamter der Drogenüberwachung. Er durchsucht das Schiff eher oberflächlich, und der Skipper staunt: Er bettelt nicht wie alle seine Kollegen um ein pequenio regalo.
13. Etappe: Santo Domingo - Montego Bay, Jamaika
Im letzten Licht holt der Skipper die Heckleinen ein, die Ankerwinsch zieht DAISY aus der Lücke. Der Skipper hat nun keine Hand frei, den völlig verdreckten Anker zu säubern. Er hofft auf ordentlichen Seegang, schäkelt den Anker ab und fixiert ihn in seinem Lager. Dann rasch zurück ans Steuer, und die Maschine schiebt DAISY durch den dreckigen Hafen auf die schwach bewegte See hinaus. Segelpersenning runter, Groß rauf, Yabsail raus, und schon rauscht sie, begleitet vom zunehmenden Mond, nach Südwesten. Cabo Beata ist das nächste Ziel, die Südspitze der Insel Hispaniola.
Erste Einhandfahrt durch die Nacht! Gerlinde ließ einen elektronischen Wecker da. Schließlich muss der Skipper auch mal schlafen, aber eben sehr kontrolliert. 20 Minuten müssen genügen. In dieser Zeit könnte ein Frachter vom Horizont die DAISY erreichen. Natürlich zielen nicht alle Frachter direkt auf Segelschiffe. Aber sicher ist sicher. Der Skipper hat noch immer die zerstörte Stahlyacht vor Las Palmas vor Augen. Das Mittelcockpit bietet sich für ein Nickerchen an. Doch es sind nördlichere Breiten erreicht, nachts wird's echt frisch dort oben. Eine Kuscheldecke hilft. Zunächst gilt es, einen südlichen Kurs so um die 190° zu steuern. Dann erlaubt der Windwinkel eine Halse, und der Kurs auf Cabo Beata kann direkt anliegen. Es wird spannend. Die Karte weist ein großes Gebiet zwischen Hispaniola und der Insel Beata als flach aus, seichteste Stelle 3,60 m!
Die Fahrt wird rauer. Der Nordostpassat weht heftig über Hispaniola hinweg und schiebt eine gut 3 m-Welle auf. DAISY nimmt's eher gelassen, aber wenn einige Wellen in Folge richtig treffen, kommt sie auf diesem Vorwindkurs ordentlich ins Geigen. Der Skipper bekommt Gelegenheit, die Schapps alle so einzurichten, dass nichts mehr klappert. Denn das ist das Nervigste bei der Geigerei.
Unter Genua und Groß ist der Kurswinkel vor dem Wind eingeschränkt. DAISY läuft hart an der Grenze prächtig dahin, hartes Geigen inklusive. Dann kommt das Kap endlich in Sicht. Und die flache Insel Beata. Und eine helltürkisfarbene Fläche bis zum Horizont. Die tiefste Rinne soll laut Karte an der Inselseite entlangführen. Das Echo zeigt sieben, dann sechs und dann fünf Meter. Dann wechselnd. Der Skipper nimmt das Vorsegel weg und startet die Maschine, für alle Fälle. In der Marina Boca Chica hatte das Echo 4,80 m gezeigt, und DAISY war sanft auf einen Sandhaufen gelaufen. Es dauert eine lange, lange Stunde bei reduzierter Fahrt. Drüben auf der Insel wiegen sich Palmen im Wind. Wäre kein schlechter Platz. Der Skipper will hier irgendwo ankern und ein paar Tage bleiben zum Schreiben und Relaxen. Aber Achtung, dort am Strand liegt eine ganze Reihe dieser urtümlichen Fischerboote. Also sind dort Menschen, Habenichtse vermutlich, denen jede Beute recht ist. Dies ist Wildnis hier. Also weg. Es dauert eine weitere Stunde, bis das Flach umfahren ist. Im Seegangschatten des Kaps findet sich ein Platz, mehr als eine Meile vom Land entfernt. Auf 4,80 m beißt der Anker sofort wie einbetoniert.
Relaxen, Tee trinken, Musik hören, Schreiben. Dinner, Umgebung kontrollieren mit dem Fernglas. Dort drüben an Land regt sich was. Ein Boot mit einem Mann und einem Kind am Strand. Fischer. Die Niedergänge werden von innen verriegelt, die Luken dicht, und ab ins Bett. Die Leuchtpistole liegt bereit. Tiefschlaf. Erwachen, wenn die Sonne aufgeht. Noch mal schlafen und dann Duschen und Frühstück machen. Am Strand bewegt sich wieder was. Das Boot kommt herüber mit dem Mann und dem Kind, Fischer. Sie sehen nach den Reusen, die ein paar hundert Meter östlich der DAISY liegen. Der Skipper hatte sie vor dem Ankern bemerkt und entsprechend Abstand gehalten. Schreiben, was das Zeug hält. So könnte es doch ein paar Tage gehen. Kostenloser Liegeplatz. Denkste.
Gegen 17 Uhr schreit jemand von draußen. Da rutscht das Herz in die Tasche und der Puls rast. Blick nach draußen, Scheiße, jetzt ist es soweit. Einer dieser alten Kähne, großer Außenborder, fünf Mann drauf, zwei mit Schnellfeuergewehren, barfuß, Räuberzivil, dreckige Hosen, alte Armeejacken, Baseballcaps. „Jo parto“ schreit der Skipper, wirft die Maschine an und rennt zum Anker. Die Winsch rattert. Das Boot kommt zum Bug. „Marina de Guerra,“ schreit der Größte von allen. Der Skipper versteht was von Depacho, Passoporto, controlado. Das Boot geht längsseits, drei schwarze Männer entern an Deck. Sie winken und lachen: Marina de Guerra. Sie versuchen ganz offensichtlich zu beschwichtigen. Der Skipper lässt vom Anker ab und wendet sich dem Wortführer zu.
„Identification?“, fragt er und malt eine Ausweiskarte in die Luft. Wo er hinwolle, fragt der Boss unbeeindruckt. Nach Jamaika. Großes Erstaunen. Ah! Und wo sind die tripolantes? Jo solamente. Noch größeres Erstaunen. Der Skipper denkt: Jetzt haben sie ganz leichtes Spiel. Aber der Boss bedeutet nur, dass er das Schiff innen sehen will. Drei Mann kommen in den Salon, schauen sich staunend um, dann sagt der Boss: „Whisky? Rum?“ Der Skipper hat die Schnauze voll von der Bettelei. „Sorry, nothing. Nada. Una cerveca?“ „Si si.“ Drei Dosen Bier und eine Dose Cola holt er aus der Kühlung. Die Männer strahlen. „Ah frio!“, und schwupp sind sie wieder draußen. Der Große aber dreht sich noch mal um und sagt: „Do Gallone gasolin por notre machina. por retura do la isla Beata“. Es sind gute drei Gallonen, die sie aus dem Benzintank des Beibootes abzapfen, teuer gekauft in Santo Domingo. Beim Abzapfen bemerkt der Skipper, dass in den Waffen keine Magazine stecken. Vermutlich überhaupt nicht geladen. Wenn sie nicht mal Benzin haben, wahrscheinlich auch keine Munition. Wer weiß.
Sie klettern in das Boot, und der Große bedeutet dem Skipper, die Reise fortzusetzen. Nichts lieber als das. Anker hoch und weg. Hinaus in die Nacht. Besan rauf, Vorsegel raus, und DAISY läuft in der nordöstlichen Brise bei kaum bewegter See dahin. Der große Vorteil der Ketsch. Das Groß kann jetzt kaum gebraucht werden, es würde dem Vorsegel den Wind nehmen und damit die Kurswahl sehr einschränken. Das Besansegel kann fein justiert werden, um den Luvdruck zu regulieren. Jetzt gibt es kein Stopp mehr. In Haiti zu ankern, verbietet die Vorsicht. Eines der ärmsten Länder der Welt, instabil, die pure Wildnis. Allein und unbewaffnet will der Skipper dort nicht näher als 15 Meilen vor der Küste kreuzen. Doch die Küste ist lang. Zwei Tage lang segelt DAISY an der Südküste Haitis entlang. Vier Frachter begegnen ihr. Dann kann DAISY höher an den Wind gehen und auf die Insel Navassa zielen. Sie gehört zu den USA, und es steht nichts weiter als ein Leuchtturm auf dem ca. 30 m hohen Eiland. Jetzt noch einmal durch die Nacht, und die Einsteuerung nach Montego Bay kann beginnen.
Ein nächtlicher Besucher blieb bis zum Sonnenaufgang und hatte nichts weiter zu tun, als sein Outfit zu pflegen.
Ein starker Nordost hilft, die Ankunftszeit aus der Dunkelheit in den Nachmittag vorzuverlegen. DAISY rennt teilweise mit über acht und neun Knoten dahin. Der Skipper nimmt etwas vom Vorsegel weg, um die Belastung des Riggs zu begrenzen. In Landnähe dreht der Wind auf Ost. Anluven und direkt in die Bay einlaufen, vor dem Hafen die Segel bergen und unter Maschine in den Hafen einlaufen. Drin ist das Wasser zwar platt, aber eine steife Brise verhindert das Anlegen vor Buganker und Heckleinen. Also erst mal dem Anker werfen und das Dinghi klar machen und zu Wasser bringen. Dann ist es freilich finster und der zunehmende Mond hinter Wolken versteckt.
Im Yachtclub kommt eine Bedienung auf den Skipper zu. „You just arrived, need Immigration and customs?“ „Yes please.“ Eine lustige Runde an der Bar nimmt ihn sofort in ihre Mitte. Dann kommen die Beamten: Ein freundlicher schlacksiger Mittdreißiger stellt sich als Customs-Officer vor, eine etwas rundliche Dame in fescher Uniform in Begleitung ihres Söhnchens Denis legt die Formulare der Immigration vor. Schreibarbeit für ungefähr eine halbe Stunde. Ein Mittfünfziger von der Gesundheitsbehörde bringt einen weiteren Stapel Formulare, füllt sie aber teilweise gleich selber aus. Nun sind die DAISY und ihr Skipper in Jamaika angekommen. Tags darauf wird das Schiff an den Steg geholt. Und schon ergeben sich Bekanntschaften in der Nachbarschaft. Sassa vom Motorboot gegenüber besichtigt die DAISY und lädt den Skipper zum Essen ein. Jo Mann, that’s Jamaican food!“ Sie hatten einen kleinen Thunfisch gefangen und in einem Reisgericht zubereitet. Echt gut.
Montego Bay Yacht Club. Man kann es aushalten hier.
Da draußen liegt die DAISY am Steg. Der Ort wird gern von Kreuzfahrern angelaufen.
Zwei Wochen Hafen? Das halten weder die Bordkasse noch die Nerven des Skippers aus. Eingebunden in die freundschaftliche Gemeinschaft, die sich im Yacht Club einfindet, trifft er auf Drew und Jenny. Er, US-Bürger und seit zwei Jahren im Lande als Mitarbeiter des Peace-Corps, und sie aus Bulgarien, seit fünf Jahren in Jamaika als Computerspezialistin, wollen gern mal segeln. Sie haben einen Segelkurs hinter sich und brauchen Praxis. Es wird ein Ziel ausgesucht, und am nächsten Morgen legt DAISY ab. Sie ankert nach einem sportlichen Segeltag in Lucea Bay, dann in Negril an der Westküste Jamaikas. Der Passat bringt sie hin. Doch dort angekommen, dreht der Wind auf Nordwest. Eine unruhige Nacht, aber der Anker der DAISY hält eisern. Am nächsten Morgen verlegt sie nach Negril Nord. Der Wind dreht langsam wieder dorthin, wo er hier hingehört, auf Nordost.
Der Strand von Negril wird vor allem von Pauschalreisenden bevölkert. Surfen, Katsegeln, Jetbootfahren, Bananaboats und Wasserski sind hier die Urlaubsfreuden im 25° C warmen Wasser unter der karibischen Sonne.
Die Sonne von Westjamaika über der DAISY. Sieht malerisch aus. Die Wolke bringt jedoch böses Erwachen. Sie stammt von einem Flächenbrand, und der drehende Wind trägt die Asche über das Meer und lässt sie auf die ankernden Yachten regnen ...
Langsam geht auch die Rollerei zurück. Die dritte Nacht dort vor dem weißen Strand und den durchaus ansehnlichen Hotels wird richtig schön ruhig, mit Mond und Sternenglanz und so. Martin, ein junger Fischer, kann es kaum fassen, dass der Skipper mit der DAISY aus Europa hierher gesegelt ist. Vor lauter Freude schenkt er ihm einen frischen Thunfisch von beträchtlichem Gewicht. Drew, Jenny und der Skipper freuen sich über die Maßen ob des köstlichen Dinners an diesem romantischen Abend.
Zu spät geblitzt: Der Thuna ist schon zerlegt in handliche Steaks. Wenig später serviert der talentierte Koch Drew ein exquisites Dinner.
Ein feuriger Schimmer an Land sieht zunächst recht malerisch aus, aber am Morgen versteht der Skipper die Welt nicht mehr: Das Deck ist über und über mit verkohlten Zweigen und Ästchen bedeckt. Sie brennen Buschwerk ab, und die Aschewolke beglückte nicht nur die Hotelanlagen, sondern auch das halbe Dutzend Yachten, das davor ankert. Erst mal das Arbeitscockpit waschen und dann nichts wie weg. Bald kreuzt DAISY hoch am Wind, und das überkommende Wasser wäscht das Deck blitzblank.
Es wird ein heftiger Ritt gegen den stetigen Nordost am folgenden Tag. Bis zu zwei Meter hoch wird die See, und DAISY läuft mit bis zu sieben Knoten bei zweitem Reff im Groß und in der Genua. Die Mosquito Bay wird zur Zwischenstation. Eine enge Einfahrt, an beiden Seiten mit Felsen gespickt. Aber drinnen die Ruhe einer einsamen Bucht, wenn die Küstenstraße nicht wäre. Stört aber nicht groß.
Zurück im Montego Bay Yacht Club naht am nächsten Tag die Stunde des Abschieds. Christoph rückt an mit einer neuen Crew. Silke und Bernhard wollen mit ihm nach Kuba segeln. Dem Skipper fällt es nicht leicht, sein Zuhause zu verlassen. Aber Christoph hat das Ticket dabei, und die Flugdaten stehen nun mal fest.
14. Etappe: Jamaika - Kuba
Am Montag, 4. Februar, sieht der Skipper seiner DAISY hinterher, wie sie den Hafen verlässt. Die nächste Nacht darf er auf der Motoryacht LADY LAURA verbringen, die am selben Steg liegt. Sasa, ihr Kapitän, erlaubt ihm die Übernachtung. Eingebunden in eine herzliche Gemeinschaft Jamaikaner verbringt er den letzten Abend in Montego Bay. Es gibt Jamaican Food zum Dinner. Tony kocht ausgezeichnet. Er serviert ein Fischgericht mit Reis und Gemüse. Kein Wunder, er arbeitete als Koch in den USA. Doch er vertraut dem Skipper an, dass er eigentlich eine Stelle auf einem Schiff, auf einer Yacht, sucht. Er war früher Kapitän der LADY LAURA. Wer also einen ausgezeichneten jamaikanischen Koch auf seinem Schiff wünscht, hier wartet Tony! Er besorgt dem Skipper schließlich auch noch einen Transfer zum Flughafen. Zwölf Stunden später taucht der Skipper zitternd in die sonnige Winterkälte Mitteleuropas ein ...
15. Etappe: Kuba - Mexiko - New Orleans, USA
Zwölf Tage später hockt er hustend auf Platz 18 F in einem Grossraumjet und läßt sich via Amsterdam nach Kuba fliegen. DAISY liegt in der Marina Hemingway, welche noch aus der Pre-Fidel-Ära stammt. Angelegt ausschließlich für Längsseitsliegeplätze, muss sie einmal ein recht feudaler Hafen gewesen sein. Nun bröselt alles streng bewacht vor sich hin. Die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit, aber die Bürokratie ist eben sozialistisch aufgebläht. Es gibt kaum was Ordentliches zu kaufen: Keine Milch, keine Früchte, kein Fleisch, kein Brot. Dafür kommt der Zoll auch bei der Ausreise an Bord. Vermutlich hat man Bedenken, die Segler könnten Kubaner rausschmuggeln. Nein, es sind nur Cornelia, Jenny, Andrew und der Skipper an Bord, als die DAISY am Montag, 25.02.08, Richtung Mexiko ausläuft.
Die 270 nm nach Islas Mujeres sollten bei südlichen Winden eher gemütlich ausfallen. Doch der Wetterbericht kündigte ein Tiefdruckgebiet für den Nordteil des Golfs von Mexico an, das sich unversehens weit nach Süden ausbreitete. Am Montag musste noch die Maschine durch die Flaute nach Westen helfen. Der Dienstag brachte mäßigen Wind, der für fünf bis sechs Knoten gut war. Die Nacht hindurch musste wieder die Maschine helfen, und beim Einbiegen in die Straße von Yucatan traten gut drei Knoten Strom gegenan in Aktion. Irgendwo müssen die Wassermassen ja hin, die der Passat dauernd in den Golf drückt.
Am Mittwoch um 10 Uhr fielen dann die ersten Böen ein, und schnell befand sich DAISY unter grauen Wolken in einem 30-kn-Nordwind mit Kurs 230 auf Raumschotskurs mit bis zu 10 kn Fahrt. Das Groß im dritten Reff, halbe Genua, und ab ging die Post. Allerdings schob der Nordwind auch gehörige Wellen auf, bis fünf Meter, vielleicht auch mal mehr. Was dem ohnehin angeschlagenen Skipper einige ernste Worte mit dem Meer abverlangte. Doch blieb DAISY niemals unkontrolliert.
Die nördliche Einfahrt in die Inselbucht verbot sich bei diesen Konditionen: Dort stehen an der Barre nur etwas mehr als 3 m Wasser zur Verfügung, und die bei 4 m Wellen zu passieren dürfte nicht gut möglich sein. Also wählte der Skipper den südlichen Weg, wo 18 m und 10 m Tiefe vorhanden sind - dafür aber 10 nm Umweg. So wurde es dunkel, bis der Anker im ruhigen Wasser hinter der Stadt fallen konnte. Der Donnerstag begann mit herrlicher Sonne und Einklarieren: Im bunten Touritrubel Besuch bei Klinik, Immigration, Bank und Hafenmeister. Klinikbesuch ist vorgeschrieben, um Einschleppen von Krankheiten zu verhindern! Gut zehn Tage kann die DAISY hier liegen bleiben. Es gibt Einiges zu tun in Cancun und Umbebung ... Die Maya-Pyramiden Chichen Itza besichtigen zum Beispiel, und die Mayastadt Tulum im Süden.
Isla Mujeres, Quintana Roo, Mexico.
Noch immer liegen die 540 nm quer über den Golf von Mexico vor dem Bug der DAISY. Allerdings hängt dieser seit dem 3. März an gut 80 m Ankerkette. DAISY genießt den Schutz der Isla Mujeres. Das hat vielerlei Gründe. Einer heißt Helmut, einer anderer Wetterbericht und noch einer Banjo Bolt. Helmut, der junge Mann aus Perg im Marchland an der Donau, Österreich, sah die DAISY am Steg und war spontan von der Idee fasziniert, mit ihr bis nach Norfolk zu segeln. Er war mit seinem Freund Bernhard aus Guatemala gekommen, und die beiden befanden sich eigentlich auf der Heimreise. Helmut entschloss sich, die Segelreise zu machen, während Bernhard daheim Verpflichtungen hatte und schweren Herzens das Flugzeug nach Europa nahm. Nun brauchte Helmut ein Visum für die USA. Nach einigem Hin und Her ergab sich der Termin 11.03.08 im US-Konsulat in Merida, 200 km westlich in Yucatan. Zuvor hatte der Skipper die DAISY vom teuren Stegliegeplatz, wo er Wasser gebunkert hatte, wieder an den Ankerplatz verlegt und dort einen Schaden am Auspuff des Generators repariert, was fatale Folgen hatte und Skippers Krisenmanagement auf die Probe stellte.
Die Maschine drehte nun zu hoch, lieferte Überspannung. Beim Versuch, die Drehzahl herunter zu regeln, ging eine Hohlschraube zu Bruch, und die Nerven des Skippers lagen so blank wie die Einspritzpumpe ohne Magnetschalter. Wenn dir so was passiert, ganz allein an Bord, bist du erst mal ziemlich fertig. Woher dieses Spezialteil hier in Mexico bekommen, und zwar sehr schnell? Telefonkontakt zu Fischer-Panda in Deutschland: Dienstschluss schon vorbei. Aber der Skipper weiß, dass es in Florida eine Generalvertretung der Firma gibt. Telefonat mit Oaklandpark, Fl. USA, bringt die Adresse einer Fischer-Panda-Vertretung in Cancun! Welch ein Glücksfall! Teil fotografiert, für E-mail bearbeitet, auf Stick geladen. Boot verschließen und ab ins Dinghi. Besuch in Adrians Internetcafé in Mujeres, um das Bild nach Oaklandpark zu schicken. Adrian entpuppt sich wieder als hilfreicher Engel, gegen Cash natürlich, aber in bezahlbarem Rahmen. Immerhin hat er dem Skipper digitale Seekarten bis Gulfport besorgt. Adrian findet nichts im Internet, aber im Handumdrehen heraus, dass die Vertretung in Cancun eine völlig andere Adresse hat. Aber sie existiert. Neben dem Collegio Valladolid.
Die Schnellfähre braust alle 30 Minuten von Isla Mujeres zum Festland nach Cancun hinüber und zurück.
Per Schnellfähre nach Cancun, dauert etwa 25 Minuten. Dort trifft der Skipper Helmut, und sie fahren beide zum ersten Mal diese Adresse an: Collegio Valladolid, Rute guadro. Die am Fährhafen Puerto Juarez versammelten Taxifahrer verlangen einhellig 100 Pesos für die Fahrt. Die beiden latschen 100 m die Straße entlang und halten ein Taxi an. Fragen nach dem Preis, und siehe da: 30 Pesos genügen auch. Collegio Valladolid. Eine katholische Privatschule in weiß und blau. Direkt neben der Schule ein kleiner Laden, und was steht da im Eingang?
Kaum zu fassen: In Cancun, Mexico, gibt es eine Fischer- Panda-Vertretung. Aber es braucht Geduld, den Boss zu erreichen.
In blitzsauberer weißer Geräuschdämpfkapsel ein nagelneuer Fischer-Panda-Generator. Eine der beiden Damen spricht Englisch. Let me show you what I need. Der Generator Baujahr 2006 verfügt über genau den gleichen Magnetschalter wie jener AGT 4000 in der Achterlast der DAISY. Der Skipper traut seinen Augen kaum: Da sitzt die Schraube, Messing, blitzblank, mit der silbernen Entlüftungsschraube drauf. I need this part. Nessecito esta part, urgento. Die Damen lächeln, aber wehren ab. Erst den Chef fragen. Per Telefon sagt er, er verliere die Garantie für das Gerät bei einem Teiletausch. Er müsse überlegen und seinen Partner in Oakland fragen. Neuer Termin: 18 Uhr. Rückzug und Stadtbummel bis 18 Uhr. Der Chef kommt natürlich nicht. Auch die Englisch sprechende Dame ist heimgegangen. Nächster Termin: Manana, neun Uhr morgens. Nun weht heftiger Südwind. Sicher 30 kn. Per Fähre zurück. Das Dinghi kämpft mit der See in der Bucht! Wie mag es da draußen aussehen! Strom mit der Hauptmaschine machen ist nervig und teuer, muss aber sein. Nächster Morgen: Telefonat mit Fischer Panda Deutschland. Garantie geht nicht verloren. Das Teil kostet rund sechs Euro. Dieter Jürgens sagt ein Fax zu, das der Firma den Garantiebestand versichert und die kostenlose Ersatzlieferung ankündigt, mit der dringenden Bitte, die Schraube an den Skipper herauszugeben. Der Südwind legt zu, gut 35 kn. DAISY liegt sicher und fest. Der Anker wurde bei Wind aus Süd eingefahren. 80 m Kette halten gut bei 4,80 m Wassertiefe.
Aber die Wetterkarte und der Taxifahrer am Morgen in Cancun sprechen von Nordwind am Abend. Da muss der Skipper wieder an Bord sein. Winddrehung um 180 Grad, so was kann leicht den Anker ausbrechen. Es liegen sieben Schiffe rund um die DAISY. Der Chef ist um 9 Uhr nicht da, aber das Fax aus Deutschland kommt prompt. Der Chef wird erst 16 Uhr wieder zurück sein, sagt die Angestellte. Der Skipper und Helmut gehen auf die Jagd nach einer Alternativlösung. Im Internetcafé Kontakt mit Jessi Eaton von Fischer Panda Oakland. Er bietet an, das Teil zu schicken, mit ungewisser Lieferzeit. Ein halbes Dutzend Motorwerkstätten abgeklappert: Kein Ersatzteil dieser Art zu kriegen. Also um 16 Uhr wieder Collegio Valladolid. Der Himmel hängt nun voller dunkler Wolken. Erste Blitze und Donnergrollen. Francisco Fernandez, einer der Chefs der Firma, trifft gegen 17 Uhr ein. Ein freundlicher untersetzter Mittvierziger in rotem Hemd und heller Hose. Pechschwarzes Haar, Bilderbuchmexikaner. Nach einer halbstündigen Unterredung mit Geschäftsfreunden wendet er sich dem Skipper zu. Er würde ja gern helfen, aber sein Partner in Oakland müsse zustimmen. Der Skipper zeigt ihm das Fax aus Deutschland und am PC seinen Schriftwechsel mit Oakland und die Homepage mit der Reise der DAISY. Und er bietet 50 Euro für die Schraube. Francisco staunt und winkt einem Mitarbeiter. Der Skipper hockt noch am PC und sieht im Augenwinkel, wie der Mann draußen im Eingang einen Schraubenschlüsselkasten öffnet. Minuten später überreicht ihm Francisco die Schraube, Banjo Bolt. Sie entpuppt sich als noch etwas stabiler als die alte. Im Skipper tobt die Freude. Nun ist auch die Englisch sprechende Dame wieder da. Francisco stellt sie als seine Schwester vor. Sie nimmt die 50 Euro entgegen. Draußen geht ein Tropengewitter nieder. Es schüttet unbeschreiblich. Der Abschied fällt herzlich aus. Rein ins Taxi und für 25 Pesos ab zur Fähre. Immer wieder tastet der Skipper den Rucksack ab. Ja, sie ist da drin. Mit dem Dinghi zur DAISY.
Auf der Leeseite der Isla Mujeres vor der Küste von Yucatan, Mexico, tanzen Fischerkähne und Ausflugsboote in der recht lebhaften Dünung.
Die ersten Böen aus Nord haben alle Schiffe neu ausgerichtet, auch die DAISY. Die knallrote APHRODITE, die wir schon aus Montego Bay, Jamaika, kennen, liegt nun neben der DAISY. Während der Skipper das Teil in den Generator einbaut, kocht Helmut ein einfaches, aber feines Dinner: mit mexikanischer Salami gebratene Zucchini und Tomatensalat. Die Hauptmaschine wird abgestellt und der Generator gestartet, Entlüftungsschraube geschlossen, abstellen, Keilriemen der Seewasserpumpe wieder eingehängt, Neustart. Und er läuft und läuft. Normale Drehzahl, normaler Ladestrom. Der Skipper will den Seewasseraustritt am Heck prüfen, kehrt aber ganz schnell um. Er stellt den Generator ab und startet die Hauptmaschine. „Helmut, hol den Anker auf, schnell.“
Es faucht nun aus Nordwest mit mehr als 40 kn. Zwei Schiffslängen achteraus wiegt sich die nächste Yacht im Getöse. Die Crew bietet Hilfe an, doch der Skipper steht schon am Ruder, das Deck ist hell erleuchtet, und die DAISY nimmt Fahrt voraus auf. Helmut bedient am Bug die Ankerwinde und holt die Kette auf. Gut, dass das neue Crewmitglied bereits unterwiesen ist. In Ruhe wird ein neuer Platz gefunden. Der Anker fällt, die Kette rauscht aus, der Haken ruckt im Grund ein. Der Sturm nimmt zu und der Skipper bereitet einen zweiten Anker vor. Aber DAISY hält ihre Position, allerdings die ganze Nacht kontrolliert von der Ankerwache. Eine Ankerskizze erleichtert der Wache, die Schiffsbewegungen im Sturm richtig zu interpretieren und daraus die Festigkeit des Ankers im Grund abzuleiten. Der Wind dreht auf Nordost, kommt nun direkt über die Insel und baut kaum noch Welle auf. Der Wetterbericht verspricht Beruhigung ab Montag, da passt es gut, dass der Visa-Termin für Helmut am Dienstagmorgen liegt. DAISY wird fünf Tage brauchen bis New Orleans, also erst Sonntag ankommen. Die neue Crew wird es hoffentlich verkraften. Am Samstag fährt Helmut noch einmal nach Cancun. Dem Gewitter ist nämlich eine Anschaffung zum Opfer gefallen: Ein neues Radio mit CD- und MP3-Player muss her. Am Abend ist es da und wird sogleich eingebaut. Wieder steht Helmut am Herd: Rindersteak mit Eiernudeln und Tomatensalat. Die Welt ist wieder in Ordnung. Der Generator lädt regelmäßig die Batterien auf. Der Wind dreht auf Ost und lässt bis auf einzelne Böen nach. Am Sonntag leistet sich die Crew ein Essen an Land, auch um die Vorräte zu schonen. Am Montag macht sich Heli wieder auf den Weg nach Merida. Ein längeres Visum wäre schon hilfreich in den USA.
Am Dienstag um halb sieben kommt Helmut von seinem zweiten Trip nach Merida zurück. Alles erledigt? Im Prinzip ja, aber am Ende der Prozedur habe ihn der freundliche Konsulats-Mitarbeiter gefragt: "Und wohin dürfen wir den Pass mit dem Visum schicken? Es dauert ungefähr zwei Wochen." Der Skipper ist so platt, wie Helmut es in Merida war. Der hat seinen Pass genommen und ist wieder zurückgereist. 250 Dollar für nichts ausgegeben. Wir entscheiden, am nächsten Morgen auszulaufen. Das Hafenbüro hat schon zu. Dann muss es eben so gehen. Der Weg ist weit bis Gulfport, und niemand kann den angesagten Ostwind zwingen, wirklich durchzustehen.
Mittwoch, der 12. März: Kaum graut der Morgen, ist Heli auf und macht Frühstück. Um 06:20 Uhr läuft die Ankerwinsch, und die Kette rasselt in den Kasten. Wir tasten uns von Boje zu Boje durch die flache Passage um das nördliche Kap der Isla Mujeres. Drei bis vier Meter soll das Wasser hier haben. Es herrscht kein Seegang, also müsste es klappen ohne Grundberührung. Das Echolot zeigt fünf bis sieben Meter. Endlich passieren wir die grüne Nordtonne. Sie bleibt steuerbord, und schon nimmt die Tiefe zu. Aber auch unsere Enttäuschung. Von wegen Ostwind. Es bläst schwach aus Nord. Genau auf die Nase. Also bleibt die Maschine an. DAISY macht 5 kn durchs Wasser und 6,7 kn über Grund. Der Golfstrom! Aber auch auf den ist kein Verlass, wie sich zeigen wird. Der Himmel hängt voller Wolken. Mittags gibt es Tortillas mit Schinken und Tomaten. Um 17:00 Uhr Tee und Kuchen, um 21:20 Uhr Tortillas mit einer Zwiebel-Specksauce und Gurkensalat. Um 23:00 Uhr dreht der Wind auf Ost. Die Genua kann nun helfen, aber die Maschine bleibt nötig, um ordentlich voranzukommen. Um 00:40 Uhr frischt es auf. Der Sechszylinder darf schlafen gehen. 4,5 kn durchs Wasser. Aber, oh Schreck, wo bleibt der Golfstrom? Wir sind doch mittendrin?
Gerade mal 3,1 kn über Grund! Heli übernimmt tapfer eine zweistündige Wache und zwei Stunden später noch eine. DAISY wird vom Autopilot gesteuert, der Skipper pennt direkt neben Navigation und Steuercockpit. Um 07:30 Uhr zeigt die GPS-Logge 133 nm seit dem Ankeraufgehen. Und dann kommt die Welt wieder in Ordnung: Zu Genua, Groß und Besan wird auch noch die kleine Kutterfock gesetzt. Jetzt läuft die DAISY mit acht bis über neun Knoten durch den Golf von Mexico nach Norden. Am 14. März um 07:30 Uhr loggt sie ein Etmal von 189 nm. Die Batterien zeigen nun ihre Schwäche. Der Ausfall des Generators hatte ihnen wohl den Rest gegeben. In immer kürzeren Abständen muss das Kraftwerk zum Laden gestartet werden. Da bahnt sich eine Entscheidung an. Am 15. März erreicht die DAISY den Wegepunkt 1, den Eingang zum Fairway nach Gulfport. Das Meer steht hier voller Bohrinseln, so dass man eine sichere Passage ausgetonnt hat. Am Sonntag, 16. März, schleicht sich DAISY um 04:00 Uhr in das große Hafenbecken von Gulfport ein. Riesige Piers rundherum, hell erleuchtet, aber kein Steg, kein Sportboot. Die Karte zeigte zwar eine kleine Marina nebenan, aber die Tiefenangaben mit 8 bis 9 Fuß schreckten den Skipper ab. Dies ist ein Port of Entry, und er muss ja einklarieren in den Vereinigten Staaten von Amerika. Er steuert die DAISY an einen passablen Kai. Da taucht ein Auto mit gelben Funkellichtern auf. Der Fahrer steigt aus. DAISY ist auf Rufweite am Kai. »Are you German?« ruft der Mann herüber. »Yes«. Wie selbstverständlich kommt es in klarem Deutsch mit Amizunge zurück: »Sie sind im falschen Hafen.« Doch dann geht’s Englisch weiter. 400 Meter außen herum, die Einfahrt zum Sportboothafen. Ja, tief genug, drei Meter.
Der Skipper steuert die DAISY aus dem Hafen. Aber die Einfahrt in die Marina ist nicht zu sehen in der Finsternis. Das Funkelauto fährt zwar an der Küste mit, aber der Skipper entscheidet sich für einen Ankerplatz. Auf vier Meter Wasser kann nichts schiefgehen. Erst mal richtig ausschlafen. Dann Frühstück im Sonntagssonnenlicht, und siehe da: Die Hafeneinfahrt liegt nur ein paar hundert Meter entfernt. Unbeleuchtete rote und grüne Dreiecke weisen den Weg. Drei Meter. Da liegt ein hübscher Steg an Backbord. Unerreichbar für die DAISY. 20 m vorher steckt sie im Schlick. Zurück in die Mitte des Hafenbeckens, Anker runter, fertig. Beiboot auspacken und aufbauen.
Da drüben liegen Boote der US-Coastguard. Ein Haufen Leute in Dunkelblau an Deck. DAISY führt die gelbe Flagge, und die Männer wissen Bescheid. Einer greift zum Telefon, um irgendwen über die Ankunft zu informieren. »Come along here please, there is the office.« Im Vorzimmer des Coastgard-Wachhabenden bekommt der Skipper einen Platz und ein Getränk angeboten. Der Wachhabende hat bereits die »Customs and Border-Protection« angerufen. In einer halben Stunde würden zwei Beamte kommen und die Formalitäten erledigen. Es dauert zwar etwas länger, aber die zwei Typen, die dann erscheinen, sind gut drauf. Sehr freundlich, sehr locker, nach dem Motto, das haben wir gleich, bittet er den Skipper, seine Crew zu holen. Ach, nur zu zweit? Macht nix.
Im Yachthafen von Gulfport ankert die DAISY mitten im Hafenbecken. Rundherum sind es weniger als 7 Fuß Wassertiefe. Heli wartet an Bord auf die Einklarierung.
16. Etappe: New Orleans - Maimi
Der Skipper geht hinaus zum Dinghi, und wer steht da? Bernd lacht ihm entgegen, die neue Crew ist da. Der Skipper holt dennoch erst Heli. Chico, der Customs-Officer, stempelt die Pässe, füllt ein Einreiseformular aus bzw. bittet die Ankömmlinge, dies zu tun. Heli bekommt ein Touristenvisum für 90 Tage und strahlt. Damit kann er bis Norfolk auf der DAISY segeln. Der Skipper hat ohnehin ein B2-Visum im Pass. Die Cruising Licence für die US-Gewässer? Er habe gerade kein Formular da, müsse es in seinem Büro ausstellen. Was ist der Zielhafen? St. Petersburg? Miami? Okay, dann schickt er die Urkunde dorthin, kein Problem. Schon fertig? Der Skipper kann es kaum fassen. Nein, Chico muss das Schiff noch in Augenschein nehmen. Die Beamten kommen mit nach draußen. Chico wirft einen Blick auf die DAISY, die mitten im Hafenbecken ankert, und einen auf das kleine Dinghi. Er schaut auf die Uhr. Ach was. »That’s your ship?« Der Skipper nickt. »Okay, have a good trip« Sie steigen in den Dienstwagen und sind weg. Das konnte nicht gut gehen.
Die neue Crew wird begrüßt. Gudula, Friedhelm und Bernd. Das Gepäck wird übergesetzt, ein Schlachtplan für die Proviantbeschaffung aufgestellt. Der Wetterbericht meldet ziemlich Bescheidenes für die nächsten zwei Tage. Also wird kurzerhand die Abreise ver- und ein Besuch in New Orleans dazwischen geschoben, wofür hat man denn einen Leihwagen. Am Abend kommt ein Boot der Coastgard vorbei: Nicht auslaufen morgen! Erst noch mal zum Customs. Diesmal ins Customs-Büro. Wie, bitte schön, soll das ein Segler ohne Auto machen? Man mutet seinen Gästen hier einiges Beschwerliche zu.
Keiner weiß genau zu sagen, wo sich das Customs-Office nun wirklich befindet. Endlich die richtige Info: am Flughafen. Der Beamte blickt streng. Der neue Stempel im Pass von Helmut wird für ungültig erklärt. Er war auf dem Weg nach Guatemala für drei Stunden in Miami zwischengelandet. Ab da zählt das Touristenvisum, erklärt der zweite Beamte, der um Rat gefragt wurde. Es endet am 23. April 2008. Der Skipper bekommt seine Cruising Licence für die US-Waters. Wird nicht lange Freude damit haben.
Am Ufer des Missisippi: Per Mietauto gelangte die Crew nach New Orleans.
Der St. Patricks-Day lag nicht lange zurück, als die DAISY-Crew durch New Orleans schlenderte.
Der Ausflug nach New Orleans. Sehr eindrucksvoll, am Ufer des Mississippi zu stehen. In der alten, französisch-spanischen Stadt fröhlicher Trubel nach dem St. Patricks-Day. Am folgenden Tag: Wein besorgen und Auto abgeben, Anker auf und Auslaufen Richtung Südosten, nach St. Petersburg. Nach dem Fairway kabbelige See. Seegang von achtern. Die neue Crew liegt erst mal ein Weilchen flach. Nach zwei Tagen Fahrt liegt DAISY in St. Petersburg fest. Schöne teure Marina. Aber alle sind wieder munter. Vor allem an der Waterfront eine blitzsaubere Stadt, wie aus dem Katalog, möchte man sagen. Der Yachtclub, ein amerikanischer Traum. Dali-Museum und die Film-Bounty besucht.
In St. Petersburg, Florida, liegt die Bounty, auf der Marlon Brando einst gegen Charles Laughton meuterte.
Beschaulichkeit wird hier gelebt zwischen Wolkenkratzern und Parkanlagen. Der Yachtclub von St. Petersburg ist ganz in Rosa und Weiß gehalten und blickt direkt auf die Marina.
Volltanken und los. Es sind einige Meilen bis zur Küste, und das Ablegen hat sich hingezogen. Doch es weht sehr heftig. Deshalb fällt der Anker noch innerhalb der geschützten Gewässer. Auch da peitscht der Wind das Wasser ordentlich. Am nächsten Morgen sieht alles besser aus. Anker auf und raus. Aber wohin? Venice, stand auf dem Plan. Im Grunde gibt es dort nur einen einzigen Liegeplatz für die DAISY. Alle anderen Einfahrten in die amphibische Welt der Everglades, die in den Karten ausfindig gemacht werden können, weisen zu wenig Wasser auf, kein passender Hafen für die DAISY, keine Bucht. Alles zu flach, zu klein. Also gleich nach Süden. Friedhelm war noch nie in Kuba. Na klar, das können wir ändern. Und das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Kuba. Havanna, Marina Hemingway, das kennt die DAISY schon. Ausgerechnet beim Flaggenwechsel kurz vor den kubanischen Hoheitsgewässern kurvt ein Hubschrauber der US-Coastgard um die DAISY. Sehr niedrig, sehr neugierig. Was soll's? Die DAISY führt seit St. Petersburg eine sehr große Niederländische Flagge im Besantopp. Geschenk eines stolzen Niederländers. Eines Motorbootfahrers!
Havanna. Einklarieren bei July, der hübschesten Zollbeamtin der Welt, mindestens. Schwarz, Model-Figur, ein Gesicht von kaum fassbarer weicher Schönheit, ein Augenaufschlag zum Hinschmelzen. In La Habana hat sich nix geändert. Kaputte Häuser überall. Die große Ketsch »Road to the Ilses« gibt Tipps. Sie kommt aus Lunenburg, Neuschottland. Dahin wird der Weg der DAISY auch noch führen. Frau Kapitän gibt einen eher zweifelhaften Rat: Sag den US-Behörden ruhig, dass du in Kuba warst. Kein Problem. Sie mache das seit acht Jahren. Hat ein paar Revierführer für Kanada verfasst. Der Skipper läßt sich tatsächlich täuschen.
In der Marina Hemingway, rund 10 Kilometer westlich von Havanna, liegt DAISY vor der ROAD TO THE ISLES. Frau Kapitän gab charmant einen verhängnisvollen Rat.
Havanna Zentrum: Eine wunderschöne pulsierende, spanische Stadt, dem sozialistischen Verfall preisgegeben. Die Menschen in ihrer Mehrheit verwünschen das Regime.
Tags darauf wieder ausklarieren. Fragt sich ohnehin, was das US-Embargo gegen Kuba erreichen soll. Die Bevölkerung bestrafen, weil sie unter einem Misswirtschaftssystem leben muß, wie Castro es realisiert hat? Alle Menschen, die der Skipper und die Crew sprechen konnten, wünschten den großen Revolutionär samt seinem Bruder und allen seinen Mitläufern sonstwohin. Es gibt kaum Milch, frisches Fleisch und Obst. In den Regalen der Supermärkte glänzen Putzmittel und Kosmetika, Rum und Zigarren. Eine Menge Leute haben in der alten DDR studiert, kennen Leipzig, Dresden, Berlin, Rostock etc. Aber sie können mit ihren Kenntnissen und Abschlüssen nichts anfangen, weil es kaum Industrie gibt. Der Maschinenbauingenieur leitet eine Bar, der nächste bietet Eis feil, ein anderer fährt Taxi. Die wunderschönen alten spanischen Häuser sind dem Verfall preisgegeben. Ganze Straßenzüge ruinös, nein, richtig kaputt. Ein Jammer. Die Crew speist in einem geheimnisvollen Privat-Restaurant. Nicht eben billig, aber gut und sehr original. Die Familie hat damit sicher drei bis vier Monatsgehälter verdient.
Zeit zum Abschied. Der Skipper meldet beim Hafenmeister das Auslaufen an. Zahlt 120 CUC pro Nacht, die kubanische Touristenwährung, bewertet 1:1 zum USD. 14 Uhr Customs, 15 Uhr Immigration, wo eigens noch mal festgemacht werden muss, dann auslaufen. Bei der Immigration kommen zwei Hundeführer an Bord und lassen das ganze Schiff durchschnüffeln. Einer für Marihuana, einer für Koks. Aber alle sehr freundlich und sehr empfänglich für kleine Geschenke. Die Crew tischt vor den Zollbeamten Weingummis auf, Gummibärchen. Einer nimmt sich eine Handvoll und wickelt sie in die Crewlist ein. »Por ma icha«. Gummibärchen können die sich hier nicht leisten.
Endlich wieder frei, Kurs Key West. Guter Wind aus West. DAISY segelt Nord, das passt.
In der Nacht kommt ein Coastguard-Boot vorbei. Riesige Scheinwerfer, Funkanfrage: Was für ein Schiff, woher, wohin? Der Skipper gibt wahrheitsgemäß Auskunft. Melden Sie sich in Key West beim Customs. Okay. Früher Nachmittag, türkisfarbenes Wasser, bloß ein paar Meter tief. Ein hübscher Liegeplatz, Key West Bight Marina. Ziemlich voll, nette, sehr gesprächige Dockmasterin. 114 Dollar. Der Skipper radelt zum Customs-Büro am Flughafen. Gut sieben Kilometer. Der Beamte kommt extra wegen ihm am Sonntagabend ins Büro. Kuba? Kein Problem. Nix gekauft? Alles klar. Komm morgen mit der gesamten Crew noch mal ins Office in der Stadt. Reine Routine. Genau das hätte der Vergessenheit anheim fallen sollen. Da steht dann so ein Betonkopf von Beamten, Mr. Dudley, runzelt die Stirn und zieht die Cruising Licence aus dem Ordner. »You have to respect US-Laws. It’s not allowed to sail to Cuba«. Amerika will betrogen sein. Eine ganze Reihe von Yachten lag in der Marina Hemingway: Kanadier, Amerikaner. Und dann Mr. Dudley in Key West. Das sind wohl jene Beamten, auf die sich jedes beliebige Regime verlassen kann! Hundertprozentig. Er stellt ein Formular aus, das der Zustellung einer Plakette dient, die 27,50 USD kostet. Die Plakette - 2 x 3 cm - lässt er nach Deutschland schicken, weil in den Staaten keine Postadresse verfügbar. Sehr schlau, aber passend. Nun muss sich der Skipper in jedem US-Hafen beim Customs melden.
Teatime bei 4 - 5 Beaufort. Mit gerefftem Groß und kleinen Vorsegeln marschiert DAISY hinüber nach Key West.
Key West Bight Marina. Hübsch eingeparkt für zwei Ruhetage in fantastisch blauem Wasser.
Der nächste Hafen ist Miami. Auch deshalb wichtig, weil der Autopilot nach einem Ersatzteil schreit. Er hat nämlich auf dem Weg nach Key West den Dienst verweigert. Ein Mechaniker erklärte ihn für tot. Aber Heli meint, es könnte auch nur der Simmering zwischen Elektromotor und Hydraulikpumpe defekt sein. Im Schatten der Wolkenkratzer von Downtown Miami zerlegt der Skipper das Ding, dessen Ersatz 1.600 USD plus Versandgebühren kosten würde. Tatsächlich findet er Öl im E-Motor und in der Pumpe ein kleines Metallteilchen. Bernd hat inzwischen einen Mietwagen besorgt, weil die Crew die Everglades besuchen möchte. Der fünfte angefahrene Laden wird zum Treffer: »We have two of them in stock.« Stückpreis 7,85 USD. Der Skipper braucht nur einen, so ein shaft seal hält Jahre. Hoffentlich. Dazu eine Gallone Hydrauliköl. Die Maschine wird wieder zusammengebaut und läuft seitdem wie geschmiert und leiser als zuvor.
Der Abend zieht herauf über der Bayside-Marina von Miami. Die Flagge am Besantopp der DAISY ist rechts schwach zu erkennen.
Die Crew verabschiedet sich. Auch Heli geht nun wieder seiner Wege. Er will in Baltimore einen Freund besuchen. Da wird ihm das Visum bis 23. April zu eng. Der Skipper studiert die Wetterkarte am Computer und findet gute Aussichten vor. Er geht zum Dockmaster, verabschiedet sich und legt um 15:20 Uhr ab. Ein mäßiger Wind, aber es reicht zum Segeln. Um 17 Uhr geht das Groß hoch, die Genua wird ausgerollt. Daisy läuft 5 kn SOG nach 20°. Vier Kreuzfahrtschiffe manövrieren um die DAISY herum, ehe sie sich in die verschiedensten Richtungen verkrümeln. Zum Dinner gibt es aufgewärmte Lasagne mit italienischem Salat – und ein heftiges Gewitter mit Platzregen. Das allerdings haarscharf vorbeizieht. Nachts wird wieder die Halbstunden-Schlaftechnik praktiziert. Alle halbe Stunde klingelt der Wecker. Um 5:30 Uhr morgens wird dann tatsächlich eine Wende erforderlich, um aus dem Bereich eines offenbar stur dahinbolzenden Frachters zu kommen. Um 12:30 Uhr hat der Wind soweit gedreht, dass wieder eine Wende nötig wird. Leider muss der Skipper feststellen, dass die Batteriespannung immer schneller nachlässt. In immer kürzeren Abständen muss er den Generator starten. Er kann keinen Fehler finden, der den Energiefluß beeinträchtigen könnte. Offenbar halten die alten Batterien den Strom nicht mehr. Sie haben auch schon allerhand mitgemacht. Es reift der Entschluß, bei nächster Gelegenheit neue anzuschaffen.
Und die bietet sich in Charleston. An dieser klassischen Südstaaten-Stadt sollte man sowieso nicht vorbeisegeln. Am Nachmittag des 10. April steht DAISY vor der Mündung des River Powell. Bald kann der Skipper den riesigen Flaggenmast am historischen Fort erkennen, in dem sich die frischgebackenen Amerikaner gegen die Unterwerfungsversuche der britischen Flotte widersetzten. Die hübsche Südstaatenstadt Charleston kommt in Sicht, einst die drittgrößte Metropole der jungen Union. DAISY bekommt einen Platz am Megadock der City-Marina. Dort lässt sich wunderbar auch einhand anlegen. Zunächst füllt der Skipper die alten Batterien nochmal auf, mal sehen. Am nächsten Morgen sind sie immer noch schwach, trotz Ladegerät. Mit einem Courtesy-Bus der Marina besorgt er zwei neue wartungsfreie Batterien, je 58 kg. Der Einbau wird zu einem Kraftraining, aber gelingt an einem Tag, alles läuft wieder ausgezeichnet.
Der Liegeplatz am Megadock kostet 120 USD die Nacht. 100 m davor gibt es wunderschöne kostenfreie Ankerplätze. Allerdings weht von da auch der Wind fast breitseitig auf die DAISY. Jetzt bewährt sich das schmale Heck der Ketsch. Der Skipper löst alle Leinen bis auf die Hecktrosse. Er nimmt sie sehr kurz, hat die Steuerbordseite gut abgefendert und dampft in die Hecktrosse als Achterspring ein. Brav schwenkt der Bug gegen den Wind nach Backbord. Schub voraus und ab. Läuft wunderbar. Aber da knirscht's ganz bös. Die ausrauschende Trosse hat sich um eine Winsch geschlungen, verdammte Schlamperei. Die Trosse kommt fest, sehr fest auf einer Stütze des Heckkorbs, und ehe der Skipper eingreifen kann, ist diese verbogen. Hätte Schlimmeres passieren können, aber schön ist es eben auch nicht. Das Ankern in Strom und Wind klappt wie am Schnürchen. Dinghi aufblasen und an Land fahren. Harris Zuckerman wartet. Er hat dem Skipper zugesagt, ihn zu einem hübschen Supermarkt zu chauffieren: Harris Teeds. Wirklich schön im Countryside-Stil.Tolle frische Waren.
Häuser wie Filmkulissen umgeben blockweise das alte Zentrum von Charleston.
Die Wetterkarte erzählt von starken Nordwinden draußen auf dem Atlantik auf dem Weg nach Norden. Da bleibt der Skipper lieber noch am Anker liegen, arbeitet am PC, am Boot und besucht Charleston. Folgenschwer. In der Oysterbar gibt es wieder eine Begegnung, die es in sich hat: Scot löffelt neben ihm an der Bar eine braune Suppe. Neugierig ordert der Skipper das Gleiche. Eine Austernsuppe allererster Güte. Scot ist geschäftlich da. Hat ein Unternehmen, das Rohrinspektions-Equipment vertreibt. Wohnt in Virginia Beach. "If you are in Norfolk, call me up. I'll see your boat".
Die Oysterbar Charleston gewährt Einblicke in die bunte Gesellschaft einer der schönsten Städte der USA. Südstaatenflair.
Das ist noch eine Woche hin. Freitagmittag läuft die DAISY aus. Mitten durch zwei Regatten, die in der Flußmündung ablaufen. Der Skipper setzt das Groß im ersten Reff. Ein freundlicher Südostwind schiebt die DAISY draußen auf gut fünf Knoten. Mal auch auf sieben. Der Skipper atmet durch. Wieder auf See! Der Autopilot steuert das Schiff in den Golfstrom. Es ist warm, der fast volle Mond steht am Himmel. Kaum Seegang. 10 kn SOG meldet das GPS. Die Nacht kann kommen. Er wendet sich der Pantry zu. Frischen Salat nach italienischer Art mit Tomaten und Oliven, pikante Salzkartoffeln und zwei feine Rindersteaks serviert er sich bald darauf an Deck im Mittelcockpit. Eine pfiffige Einrichtung hält im raumen Seegang Teller und Gläser auf dem Tisch fest. Aus den Deckslautsprechern erklingt Pianomusik nach Chopin. Nur den Rotwein verkneift er sich wieder: Beim Segeln gibt es für den Skipper kaum Alkohol, überhaupt keinen, wenn er allein ist.
Später bettet er sich ins Mittelcockpit, und ein Wecker schlägt alle 30 Minuten Alarm. So rauscht die DAISY durch die Nacht. Und durch eine zweite. Dann steht sie am frühen Nachmittag vor dem Cape Hatteras, dem Horn, wie sie es hier nennen. Hier biegt der warme Golfstrom in Richtung Europa ab. Das Kap und der kalte St. Lorenzstrom drücken ihn beiseite. Es kühlt schlagartig ab. DAISY läuft nun unter Wolken dahin. Der Wind dreht auf Ost, nimmt zu. Regengebiete sind zu sehen, Ölzeugwetter. Tropen ade, das war die Barfußroute.
Die Nacht wird zur unterhaltsamen Geisterbahnfahrt. Gewaltige Gewitter begleiten die DAISY bis in den frühen Morgen. Obwohl 10 Meilen vor der Küste, erhellen mächtige Entladungen über Land und Wetterleuchten über See ihren Weg. Alles erschütternde, schier endlose Donner rollen über sie hinweg. Die Passage von Cape Henry, wo die ersten Engländer gelandet sein sollen, erinnert an britisches Wetter: Nieselregen. Die Verkehrsleitzentrale für die Einfahrt in die Chesapeake-Bay möchte wissen, welches Ziel die DAISY hat. "Norfolk, Waterside-Marina". "Thank you captain, have a pleasant coming in".
Vorbei an Dutzenden riesiger Flugzeugträger, Zerstörer und anderer War-Ships der US-Navy läuft die DAISY nach Norfolk Downtown. Der zierliche Pavillion, in dem das Dockmaster-Office der Waterside-Marina untergebracht ist, kommt am späten Nachmittag in Sicht, tatsächlich in goldenen Sonnenschein getaucht. DAISY legt sich sachte steuerbord längsseits in den kleinen Hafen. Hier wird sie eine Reihe Freunde gewinnen. Scot Darnell aus Virginia Beach, den der Skipper schon in Charleston kennen gelernt hat, steht tags drauf an der Reling. Er fährt den Skipper zum Einkaufen und kommt mit der ganzen Familie, Gattin Susan, zwei Söhnen und Freund, zum Tee an Bord.
Das ist der Ort, an dem Neptun an Land robbte: Virginia Beach. Scot zeigte dem Skipper der DAISY seine nähere Heimat.
Jonathan Eaton sorgt für eine besondere Abwechslung. Der international gefragte Opernregisseur und Direktor des Pittsburg-Ensembles lädt den Skipper für den Abend in seine Vorstellung von "Lost in the Stars" von Kurt Weill ein. Die After-Show-Party im Attuck-Theater mit den Darstellern klingt schließlich an Bord der DAISY aus. Und Yoram, genialer Erfinder aus Israel, chauffiert den Skipper schließlich sogar zum Flughafen, nachdem Christoph und Benno die DAISY übernommen hatten.
Gemütlicher Hafen in der Nachbarschaft der größten Navy-Basis der Welt. Fast eine Woche lag die DAISY da, was zu zahlreichen Kontakten führte, inklusive Opernbesuch.
19. Etappe: New York – Halifax Wo Amerika richtig putzig wird.
Ausnahmsweise war die Crew früher an Bord als der Skipper. In Sichtweite der Freiheitsstatue wartete die DAISY auf Maria, Silke, Heike, Hartmut und Rüdiger. Sie waren schon einige Tage früher an den Hudson gereist, um die Weltmetropole zu erleben. Während der Skipper noch in höheren Sphären schwebte, fanden sie sich samstags in der Liberty Landing Marina in Jersey City ein, wo die DAISY an einem Schwimmsteg vor der grandiosen Skyline New Yorks vertäut war. Christoph, der frühere Eigner, hatte sie mit dreiköpfiger Crew von Norfolk hierher gesegelt, was dem Skipper Gelegenheit gab, mal wieder zu Hause vorbeizuschauen.
DAISYs Bug weist auf die Skyline von New York. Liberty Landing Marina.
Was er auf seinem Schiff vorfand, war kein Anlass zu übergroßer Freude. Der Computer des Autopiloten war defekt. Er brachte kein Signal für Steuerbord-Ruder zustande. Diagnose: Einer der Leistungstransistoren war durchgebrannt. Ursache: Überforderung. Nachfrage beim Hersteller: Das Modell ist für die Schiffsgröße und den Pumpenmotor RPU300 zu klein. Flugs wurde per Telefon das passende neue Gerät bestellt. Wertvolle Hilfe leistete dabei das Shore-Office der DAISY in München. Gerlinde machte Simrad-Vertretungen entlang der Fahrtroute ausfindig. In Plymouth, Massachusetts, sollte die neue Platine an Bord kommen. Während dieser Organisationsphase wurden die Leitungen des achteren WCs gereinigt und das Öl der Hauptmaschine gewechselt. Das Wetter trübte sich ein, und als endlich, mit Rücksicht auf die Gezeit, um vier Uhr nachmittags die Leinen losgeworfen werden konnten, schüttete es wie aus tausend Pützen aus einem tiefgrau verhangenen Himmel, in dem die Wolkenkratzer ihrem Namen gerecht wurden.
DAISY umrundete trotzig Battery Place am Südende Manhattans und motorte den Hudson hinauf. Mit Höllenfahrt ging es durch Hell Gate, nämlich mit dem Gezeitenstrom, der hier vier Knoten erreicht. Um 19 Uhr fiel der Anker vor Hart Island. Heikes Kochkunst machte aus dem trüben Abend eine Festlichkeit. Es sollte der Anfang einer kulinarischen Festkette sein. Tags darauf konnten endlich die Segel gesetzt werden. Und zwar alle. Unter Genua, Fock, Groß und Besan rauschte die DAISY mit bis zu 9,3 kn über Grund bei 4 – 5 Bft durch den Long-Island Sound. In New Haven ging sie um 18:30 Uhr an die Pier. Und dann folgte wieder ein Erlebnis, was zu dem Bild passte, das sich der Skipper von den Menschen in diesem Land machen durfte.
Rätselnd steht die Crew auf der Pier der New Haven Oyster Marina und hält nach einem Taxi Ausschau. Sie wollte die berühmte Yale-University erreichen. „Where do you come from?“, fragte ein untersetzter, ziemlich nobel gekleideter Herr mit silbergrauem Haar, der in Begleitung einer Dame eben seinen BMW aufschließen wollte. „Wow, with this boat from Europe! Yo do not need a cab. I give you a lift.“ Es wurde eine längere Tour durch die weitläufige Universitätsstadt. Mit ihren viktorianischen Fassaden wirkt sie unwirklich wie Filmkulissen. Stephen erläuterte wie ein gelernter Guide jedes Gebäude. Er ist Boss einer größeren Immobilienmakler-Company und berichtete mit Nachdruck, dass die Universität ständig Grundstücke aufkaufe für Erweiterungen ihres Angebotes. Schließlich setzte er die Crew vor einem großen Shaws-Supermarkt ab. Das Schiff musste verproviantiert werden.
Um tags drauf Mystic Harbour zu erreichen, waren drei Motor- und vier Segelstunden erforderlich. Die Mystic Seaport Marina stimmte die Crew auf das Preisniveau des Ostküstensegelns ein: 186 USD für eine Nacht an einem wackeligen Holzsteg ohne Strom, aber mit sanitären Facilities. Die Museums-Show „America and the Sea“ zog die Crew allerdings stundenlang in den Bann von altem Walfänger- und Schiffbauerhandwerk. Ein Museumshafen mit Museumsdorf wie aus dem historischen Bilderbuch.
Ein alter Walfänger- und Fischerort als Freilichtmuseum mit Schule, Kirche, Bank, Schmiede und einem Hafen mit Schiffen von anno dazumal.
Der alte Walfänger Josef Conrad kann auch von innen besichtigt werden.
Die Kapitänskajüte: halbkardanisch aufgehängtes Doppelbett. Schöne Schaukelei, wenn's drauf ankommt.
Zur Erholung auch der Bordkasse zog DAISY nachmittags acht Meilen weiter nach Stonington um und ankerte preisgünstig hinter dem Wellenbrecher. Farfalle mit Putenpfanne zum Dinner! Tags drauf erreichte sie nach rund sechs Segelstunden unter Vollzeug Newport, Rhode Island. Einen einsamen Spitzenplatz bei der Preisgestaltung erzielt das quirlige Yachtsport-Zentrum der Ostküste mit einer Liegegebühr von 250 USD an der Außenseite der Hafenmauer. Dazu US-Touritrubel bis in die späte Nacht.
Die Bucht von Newport, dem Yachtzentrum der Ostküste.
Vor dem Bug lag am Morgen ein weiteres Refugium der Mächtigen und Betuchten des Landes: Martha's Vineyard. DAISY steckte nach Einbruch der Dunkelheit die Nase in die Ankerbucht von Oak Bluff, dem Hauptort der Insel. Keine Chance, die Muringbojen mit ausreichender Wassertiefe alle dicht besetzt. Memorial-day-weekend. Und was das wohl kosten würde hier! Kurzerhand wird round the corner in der Fährhafenbucht geankert. Rinderfilet mit Zwiebelgemüse und Reis. Tags drauf ankert die DAISY draußen auf Reede vor Oak Bluff auf 41°27 N 070°33 W und das Dinghi kommt zum Einsatz. Ein zauberhafter Ort mit putzigen Häuschen und zahllosen Souvenirgeschäften.
Irgendwie putzig und märchenhaft, die Sommerhäuschen auf Martha's Vineyard.
Nonames Bight bietet einen günstigen Ankerplatz in der offenbar namenlosen Wildnis auf 41°27 N 070°33 W, allerdings nahe zu Woods Hole, dem Ozeanografischen Institut. Rüdiger, der viele Jahre beim BSH gearbeitet hatte und mit deutschen Forschungsschiffen auch in dieser Region unterwegs war, weiß einiges darüber zu berichten.
Ein Erlebnis der besonderen Art wurde die Passage durch den Cape Cod Canal. Bei frischem Wind unter bedecktem Himmel erreicht DAISY allein unter Genua dahinrauschend die Canal-Einfahrt. Und schon geht es mit 10,4 kn mit dem Gezeitenstrom durch die Wasserstraße. Dann die spannende Einsteuerung nach Plymouth. S-Kurven im Tonnenstrich. Zitat aus dem Hafenführer: „Wenn Sie den Strand näher sehen wollen, fahren sie nicht hin, benutzen Sie Ihr Fernglas!“ Das Wasser ist neben der Rinne manchmal nur knietief. Um 14:50 Uhr steuerbord längsseits fest an Dock D Brewer-Marina in Plymouth, Massachusetts. Eine halbe Meile entfernt liegt die MAYFLOWER II, der Nachbau jener MAYFLOWER, mit der im 17. Jahrhundert die Gründerväter der Stadt Plymouth hier landeten. Um 16 Uhr ist der Elektroniker an Bord und baut den neuen Simrad-Autopilot-Computer ein. 2000 USD inklusive Arbeitszeit und Tax. Bei Truthahnschenkel auf Pasta mit Flusskrebsen und einem Glas Weißwein wird der teuren Neuheit gedacht.
Die Mayflower II segelte 1957 auf den Spuren des Originals von England nach Plymouth, Massachusetts, auch um die Verbundenheit des Vereinigten Königreichs mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu unterstreichen.
Mit einem Boot wie diesem erkundete die Mannschaft der Mayflower I einen geeigneten Siedlungsplatz. Nach zweieinhalb Monaten kamen die Leute zum Mutterschiff zurück, das inzwischen auf Reede ankerte, von Dezember bis Februar.
Am folgenden Morgen ein herber Verlust. Beim Besuch der MAYFLOWER II legt Heike ihre Digitalkamera neben sich auf eine Steinbank vor dem Visitor Center. Sie steht auf, um die 20 m zur Kasse hinüber zu gehen. Als sie dort bemerkt, dass sie die Kamera zurückgelassen hatte, kehrt sie sofort um. Doch zu spät. Im Getümmel einiger Schulklassen war das teure Stück samt unwiederbringlichen Urlaubseindrücken verschwunden. Alles Nachfragen blieb ohne Erfolg. Seufz.
Auf zu neuen Bildern: Um 13:30 Uhr verlässt DAISY den Hafen, „in dem Amerika begann“. Es wird ein längerer Schlag über die Bigelow Bight hinüber nach Maine. Um 14:50 Uhr steht das Groß. Doch der Wind reicht noch nicht. Um 17 Uhr werden die Maschine abgestellt, Genua und Besan gesetzt. 5 – 6 kn nach 28°. Schöne Rechnerei: hier herrscht fast 20° Missweisung. Blanker Himmel, leicht gekräuseltes blaues Meer. „Da bläst doch was!“, ruft Rüdiger und schon sind alle an Deck. Wale! Leider im Kielwasser. Drei oder vier der gewaltigen Meeressäuger tummeln sich auf der Stellwagen Bank. Sie ziehen ihre Bahn.
Wachen werden eingeteilt und Maria zaubert aus Corned Beef, Kartoffeln und Salat ein herzhaftes Dinner. Vollends bezaubert sie die Crew mit einem Schokoladenpudding, den sie umständehalber mit Orangensaft anrührt. Eine absolute Neuheit. Klasse. Blutrot steigt nach Mitternacht die Mondsichel aus dem Wasser. 153 sm liegen im Kielwasser, als DAISY in Tenants Harbour um 17:30 Uhr des 29. Mai an der Muringboje festgemacht wird auf 43°57.812 N 069°11.961 W. Zarte Hähnchenbrust mit Apfelschnitten an Basmatireis dazu Salat mit Ingwer. Heike probierte ein neues Rezept mit großem Erfolg!
Im Ferienort Camden, nur knapp 20 sm weiter, wird an die bevorstehende Grenzpassage nach Kanada gedacht. DAISY hat ja seit Key West keine Cruising Licence mehr. Ein sehr zuvorkommender Coastguard-Officer hilft weiter. Er verbindet den Skipper mit Customs and Borderprotection. „Proceed to Canada, go ahead, you have a Cruising Licence“, bestätigt der Beamte am anderen Ende, nachdem er alle Daten abgefragt hatte. Es lebe die Schlamperei! Mr. Dudley in Key West hat zwar die Cruising Licence weggenommen, sie aber offenbar nicht aus dem Computer gelöscht.
Der Akadia-Nationalpark ist ein Muss. Nach 57 sm überwiegend per Maschine unter grauem Himmel geht die DAISY direkt vor den beiden Schwimmstegen von Bar Harbor an die Boje. Beeindruckende Autofahrt durch den Naturpark hinauf in die schwindelnde Höhe von rund 550 Metern rund geschliffener Felsberge, sinnigerweise Mount Cadillac benannt, mit alpiner Vegetation, hinunter an die Küste zum Thunder Hole, wo die Brandung in ein enges Felsloch donnert, an Fjorden entlang und Süßwasserseen, in denen weder gebadet noch gesurft werden darf, weil sie als Frischwasserreservoir genutzt werden. Immer wieder weitläufige Landsitze in den Wäldern in konventioneller bis märchenhaft historisierender Architektur. Abends ein Lobster Dinner an Land, das Helen serviert, die ehemals im Schwarzwald als Englischlehrerin gearbeitet hat.
Festhalten, das Land wackelt ganz schön: Im Akadia National Park beim Thunder Hole, wo die Brandung in ein Felsloch donnert, am Fuß des Mount Cadillac.
Ein Frühstart wird angesetzt, um Yarmouth in Kanada ohne Übernacht-Fahrt zu erreichen. Es wird ein Schreck in der Morgenstunde: Der Autopilot klagt über fehlende Kompassdaten! Während der Maschinenfahrt heftiges Grübeln und Probieren. Hartmut findet den Fehler schließlich in einem Winkel des Bedienungsmenüs und der Autopilot hat wieder Kompassdaten. Es wird sonnig und der Motor von Groß und Genua unterstützt. Um 24 Uhr Ortszeit – Kanada legt eine Stunde drauf – fest in Yarmouth, Nova Scotia, Kanada. Am nächsten Morgen Einklarieren ohne Probleme. Die deutsche Stahlketsch KATMAR mit Dieter und Anke legt achteraus an zum Wasser bunkern. Die beiden haben in Halifax überwintert und wollen weiter nach Süden.
Um 17:50 Uhr legt DAISY ab, Ziel: Lunenburg. Der Wachplan wird etwas modifiziert. Es lässt sich kein Windhauch herbei. Über 23 Stunden Motorfahrt! Um 17:06 Uhr wird die Maschine abgestellt. DAISY liegt im Museumshafen von Lunenburg. Die Pantry ist in Betrieb. Doch 10 Minuten, bevor das Essen fertig ist, entfährt es Chefsmutje Heike: „Jetzt is aus“. Das Gas. Die Flasche hat nur 18 Tage gehalten. Das ist neu. Die letzte war über 5 Wochen in Betrieb, weshalb es noch keinen Ersatz gibt. Der Skipper trifft auf dem Dock Stephen von der NEREID, Norfolk, VA. Eine kleine, feine Slup nach Colin Archer-Bauart. Stephen drückt dem Skipper sogleich seine neue kleine Gasflasche in die Hand. Er kommt nach dem Dinner auf ein Glas und am nächsten Morgen besorgt er eine neue große Flasche für die DAISY. Er lebt seit vier Jahren auf seinem Schiff und hat schon große Runden hinter sich bis nach Norwegen und durchs Mittelmeer. Nun will er nach Island, sowie er das Getriebe seiner Maschine repariert bekommt. Auf der Fahrt nach Halifax stellt der Skipper fest, dass die Stopfbuchse leckt, und zwar viel zu viel, um damit auf den Atlantik zu gehen. In Halifax findet die DAISY einen Liegeplatz in der Marina der Royal Nova Scotia Yachtsquadron. Die 19. Etappe ist beendet nach 806 sm. Ein Mechaniker meint, man müsse das Schiff aus dem Wasser nehmen und die Buchse austauschen. Vielleicht auch die Welle. Der Dockmaster findet den nächsten Travellift für die DAISY in Lunenburg! Während die Crew sich auf die Heimreise vorbereitet, besorgt Rüdiger ein Auto. Auf der Werft in Lunenburg wird sogleich Montag acht Uhr als Termin vereinbart. Hier soll das Schiff nun gründlich auf die Atlantiküberquerung vorbereitet werden. Aber Rüdiger wollte eigentlich am Sonntag nach Norden weiterreisen.
Dort unten liegt die DAISY im Fischereimuseum von Lunenburg. Gegenüber liegt gewöhnlich der Stolz Nova Scotias, die BLUENOSE II. Da kann man nur in stiller Andacht verharren.
Der Abschied ist da: Silke, Maria, Heike und Hartmut werden von Rüdiger zum Flughafen gefahren. Der Skipper findet zwei Mitseglerinnen für den Rückweg nach Lunenburg. Rüdiger nächtigt noch an Bord, und der Dockmaster bittet darum, die DAISY draußen an die Boje zu legen, weil nachts eine Regatta von zehn 60-Fußern aus England eintreffen soll. Sylvie und Carla schlafen an Bord. Der Sonntag beginnt mit pottendichtem Nebel. Das zugesagte Übersetzboot für Rüdiger kommt nicht, das Dinghi ist schon weggepackt. Rüdiger blinzelt in den regnerischen Himmel. Allein durch diese Suppe? Radar, GPS, Karte, Steuerrad, Segel? Da springst du ganz schön hin und her. Die beiden Damen können allenfalls steuern und mal eine Leine halten und übergeben. So war es auch gedacht. Aber in diesen Sichtverhältnissen? Rüdiger entschließt sich, an Bord zu bleiben. Der Skipper ist, na ja, ziemlich gerührt. Das Segeln fällt allerdings aus. Kein Wind. Und die Stopfbuchse leckt, mal mehr, mal weniger. Im Stillstand der Welle ganz wenig, aber zuviel für eine wochenlange Seereise. Um 17 Uhr zurück in Lunenburg. Sylvie und Carla laden, entzückt über die Bootsfahrt, zum Lobster-Supper ein. Sylvie sagt obendrein noch zu, die nächste Crew, Bärbel und Gisela, vom Flughafen abzuholen. DAISY kann so in Lunenburg bleiben.
Am Montag kommt Dany Himmelmann an Bord, der Chefmechaniker. Der Schaden kann tatsächlich nur aus dem Wasser behoben werden. Die Stopfbuchse ist deutlich ausgeschliffen. Nachstellen zwecklos. Aber die Welle ist okay. Es dauert Stunden, bis DAISY mit ihren 30 Tonnen im Portalkran platziert und an Land gehievt ist. Genua runter, Achterstags lösen, Vorstag ab. Stephen von der NEREID, der - wie er sagt - viele Jahre eine Rigging-Firma in Baltimore betrieb, hilft fachkundig mit. Dann hängt sie da, im Kran an Land. Der Rumpf wird von Muschelresten und Bewuchs befreit, und dann kommt sie in Parkposition ins Grüne. Die Stopfbuchse wurde vor fünf Jahren eingebaut, stellt die Werft am Dienstag fest. Eine neue gibt es in Dartmouth jenseits des Halifax-Fjordes. Kostet ca. 1000 CD. Eine andere gäbe es in UK, Lieferzeit 14 Tage.
Gelegenheitshalber nimmt der Skipper das Angebot der Werft an, den Antifoulinganstrich des Unterwasserschiffes zu erneuern. Das spart den geplanten Lift in der Adria. Er selbst nutzt die Gelegenheit, das Deck neu zu streichen. Sieht jetzt klasse aus oben und unten. Die neue Stopfbuchse wird eingebaut. Nun ist aber schon Freitag. Ein großes Expeditionsschiff muss noch fertig gemacht werden und ein paar Segelyachten stehen vor dem Kran Schlange. DAISY kann erst am Montag zurück ins Wasser. Sylvie kommt samstags zu einem guten Fischessen im Restaurant am Fischereimuseum.
Eingeparkt: DAISY hängt in den Seilen des Portalkrans und soll eine neue Stopfbuchse bekommen. Die alte tat seit fünf Jahren gute Dienste.
Das Wetter spielt hier ziemlich verrückt: Mal sommerlich heiß und tags drauf bitterkalt. Und die echte Sommersaison umfasst nur drei Monate: Juli, August, September, sagt Dany Himmelmann, der seit 27 Jahren in der Werft arbeitet. Nun ja, Lunenburg wurde von Deutschen gegründet, und er lebt in der fünften Generation in seinem Haus, dem Himmelmann-Haus.
20. Etappe: Halifax – Horta
Sonntag nachmittag klingelt das Mobilphone. Silvie ist dran: I got the girls! Sie ist die Hilfsbereitschaft in Person, bringt Gisela und Bärbel nach Lunenburg. Die Damen erklimmen die DAISY in fünf Meter Höhe über dem Meer. Sie können die DAISY auch untenrum besichtigen: Ein starkes Stück Schiff. Montag wieder im Wasser. Stephen ist mit seiner NEREID verschwunden. Ein charming boy und toller Segler. Der Skipper baut das Rigg allein wieder zusammen. Sylvie ist erneut zur Stelle und fährt mit Bärbel und Gisela einkaufen. Rund 1800 nm stehen bevor. Rosemarie und Ian aus England von der nagelneuen Herreshof-Ketsch ELEMIRAH bereiten sich auf dieselbe Strecke vor. Sie haben noch einen Mechaniker an Bord und drei Leute Crew.
Fertig ausgerüstet zum Auslaufen: Neue Stopfbuchse, neu lackiert, neues Relingskleid. Gleich wird DAISY in der Nebelbank im Hintergrund verschwinden.
Am Dienstag bekommt DAISY ein Relingskleid für den Heckkorb, captains-blue mit weißer Schrift außen: DAISY. Die örtliche Segelmacherei, die auch den Spi flickte, machte es möglich, und der günstige Dollarkurs. Der Starkwind, der für Mittwoch angekündigt war, ist vorbei. Donnerstag, 19. Juni 2008, um 16:30 Uhr ist DAISY klar zum Auslaufen. Abschiedsrunde vor der ELEMIRAH. Hinaus in den Nebel. Um 18:15 Uhr stehen Groß, Genua und Fock. Radar-Fahrt. Der Wind schläft ein. Am 20. Juni helfen sieben Stunden Motorfahrt durch ein Flautenloch. Sicht: ca. 50 m. Nochmal zwölf Motorstunden bis 14:10 Uhr am 21. Juni. Dann hat der Sechszylinder Pause. Sie wird elf Tage währen. SW-Winde greifen raumschots in die Segel. Bärbel passt sich liegend an die neuen schwankenden Lebensumstände an. Als sich nach zwei Tagen der Nebel lichtet, sind alle fit.
Mit kleinen Segeln schnell unterwegs: Der muntere Südwest lässt DAISY zügig vorankommen.
Bei sechs bis neun kn Fahrt wird das sonnige Bordleben genossen. Kleinstes Etmal 89 nm, größtes 165,4 nm. Kurs Südost, um vom 44. zum 39. Breitengrad Nord zu kommen und den Tiefs auszuweichen, die nördlich des 40. nach Osten ziehen. Doch ein Ausläufer erwischt die DAISY mit SSE-Wind bis ca. 35 kn und Seen bis 4 m. Knapp zwei Tage dauert die wild bewegte Fahrt, bringt das zweitbeste Etmal: 165 nm und die DAISY südlich des 40. Breitengrades. Noch immer umschwirren nachts zwitschernde Vögel die DAISY und das nächtliche Kielwasser gleicht zeitweise einem Kometenschweif. DAISY segelt automatisch gesteuert tadellos ihren Kurs.
Vor allem bei raumen Kursen bewährt sich das neue Relingskleid am Heckkorb.
Der Skipper wacht bis Mitternacht, dann löst ihn Bärbel ab, und um 02:30 Uhr Bordzeit übernimmt Gisela bis 05.00 Uhr, danach ist der Skipper bis zum Frühstück gegen 08.00 Uhr an Deck. Am achten Tag wird er an den Herd gebeten, Kartoffelsuppe zu produzieren. Er muss sie Tage später wiederholen. Zwischendurch gibt es Sachen wie Koteletts mit Reis und Gurkensalat, Hähnchenschenkel mit Nudeln oder Kaiserschmarrn mit Apfelmus, Apfelpfannkuchen und Zitronenpfannkuchen. Und täglich den 17-Uhr-Tee mit Gebäck. Am achten Tag wechselt DAISY unversehens die Wetterfronten. Von jetzt auf gleich schaltet der Wind kurz nach dem Tee von Südwest auf Nordost um. Besan und Genua stehen back! Wo soll denn nun das Azorenhoch sein? Die Windrichtung bleibt bis Horta und die Stärke lässt DAISY hübsch davon rauschen.
Ostkurs: Nachmittagssonne im Cockpit zur Lesestunde. Gleich wird Tee serviert.
Eine Slup, die morgens steuerbords aufkommt und auf ihren Kurs einschwenkt, muss rasch hinter dem Horizont bleiben. Erst am 1. Juli 2008 um 17:55 Uhr kommt Land in Sicht, verborgen im Dunst am Horizont. Der 2390 m hohe Pico müsste eigentlich viel weiter zu sehen sein – ohne Dunst. Am 2. Juli 2008 um 01:50 Bordzeit – 03:50 UTC – werden angesichts der Lichterketten der Inseln Faial an backbord und Pico an steuerbord der Motor angeworfen und die Segel geborgen. Um 02:50 Uhr Bordzeit liegt DAISY steuerbords längsseits vertäut an der Visitorspier in Horta, Faial, Azoren. Es gibt Campari-Orange und ein Glas Weißwein oder zwei. Um acht UTC und Ortszeit öffnet das Hafenbüro. Das Einklarieren dauert bis 09:40 Uhr.
Bisschen müde, aber glücklich über eine harmonische Seereise, nach dem Anlegen in Horta: Gisela, Bärbel und der Skipper.
1733,1 nm liegen im Kielwasser. Die Crew ist mehr als wohlauf. Vor der DAISY liegt die MINDEDAL aus Hamburg. Ihr Skipper erzählt von Reisen nach Japan, Neuseeland und Australien, die er mit der 22-t-GFK-Ketsch in den vergangenen 17 Jahren hinter sich habe. Aktuell kommt er aus der Karibik.
Blick über den Hafen Horta mit DAISY zur nächsten Azoreninsel Pico mit dem 2390 m hohen Berg gleichen Namens.
Die Piers der Marina Horta sind über und über mit Bildern und Malereien bedeckt, mit denen sich Segler hier für gewisse Zeit in Erinnerung bringen. Wie ein Eingangsteppich liegt vor der Pforte der DAISY das Erinnerungsgemälde der RUACH, jenes Schoners, der in Las Palmas vor ihrem Bug ankerte.
Am Donnerstag, 2. Juli, um 07:40 Uhr macht die SARA aus Stockholm, eine Beneteau 50, an der DAISY fest. Das Schiff bringt die Crew, vier Spanier, von Tortola, Britisch Virgins, nach Mallorca. Fünf Minuten später läuft eine elegante weiße Ketsch ins Hafenbecken: Ein Herreshoff-Riss. Die ELEMIRAH mit ihrer Skipperin Rosemarie geht zwei Boote voraus ins Päckchen. Da sie ihr Schiff in die EU einführt, gibt es größeren bürokratischen Aufwand. Gisela und der Skipper bringen der ELEMIRAH schon mal fünf Semmeln zum Frühstück mit.
21. Etappe: Azoren - Lissabon
Henry, Alfred und dessen Sohn Thomas bilden die Crew für die Tour nach Portugal. Zunächst geht es von Horta nach Graciosa, wo es eigentlich keinen Yachthafen gibt. Dafür ein nettes kleines Restaurant im Dorf mit gutem Essen und erstklassigem Wein. Die Nacht endet etwas abrupt durch die Schraubengeräusche eines Kümos, das zwei Meter vor der DAISY an die Pier geht. Die Crew ist schnell wach, und schon fliegen die Leinen. Der nächste Frachter ist bereits in Sicht. Wäre eng geworden im Hafen. Da sorgt Terceira schon für eine bessere Überraschung. Hinter der hohen Mole versteckt sich eine nagelneue Marina. Die Einfahrt mutet für Schiffe von der Größe der DAISY etwas abenteuerlich an, aber nach Besuch mit dem Dinghi klappt es einwandfrei, sie an die Leeseite des Schwimmsteges zu legen.
Praia Vitoria zählt immerhin zum Weltkulturerbe, zu Recht, wie ein Besuch in der malerischen Stadt bestätigt. Die Liegegebühr von 10,64 Euro lädt eigentlich eher zum Bleiben ein. In der Tat findet man hier von Horta her bekannte Gesichter und ihre Yachten dazu. Gerade als DAISY klar zum Auslaufen ist, kommt eine 36'-Yacht unter Schweizer Flagge herein. Das Paar aus Basel startete vor 27 Tagen in New York und hatte neben zwei Stürmen eher ruhiges, windloses Wetter.
DAISY segelt bei südwestlichen Winden bis ca. 18 kn durch die Nacht. Mit Besan, Fock und Genua kamen bis zu acht Knoten SOG heraus. Die erste Nachtfahrt der neuen Crew. Um 8:30 Uhr lag DAISY stb längsseits an der Rezeptionspier in Punta Delgado. Nach langer Einklarierungsprozedur - immerhin schon der dritte Hafen, den DAISY in Portugal anläuft! - musste sie in die neueste Marina der Gegend verlegen: Vor einer Woche wurde der neue Yachthafen in Delgado eröffnet. Endlich ist der Liegeplatz H 54 gefunden! Alfred produziert zum Lunch Kartoffelpuffer vom Feinsten. Und abends gibt es Dinner im Restaurant nach Landesart. Der Wetterbericht läßt die Crew hoffen, mit leichten Nordwinden nach Osten zu kommen. Los geht's!
Der Skipper tauscht noch den Impeller der Motorbilgenpumpe, erwirbt einen neuen Saugschlauch und baut ihn ein. So arbeitet die Pumpe wieder tadellos. Bei blankem Himmel und 1031 hpcl läuft die DAISY am 11. Juli um 14 Uhr Bordzeit aus Punta Delgado aus. Es weht aus Nord mit ca. 10 kn. Unter gerefftem Groß, Genua und Stagfock läuft sie die Südküste der größten Azoreninsel entlang nach Osten. Dann wird es ein NE mit 15 kn. 7,7 kn SOG. Alle acht bis zehn Stunden kommt der Generator zum Einsatz um Strom zu liefern. Alfred versorgt schon von Horta an die Crew mit köstlichen Gerichten. Kartoffelpuffer mit Zwiebel und Speck z.B. oder Risotto, Steak mit Pellkartoffel und gebratenen Tomaten oder Thunfischsalat und jeden Tag ein klassisches Frühstück mit Ham and Eggs im Brotmantel etc.
Am dritten Tag nimmt der Wind noch zu. Das zweite Reff im Groß mindert die Steuerbordlage etwas. Henry hadert ein bisschen mit dem Atlantik und der Schräglage. Die anderen beiden liegen in Steuerbordkojen wohl geborgen. Aber auch der Skipper ruht an backbord und deshalb im Leesegel. Die Wetterkarte des DWD weist den Kurs. Doch als der Wind mal zu weit auf ENE dreht nutzt der Skipper das, um Höhe zu machen, ohne Ostweg zu verlieren. Mit Etmalen von 142 und 158 nm rauscht DAISY dem Ziel entgegen. Am 17. Juli brist es kräftig auf. Es sind wohl 30 kn aus NE die morgens um sieben Bordzeit weiteres Reffen erzwingen. Je dichter an Land um so nördlicher weht es jetzt. DAISY läuft direkt in die Tejomündung hinein. Um 15 Uhr Bordzeit startet der Skipper die Maschine, um 15.48 liegt der „Fliegende Holländer“ an der Rezeption der Marina Cascais. Es ist Hauptsaison und nun erfährt die Crew warum der Hafen auch gern "Cashcash" genannt wird. Über 70 Euro pro Tag! Da wird die Erholungsphase auf einen Tag eingedampft und am 19.Juli winkt die Crew Neal zum Abschied. Der junge Skipper aus Schottland betreut die QUESTER, eine brandneue Oyster 54, die neben der DAISY lag. Ein 2-Mio-Dollar-Teil mit allen denkbaren Schikanen. »But you have more space,« meinte Neal als er die DAISY besichtigte. Die 173 Meilen nach Aveiro hinauf mussten teilweise motort werden.
Kurz vor Sonnenuntergang wird die Hafeneinfahrt erreicht. Nach sechs Meilen Binnenfahrt gab es dort einen nächtlichen Anleger der Marke Glückspilz. Jemand hatte am einzigen Schwimmsteg des Segelclubs von Aveiro exakt 19,5 m freigelassen. Das davor ein Kabel nur 21 m über dem Wasser querte, stand nirgends vermerkt und sorgte erst tags drauf für Stirnrunzeln. Nix passiert, da bei Niedrigwasser eingelaufen.
Historische Kanalschifffahrt im Zentrum von Aveiro, Portugal. Die Stadt macht einen Eindruck von bunter Lebhaftigkeit und Prosperität.
Nach einem Test der örtlichen Kochkünste und einer ausführlichen Besichtigung des hübsch gestalteten Ortskerns und einem ausgiebigen Französischratsch mit Eliane und Jean-Yves von der KAITUS aus St. Nazaire ging es am 23. wieder nach Süden. Figuera de Foz hat auch eine Art Marina. Da war selbst der sonst eher coole Thomas verblüfft, als er beim Marinamensch anmerkte, dass 60 Euro eigentlich ziemlich teuer seien für diesen wackeligen Steg ohne jede sanitäre Einrichtung und die entwaffnend offene Antwort erhielt: Ja, das ist teuer.
Peniche zeigte sich um ein Vielfaches malerischer mit Zitadelle und engen Gassen in der ansonsten recht anspruchslosen Altstadt. Das Segeln wurde von windlosen Stunden bestimmt aber am Nachmittag erwacht hier offenbar regelmäßig eine muntere Brise aus Nordwest bis West, wenn das Land warm genug wird.
So gestaltete sich auch der letzte Schlag in die Tejomündung. Unter Genua allein segelte die DAISY fast bis ins Stadtzentrum Lissabons für einen krönenden Abschluss dieser Etappe. Mit 1362 Meilen auf der Logge legte sie sich schließlich in die drei Jahre alte Marina Oeiras zwischen "Cashcash" und Lissabon. Für nur 53 Euro pro Tag. Und um den Charme von Cascais zu genießen gibt es eine S-Bahn für 1,30 €. Alternativ könnte man auch in der Bucht von Cascais ankern. Allerdings würde das der neuen Crew den Weg erschweren und das Verproviantieren…
22. Etappe: Lissabon - Palma de Mallorca
Nun ja so kamen Reiner, Gabi, Marie-Theres, Thomas und Hasso trockenen Fußes an Bord. Thomas hatte weitblickend ein Auto gemietet, womit der Proviant für die nächsten Tage problemlos besorgt werden konnte. Der Skipper ging derweil Wäsche waschen und schreiben, was man hier locker nachprüfen kann. Der Abend vereinte die Crew erstmals zu einem Supper in Cascais, bei Oma, einem winzigen namenlosen Lokal eine Treppe und zwei Straßenecken vom Touritrubel entfernt, wo auch die Vorgängercrew schon zweimal Gast war. Oma und Opa fabrizieren dort am Grill und in der Küche gute Fisch- und Fleischgerichte zu günstigen Rahmenbedingungen unter einer malerischen Weinlaube.
Am 26. um 10 Uhr Ortszeit soll es weitergehen Richtung Mittelmeer. Es wird allerdings nach 12 ehe die Leinen losgeworfen werden. Das liegt daran, dass der Skipper unterstützt von Reiner die unterste Stufe des vorderen Niederganges mit einer soliden Holzstütze festigt. Die Einweisung der neuen Crew in das Schiff fordert ebenfalls ihren Zeittribut. Thomas, Marie und Gabi sind mit der DAISY schon recht vertraut. Nur Reiner und Hasso müssen noch mit ihr bekannt gemacht werden. Die Benutzung der Waschräume, die Rettungsmittel und nicht zuletzt der spezifische Notfall-Rollenplan wollen eingehend erklärt sein. Der Skipper war nämlich auf den Trichter gekommen, dass es nicht viel Sinn machen kann, Notfallaufgaben an Personen festzumachen, die im Falle des Falles vielleicht gar nicht mehr zur Verfügung stehen. Katastrophales Geschehen kann nun mal schwer vorhergesehen werden. Also gibt es auf der DAISY drei Aufgaben im Notfall zu erledigen: A) eine der beiden Rettungsinseln zu Wasser bringen, B) Kommunikations- und Navigationsmittel einpacken, C) Verpflegung und Papiere einpacken. Dieser Rollenplan hängt klar lesbar im Navigationsschrank, dazu eine Erläuterung, wie mit dem DSC-Funkgerät ein Notruf abgesetzt wird. Anprobe der persönlichen Rettungsweste mit Lifebelt gehört natürlich auch zur Einführung.
Bei blankem Himmel, hohem Luftdruck von 1030 hpcl und rund fünf Knoten SW bugsiert der Skipper sein Schiff um 12.10 Uhr aus dem Hafen. Als Vizeskipper ist wieder Thomas eingeteilt, wie in der Karibik. DAISY läuft unter Genua, Groß und Besan nach Süden.
Um 20 Uhr fällt der Anker im Vorhafen von Sesimbra bei 38°26.3 N und 009°06.5 W. Der Skipper sorgt für ein spätes Dinner mit Putenfleisch, Zucchinigemüse und Salzkartoffeln. Am folgenden Morgen rasselt um 8.15 Uhr die Ankerkette in den Kasten. Es entwickelt sich nach einer Motorstunde ein herrlicher Segeltag mit nordwestlichem Wind. Der Start zu einem größeren Sprung. Das Ziel heißt Lagos. Gegen 2 Uhr des 29. Juli geht DAISY an den Rezeptionsponton vor der Klappbrücke. Am Morgen gibt es zwei Überraschungen: Ihr wird eine Box im Hafenbecken zugewiesen, die sich als viel zu klein erweist, und auf dem Weg dorthin passiert sie eine schmucke Ketsch im Herreshoff-Design mit weinroter Sprayhood und ebensolchen Segelpersenningen. Das Schiff liegt an einem Hammerkopf, wie ihn auch die DAISY gut gebrauchen hätte können. Aber die ELEMIAH war eben schon früher angekommen. Von Rosemarie und Ian leider keine Spur, auch von der übrigen Crew nichts zu sehen.
Diejenige der DAISY zerstreut sich in Lagos, wo es Beeindruckendes zu sehen gibt, zum Beispiel die BOA ESPERANCA, die originalgetreue Replik einer historischen portugiesischen Karavelle mit Lateinersegel. Tags drauf geht es ostwärts an der Algarve entlang, einem Ereignis entgegen, das der Skipper immer für besonders unmöglich gehalten hat. Hinter der Küstenlinie von Faro und Olhao findet die DAISY im Achterwasser einen wunderschönen und sicheren Ankerplatz. Die Gezeit hat hier einen Hub von etwas über drei Meter. Zur Springzeit etwas mehr. Als die DAISY-Crew nach Strandbesichtigung, Besuch in Olhao und erholsamer Nacht den Anker lichtet, läuft das Wasser ab, bei Neumond.
Eigentlich ein günstiger Moment um auszulaufen. Doch die Betonnung lässt hier recht zu wünschen übrig und der Rudergänger wähnt sich nur auf dem rechten Weg. Am Navigationstisch unten muss der Skipper dieses verflixte Geräusch hören: Schschsch. Dann steht das Schiff. Jeder Versuch, es von dem Schithaufen herunter zu bringen, scheitert am schnell ablaufenden Wasser. Schon neigt sich die DAISY. Der Grund ist Schlick wie im Wattenmeer. Ruhiges Wasser, keine Gefahr für die Außenhaut der DAISY. Sie legt sich vollständig auf die Steuerbordbacke. Sieben Stunden muß die Crew warten bis ihr Heim wieder aufschwimmt. Ab 01.15 Uhr nachts steuert der Skipper sie selbst an den spärlichen Tonnen entlang durch die enge Ausfahrt auf das Meer hinaus. Um 02.15 ist es geschafft. Teamwork: Thomas in der Navigation an GPS und Karte, Marie an Echolot und Speedometer, Reiner vor dem Mast als Ausguck.
Draußen gibt es kaum Wind. Erst um 06.30 Uhr läuft DAISY unter Genua und Besan 7,5 kn nach 108° Um 15.20 liegt sie längsseits fest in Puerto Americano in Cadiz. Aber sie wird abgewiesen: Zu groß für die Marina. Sie verlegt nach Puerto Sherry, quer über die Bucht von Cadiz. Von dort bzw. von Santa Maria aus, was in vierzig Minuten zu Fuß erreicht wird, gibt es eine schnelle Fährverbindung nach Cadiz. Die Crew entschließt sich, zwei Nächte hier zu bleiben, was ein herzliches Wiedersehen ermöglicht. Zunächst verliert sie sich in den malerischen Straßen der alten, einst mächtigen spanischen Hafenstadt. Der Skipper wechselt den Hauptschalter für die Ankerwinsch aus. Morgens um 07.30 Uhr soll es dann losgehen Richtung Gibraltar.
Zum Aus-Checken legt die DAISY neben dem Rezeptionsponton an. Dieser ist besetzt unter anderem von einer schlanken Ketsch mit weinroter Sprayhood. Der Skipper ruft im Vorbeigehen den Schiffsnamen: ELEMIAH! Im morgendlichen Sonnenlicht gibt es eine Wiedersehen wie im Film: Im Sonnenaufgang auf der hohen Brücke zum Ponton: Rosemarie und Ian laufen ihm entgegen. Sie wollen die ELEMIAH hier eine Weile liegen lassen. Man sieht sich eventuell im Mittelmeer.
101 € kostet die Hafengebühr in Puerto Sherry für die DAISY. Zunächst waren 160 € berechnet, weil sie in einer 25-m-Box gelegen hatte, die ihr zugewiesen worden war. Kann ja wohl nicht wahr sein! Es weht heftig aus Südost. 1. Reff in Groß und Genua. Mittags hört der Skipper den neuesten lokalen Wetterbericht. 7 – 8 Bft E in Tarifa. »Haben wir das nötig?« Die Welle hat Teilen der Crew schon bis dahin ziemlich zu schaffen gemacht. Um 19.05 Uhr liegt DAISY wieder in Puerto Sherry am Rezeptionsponton. Ihr alter Platz im Hafen ist nun belegt: Dort ist nun die ELEMIAH vertäut. Doch die Crew ist offenbar bereits an Land gegangen. Achteraus der DAISY liegt ein schwedischer Kutter. Seiner Crew ist es ebenso ergangen: Auch sie ist dem Sturm ausgewichen.
Am Montag, 4. August sieht die Lage anders aus: Erst zu wenig Wind. Aber dann! Um 23 Uhr liegt DAISY im Hafen von Tarifa. Erinnerungen werden wach. Vor Jahren hat der Skipper hier mit der ANTARES einen Sturm abgewettert. Der nächste Tag bringt DAISY nach Gibraltar und 120 l günstigen Diesel in den Tank. Etwas bang, was den möglichen Preis betrifft, nimmt der Skipper das Liegeplatz-Angebot der Queensquay-Marina an. Vor zwei Moorings und Heckleinen liegt DAISY wenig später mitten in der englischen Stadt zwischen noblen Motor- und Segelyachten. Britisches Dinner in »The Clipper«. Mit 37 GBP erweist sich die Liegegebühr dann doch als erschwinglich.
Tags drauf passiert die DAISY um 10 Uhr den Felsen von Gibraltar. Die Einfahrt ins Mittelmeer ziert tatsächlich eine Moschee! An steuerbord bemühte man sich mit zwei riesigen Schwimmkränen ein »vessel on ground« zu bergen. Nachmittags gab es Spi-Wetter. Die 270 qm gingen hoch. Der Skipper wollte sich vergewissern, dass die Naht gut repariert ist. Nach zwei Stunden packt er ihn beruhigt wieder ein: Kein Wind. Gegen 20 Uhr gibt es Rindersteaks mit Kartoffel und Pfannengemüse. Die ganze Nacht muss die Maschine helfen. Am Vormittag bringen Genua und Besan die Geschichte voran. Um 14 Uhr ist der Zielhafen Almeria erreicht. Schon in der Einfahrt zur Marina wird die DAISY abgewiesen: Zu groß. Im riesigen fast leeren Handelshafen daneben findet sie auch keine Gastfreundschaft. »Dann gehen wir eben nach Cartagena!«
Morgens um 7.30 Uhr am Freitag 8. August liegt DAISY sehr freundlich aufgenommen stb. längsseits fest in der schönen und komfortablen Marina von Cartagena. Der weitläufige Naturhafen mit großer Geschichte lockt zu längerem Bleiben. Selbst der Taxifahrer verweist stolz auf die punische Zeit seiner Heimat. Gabi und Reiner entschließen sich, die Strecke nach Alikante per Bahn oder Bus zu bewältigen, um vor ihrem Abflug auch diese Stadt noch besichtigen zu können. Beim Heißen des Großsegels geschieht dem Mann an der Winsch ein Missgeschick: Dem Skipper ist zum Heulen als er das Loch sieht. Das Vorliek verhakte sich unterhalb des ersten Reffs im Reffhaken. Das gute Groß, das die DAISY so weit brachte, nur noch im ersten Reff zu gebrauchen. Da muss ein Segelmacher helfen.
Nach einem herrlichen Segeltag läuft DAISY in Torrevieja ein und ankert günstig im Vorhafen. Es gibt gehaltvolle Kartoffelsuppe mit spanischem Salat. Puerto de Calpe wird ebenfalls segelnd erreicht, bei 36° C nach Passage der eindrucksvoll gestaffelten Hochhäuser von Benidorm. Ein sehr schmackhaftes aber von den äußeren Bedingungen her eher windiges Dinner im »La vieja Bruxelles«. Es weht mit 5 – 6 Bft in die Stadt. Leider kann am Morgen Otto, der Segelmacher nicht aufgetrieben werden. Also wird die Reparatur verschoben. Nach acht Segelstunden und 65 Meilen fällt der Anker bei Isla Sabina auf Formentera. Die Balearen sind erreicht. Wieder ein Stelldichein der Superyachten. Die futuristisch anmutende Motoryacht »A« beeindruckt besonders. Im Puerto Ibiza wird der DAISY erst ein Platz für ein 11-m-Schiff zugewiesen, was nicht klappen kann. Die Nachfrage in der Marina nebenan wird knapp beschieden: »The port is full«. Gut, dann ankern wir eben wieder um die Ecke. In der Cala Botafoch liegt auch schon mehr als ein Dutzend Boote. DAISY findet noch Platz. Das Dinghi ermöglicht der Crew einen ausgedehnten Landgang.
Morgens dreht der Wind und ehe er eine größere Welle in die Bucht schieben kann, geht der Anker der DAISY hoch. Bei 20 kn aus NE begibt sie sich auf die Kreuz nach Palma de Mallorca. Am frühen Morgen des 14. August fällt der Anker wieder und zwar in der Bucht von Palma. Erst mal schlafen. Um 14.10 liegt das Schiff dann an der Tankstelle des Real Club Nautico Palma und eine Stunde später mit 230 l Diesel mehr im Bauch, auf dem vom Shore-Office Gerlinde vorbestellten Platz vor Bugmurings und Heckleinen. Die Crew erkundet Palma. Der Skipper schlägt das Groß ab. Am Morgen drauf holt der Segelmacher den schweren Sack ab. Die Etappe 22 wird beim Dinner in einem kleinen Lokal beendet. Tags drauf wechselt der Skipper die Maceratorpumpe des Fäkalientanks aus.
23. Etappe: Palma de Mallorca, Spanien – Bastia, Korsika, Frankreich
Am Abend treffen Gerlinde, Knut mit Sohn Stefan und Hildegard ein. Der folgende Sonntag wird ganz der Stadt Palma gewidmet – und dem Anschlagen des Großsegels. Ein ausgreifender Streifzug durch einen riesigen Carrefour-Markt bringt am Montag die Proviant-Basis für die nächsten 10 Tage an Bord. Da der Liegeplatz hier 130 € pro Nacht kostet, wird noch um 17.30 abgelegt. Um 18.10 fällt der Anker vor Arenal vor dem Strand in der weiten Bucht von Palma. Knut stimmt die neue Etappe kulinarisch ein: Pasta mit Sardellen und schwarzen Oliven und Salat.
Mahon auf Menorca heißt das nächste Ziel, aber der Wind spielt nicht so recht mit. Deshalb findet die Kreuzerei gegen den unzuverlässigen ENE tags drauf in der Cala Entugores, Mallorca, ein vorläufiges Ende. Um 05.30 beginnt der neue Reisetag. Sieben Stunden schnelles Segeln unter gerefftem Groß und Genua! Aber auch sieben Motorstunden sind erforderlich um gegen 23 Uhr Mahon zu erreichen. Der Elektromotor des Autopiloten macht bisschen Probleme. Der Anker fällt im nachtschwarzen und doch lichtglitzerndem Wasser des Fjordes vor der Stadt. Am nächsten Tag wieder eine Überraschung: Eine knallrote Maxi-Ketsch liegt an der Stadtpier vor Murings und Heckleinen in der dichten Reihe von Motor- und Segelyachten. Die APHRODITE hat hier ihren Heimathafen, berichtet der freundliche britische Marinero, der der DAISY am Sunseeker-Kai einen Platz zuweist und die Muringleine übergibt. Leider mit einem kleinen Fehlgriff: Die kräftige Trosse wickelt sich um die Schraube. Nach einem halben Dutzend Tauchgängen des Skippers ist die Schraube wieder frei. Dann holt er die Kohlen aus dem E-Motor des Autopiloten, reinigt sie und mit dem Staubsauger auch den Kohlenkanal des Elektromotors, was dazu führt, dass dieser fortan störungsfrei arbeitet. Ein köstliches Abendessen in der quirligen malerischen Stadt im Restaurant "222" entschädigt für die Mühsal.
Der Wind lässt auch am folgenden Tag sehr zu wünschen übrig. Das gibt dem Skipper Gelegenheit, bei Motorfahrt eine Obstipation der vorderen Toilette zu bereinigen. Für Knut und Stefan bringt der Weg nach Sardinien die allererste Nachtfahrt auf dem Meer mit sich. Ab 21.20 schweigt die Maschine. Unter gerefftem Groß und Genua läuft DAISY bis zu 7,5 kn SOG nach 80°. Um 13.10 fällt der Anker in der weiten Bucht von Porto Conte, Sardinien. Unglaublich blaues Wasser, herrliche Umgebung mit schroffen Felsen und sanften Hügeln. Nach einer Badepause verlegt DAISY nach Alghero und bekommt für 100 € einen feinen Platz vor Muring und Heckleinen fast in der ersten Reihe dicht an der Altstadt mit Strom und Wasser und WC und Dusche. Alghero verdient zweifellos mehr als einen Tag, so dass die Ankündigung eines Mistrals mit 7 Bft in der Straße von Bonifacio das Bleiben erleichtert. Die Crew durchstreift die Stadt reichlich ausgebend, so dass es nicht schwerfällt, am späten Nachmittag an den romantischen Gratis-Ankerplatz in der Cala del Bollo in Porto Conte zu verlegen. Landgang per Dinghi.
Wieder wolkenloser Himmel am nächsten Morgen und kaum noch Wind. Aber um 06.32 geht der Anker hoch. Dass Ziel heißt Bastia, Korsika und liegt 176 Meilen entfernt. Ein NW mit 10 kn hilft ein wenig. In der Straße von Bonifacio kommt das Wasser zurück Gut drei Knoten Gegenstrom. Kaum liegt die Straße nach Einbruch der Dunkelheit im Kielwasser, bleibt der Wind ganz weg. Den Skipper erreicht telefonisch die Nachricht von einem Raubüberfall auf eine Luxussegelyacht in Porto Vecchio, nur ein paar Meilen an backbord voraus am selbigen Tag. »Dann fahren wir da eben nicht rein.«
Um 12.45 liegt die DAISY an der Bunkerstation im Alten Hafen von Bastia. 275 l Diesel laufen in den Tank. Das Schiff wird an die Pier verholt vor Bugmuring und Heckleinen. Stephan, Lolla und Wolfgang treffen ein. Das gemeinsame Dinner auf der Promenade enttäuscht Teile der Tafelgemeinschaft allerdings dank eines staubtrockenen Steaks im Touri-Menü. Früh morgens gehen Knut, Stefan und Hildegard von Bord. Umständehalber, die der Flugplan diktierte, wird die Etappe hier in Bastia beendet.
24. Etappe: Bastia – Palermo
Nach dem Frühstück Crew-Einweisung. Vize-Skipper Stephan nannte bereits drei Schiffe sein eigen und weiß rasch, worum es auf der DAISY geht. Mittags fliegen die Leinen los, aber der Wind spielt eher lustlos mit. Es wird eine Motorfahrt nach Porto Vecchio. Am folgenden Tag kann DAISY wenigstens drei Stunden ihre Segelqualitäten zeigen, ehe in der Cala Portese auf Caprera, Sardinien der Anker fällt. 25 € für die Nacht werden hier kassiert. In der Cala Spalmatore wollten sie 80 € für eine Nacht an der Boje. Kurzer Besuch in Madalena zum Wasser bunkern und Einkaufen. Dann zweieinhalb Stunden segeln nach Cala di Volpe.
Costa Smeralda! Wunderschöne Küstenlandschaft und ein Stelldichein der Megayachten aus aller Welt. Die dunkelblaue Slup SAVANAH aus Hamilton unter der Flagge von Wales liegt bald achteraus. Kotelett mit Spezialkartoffeln und gemischten spanischen Salat! Weil es so schön ist kehrt die DAISY nach einem Segelausflug für eine weitere Nacht hierher zurück. Die himmelblau gestrichene Megaketsch TOTO unter der Flagge der Marshallinseln legt sich recht dicht neben sie.
Die Überquerung des Tyrrenischen Meeres steht an. Schon zu Roms Zeiten ein schwieriges Unterfangen. DAISY kann wenigstens bis in den frühen Abend segeln, dann muss der Dieselsklave herhalten. Bei Sonnenuntergang quert eine Schule riesiger Wale den Weg, zeigt ein paar Mal große Rücken und pustet Fontänen in die Dämmerung. Leckere frische Ravioli mit Salat zum Abendessen. Nach Sonnenaufgang gibt es wieder eine Mütze voll Wind. Am frühen Nachmittag findet DAISY einen hübschen Ankerplatz in der Bucht nördlich des Hafens von Ponza auf der gleichnamigen Insel. Zackige Felsen rundumher. Noch viele Urlauber zum Saisonausklang in der verwinkelten Stadt, die in Jahrhunderten an den steilen Fels geklebt wurde.
Von hier sind es nur 28 nm hinüber nach Ventotene. Ein Hauch von Wind setzt DAISY immerhin in bis zu fünf kn SOG um. Die Regattasegler vom Bayerischen Yachtclub Starnberg, Stephan und Wolfgang, staunen: »Hatte nicht geglaubt, dass 30 Tonnen bei so wenig Wind so schnell sein können.« Um 19.10 stellt der Skipper nach dem Anlegemanöver in der Cala Rossano die Maschine ab. Vor Bugmuring und Heckleinen liegt die DAISY hinter der hohen Kaimauer der kleinen feinen Ortschaft gegenüber. Ein leckeres Fischessen im Hafenrestaurant schließt den Tag. Der 3. September bringt nur windlose Hitze. Nur der Fahrtwind auf den 26 nm nach Ischia kühlt etwas. Am frühen Nachmittg fällt der Anker hinter der künstlichen Landbrücke zwischen Ischia und dem Castello Aragon. Eine gewaltige Kulisse aus Geschichte und Natur.
Vor dem Start am folgenden Tag presst der Skipper Schmierfett in die Wellenanlage. Ab Mittag fangen die vier Segel der DAISY genug Wind ein, um auf 5,5 kn zu kommen. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit fällt der Anker vor Salerno zwischen Puerto Nuovo und Puerto Touristico. Zweimal Feuerwerk vor der hell erleuchteten Stadtpromenade und muntere Musik bilden den Rahmen für ein Sahnegeschnetzeltes auf Spaghetti mit grünem Salat und eiskaltem Rosé: Der Abschiedsabend für Lolla, Stephan und Wolfgang.
Der Skipper bugsiert am Vormittag darauf die DAISY rückwärts ins hinterste schmalste Eck des Puerto Touristico, um die Crew abzusetzen. Nach einer Stunde muß wieder abglegt werden. Die Frage nach einem Liegeplatz löst bei dem Hafenbeamten nur Schulterzucken aus und einen vagen Wink nach Süden und einen nach Norden. »Alteri Puerti«. Nun ist aber auf der DAISY Wasser gefragt, Gas und einige Lebensmittel und natürlich will das An-Bord-Kommen von Klaus organisiert sein. Der Skipper legt ab und geht mit Gerlinde auf Liegeplatzsuche.
Im Puerto Nuovo gibt es eine Pier, an der offenbar gebaut wird, wenn nicht Freitagnachmittag ist. Bauschutt, Bauzäune, Baumaschinen und Unrat schmücken den Kai. Aber es findet sich ein Wasserhahn in Schlauchentfernung. Weiter innen liegen die weißen Motorboote der Hafenpilots vertäut, weiter außen an einem anderen Abschnitt riesige rote Schlepper. Also legt der Skipper hier an der offenbar unbenutzbaren Kaimauer an. Wasser wird gebunkert. Daneben tankt ein kleines Fischerboot Diesel aus einer Unterflur-Zapfstelle. Ein Motorboot legt vor der DAISY an und entlässt ca. 50 Passagiere in den Schmutz an Land.
Klaus trifft ein. Er war mit dem Zug angereist. Herzliche Begrüßung an Bord. »Lass uns was essen gehen«. Nun liegt die »kleine« DAISY mit ihren 18 Metern und zwei aufragenden Masten ganz unauffällig schon gute zwei Stunden an dem Platz. Keine Beschwerden. Als Skipper und Crew von Essen – übrigens ausgezeichnete Gnocchi im »Santa Lucia« direkt an der Promenade – und Einkauf zurückkehren, tummelt sich ein rundes Dutzend weiß uniformierter Herren um das Schiff. Streifenwagen stehen vor dem Bauzaun. Guardia Costiera Salerno, vermutlich die komplette Truppe dieses Freitagnachmittags. DAISY wurde um eine Schiffslänge nach Norden verholt, dürftig vertäut. Leutnant Pasquietta, Mitte der Dreißig, militärisch kurzes Haar, geht mit gesenkter Stirn auf den Skipper zu: »We have a big problem. This is the statione for the ferries. Bring your papers and follow me.« Alle Vorhaltungen, dass hier nichts aber auch gar nichts auf einen Fähranleger hinweist, helfen nicht. Kein Gedanke an Gastfreundschaft, die ein fremdes Schiff gewöhnlich genießt und die der DAISY auf ihrer Reise immer wieder entgegengebracht worden war. Nicht aber im Tourismusland Italien.
Sie buchstabieren mühsam Adresse und Schiffsdaten aus den Papieren und füllen ein Formular aus. Mit dem soll der Skipper über dreihundert Euro bei der Post einzahlen, wegen Falschparkens. Der Einwand, dass eine solche Gebühr das eigentliche Problem keineswegs löst, bringt den Beamten nicht ins Grübeln. Schließlich bietet Signore Pasquietta aber auf heftiges Nachfragen einen Liegeplatz im Handelshafen an, der allerdings um sechs Uhr morgens geräumt sein muss. »Danke, wir gehen wieder ankern«. »Okay and go in Palermo to the postoffice, ask for a form like this and copy the dates and send it via fax«. Aha! Ob der Skipper das alles behält? Fast freundschaftlicher Abschied. Hoffentlich schafft es das Formular bis Sizilien.
Der Abend auf Reede vor Salerno wird wieder von einem Feuerwerk geziert und die Nacht von lebhafter Discomusik, die der Nordostwind herüber trägt. Morgens Dinghi zu Wasser und die Crew an Land. Ausflug nach Pompeii, ein Muss, wenn man in der Gegend ist. Der Skipper kennt den ausgegrabenen Unglücksort schon, weshalb er leichten Herzens an Bord bleibt. Endlich Zeit zum Schreiben. Ecco.
Die Liparischen Inseln liegen vor dem Bug. Am Stromboli muß auf 30 m geankert werden, das Gelände unter Wasser fällt steil ab und die flacheren Stellen sind schon besetzt. Aber das Eisen hält. Diese urtümliche Inseln faszinieren auf besondere Weise. Die rauchenden Gipfel von Stromboli und Vulcano, dazwischen quirliges Leben auf Lipari mit uralter Bausubstanz. Die Römer lassen grüßen. Dann nach Sizlien. Cefalu gibt umständehalber nur einen Ankerplatz her, der Hafen ist für diesmal zu voll. Es folgt der letzte Schlag der Etappe: 39 nm nach Palermo. Palermo! so nannte sich der Allround-Beschaffer von Santo Domingo! Hier heißt er Maurizio. Er besorgt die Wäsche, eine riesige Gasflasche, Taxi für die Crew.
Etappe 24a Palermo - Lipari - Palermo
Die Schwaben treffen ein. Sechs Herren aus dem Ländle begeben sich vorsätzlich in die Hand des Skippers. Gut, dass er sich nun in den Liparischen Inseln schon auskennt. Die große Runde beginnt mit Ustica. Tropische Regengüsse bleiben in Erinnerung. Alicudi und Filicudi müssen passiert werden. Lipari und Vulcano werden zu Stationen. Für den Weg auf den aktiven Vulcano verlangt man dort drei Euro. "But be carefull, it's toxic". Wenn die Alpengemeinden für jeden ihrer Berge Eintritt fordern würden, könnten sie bessere Wege anbieten als jenen, der zum Vulcano-Kraterrand hinaufführt.
Vom aktiven Vulcano schweift der Blick über die Lipaischen Inseln bis zum Stromboli an Horizont. Im Vordergrund rechts ankert die DAISY.
Dort schwefelt es aus Dutzenden von Löchern, und stinkende Schwaden ziehen nach Westen. Der Weg führt den Skipper und zwei Begleiter aus der Crew halb um den Krater. Drinnen im grauen Schlund tief drunten ein See wie aus Blei, auf dessen Fläche man aus Steinen VIETATO geschrieben hat. Der Ausblick in die weite Inselrunde, über die sich das Abendlicht senkt, verschlägt den Atem. Zu Füßen erstarrte Lavazungen, an deren Enden die Inselbewohner prächtige Häuschen mit anmutigen Gärten errichtet haben. Ein heißes Pflaster zweifellos. Der Abend sieht die Crew wieder vereint in einem fast leeren Restaurant - die Saison ist eigentlich vorüber - am Schwefelbad unten nahe dem Strand.
Tags drauf erlaubt eine stetige Brise herrliches Vollzeug-Segeln. Der Kurs gilt Siziliens Nordküste. In Santa Agatha hat sich eine kleine feine Marina etabliert, die auch der DAISY Platz bietet. Zum Supermarkt wird das Einkäufertrio mit dem Benz gefahren und zum Dinner holt der Wirt eines empfehlenswerten Restaraunts die Crew mit einem ebensolchen Gefährt ab. Das Abendessen hat Erinnerungswert.
Der nächste Schlag führt die DAISY wiederum nach Cefalu. Diesmal bekommt sie einen Liegeplatz hinter der mächtigen Mole, und das wird auch nötig: Ein massiver Nordoststurm peitscht in der Nacht mächtige Wellen in das Hafenbecken. Einer sehr großen Motoryacht, die auf der anderen Seite den Wellen ausgesetzt liegt, brechen zwei wuchtige Trossen. Sie bleibt jedoch unbeschädigt. Die DAISY-Crew verbringt den Abend in der überaus malerischen alten Stadt. Das Gelato-Festival bietet eine Welt von Schleckereien.
Es braucht seine Zeit, bis der Starkwind abflaut. Aber um 15 Uhr des folgenden Tages sammelt der Skipper die Crew auf dem Schiff. DAISY läuft aus. Es ist Nacht in Palermo, als sie nach rauschender Segelfahrt, die bis zu acht Knoten Speed bringt, an der Tanke im großen Hafen der sizilianischen Hauptstadt festmacht. Nach dem Diesel-Bunkern verlegt sie am Morgen wieder an die molo trappeziolo, wo Maurizio schon wartet.
Etappe 25: Palermo - Split
Sonntag, 21. September 2008. Sie sind noch beim Packen, Thomas, zweimal Helmut, Michael, Wilfried und Richard. 247 Nautische Meilen hat die DAISY sie in nur einer Woche und ohne Nachtfahrt durch den Liparischen Archipel getragen und davon nur 84 unter Maschine wegen Windmangel. Eine stolze Bilanz. Es türmt sich noch das Gepäck im Cockpit als auf dem Steg nacheinander zwei Herren auftauchen. »Ich bin der Stefan«, stellt sich der eine vor und »ich bin der Walter« der andere. Sie wollen nach 12 Uhr wiederkommen. Palermo hat viel zu bieten. Die beiden haben unterschiedliche Ziele mit der DAISY. Stefan der Mittdreißiger möchte den einwöchigen Schlag nach Korfu mitmachen und Walter, mit 76 der Senior unter allen Mitseglern, die insgesamt auf dieser ersten Reise der DAISY als Fliegender Holländer an Bord waren, will vier Wochen bleiben und von Split in Kroatien aus heimreisen. Schon rollt das Großraumtaxi an und die Schwaben befinden sich auf der Reise ins Ländle.
Stefan und Walter ziehen ein. Erst am Montagvormittag kann der Proviant ergänzt werden. Da die Wege in Palermo als entschieden zu weit empfunden werden, wird ein weiterer »Raubzug« auf den günstiger gelegenen Hafen Cefalu verschoben. Aber eine Korfu-Karte und ein neuer Wirbelschäkel für den Anker kommen mit. Den beiden Bordfahrrädern sei Dank!
Um 13.15 startet der Skipper die Hauptmaschine zur neuen Etappe. Um 14 Uhr sind Besan und Genua gesetzt, die Maschine hat wieder Ruhe, DAISY läuft mit 4 – 5 kn vor der Nordküste Siziliens nach Osten. Um 20.10 liegt sie vor Anker im Hafenbecken von Cefalu. Am Morgen danach verlegt sie an die Pier und frische Ware kann besorgt werden. Um 10.30 kreuzt sie gegen einen leichten NE auf, der allerdings bald einschläft und erst nachmittags wieder kommt.
Vor Milazzo fällt um 02.40 der Anker. Um 10.20 holt Stefan ihn mit der elektrischen Winsch wieder hoch, und der Rest der Strecke nach Messina ist um 16.40 geschafft. In der Marina del Nettuno findet die DAISY einen komfortablen Platz vor Bugmoorings und Heckleinen. Die Logge verzeichnet 117 Seemeilen seit Cefalu. Über den Himmel jagen dramatisch Wolken diverser Fronten, was den Charme der berühmten Stadt an der Meerenge eher unterstreicht. Ein ausgreifender Streifzug der Crew am Abend und ein weiterer tags drauf geben tiefe Eindrücke und berühren die bedeutenden Sehenswürdigkeiten. Es wird voraussichtlich, der letzte italienische Hafen vor Korfu sein. Denn nun steht der lange Schlag bevor.
Um 14.20 springt die Maschine an, um 15.05 sind Groß, Besan und Genua gesetzt. Aber nach dem Capo dell Armi ist für die nächsten vier Stunden Feierabend mit Segeln. Die Hähnchenschlegel des Dinners kann Walter ohne Schräglage zubereiten, ein köstliches Mahl. Aber dann kommt richtig Wind, wie vom Wetterbericht angekündigt. Aviso de burasca. Unter Genua und Besan läuft die Lady mit deutlich über sieben Knoten durch die Nacht. Bald verflüchtigt sich allerdings auch diese Front und der Diesel brummt ins Morgengrauen. Ab 06.10 herrscht wieder rauschende Ruhe. Groß, Besan und Genua sind dran. Mit bis neun Knoten jagt das Schiff den ganzen Tag über dahin, Kurs 66° bei böigem Nordwind Stärke 4 bis 5 Bft. und auch mal ein wenig drüber. Um 20.30 bittet Walter, der kochende Kernphysiker, wieder zu Tisch: Rindersteak mit Bratkartoffeln und Gurkensalat. DAISY eilt durch eine weitere Nacht. Ein herrlicher Morgen zieht herauf: Schon kommt Korfu in Sicht. Um 15.30 schweigt die Maschine, DAISY liegt an der Tankstelle in Gouvion. 430 Seemeilen seit Palermo.
Es ist Samstag, der 27. September. Stefan sieht der Begegnung mit seiner Partnerin entgegen und auf der Pier steht Physikstudiosus Matthias mit Papa Manfred bereit. Gepäck rüber und ab zum Liegeplatz in der riesigen Marina. Der große Supermarkt ermöglicht vollständige Proviantergänzung. Abends zeigt Stefan seiner hübschen Schuscha die DAISY.
Die neue Crew segelt tags drauf um die Insel herum und ankert mit leichter Verzögerung, sprich viel zu spät für die Gäste des Abends in der St-Georgios-Bucht. Dort haben Stefan und Schuscha ihr Urlaubsdomizil gefunden. Am Strand harren sie eisern aus, bis DAISY in der dunklen Bucht erscheint, der Anker fällt und das Dinghi zu Wasser kommt. Der Skipper holt die beiden an Bord. Es gibt Pasta Carbonara, gezaubert von Walter und paar Gläschen Rotwein.
Am 30. September schlägt der griechische Wetterbericht zu. Zwar läuft DAISY gegen Mittag aus aber die Sturmwarnung über UKW bewegt den Skipper zum Umkehren. Sturm in der Straße von Otranto muss man nicht haben, wenn es sich vermeiden lässt. Von einem Sturm ist zwar in der ganzen Nacht nichts zu spüren.
Am 1. Oktober ist alles klar. Um 09.50 verstummt die Maschine nach dem Ankeraufgehen und bei SE 4 – 5 genügen Besan und Genua für recht flottes Fortkommen Richtung Barletta, Italien. Die Kronburg des Kaisers Friedrich II. Castello del Monte, muss besucht werden, versichert der Skipper wiederholt. Schließlich segelt man nicht aus Jux in der Welt herum.
Am Donnerstag 2. Oktober gegen 18 Uhr läuft die DAISY in den Hafen Barletta ein. Kein Segelschiff weit und breit. Kein Wunder: das weitläufige Hafenbecken scheint viel zu flach. Am Kopf der Pier findet der Skipper jedoch knapp drei Meter Tiefe. In der kleinen Taverne mitten in der romantischen Stadt wird der Kontakt zum Ausflugsunternehmen hergestellt. Mit einem Kleinbus wird die Crew tags drauf zu dem rätselhaften Bauwerk kutschiert. Gigantisch auch die Lebensgeschichte seines Bauherrn, der sich mit 21 Jahren die kontinental-europäische Krone sichert.
DAISY bleibt noch eine Nacht. Ein Liegeplatz zum Nulltarif. Und ein Kollege vom örtlichen Motorbootclub besorgt auch noch einen italienischen Gasflaschenanschluss für die neue 15-kg-Flasche, die seit Palermo an Bord ist. Ihr Anschluss sieht wie der in Deutschland gebräuchliche aus, nur leider ist er einen Millimeter kleiner...
Am 4. Oktober, mittags können endlich die Leinen losgeworfen werden. Gleich nach der Hafenausfahrt übernehmen Besan und Genua den Antrieb. Wieder zeigt der Kurs quer über die südliche Adria: Dubrovnik heißt das Ziel. Am Morgen des 5. Oktober 2008, ein sonnige Sonntag, kommen die Berge Kroatiens in Sicht. DAISY läuft unter gereffter Genua und gerefftem Besan direkt auf die Hafeneinfahrt Gruz zu. Motor an. Bisschen peinlich: Keine kroatische Flagge an Bord. Also setzt der Skipper Q, die gelbe Zollflagge unter der Steuerbordsaling des Großmasts.
Beim Passieren des Zollkais ein scharfer Pfiff. Ein Mann in Uniform winkt DAISY heran. "Erst Hafenmeister, dann Polizei und Zoll, dort. Und machen die Flaggen runter dort" sagt der Beamte umd weist auf die Crewflaggen unter der Backbordsaling. "Wenn kein kroatisch Flagge auch kein deutsche." Okay. Soviel Diplomatie muss sein.
Im dunklen Büro der Hafenkommandantur auf der anderen Straßenseite, vermutlich aus k&k-Zeiten, schlurft ein hagerer Zweimetermann in grauer Hose und weißem Hemd hinter dem Tresen zum Computer. Die Maschine will wohl nicht so wie er. Einige Telefonate. Aber zum Glück läuft im Nebenzimmer der Fernseher, da lässt es gut auf den Rückruf eines Computerkundigen warten. Irgendwann spuckt die Maschine doch noch eine Rechnung aus. Der Skipper hat umgerechnet 300 Euro für ein einjähriges Permit zu berappen. So viele Kuna hat er nicht in der Tasche. Der Bankomat 200 m weiter löst das Problem. Auch bekommt er eine Liste mit 28 Zeilen ausgehändigt. Mehr Personen dürfte er in diesem Jahr auf seinem Schiff in kroatischen Gewässern nicht mitsegeln lassen. Jetzt muss er Manfred, Matthias und Walter eintragen. Die Polizei will außerdem eine Crewliste abstempeln und der Zoll die Pässe.
Es ist Sonntag, kroatische Fahnen gibt’s nicht heute. In Gruz findet die DAISY vor Buganker und Heckleinen Platz zwischen einer großen Segelyacht aus Australien und einer riesigen Motoryacht. Der Hafenmeister wollte sie mit Rücksicht auf die Bordkasse weiter drinnen im Hafen anlegen lassen. Aber dort ist das Wasser zu flach. Es ist 11 Uhr. Auf dem Kai sitzt Vanja mit ihrem tizianroten Haar auf einer Bank, sie lächelt dem Skipper zu, doch wagt er es nicht sie anzusprechen. Nicht vorbereitet darauf, seinen Romanfiguren hier zu begegnen. Hier am Schauplatz im alten Ragusa. Würde er noch mehr treffen in dieser schönsten Stadtfestung Europas? Der Bus bringt die vier Segler hin.
Jetzt Anfang Oktober immer noch munterer Touritrubel auf dem blankpolierten Marmorpflaster zwischen Franziskanerkloster und Stadtturm. In diesen Gassen hat Claudius Alexander von Kettermann aufregende Minuten erlebt! Die Crew hört es staunend bei Kaffee und Kuchen und später in jenem kleinen Lokal westlich der Hauptstraße. Was für eine Geschichte… Und eine kroatische Flagge gibt es doch zu erstehen. Zwar würde dieses Modell 6 Bft nicht besonders lange standhalten aber für ein paar Monate wird sie ihren Dienst tun.
Überraschung am folgenden Morgen. Der Skipper wird vom Frühstück weg an Deck gebeten. „Da wartet jemand auf dich.“ Es ist Maria, die ihm, von zwei Herren umrahmt, entgegenblinzelt. Von New York nach Halifax war sie zuletzt an Bord der DAISY gewesen. Welche Freude. Mit den zwei Freunden war sie nach Dubrovnik gesegelt und nun auf dem Weg zurück zum Ausgangspunkt im Norden.
Um 12.10 war DAISY klar zum Ablegen. Sonne satt und leichte Brise. Die Maschine musste helfen, um vor Einbruch der Dunkelheit das Tagesziel zu erreichen. Die Waldinsel Mljet breitet sich vor dem Bug aus. Bei mehr Wind wäre Polace das Ziel gewesen. Aber so gleitet DAISY nach Okuklje hinein. Die Wirte bieten Liegeplätze und Bojen an. Der Skipper nimmt eine Boje an, allerdings mit der Maßgabe, dass die Crew gern zumindest das Hauptgericht selbst an Bord zubereiten möchte. Der Mann akzeptiert freundlich. Das Dinghi wird klar gemacht. Matthias unternimmt einen Landausflug. Später gibt es noch Palatschinken an Land und Kontakt zur einer anderen Crew. Fünf andere Jachten liegen noch in der Bucht.
Sonniges Hochdruckwetter auch am 7. Oktober. Erst nachmittags kommt eine brauchbare Brise auf. Daisy segelt aus dem Mljetskikanal nach Korcula hinüber. Um 17 Uhr liegt sie vor Bugmooring und Heckleinen in der Marina der Stadt Korcula. Zwei Jahre sind vergangen seit dem der Skipper hier zuletzt hier war, hier in der angeblichen Heimat von Marco Polo. Gemeinsames Dinner in einem kleinen Lokal, Spaziergang vorbei an der Polizeistation, wo Claudius so übel mitgespielt wurde. Spät abends mit Matthias noch im Turmcafé oben.
78 Euro sind für den Liegeplatz zu berappen. Nach morgendlichem Einkauf bugsiert der Skipper die DAISY aus dem Hafen. Unter Besan und Genua läuft sie Richtung Hvar. Aber der Wind gibt frühzeitig auf. Um 17.50 wird im Hafen dieser romantischen Stadt die Maschine abgestellt. DAISY liegt vor Anker in einem dichten Feld anderer Ankerlieger. Das Dinghi bringt die Crew an Land.
Erst der 9. Oktober wird zu einem richtigen Segeltag. Unter typischer Ketschbesegelung läuft sie beim raumem Wind auf die Enge zwischen Solta und Brac zu. Nach der Durchfahrt bleibt der Wind fast weg. Es reicht noch bis kurz vor den Hafen von Split. Im „Fernseher“ erkennt der Skipper Ralf an der Tankstelle. 239 Liter Diesel laufen in den Tank und Ralf klettert an Bord. DAISY ankert vor der Hafenpromenade, das Dinghi bringt die Crew an Land. Der Skipper besorgt die Busfahrkarte für Walter: 68 Euro von Trogir nach München. 17 Stunden. Für Ruheständler kein großes Problem.
Heli und Bernhard aus Österreich haben sich angesagt, sind unterwegs nach Trogir. Manfred und Matthias möchten zum Flughafen, Walter zum Bus. Alles in Trogir. In drei Stunden unter Segeln werden 80% der Strecke zurückgelegt. Aber es ist bereits dunkel als DAISY um 18.30 in der ACI-Marina festmacht. Ein letztes Dinner mit größerer Crew in der Stadt. Es folgt ein ruhiger Hafentag und ein Abend mit Ralf beim „Kamerlengo“.
Schon wieder Strahlewetter am Sonntag. Die beiden Niederösterreicher treffen ein. Nicht mehr gesehen seit Miami. Was für ein Hallo. Einkauf für 620 Kuna per Fahrrad. Dann geht’s los. Erstmal nur 5,7 Meilen weit nach Marina. Am kostenlosen Ankerplatz gibt es Plescavica mit Kartoffeln und Salat und ein Gläschen Wein zur Begrüßung...
Peinlich: Keine kroatische Flagge an Bord. Also zieht der Skipper die Q-Flagge, die gelbe Zollfahne unter der Steuerbordsaling des Großmastes hoch. Die Sonne scheint, ein frischer Wind weht aber nach der Passage der Greben müssen die Segel runter und die Fender und Leinen für`s Anlegen vorbereitet werden. Leise brummend passiert die DAISY die Einfahrt nach Gruz, den Handelshafen von Dubrovnik. Da pfeift es von der Zollmole herüber. Ein uniformiert Beamter winkt heftig und der Skipper nimmt Kurs auf die Pier.
„Erst Hafenmeister, dann Polizei, dann Zoll.“ Der Ton ist sehr dienstlich, kommt in des Besuchers Ohren eher mürrisch an. Im dunklen Büro der Hafenkommandantur auf der anderen Straßenseite, vermutlich noch aus k&k-Zeiten, schlurft ein hagerer Zweimetermann in grauer Hose und weißem Hemd hinter dem Tresen zum Computer. Die Maschine will wohl nicht so wie er sich das vorstellt. Einige Telefonate. Aber zum Glück läuft im Nebenzimmer der Fernseher, da lässt es gut auf den Rückruf eines Computerkundigen warten. Irgendwann spuckt die Maschine doch noch eine Rechnung aus. Der Skipper hat umgerechnet 300 Euro für ein einjähriges Permit zu berappen. So viele Kuna hat er nicht in der Tasche. Der Bankomat 200m weiter löst das Problem. Auch bekommt er eine Liste mit 28 Zeilen. Mehr Personen dürfte er in diesem Jahr auf seinem Schiff in kroatischen Gewässern nicht mitsegeln lassen. Jetzt muss er Manfred, Matthias und Walter eintragen. Die Polizei will außerdem eine Crewliste abstempeln und der Zoll die Pässe.
Es ist Sonntag, kroatische Fahnen gibt’s nicht heute. In Gruz findet die DAISY vor Buganker und Heckleinen Platz zwischen einer großen Segelyacht aus Australien und einer riesigen Motoryacht. Der Hafenmeister wollte sie mit Rücksicht auf die Bordkasse weiter drinnen im Hafen anlegen lassen. Aber dort ist das Wasser zu flach. Es ist 11 Uhr. Auf dem Kai sitzt Vanja mit ihrem tizianroten Haar auf einer Bank, sie lächelt dem Skipper zu, doch wagt er es nicht sie anzusprechen. Nicht vorbereitet darauf, seinen Romanfiguren hier zu begegnen. Hier am Schauplatz im alten Ragusa. Würde er noch mehr treffen in dieser schönsten Stadtfestung Europas? Der Bus bringt die vier Segler hin.
Jetzt Anfang Oktober immer noch munterer Touritrubel auf dem blankpolierten Marmorpflaster zwischen Franziskanerkloster und Stadtturm. In diesen Gassen hat Claudius Alexander von Kettermann aufregende Minuten erlebt! Die Crew hört es staunend bei Kaffee und Kuchen und später in jenem kleinen Lokal westlich der Hauptstraße. Was für eine Geschichte… Und eine kroatische Flagge gibt es doch zu erstehen. Zwar würde dieses Modell 6 Bft nicht besonders lange standhalten aber für ein paar Monate wird sie ihren Dienst tun.
Überraschung am folgenden Morgen. Der Skipper wird vom Frühstück weg an Deck gebeten. „Da wartet jemand auf dich.“ Es ist Maria, die ihm, von zwei Herren umrahmt, entgegenblinzelt. Von New York nach Halifax war sie zuletzt an Bord der DAISY gewesen. Welche Freude. Mit den zwei Freunden war sie nach Dubrovnik gesegelt und nun auf dem Weg zurück zum Ausgangspunkt im Norden.
Um 12.10 war DAISY klar zum Ablegen. Sonne satt und leichte Brise. Die Maschine musste helfen, um vor Einbruch der Dunkelheit das Tagesziel zu erreichen. Die Waldinsel Mljet breitet sich vor dem Bug aus. Bei mehr Wind wäre Polace das Ziel gewesen. Aber so gleitet DAISY nach Okuklje hinein. Die Wirte bieten Liegeplätze und Bojen an. Der Skipper nimmt eine Boje an, allerdings mit der Maßgabe, dass die Crew gern zumindest das Hauptgericht selbst an Bord zubereiten möchte. Der Mann akzeptiert freundlich. Das Dinghi wird klar gemacht. Matthias unternimmt einen Landausflug. Später gibt es noch Palatschinken an Land und Kontakt zur einer anderen Crew. Fünf andere Jachten liegen noch in der Bucht.
Sonniges Hochdruckwetter auch am 7. Oktober. Erst nachmittags kommt eine brauchbare Brise auf. Daisy segelt aus dem Mljetskikanal nach Korcula hinüber. Um 17 Uhr liegt sie vor Bugmooring und Heckleinen in der Marina der Stadt Korcula. Zwei Jahre sind vergangen seit dem der Skipper hier zuletzt hier war, hier in der angeblichen Heimat von Marco Polo. Gemeinsames Dinner in einem kleinen Lokal, Spaziergang vorbei an der Polizeistation, wo Claudius so übel mitgespielt wurde. Spät abends mit Matthias noch im Turmcafé oben.
78 Euro sind für den Liegeplatz zu berappen. Nach morgendlichem Einkauf bugsiert der Skipper die DAISY aus dem Hafen. Unter Besan und Genua läuft sie Richtung Hvar. Aber der Wind gibt frühzeitig auf. Um 17.50 wird im Hafen dieser romantischen Stadt die Maschine abgestellt. DAISY liegt vor Anker in einem dichten Feld anderer Ankerlieger. Erst der 9. Oktober wird zu einem richtigen Segeltag. Unter typischer Ketschbesegelung läuft sie beim raumem Wind auf die Enge zwischen Solta und Brac zu. Nach der Durchfahrt bleibt der Wind fast weg. Es reicht noch bis kurz vor den Hafen von Split. Im „Fernseher“ erkennt der Skipper Ralf an der Tankstelle. 239 Liter Diesel laufen in den Tank und Ralf klettert an Bord. DAISY ankert vor der Hafenpromenade, das Dinghi bringt die Crew an Land. Der Skipper besorgt die Busfahrkarte für Walter: 68 Euro von Trogir nach München. 17 Stunden. Für Ruheständler kein großes Problem.
Heli und Bernhard aus Österreich haben sich angesagt, sind unterwegs nach Trogir. Manfred und Matthias möchten zum Flughafen, Walter zum Bus. Alles in Trogir. In drei Stunden unter Segeln werden 80% der Strecke zurückgelegt. Aber es ist bereits dunkel als DAISY um 18.30 in der ACI-Marina festmacht. Ein letztes Dinner mit größerer Crew in der Stadt. Es folgt ein ruhiger Hafentag und ein Abend mit Ralf beim „Kamerlengo“.
Schon wieder Strahlewetter am Sonntag. Die beiden Niederösterreicher treffen ein. Nicht mehr gesehen seit Miami. Was für ein Hallo. Einkauf für 620 Kuna per Fahrrad. Dann geht’s los. Erstmal nur 5,7 Meilen weit nach Marina. Am kostenlosen Ankerplatz gibt es Plescavica mit Kartoffeln und Salat und ein Gläschen Wein zur Begrüßung. Und eine Filmdokumentation »Zeitgeist« als Denk- und Diskussionsanstoß. Woher kommt unsere Religion?
Unter blauem Himmel und bei 20°C geht um 9.30 Uhr der Anker hoch. Um 12 übernehmen Groß und genua den Vortrieb. Langsam kommen die Umrisse von Vis aus dem Dunst. Um 18.10 geht ein wunderbarer Segeltag zu Ende. Der Anker fällt vor dem Inselhafen von Komiza. Niemand äußert den Wunsch, an Land zu gehen. Nach dem Abendessen entdeckt der Skipper, dass der Wassersammler des Generators leckt. Das Loch wird mit Kaltmetall gestopft, aber es besteht kein Zweifel: da muss ein neuer her.
Am nächsten Tag will sich der Dunst kaum auflösen. Null Wind, eigentlich sollte man da liegen bleiben. Tut man aber nicht. Im Wesentlichen ist es die Maschine, die die Lady nach Primosten treibt. Um zwanzig vor sieben fällt der Anker vor dem kleinen Hafen der malerischen Stadt auf der Halbinsel. Klassischer Sonnenuntergang. Als Folge der erdrückenden Erinnerungen angesichts der Stadtsilhuette wird der Skipper einem Grundsatz untreu: Er verlässt mit der Crew die ankernde DAISY für ein Abendessen in der hübschen Stadt. Aber es spielt auch das Wetter verführerisch mit: der Mond spiegelt sich in plattem Wasser, Sterne glitzern um die Wette, kein Hauch.
Am 15. Oktober um halb zwölf liegt Primosten achteraus und DAISY läuft unter Vollzeug Richtung Vela Kurba. Die südlichste der Kornateninseln geleitet mit ihren anmutig geschwungenen Formen in diesen wunderlichen Park aus Wasser, Fels und zartem Grün. Frühe Seefahrer ließen sich wohl davon inspirieren und mögen der »Großen Hure« noch manch anderes angedichtet haben. DAISY zieht ziemlich ungerührt vorbei und segelt, bis sich in der Dämmerung die Bucht Lopatica an steuerbord öffnet. Vor der Konoba Beban fällt der Anker doch im Restaurant brennt auch nur ein einsames Licht. So bleibt das Dinghi wiederum an Deck. Eine Schachpartie füllt den Abend nach dem Essen.
Donnerstag der 16. Oktober fängt ziemlich grau an. Um 10.30 passiert DAISY die vier Tonnen der Proversa Vela und wechselt auf die Nordseite der Konaten. Ein kleiner Südwest löst nach der Passage die Maschine ab. Iz Veli heißt das Ziel, aber es bringt eine große Enttäuschung. Der gesamte Hafen ist für Teilnehmer einer Regatta reserviert. Zum glück ist es noch früh am Tag. Als Ausweichbucht fällt dem Skipper Uvla Lucina auf Dugi Otok ein. Es darf wieder gesegelt werden. Gegen 17.40 fällt der Anker weit hinter dem Fähranleger von Lucina. Ein heftiger Südwind faucht durch das Rigg. Die DAISY ficht das wenig an an dieser Stelle. Der Skipper probiert wieder sein »Ankerkreuz« aus. Es hilft, am Navigationstisch die Positionswechsel durch Schwoien und damit die Ankerfestigkeit richtig einzuschätzen.
Der Wind bleibt bis zum Morgen. Zehn Minuten nach dem Ankeraufgehen stehen Genua und Groß. DAISY rauscht nach Zadar hinüber. Helis und Bernhards Urlaub neigt sich dem Ende zu. Sie brauchen den Bus nach Trogir, wo Helis Wagen steht. Ausgerechnet beim Anlegen am Hammerkopf in Zadar entleert sich eine Wolke über dem Hafen. Platzregen. Dafür bleibt der Liegeplatz gratis. Früh morgens des Samstags erreichen die beiden ihren Bus. Der Skipper lädt seine verbliebene Crew zum abendlichen Fischessen. Leckere Dorade plus Beilagen und Getränke für zwei Personen 230 Kuna, rund 30 €. Auch sonst lässt es sich leben in der historischen Stadt: elegante Geschäfte, Cafés, Restaurants und »die schönste Uferpromenade der Welt«. Doch sonntags muss auch von diesem Hafen geschieden sein.
Die Aktion »Ankerkette ausmessen« schiebt der Skipper schon ein Jahr vor sich her. Jetzt ist Zeit und Gelegenheit: Auf einer fünf Meter langen Strecke auf dem Vorschiff wird sie hingestreckt. 14 Längen kommen zustande. Plus Abstand zum Kettenkasten also ca. 74,5 m. »Wenn du nicht alles selbst überprüfst«, murmelt der Skipper enttäuscht. Neunzig Meter steht in der Ausrüstungsliste.
Nachmittags reißt die Wolkendecke auf. Unter Groß, Genua und Besan kreuzt DAISY zwischen den Inseln nach Molat hinüber. Blau und silbern schimmerndes Meer, seidiger Himmel, grüne Wälder und Macchia auf den Inseln, weiße Felsstreifen am Ufer. Ein wunderbarer Tag. Da drüben liegt die Hafenbucht. Die Fähre kommt gerade heraus. Segel bergen.
Den Skipper überrascht die neue Farbigkeit in diesem stillen Hafen: Das herrschaftliche Haus mit dem verspielten Erkerturm an der Hafenfront leuchtet nun rot in die Bucht hinaus. Perfekt renoviert wie manch anderes Gebäude der Hafenzeile. Da kein zweites Sportboot im Hafen liegt, kann DAISY längsseits gehen, statt eine Mooring zu nutzen. Es bleiben noch genug Plätze frei. Nach einem Bierchen in der Kneipe gibt es an Bord Putengeschnetzeltes mit Reis und Salat, dazu ein Glas Rotwein, oder waren es zwei? Bei Kerzenschimmer und Chopin wird leicht das Zählen vergessen.
Blauer Himmel, 22° C. Es wird Mittag bis der Skipper und Ralf sich zum Ablegen aufraffen. Dann gibt es auch genug Wind, um gemächlich nach Nordwesten weiterzusegeln. Hochdruckwetter. Groß, Genua und Besan fangen genug der Himmelskräfte ein. Der Skipper bereitet eine Spezial-Kartoffelsuppe zu. Die Dämmerung ist schon fortgeschritten, als Ralf mit dem Bootshaken eine der kleinen Bojen vor der Hafenmauer von Silba-Ost aufnimmt. Um 19.20 wird die Maschine abgestellt. Dinner-Time.
Nach dem Frühstück an Deck kommt das Dinghi zum Einsatz. Der Skipper bemüht das Inselpostamt für seine Korrespondenz. Und mittags mal ein seltenes Manöver: Der Wind steht günstig ablandig. Es muß nur das Groß geheißt werden und schon geht`s los. Leine einholen und die DAISY ist wieder unterwegs. Heute ist der Himmel verschleiert, Hochnebel. Der Lufthauch hält nicht lange. Den Rest des Weges nach Mali Losinj schiebt die Maschine. Abendessen bei HEIDUK auf der Terrasse für 120 Kuna samt Tip. 16 Euro für zwei! Skipper vermisst die SANSIBAR.
Nach dem Einkauf wird es wieder Mittag bis zum Ablegen. Der nächste Ankerplatz liegt bloß 12,6 nm entfernt: Uvala Podkujuni auf Unje. Es kündigt sich heftiger Wind an, eine Bora, die für den Weg nach Cres nicht sonderlich dienlich wäre. Also wird hier sorgsam geankert. Es gibt ja allerhand zu tun. Auch der folgende Tag glänzt mit blankem Himmel und Sonne. Der ENE weht mit 4-5 Bft. Es gibt Reiberdatschi mit Apfelmus. Doch Ralf überlistet endlich einen Fisch, der daraufhin tatsächlich am Haken hängt. Also gibt es gebratenen Peterfisch mit Salzkartoffeln. Leider ließ sich der Erfolg nicht wiederholen. Der Außenbordskamerad veranlasste mit seinem Verzweiflungsschrei vermutlich alle anderen, den Standort zu wechseln.
Am folgenden Tag, dem 24. Oktober stoppt der Dieselfilter des Generators dessen Tätigkeit. Der feinporige Filter aus Miami hat dicht gemacht. Er wird notdürftig gewaschen. Der wind hat sich gänzlich verzogen. Es kostet ein paar Liter Diesel, nach Cres zu kommen. Um 18.10 wird die Maschine wieder abgestellt. DAISY liegt im Stadthafen fest vertäut. Als letzte Gäste der Saison in einem urigen Altstadtlokal verzehren Ralf und der Skipper ein kroatisches Traditionsgericht.
Segeln aus der Bucht von Cres mit 8,1 kn! Und dann auf die Kvarner Bucht hinaus und um den Porer herum. Um 17.20 sitzt der Anker fest im Grund der Uvala Poltana. Die riesige Hotelanlage mit kompletter neue Marina überrascht den Skipper. Die Frabigkeit und die aufgelockerte Architektur versuchen zu beschwichtigen. Sie singen nicht, sie tanzen nicht, im ganzen Haus da brennt kein Licht!
Nach wie vor gilt Muggia, bei Triest in Italien gelegen, als Ziel. Doch bahnt sich eine ganz andere Entscheidung an. Der Skipper will Ralf auch Pula zeigen. Bei trübem Himmel und 20° C steuert er die DAISY in die Stadtmarina. Vor Bugmooring und an Heckleinen liegt das Schiff bald gut vertäut. DerStadtbesichtigung folgt ein Besuch in der Pizzeria POMPEIJ. Klasse Pizza und preiswert dazu! Und am morgen beim Bezahlen in der Rezeption der Marina fragt der Skipper beiläufig nach den Liegegebühren für einen Monat. Die Dame sieht nach. 620 Euro. Da kracht des Skippers Kinnlade auf die Brust. Das wäre die Hälfte dessen, was die angeblich günstigeren Italiener verlangen. »Okay, ich komme wieder!« verspricht der Skipper, nach Rückgewinnung seiner Fassung. Alles Erforderliche wird sogleich vereinbart und unterschrieben.
In Rovinj probiert’s der Skipper angesichts des Ostwinds am Nordkai der Stadt. Ein genialer Liegeplatz bei diesen Wetterbedingungen. Total leere Pier und niemand will auch nur einen Kuna. Es fällt leicht, hier noch eine Nacht zu verbringen und den malerischen Ort genauer kennenzulernen. Der Ostwind erlaubt auch hier ein Ablegemanöver ohne die Maschine zu bemühen. Mit gereffter Genua und Besan läuft DAISY bald über sieben Knoten nach 343°. Buchstäblich in Windeseile erreicht sie die Hafeneinfahrt von Umag. Allerdings verkneift es sich der Skipper bei diesem Wind in der Marina zu manövrieren. Allerdings bezahlt er die Entscheidung mit dem Verlust eines Bootshakens. Beim Auffassen einer der sehr schweren Bojen im Hafenbecken macht sich dieser in der Dunkelheit davon. Gut das Ersatz an Bord ist. Weil die Bojen lauf Aufschrift nur für 10-t-Schiffe ausgelegt sind, wird zusätzlich der Anker abgefiert und eingefahren.
Es faucht auch am folgenden Tag aber nun mit 30 kn aus SW. Deshalb bleibt DAISY im Hafen und die Crew begibt sich zu einem Ausflug an Land. Hier gibt es im Marina-Shop einen neuen Bootshaken und einen neuen Dieselfilter für den Generator.
Am Freitag, 31. Oktober 2008 läuft die DAISY gegen halb vier Uhr nachmittags in Izola, Slowenien, ein. Hier soll das Absegeln mit der Flotte von STECHER-SAILING beginnen. Viele Jahre hat der Skipper mit Booten aus der Flotte von Wolfgang Stecher Chartertörns veranstaltet. Und noch viel länger nahm er am jährlichen Absegeln teil. Nun, da Landstrom zur Verfügung steht, wird der Dieselfilter des Generators ausgetauscht. Ralf packt seine Sachen. Hannes trifft ein. War zuletzt in der Karibik an Bord.
Am Samstag um 11 steht Ralfs Sohn Bernhard vor dem Heck der DAISY. Wieder ein Abschied. Der Skipper bemüht Waschmaschine und Trockner der Marina. Alte Segelfreunde kommen an Bord. Wolfgang besucht die DAISY. »So ein Boot brauchst Du für Deine Unternehmungen«. Dinner mit Hannes in der Stadt.
Am Sonntag wird geputzt während die Stecher-Flotte ausläuft. Uschi und Hartmut treffen ein. Am Montag um fünf nach zehn geht’s los. Tankstopp in Piran, Einklarierung in Umag und weiter bis Rovinj. Tags drauf unter Groß und Genua Richtung Pomer. Nachmittags muß die Maschine helfen und gegen halb sechs, es ist stockfinster, macht DAISY stb längsseits in der Marina Pomer fest. Das letzte Schiff der Stecherflotte läuft auch gerade ein. Gemeinsamer Abend im Marina-Restaurant.
Am Morgen trennen sich die Wege. DAISY läuft nach Cres, weil es so schön war dort. Aber diesmal schüttet es immer wieder, die Sicht ist miserabel. Der Skipper navigiert mit Radar und GPS bis vor den Hafen der uralten Stadt. Stadtrundgang. Das Restaurant hat zu. Und fast alle anderen auch. Dinner an Bord ist angesagt.
Unter aufgelockerten Wolken aber gänzlich ohne Wind brummt DAISY nach Rovinj und geht wieder an die Nordpier. Wenigstens hat die SAX-Bar noch offen.
Zum Ausklarieren diesmal nach Porec. Die Leute sind einfach freundlicher hier. Ein richtig gute Dinner serviert erst wieder der Wirt vom Restaurant VERDI in Piran. Meeresfrüchte vom Feinsten und in gepflegter Atmosphäre. Aber kein Ton Verdi-Musik.
Der 8. November sieht die DAISY an der Fischerpier von Izola, stb. längsseits fest. Die Marina war mit 75 Euro pro Nacht entschieden zu teuer. Um zehn vor vier kommt Daniel an Bord. Der Partnerskipper? Schon eine Stunde später ist der anker in der Bucht unterhalb der St.-Georgs-Kirche von Piran eingegraben. Es gibt viel zu erzählen.
Tags drauf wird wieder in Porec nach Kroatien einklariert und wieder in Rovinj an der Nordpier festgemacht. Man kennt die DAISY schon. Am Mogen kommt tatsächlich ein Uniformierter mit dem Moped vorbei und fragt, nach der Ablegezeit. »Jetzt sofort« bescheidet ihn der Skipper. »Okay« kommt’s freundlich zurück.
Bei leichter Brise gleitet DAISY mit gut fünf Knoten um die Brioni-Inseln herum vor die Einfahrt nach Pula. Um halb drei liegt sie fest vertäut auf Platz 19 in der Stadtmarina. Am Donnerstag früh finden Daniel und der Skipper den Bus nach Izola.
Erst am 8. Dezember taucht der Skipper wieder in Pula auf. Welch eine Zumutung für eine so stolze Lady. Sohn Maximilian ist dabei. Am 9. Dezember kommen die Mechaniker für die Generator-Reparatur. Am 10. wird die neue Sprayhood montiert. Daniel Zec hat gute Arbeit geleistet. Am Freitag werden neue Batterien für die Hauptmaschine eingebaut. Während der ganzen Zeit läuft die Webasto-Heizung. Es ist kuschelig warm im Schiff, während es draußen deutlich abkühlt auf unter 10° C und mit wenig Unterbrechungen regnet. Noch am Freitag treten die beiden die Heimreise an. Sie verlassen ein zumindest innen blitzblankes Schiff… Bis zum
Silvestersegeln
Am 28. Dezember: Der Skipper beschäftigt sich noch mit Putzarbeit, da stehen die neuen DAISY-Segler Gernot und Heike aus dem Schwabenland auf dem Steg. Wenig später begrüßt er Silvia und Wolfgang vom Starnberger See und Waltraud aus Berlin. In der Pizzeria Pompeij findet sich die Crew zum ersten Abendessen zusammen. Übrigens sehr empfehlenswert.
Montagmorgen, Sonne und blauer Himmel, kaum Wind, Ausflug in den nächsten Supermarkt. Gleich nach dem Verstauen der Vorräte und der Einweisung in das Schiff wird der Motor gestartet. Porec wird angesteuert und gerade noch vor Einbruch der Dämmerung erreicht. Ein Spaziergang durch die vergleichsweise menschenleere Perle Istriens, Besuch in der Basilika und ein köstliches Fischessen in der Stadt.
Nach Ausklarieren und Ablegen um 06.30 Uhr gilt tags drauf Kurs West. Mit mäßiger himmlischer Unterstützung. Knapp fünf Stunden zieht DAISY lautlos unter Genua, Groß und Besan dahin, dann muss der Sechszylinder wieder schnurren. Genau zum Tee liegt sie fest in Venedig, ca. 800 m vom Markusplatz entfernt. Tagsüber nicht gerade ruhig, aber nachts bei erträglichem Schwell.
Auf dem Markt jenseits des Canale Grande werden drei schöne große Doraden samt Zutaten erworben. Erstaunlicher Trubel in der Stadt und nach dem Silvestermenü an Bord - bei Kerzenschein und passender Musik - fulminantes Feuerwerk direkt vor dem Bug.
Ausflug nach Torcello und Burano mit dem Vaporetto. Gernot und Heike erkunden derweil den Südteil der Lagunenstadt. Abends sind wieder alle vereint in der Via Garibaldi. Das Warten auf einen Tisch lohnt sich. Die Osteria Al Garanghelo kann guten Gewissens empfohlen werden.
Der Morgen danach bringt eine düstere Überraschung: Ca. 50 m Sicht, manchmal vielleicht zehn. Einweisung ins Radargerät. Immer schön den Pfählen nach, die das Fahrwasser begrenzen. Doch gibt es Abzweigungen und kurvenreiche Fahrwasser ohne Pfähle. Zweimal fährt der Kiel in den Grundschlamm. Endlich gibt es einen klaren Kurs: 125° hinaus ins offene Wasser. Bisschen Wind lockt die Segel heraus, doch ist es die Maschine, die DAISY nach Piran, Slowenien, bringt. Dort wartet genau ein Liegeplatz: Vor Bugmooring und Heckleinen liegt DAISY vor dem Theatercafé. Bei „Guiseppe Verdi“ gibt es wieder ein erinnerungswürdiges Abendmahl, während draußen eisiger Wind die Bora ankündigt.
Gleißende Sonne, blauer Himmel und ein unmissverständliches Pfeifen im Rigg. So sieht der Anbruch eines herrlichen Segeltages aus. Der Vorschlag des Skippers verfängt, sich etwas Abwechslung und Bequemlichkeit zu gönnen: ein Frühstück im Hotel „Tartini“. Wird ja ganz nett aber die Rennerei zum Buffett geht auch auf den Keks. Um elf geht die Maschine an und das Ablegen in einer Pause der in den Hafen fallenden heftigen Böen klappt vorzüglich. Mit den Zwei-Meter-Seen düst DAISY um das Kap Savudria nur unter kleiner Genua. Dann wird das Wasser ruhig und Groß und Besan kommen hinzu. Max 7,8 kn zeigt die Logge. Um 17 Uhr liegt DAISY zum Einklarieren in Rovinj an der Zollmole. Die Obrigkeit hat aber Winterpause. Rovinj ist auch „ohne“ sehenswert, die schönste Stadt Istriens. Bei „Joze“ gibt es wunderbare Palatschinken zur Nacht und im Café „Al Ponte“ ein zweites Frühstück in strahlender Sonne.
Ab 13.30 wird wieder gesegelt unter Genua, Groß und Besan. Als sich eine Bavaria anschickt, vorbei zu ziehen, muß auch die Fock noch raus. Mit Erfolg. Doch drüben geht der Spi hoch und auf der DAISY wird im Mittelcockpit Lunch serviert. Das verlangt einen anderen Kurs. So zieht sie gemächlich mit bis zu sieben Knoten bei relativ leichter Brise dahin an den Brioni-Inseln vorbei. Erst kurz vor dem Wellbrecher von Pula werden die Segel geborgen. Und nun wird ein wenig An- und Ablegen geübt. Erst an der Tankstelle, die leider schon zu ist. Dann in der Marina, und dann an der Zollmole gleich daneben und wieder in der Marina. Es klappt wie am Schnürchen, auch am folgenden Morgen, als wirklich getankt wird. Unter diesem Aspekt steht einer weiteren Segelreise in dieser Besetzung nichts im Wege. Ganz im Gegenteil. Der Abschied nach dem Bordfrühstück fällt entsprechend herzlich aus.
Pula – Bari
Der Skipper bereitet DAISY vor für den nächsten Törn. Der führt umständehalber vom 1. bis 15. Februar 2009 von Pula nach Bari. Die Abweichung vom Segelplan hatte zwei Gründe: Der Flug nach Korfu erwies sich zu dieser Jahreszeit als umständlich und teuer, der von München nach Bari ist jedoch für 77 Euro zu haben. Weshalb Celino, Cora aus Oberbayern und Jörn aus Hamburg die DAISY in Bari trafen.
Burghardt und Volker helfen in Pula, den Proviant für die erste Etappe des neuen Jahres heranzuschaffen.
Bis dahin war Burghardt aus Paderborn mit an Bord. Er hatte sich kurz entschlossen für den Schlag von Pula nach Italien erwärmt. Und dieses Wort war auch nötig. DAISY besuchte bei heftigem Südwind Susak, Olib, Zut und Trogir. Nur in Olib kassierte der ausgesprochen freundliche Hafenmeister und Stegpächter ein paar Euro Liegegeld.
Narutschauspiel mit Regen vor Trogir nach einem sonnigen Tag in den Kornaten.
Der etwas dreistere Hafenfuzzi von Trogir meinte: We in Croatia like easy money, you know. Leider verpasste er den selbst festgelegten Kassiertermin. Joe aus USA stieß dort zur Crew und tags drauf legte die DAISY ab. Sie erlebte die touristischen Highlights Dalmatiens: Split, Milna und Hvar ohne Touristen. Der Skipper hatte schon auf dem Fischmarkt von Split drei Doraden gefangen. In feierlicher Dinnerzeremonie wurden sie in Milna verspeist.
Es ist der 11. Februar. Um 19.30 erreicht den Skipper die Nachricht vom Tod seiner 94jährigen Mutter. Gedenken aber die Reise muss weitergehen. Morgens verlegen an die Tankstelle und weiter nach Süden. In strahlender Frühlingssonne liegt selbst die Palmenpromenade von Hvar im Winterschlaf. Doch kassiert der Hafenmeister als „symbolische Gebühr“ 50 Euro für den Liegeplatz. Der Skipper und Joe schlendern über den Markt, um das Schiff für die Reise nach Italien zu versorgen. Joe ersteht drei Tintenfische und bereitet sie an Bord zu.
Leider erweist sich das Hafenamt in Hvar entgegen der Zusage aus Split als nicht besetzt. Oder die Dame hatte einfach keine Zeit. Dem Skipper aberlief dieselbe davon. So sticht die DAISY nach einiger Wartezeit ohne Stempel in den strahlend sonnigen Tag. Gross, Genua und Besan fangen genug Wind ein, um die Lady auf 8,5 kn SOG zu beschleunigen. In dieser Nacht wechselt der Skipper den Impeller der Seewasserpumpe des Generators aus. Leider verflüchtigte sich der Wind eine Stunde nach Mitternacht gänzlich, so dass der sonore Sound des Sechszylinders das Rauschen der Bugsee durch die Nacht begleitete. Um 10.00 Uhr wird im riesigen Hafen von Bari die Maschine abgestellt. Zwei Lotsen von der Hafenverwaltung oder von wem auch immer kassieren 15 Euro für den unwirtlichen Liegeplatz in einem riesigen Becken des Fährhafens.
Bari, Italien – Valetta, Malta
Joe macht seine allerersten Schritte auf italienischem Boden. Tags drauf ist Sonntag und in der Kathedrale erleben Joe und der Skipper die italienische 12 Uhr-Messe. Danach ebenso süditalienisches Mittagsmahl. Kaum sind die beiden zurück an Bord stehen Celino, Cora und Jörn, der Wikinger auf der Strasse vor der DAISY. Burghardt hatte keinen Streß, seinen Flieger zu erreichen. Bari besticht mit einer malerischen Altstadt und hüpbschen Lokalen, von denen zu dieser Zeit allerdings nur wenige geöffnet haben. Im Restaurant Anticantina feiert die neue Crew ihren Einstand.
Am Montag nach dem Frühstück legt die DAISY ab mit Ziel Trani. Es brist hübsch auf und mit erstem Reff im Gross und zur Fock gerefften Genua gleitet das Schiff die 31 Meilen nach Nordwesten. Um 19 Uhr fest in Trani gleich nach der Einfahrt steuerbords am Fuss des alten Hafenturms. Freundliche Menschen geben dem Skipper den dringenden Tipp, den Außenborder sogleich unter Deck zu stauen. Trani hat nun eine Marina: Darsena Communale.
Jörn der Wikinger auf Besuch im Normannenhafen Trani, Apulien. Sehr sehenswerte Hafenstadt.
Am nächsten Morgen wird der Skipper gebeten, dorthin zu verlegen. Liegegebühr 47 Euro pro Nacht. Aber der Hafen darf als einer der malerischsten zumindest der Adria gelten. Eine Szenerie wie gemalt: Die Romanik, das Mittelalter, die venezianische Renaissance. Die Weiterreise nach Manfredonia wird vom Wetterbericht unterbunden: NW 8 muss man seinen Mitseglern nicht zumuten, zumal, wenn das Schiff in so einem Hafen liegt, erklärt der Skipper. Nach einem sonnigen Frühlingstag wird das Wetter dann wirklich winterlich. Genau richtig für einen Ausflug zum Castell del Monte; der rätselhaften Burg Friedrichs II. Giovanni Mastrodani chauffiert die Crew wieder. Siehe oben: Erster Besuch Barlettas in 2008. Diesml wird es einAusflug in Schnee und Eis. Um die Oktogone pfeift ein eisiger Nordwest. Obgleich auf dem Papier geöffnet, bleibt das Schloss eisig verschlossen. Ein typisch apulischer Lunch in Andria wärmt und entschädigt.
Das große Fest naht, das die DAISY hierher gezogen hat: 50 Jahre Lions-Club Barletta Host. Der Jumelage-Club der Oberbayern aus Miesbach-Holzkirchen hat eingeladen. An diesem 19. Februar trifft die weitere Delegation von jenseits der Alpen ein: Max-Josef, Ute, Ralf und Peter. Alle besuchen zusammen mit Walter, dem Jumelage-Gründer, die DAISY. Welch ein Wiedersehen!
Ein Fender auf Quetschkurs: Der Skipper möchte dem festlichen Geschehen näher sein und entscheidet deshalb, nach Barletta zu verlegen. Celino und Cora ziehen es vor im Hotel in Barletta zu logieren. Joe, Jörn und der Skipper motoren die 6,5 nm. Es steht eine heftige Dünung in den Hafen von Barletta. Der geplante Liegeplatz erweist sich als unbrauchbar. Die Guardia Costiera weist einen anderen zu: Zwar etwas geschützter und tief genug, aber mit Wind auf der Backe. Das kostet den Amerika-Fender quasi als Hafengebühr. Die Beamten wollen dann auch noch zusätzlich zu den Schiffspapieren den Versicherungsnachweis sehen. Die Police reicht nicht. Pantaenius schickt aus Hamburg ein Fax nach Barletta. Alles barletti. Es folgt eine Einladung bei Antonio Lucci, ein Abendessen im Hotel Ithaka und am nächsten Vormittag der Festakt im Teatro Curzi. Besichtigung der Pinakoteca Giuseppe de Nittis, der Kreuzfahrerfestung Barletta und Abends ein Dinner in Trani. Der Skipper lernt Rupert und Sabine kennen samt Jaque, ihren vierbeinigen Begleiter. Fest vorbei, herzlicher Abschied, ein verregneter Sonntag bricht an. Celino und Cora kehren an Bord zurück. Joe entscheidet sich, schon von Barletta aus die Reise nach USA anzutreten. Dort wird er zu einem Familienfest erwartet.
DAISY legt nach einem Einkauf für die Reise nach Sizilien um 14 Uhr ab. Die Genua alleine zieht sie mit 6 kn nach Südosten. Zur Morgendämmerung des 23.03.09 kommen Groß und Besan dazu. Die Straße von Otranto liegt im Kielwasser. Nachmittags muss die Maschine helfen. Jörn und der Skipper teilen sich die Nachtwachen. Erst am 24.03. vormittags übernehmen Genua, Groß und Besan wieder den Antrieb. Nach 409 nm läuft die DAISY am 25.03.09 gegen 10 Uhr in den Hafen von Syrakus, Sizilien ein. Der Skipper verpennt den Rest des Tages. Abendessen in einem hübschen Restaurant in der alten Stadt. Tags drauf Wäsche waschen in einer Lavandaria, Stadtrundgang auch zum Teatro Graeco, leider schon seit 16 Uhr geschlossen.
Der Skipper ordert für nächsten Tag ein Taxi. Daraus wird eine Ausflugsfahrt bis zum Ätna hinauf auf 2.300 m und nach Taormina. Nach dem Wasser bunkern legt die DAISY um 18.40 ab mit Ziel Valetta auf Malta. Die ganze Nacht fehlt der erforderliche Wind. Erst zur Morgendämmmerung ziehen Genua und Besan. Um 11 Uhr stellt der Skipper die Maschine ab. DAISY liegt fest vertäut in der Msida-Marina in Valetta. Mittagessen in der Stadt.
Am sehr frühen Sonntagmorgen geht Jörn von Bord. Der Skipper zieht die Persenning über die Segel, wäscht das Deck. Abendessen mit Celino und Cora im Restaurant Guzé. Dann kommt es dick: Der Heizstab des Boilers brennt durch. Der nahe Chandler sagt Ersatz zu. Den Skipper beschleicht ein Verdacht: In Malta kommen 240 Volt aus der Steckdose. War es zuviel für das zwei Jahre alte Heizelement? Abends gibt es wieder mal Dorade im Kerzenschein an Bord. Tags drauf will der Skipper ein Stück Holz zurechtschneiden. Da brennt auch die Stichsäge durch. Celino und Cora sind da längst in der Luft auf dem Weg in die Heimat. Seit einiger Zeit ärgert den Skipper eine Undichtigkeit der Vorpiekluke. Jetzt hat er Muse, sie genauer zu beäugen. Die Alunieten an der Vorderfront sind allesamt wegkorrodiert. Er ersetzt sie durch massive Maschinenschrauben und dichtet alles mit Silicon ab. Nun ist die Luke wieder absolut dicht. Der Amerikafender wird durch einen Maltafender ersetzt. Starker Wind und Regen verhindern das weitere Renovierungsprogramm an Deck.
Doch repariert er die Kompassbeleuchtung, reinigt den achteren Toilettenschlauch, ergänzt die Lukeneinfassung in der Vorpiek, installiert dort neue Lampen und poliert und reinigt während es draußen windet und immer wieder regnet. Abends halten Tom und seine Frau von der Slup FEEL FREE im Unterdeck eines zum Restaurant umgebauten Rahseglers, der die Msida-Marina an Land ziert eine Powerpoint-Präsentation über ihren Weg von Thailand nach Malta. Die Yacht liegt schräg gegenüber der DAISY am Steg und Tom war dem Skipper behilflich, die Muring strammer zu holen. Die beiden segeln kommen aus Vancouver, Kanada und segeln seit 24 Jahren zusammen. Jetzt sind sie auf Weltreise.
Valetta, Malta - Palermo - Palma de Mallorca
Tags drauf kommen Cornelia und Andreas an Bord. Der Skipper hat die Liegeplatzrechnung schon beglichen: 118 Euro für die ganze Woche! Bei der Gelegenheit erfährt er den Jahresliegepreis für ein Schiff wie die DAISY in der Msida-Marina. 1.440 Euro! Eine Alternative? Wie auch immer: am nächsten Tag wird abgelegt nach einer Bustour über Malta. Port Paul und Mdina müssen besichtigt werden ehe die Leinen losgeworfen werden. Die Tankstelle, die angeblich 24 Stunden geöffnet hat, wie eine Aufschrift verkündet, ist leider zu. Also müssen die 250 l, die im Tank fehlen woanders nachgefüllt werden. Zum Glück sind dort noch gut sechshundert Liter verfügbar.
Um 19.30 werden Besan und Genua gesetzt und DAISY verschwindet in der Nacht Richtung Syrakus. Gegen Mitternacht will der Skipper den Generator starten zwecks Stromversorgung. Doch der Abgasstutzen fällt ab obgleich der neue Abgaskrümmer erst kürzlich in Pula montiert worden war. Der Mechaniker hat den alten Stutzen in den neuen Krümmer geschraubt. DAISY läuft 7 – 8 kn SOG unter Autopilot durch die Vollmondnacht, während der Skipper das Problem behebt. Danach läuft der Generator problemlos. Am 09.03. um 09.30 werden die Segel geborgen. Bei der Ansteuerung auf Syrakus zeigt sich der Ätna in der Ferne majestätisch mit Schneekappe über den dünnen Wolken unter strahlend blauem Himmel.
Der Skipper nimmt eine Mütze voll Schlaf in der Sonne auf den höheren Rängen des Teatro Greaco und führt dann seine neue Crew durch die uralte Stadt. In der Trattoria Corriera o. s. ä. gibt es ein typisches Dinner.
Um 07.30 Uhr morgens wird die Maschine gestartet: Ablegen, Ziel Messina. Groß, Besan, Genua und Fock kommen zum Einsatz und nutzen einen leichten Ostwind. Es werden 6 kn SOG daraus. Um 19 Uhr zirkelt der Skipper in schwarzer Nacht sein Schiff rückwärts in eine enge Box in der Marina Nettuno in Messina. 70 Euro Liegegeld!
Im Logbuch steht der 10.03.09. Feiertag für Cornelia und den Skipper. Wird stilvoll begangen im Marina-Restaurant. Am 11. scheint die Sonne zögerlich. Anfangs segelt die DAISY in die Straße von Messina. Dann kommt doch erheblicher Strom auf. Ein sonderbarer Turm in der Ferne an der Engstelle irritiert zunächst, bis feststeht, dass er näherkommt und zwar mit hohem Speed und schäumender Bugewelle. Sekunden nachdem der Skipper die Maschine startet, beginnt der Turm sich zu neigen. Das U-Boot weicht aus. In 100 m Entfernung passiert ein mächtiges Kriegsschiff der US-Navy die DAISY.
Im Tyrrenischen Meer ziehen die Segel wieder alleine. Gegen einen 20 – 25 kn-West kreuzt DAISY nach Milazzo. In der großen Marina verlangt der Marinero ohne Umschweife 100 Euro für die Nacht. Tags drauf beschließt Cornelia ihren Weg nach Palermo mit der Bahn fortzusetzen.
Mit Andreas segelt der Skipper bei ruhiger See und herrlicher Sonne nach Lipari. Nach einer Wende entdeckt er einen 20 cm langen Riß in der Genua. Also wird in Lipari vor Anker liegend, die Genua abgeschlagen. Zum Anschlagen der Ersatzgenua I wird DAISY nach Vulcno verlegt. Der Hafen liegt in der Windstille zu Füßen des Vulcans. Andreas steigt hinauf und blickt in den Krater. Der Skipper hatte den Weg schon im letzten September gemacht. Das Dinner bei Maurizio wird zu einem Erlebnis. Der sympatische Wirt überrascht mit exquisiten Spezialitäten.
Den Weg nach Cefalu muß die Maschine bewältigen: Kein Wind dafür schöne Sonne. Als die DAISY um 18.15 in Cefalu festgemacht wird, steht Cornelia schon auf der Pier. Ein letztes gemeinsames Dinner bei Portocolli. Tags drauf nimmt sie den Zug zum Flughafen Palermo.
Daisy macht am selben Tag um 20.50 an der Tanke im Hafen von Palermo fest. Am Morgen fließen 511 l Diesel in den Tank. Der Generator, die Heizung und lange Motorstrecken seit Milna in Kroatien fordern Tribut.
Palermo - Palma de Mallorca
In der Marina Trapezziolo kommt Paul aus Zürich an Bord. Turbulentes Dinner in Palermo. Auf dem Weg nach Ustica wird für 3,5 Stunden schon wieder die Maschine gebraucht. Nun steht der lange Schlag nach Sardinien bzw. Korsika bevor. Aus Wettertaktischen Gründen entscheidet der Skipper für die Straße von Bonifacio.
Es will einfach kein Wind aufkommen. So wird der erste Teil reine Motorfahrt. Start um 16.25. Segel setzen einen Tag später um 08.20. Bis 18.10 Vollzeugsegeln. Max. SOG 9,1 kn. Dann muß wieder die Maschine herhalten bis 07.37. Zu dieser Zeit sitzt der Anker in Porto Palma, Sardinien und die Crew genießt ein Frühstück kurz nach Sonnenaufgang. Danach fällt die Entscheidung leichter, sogleich noch nach Bonifacio hinüberzusegeln.
Mit 7 – 9 kn SOG pflügt DAISY quer über die berüchtigte Straße. Der Längsseitsliegeplatz in der Stadt Bonifacio erweist sich als ein koko-Platz: komfortabel und kostenlos. Um 15.30 Uhr wird der Weg nach Menorca in Angriff genommen. Gegen Mittag des 23. März läuft DAISY in die tiefeingeschnittene Bucht von Mahon ein. Sie findet einen Liegeplatz an einem Schwimmsteg gegenüber von Pedros Yacht Centre. Der Motorsegler STROMER aus Heilbronn folgt ihr, geht aber dann doch lieber an den Anker.
Auch Mahon und Porto Mao liegen noch im Winterschlaf. 2 oder 3 Lokale haben geöffnet. In einem gibt es ein kräftiges Dinner u.a. Lammkoteletts, und sehr guten Wein dazu. Der Skipper ersteht in Pedros Yacht Centre einen neuen Handscheinwerfer und zwei Ballonfender. Der Scheinwerfer erweist sich nach 12 Stunden Ladezeit als Fake-Produkt made in P.R.China. Da ist DAISY aber schon auf dem Weg nach Binibeca, bzw nach Mallorca. Aus der kleinen Bucht auf Menorca, wo das Dinghi mal wieder zum Einsatz kommt, hinüber nach Porto Cristo auf Mallorca wird mit 5 – 6 kn gemächlich gesegelt. Erst abends schläft der Wind ein. Nach 22.30 findet Andreas sogar noch eine offene Pizzeria in der Stadt, Es gibt Lammschulter und Spanferkel und Kalamares.
Als nächste Station auf dem Weg nach Palma bietet sich Cabrera an. Bei der Naturschutzbehörde, wo laut Handbuch um die Einfahrtsgenehmigung nachgefragt werden soll, nimmt niemand das Telefon ab. Das Einlaufen bei Nacht fordert wieder volle Konzentration. Immer wieder ein wundersames Erlebnis, sich bei dieser Finsterniss in die Bucht zu schleichen, eine Boje finden, auffassen, festmachen, Maschine aus, die Ruhe genießen.
Am folgenden Morgen liegen insgesamt zwei Schiffe in der malerischen Bucht. Eine erholsame Nacht. Dann segelt DAISY nach Palma hinüber. In der Marina Alboran findet sie einen Liegeplatz für 93 Euro pro Nacht. Paul fährt den ersten Anleger perfekt. Er und Andreas gehen von Bord.
Palma de Mallorca - Palma de Mallorca
Jörg kommt am Nachmittag und tags drauf legt DAISY ab. Es geht nach Cabrera und dann nach Westen in die Cala Ponsa und dann nach Ibiza. Dass auf diesem Weg am Tag zuvor ein 66jähriger Skipper im Meer verschwand, bekam die DAISY-Besatzung nur am Funk mit, ca 37 nm davon entfernt. In der Cala Longa, Ibiza, findet der Skipper einen hübschen Platz für seine Freiwoche. Doch erst will Jörg wieder zurück nach Palma. Eine entspannte, doch erlebnisreiche Segelwoche mit einem begeisterten Gesprächspartner geht zu Ende. Jörg leistete seinen Wehrdienst einst auf einem Minenleger.
Palma de Mallorca - Mahon, Menorca - Palma de Mallorca
Zurück am Liegeplatz in Palma. Der Segelmacher holt die Genua ab um den Riß zu reparieren. Tags drauf bringt er sie zurück. Nun folgt ein ausgesprochen weiblich geprägter Ostertörn. Mit Gerlinde an Bord segelt DAISY erst mal nach Mahon, Menorca. Der skipper liefert den defekten -scheinwerfer wieder ab. Geld zurück!
Mit Waltraud, Brigitte und Gerlinde begleitet den Skipper eine kompetente Crew in den Norden Menorcas. Noch einmal bemüht er sich um eine Erlaubnis für Cabrera, ohne Erfolg. Aber die Nacht dort wird dennoch ein weiteres Highlight. Auf dem Sprung nach Menorca bildet sie einfach den besseren Brückenkopf. DAISY besucht noch einmal Porto Christo, was sie sich nur zu dieser Jahreszeit erlauben darf: Der Hafen ist eigentlich zu klein und in der Saison sicher völlig überlaufen. Eine Herausforderung für den Skipper.
Ganz ähnlich der hübsche, ja pitoreske Buchthafen von Cuidadela. Dort hst man für sicher nicht wenig Geld auch aus europäischen Töpfen eine gut 100 m lange Pier für Sportboote angelegt mit Stromanschlüssen, Wasser, alles erfekt. Die Pier ist leer, -der -skipper legt dort an. Aber fünf Minuten später erscheint ein Boot der Polizia und der Beamte erklärt freundlich, dass das Anlegen hier verboten sei, wegen des Drehraumes der Fährschiffe. Gut, dann segeln wir eben nach Puerto de Fornells. Im Sonnenuntergang an den Klippen Nordmenorcas entlang!
Vonn dort geht es fast über nacht nach Colonia de San Pedro im Nordosten Mallorcas. Siebzig Meilen sind das und der Ankerplatz 39°44,323 N 003°16,191 E sicher und ruhig bei diesem Wetter. Mittags drauf klemmt zwar der anker zwischen den Felsen, aber mit einem kleinen Trick kommt er frei ubd mit einem SW 4-5 läßt es sich geruhsam nach Portopedro segeln. Tags drauf erreicht DAISY wieder Palma. Ein köstliches Abschiedsmahl und die Damen erreichen ihre Flieger in die Heimat.
Die Pause in Ibiza
Drei Tage in der Cala Longa auf Ibiza geben Gelegenheit am Schiff zu arbeiten. Ostwind zwingt DAISY aus der Bucht und der Skipper verlegt nach Espalmador, segelt dann nach Ibiza und legt dort am Steg an. Das klappt ganz leicht, weil der erste Platz am Steg frei ist, auf dem zweiten eine gut 15 m Ketsch, ein Taiwanklipper, wohlvertäut vor Murings und Heckleinen liegt und der Wind genau auf den Stegkopf bläst.
Ibiza - Fuengirola - Gibraltar
Reiner kommt aus Mannheim und segelt mit bis ans spanische Festland. Cartagena, Almeria, Torrevejo und Motril werden angelaufen ehe in Fuengirola die Crew wechselt. Uli aus Graz, Österreich, steht auf der Pier als DAISY eben wegen einer Fähre kurz mal ablegen mußte, obgleich ihr der Liegeplatz zugewiesen war... Aber es geht sogleich weiter nach Gibraltar. Die Marina dort schließt um 21 Uhr. Aber um 20.20 Uhr läuft DAISY ein.
Nach etwas holperigem Filterwechesel bei der Hauptmaschine ist sie seeklar. Die günstige Bunkerstation wird genutzt: 64 Cent für den Liter und das bei 640 Litern. Das rentiert sich.
Gibraltar - San Miguel, Azoren
Am 20.05.09 startet die DAISY in den Atlantik. Sonne, 25 Grad C. Munterer Ostwind. Nach Hochwasser Gibraltar gibt es auch noch günstigen Strom. Uli aus Graz ist an Bord. Er segelt erst mal mit nach Lagos, Portugal. Dort kommt Albrecht an Bord. Und Werner. Der Generator muss überholt werden. Er hat in den letzten Tagen manchmal den Dienst verweigert. Die Fischer-Panda-Vertretung Lissabon will sich seiner annehmen.
DAISY erreicht um 14 Uhr die Tejo-Mündung und segelt bis zum Stadtzentrum hinein mit auflaufendem Wasser. Sie kehrt zurück und macht um 16.30 Uhr in der Marina Oeiras fest. Um 19 Uhr kommt endlich der FP-Mechaniker. Ergebnis: Der Generator muss ausgebaut werden. Dazu soll DAISY in die Doca de Alkantara verlegen. Am Tag darauf ist es soweit. Um 18 Uhr passiert sie die Brücke aus der Lissaboner Stadtmarina. Ziel San Miguel, die östlichen Azoreninsel.
Die Reise verläuft ruhig. Nordwind, der Portugalpassat schiebt ordentlich an. Dann wirds etwas dünn mit dem Wind aber am vorletzten Tag kündigt sich ein Tief an, das heftigen Südwest schickt. Daisy ist gezwungen auf Steuerbordbug zu segeln und das führt nun mal ins Tief. Statt aber 30 Meilen auf Legerwall an Sao Miguel entang zu schrubben, segelt sie im Norden der Insel im Windschutz, dachte der Skipper und legte sich schlafen. Doch geriet der Kurs aus dem Ruder und DAISY zu weit aus der geschützten Zone. Es war heftig. Sehr heftig. Beim nächtlichen Segelbergen brach das Großfall. Zurück an der Küste war besseres Fortkommen im ruhigen Wasser, dann galt es noch um das umtoste Westende zu motoren und mit raumem Wind in die Hafeneinfahrt. Und da lag sie dann die DAISY mit neuem Großfall und für ein paar Tage bei Wartungsarbeiten und harrte der Fortsetzung ihrer Reise.
Skipper und Shore-Office überlegen, wie es weitergehen soll. Die Buchungssituatiion erfordert eine Entscheidung. Die Finanzkrise hält die Menschen offenbar davon ab, Segelreisen zu unternehmen. Der Skipper möchte nicht allein zu den Kanaren segeln. Der Schiffsunterhalt ist kaum zu gewährleisten, wenn das Schiff nicht genutzt wird. Die beste Auslastung hatte DAISY um die Britischen Inseln. Also entscheidet der Skipper: Rechtzeitig abbrechen, um die Verluste nicht ausufern zu lassen. Planmäßig wird die Reise nach Bilbao weitergehen. Von dort über La Coruna und Brest und Guernsey nach Dartmouth in Cornwall. Von dort eventuell nach Eckernförde. In Ponta Delgada wird nun das Rigg überprüft. Es hat viel ausgehalten. Der Ölwechsel ist fällig.
Sao Miguel, Azoren – Lissabon
Das Rigg erweist sich als grundsolide, frisches Öl in der Hauptmaschine. Werner und der Skipper werfen die Leinen los. Kräftiger Südwestwind schiebt DAISY von Sao Miguel zwei Tage lang nach Osten, dann war Feierabend. Bei abgeschalteter Kühltruhe und stillgelegtem aber mit Eis aus der Kühltruhe bepacktem Kühlschrank reichte die Batteriekapazität auch ohne Generator fast 24 Stunden. Als der Wind weg war, musste ohnehin die Maschine einspringen. Dann kam der Wind wieder und Werner und der Skipper erlebten die Selbststeuerfähigkeit der Ketsch. Mit Fock, Kutterfock, gerefftem Groß und gerefftem Besan lief die DAISY stundenlang am Wind, ohne dass große Ruderkorrekturen erforderlich gewesen wären. Das sparte zusätzlich den Strom für den Autopiloten. Zwar wurde sie vom Nordwind leicht nach Süden abgedrängt, erreichte aber nach sechs Tagen und sieben Stunden am 14.06.09 Oeiras in der Tejo-Mündung.
Für Mittwoch den 17.06.09 wurde der Einbau des reparierten Generators vereinbart. Dazu wurde nach dem Volltanken in die Marina Doca de Alcantara in Lissabon verlegt. Dort kam Konrad, Bruder des Skippers, an Bord und wenig später brachte Gonzales Lopes und sein Sohn samt Mechaniker den Fischer-Panda zurück. Tags drauf touristisches Programm in Lissabon. Dann ab nach Cascais, wo ein hübscher Ankerplatz wartete. Noch mal ein köstliches Dinner bei »Oma und Opa« in Cascais, ein apartes, lauschiges kleines und sehr preiswertes Lokal abseits der Touripfade.
Am 21.06. ging DAISY mit dreiköpfiger Crew wieder auf den Atlantik, um die Küste Portigals nach Norden zu bereisen. Peniche, bot einen halben Liegeplatz, obgleich viel Platz zur Verfügung gewesen wäre hatten zwei drei Skipper etwas mitdenkender geparkt. Beim Feigenbaum an der Mündung des Flusses »Figueira da Foz« gab es einen ganzen Längsseitsanlieger an der Tanke und in Aveiro ein paar bange Minuten vor der Hochspannungsleitung. Im Handbuch ist sie mit 18 m eingetragen, der Skipper hatte sich vor Jahresfrist schon einmal passiert aber bei Niedrigwasser und nun gab es nach Neumond Spring-Hochwasser! Aber eine niederländische Crew konnte von mehr Abstand aus Entwarnung geben: DAISY mit ihrem 22-m-Großmast passte einwandfrei unten durch und fand wie ehedem den einzigen noch verfügbaren Liegeplatz: 1 m nach vorne und 1 m nach achtern Raum.
10 Euro für die Nacht, da bleibt man gern auch mal zwei Tage. Dafür schlug das opulente Fischessen in der Stadt etwas heftiger zu Buche. Aber lecker wars und der Wein unübertroffen. Nach Leixoes, sprich Läschons, wenig nördlich von Porto, der alten Stadt in der Douro-Schlucht, half eine NW-Brise. Der Liegeplatz in der Zufahrt zur Marina an einem wackeligen Schwimmsteg im Hafenschwell war gerade noch sicher genug, um angesichts des Wetters drei Tage dort zu bleiben.
Porto – Lacoruna
Am ersten ging Werner von Bord nach einem Candle-Light-Dinner in einem romantischen Restaurant in Leixoes. Am Morgen fuhren alle drei im Taxi zum Bahnhof. An den nächsten Tagen nutzten Skipper und Bruder den Bus Nr. 500 und die Metro um schnell ins Zentrum von Porto zu gelangen. Eine geschichtsträchtige Stadt mit komplizierter Topographie, was sie besonders kurzweilig macht. Gut auch für längeren Aufenthalt. Freilich haben das auch schon andere entdeckt. Die Straßen sind voll von ihnen. Sherryprobe, Weinprobe, Flußfahrt, Franziskanerkloster, Museum, Kirchen.
Als Skipper und Bruder mit einem Sack voll Eindrücken und Erlebnissen den Bug der DAISY wieder nach Norden richteten, spielte der Wind nur zwei Stunden mit, der Rest wird mit teurem Diesel bestritten. Also wird in der Bucht von Bayona gespart: ein traumhafter Ankerplatz macht es leicht.
Eine weite rundum geschlossene Bucht, umgeben von sanften Hügeln und aufragenden Bergen. Auf dem westlichen Hügel haben Tausende von Händen Geschichte gebaut: eine heute malerisch wirkende Festung, zu ihren Füßen die moderne weitläufige Marina vor der lebendigen Stadt Bayona, die im Süden von einem spitzkegeligen Bergen überragt wird, auf dem man eine gewaltige Madonna platziert hat.
DAISY ankert eine Viertelmeile vor der Stadt. Das Dinghi kommt zum Einsatz und die Festung ist das erste Wanderziel. Sie ist bereits besetzt von der Guardia Civil. Schon unten im Hafen liegt eine Reihe Schnellboote. Hier oben Geländewagen, gepanzerte Fahrzeuge, Hubschrauber. Plötzlich schwirrt so eine Windmühle heran, on top der Burg, bläst dem Skipper fast den Hut weg. Eurocopter! Haben die hier eine Übung oder was?
Die nächsten Tage lüften das Geheimnis. Tribünen werden aufgebaut, der Strandabschnitt jenseits der Marina wird zur Bühne. Tausende von Menschen finden sich ein, säumen die Ufer. Dröhnende Lautsprecher verkünden das Unheil: Ganz böse Terroristen wollen am Strand landen, das Vaterland verunsichern. Tatsächlich kurvt ein Schlauchboot mit Außenborder und zwei Bösewichtern an den Schwimmstegschlängeln der Marina vorbei direkt auf den Strand, verfolgt von einem Polizei-Kreuzer und einem seiner grün-weißen Beiboote. Der Hubschrauber dröhnt heran, zwei schwarz vermummte Kämpfer seilen sich ab, gehen auf dem sonnengelben Strand in Lauerstellung. Das Schlauchboot saust in all dem Getöse auf den Strand. Platzpatronenschüsse knattern durch die Luft. Die Bösewichter lassen sich dramatisch in den weichen Sand kugeln, nicht ohne noch rasch eine rote Rauchgranate zu zünden. Ein Panzerwagen prescht heran, kurvt doch tatsächlich durch die kleine Brandung, weil es so schön spritzt. Das habe einen Aplaus verdient, meint die Stimme am Mikro und die Leute patschen in die Hände, während auf dem Strand ein Trupp in leuchtend roten Schutzanzügen dem Rauchfähnchen den Garaus macht.
Als alles wieder weggeräumt ist, füllen junge Guardia-Civil-Soldaten die Bars und Cafés Bayonas, mischen sich unter die Touris, vorwiegend Spanier, die hier zu Tausenden urlauben. Auch Skipper und Bruder genießen die galizische Gastlichkeit: eine umfängliche Paella für zwei für insgesamt sechzehn Euro mit Blick auf die Marina und die Bucht. Aber was ist das? Die Ankerlaterne der DAISY leuchtet nicht? Nach dem nächsten Frühstück muß der Skipper mal wieder in den Mast. Dann strahlt sie wieder die Ankerlaterne im Top. Der Generator brummt nach Bedarf, DAISY funktioniert. Ein schwimmendes bergendes Heim. Am 10.07.09 wird sie in Lacoruna erwartet, am 11.07. kommt mal wieder internationale Crew an Bord: ein baskisches und ein deutsches Paar.
Noch ist keine Eile angesagt. Skipper und Bruder gehen ankerauf. Im Naturpark Cies fällt das Eisen wieder. Gut zwei Dutzend anderer Boote sind schon da, liegen sanft wiegend vor dem Halbrund des Strandes, hinter dem steil grün überwucherte Felsrücken sich erheben. Eine Fähre bringt Wochenendcamper und Badegäste zu Hunderten auf das Eiland. Die zwei Brüder von der DAISY wandern zum Leuchtturm hinauf, genießen den weiten Blick über See, Inseln und ins Land. Möwen verteidigen kreischend ihr Gelege, Eidechsen flitzen über den Weg, exotische Flora beduftet die Luft, die Sonne sinkt zum Horizont. Zurück auf das Schiff, ein Dinner bereiten und Rioja genießen.
Weiter nach Norden. DAISY kreuzt brav gegen den Nordost. Der macht die Strecke zwar wesentlich länger, bietet aber rauschendes Am-Wind-Segeln. In kleinen Orten wie Portosin und Camarinas geht es wesentlich verschlafener zu als in Bayona und Umgebung. In Portosin die erste Nacht vor dem Hafen am Anker, die zweite am Steg in der gepflegten Marina. Von hier gibt es einen Bus nach Santiago de Compostela. Sollte man ja wohl gewesen sein, wenn man jetzt schon mal weg ist. Nun, die DAISY-Crew wurde kein Mitglied der Traditionsgemeinschaft im Zeichen der Muschel. Am meisten beeindruckte den Skipper ausgerechnet hier eine simple originale Reisekutsche in Gelb, die im Torbogen eines Hotels unweit der Kathedrale geparkt ist. So waren Menschen Jahrhunderte lang unterwegs. Und auf Segelschiffen. Als die Erde noch unverwundet war und die Ozeane noch rein. Gibt es irgendeine Brücke zum Geist, der Tausende entlang der Straßenränder Europas hierher treibt? Man müsste suchen.
Ausschlafen in Portosin. Auf Kreuzkurs nach Camarinas. Wider ein tiefeinschneidender Fjord. Drei Yachten ankern im Hafen, weshalb DAISY in die östliche Bucht ausweicht, in absolute Ruhe aber der Nordost trägt zeitweise die Rauchfahne einer versteckten Müllkippe herüber. Am Hafen verkündet eine Tafel, dass man bemüht sei, den Tourismus an der „Costa del Morte“ zu beleben. Ein schlichtes Mahl in einer einfachen Kneipe mit Blick über die Bucht. Calamares. Das Frühstück ist gehaltvoller. Routinemäßig.
Eine günstige Winddrehung macht die Ansteuerung auf Lacoruna in der Schlussphase zum angenehmen Halbwindkurs. Segel bergen und Anker klar. Na, ist die neue Crew schon in der Nähe? In der Bucht Mera, auf der Nordseite der Ensenada Coruna, des Coruna-Fjordes, findet die DAISY ihren Gratis-Platz. Per SMS melden sich Lothar und Dorothea. Wenig später stehen sie an Land und sichten die DAISY. Den Rest erledigt der Skipper per Dinghi. Man lernt sich kennen bei einem köstlichen galizischen Mahl in der Casa Argentina.
Die beiden verbringen ihre erste Nacht auf der DAISY entschwinden nach dem Frühstück aber wieder, um ebenfalls Santiago zu besuchen, einen ersten Provianteinkauf zu erledigen und das Mietauto abzuliefern. Die Brüder verlegen die DAISY derweil nach Coruna, in die brandneue Marina Coruna. Kein Wellenschlag erreicht hier die DAISY. Es wurden seit 2007 ein Wellenbrecher vor die Einfahrt gesetzt, die Steganlage mindestens verdreifacht, ein neues Marinagebäude mit Sanitäranlagen und eine Parkgarage errichtet.
Am Samstag, den 11. Juli 2009 erscheinen dort Jon und Ariadne aus San Sebastian. Das junge Paar nistet sich im Vorschiff ein. Am Abend sitzt die gesamte Crew in einem Spezialitätenrestaurant in Coruna. um eine riesige, exquisite Schinkenplatte.
Leinen los und hinaus auf das Meer. Der alte römische Leuchtturm, der Herkules, grüßt noch lange, dann verschwindet er achteraus im Dunst am Horizont. Ariadne spricht etwas Deutsch, Jon kann gut Englisch und der Skipper versucht sich im Spanischen. Wenn es drauf ankommt wird Englisch gesprochen. DAISY macht mal wieder einen weiten Schlag auf den Atlantik und kreuzt schließlich in die tief eingeschnittene Bucht von Cedeiro. Hier kann hinter dem Wellenbrecher geankert werden.
Auf diesen Touren von Ankerplatz zu Ankerplatz liegt das Zodiakdinghi nun schon seit Wochen immer fertig aufgebaut auf dem Vorschiff. So wird es zur Routine nach dem Ankern und Ankerball setzen, das Boot umdrehen, einen Dreier-Hanepot schlingen, das Kutterstag einschäkeln, das Dinghi anheben, über die Reling schwenken und zu Wasser lassen. An der Bordwand entlang ans Heck fahren, die Vorleine an die Steuerbordklampe und mit einer kleinen Heckleine an die Badeleiter binden, Tank, Benzinleitung und Motor ins Boot holen, anschließen, fertig zum Landgang.
Cedeiro putzt sich gerade heraus. Dem Städtchen hat man wohl Mitte des letzten Jahrhunderts ein neues rechteckig durchgestyltes Zentrum verpasst. Darum herum pulsiert die gewachsene Stadt. Im alten Zentrum jenseits des Flusses, hat man die Hauptstraße aufgerissen für eine Kanalisation. Aber dort am Ufer gibt es die schönsten Kneipen. Die großspurige Bautafel, die eine neue Marina ankündigte und von einer anderen DAISY-Crew 2007 bestaunt worden war, ist verschwunden. Aber im Hafen gibt es jetzt einen Schwimmponton als Dinghi-Anleger und eine neue Brücke dorthin. Eine weitere Treppe, auf halbem Weg zur Stadt wurde gerade montiert.
Lothar hat sich in den Kopf gesetzt, das Problem des schnurlosen Handschweinwerfers zu lösen: das Ladegerät tut nicht mehr und der Hersteller hat es mit Schrauben versehen, die man nur mit Spezialwerkzeug lösen kann. Also wird ein Gabelschraubendreher hergestellt. In einem Eisenwarenladen findet Lothar die Zutaten: Sehr schmaler Schraubenzieher und sehr dünne Trennscheibe. Ariadne besorgt schöne Rindersteaks und Einiges mehr für ein Schlemmermahl. Die Rucksäcke füllen sich mit weiteren Schätzen. Zurück an Bord wird gearbeitet, in der Pantry und an Deck. Im Ladegerät ist, wie vom Skipper vermutet, nur ein Draht lose. Anlöten. Dat Ding tut wieder. Danke!
Man schreibt Montag, den 13. Juli 2009. Gegen halb eins geht der Anker hoch. Eine halbe Stunde später stehen Genua und Besan im Winddruck und Daisy läuft raumschots mit ca. fünf Knoten nach Osten. Es sind nur 35 Meilen bis Viveiro und es gilt, Cabo Ortegal zu runden. Es bläst aus Südwest-West, schöner Raumschots-Kurs. Wieder läuft DAISY in einen tiefen Fjord. Um halb acht abends fällt der Anker schon wieder.
Viveiro liegt versteckt an einer Flussmündung. Auch hier hat man einen großen Wellenbrecher gebaut, um der Fischereiflotte einen geschützten Hafen zu bieten. Die Flussmündung wurde kanalisiert und neben dem Damm lässt es sich prima auf fünf bis neun Metern ankern. Der Schlamm hält super. Nur der Weg mit dem Beiboot in die Stadt ist ein bisschen weit. Man kann in die Marina fahren und das Dinghi ganz hinten an einem Ponton festmachen. Der Stadtkern macht einen Eindruck von Ursprünglichkeit: schöne alte und mittel-alte spanische Häuser. Ein riesiger Supermarkt nur 100 m von der Marina. In einem gemütlichen Restaurant gibt es eine riesige Fischplatte. Und an Bord klingt der Abend in wildromantischer Umgebung aus: Die grün bewaldeten Berge ringsum, die Lichter der eineinhalb Kilometer entfernten Stadt, der Sternenhimmel, das Leuchtfeuer achteraus. Und der Rioja El Coto auf dem Tisch im Mittelcockpit. Da wird so manches Weltproblem gelöst, theoretisch zumindest.
Nach dem Frühstück Dinghi aufholen und das Schiff seeklar machen. Scheint genug Wind zu geben. Maschine an, Anker auf, Groß setzen. Es sollte zwar Westwind wehen, nun greift aber Südwind in die Segel und das Schiff gondelt eher gemütlich die Küste entlang Richtung Ribadeo. Um halb sieben abends sind auch diese 35 Meilen geschafft. Der Anker fällt zunächst vor dem Hafen. Doch der Hinweis auf auch nächtens durchfahrenden Frachterverkehr, veranlasst den Skipper, DAISY in den Hafen zu legen. Zu typisch spanischer Zeit speist die Crew in einem preiswerten Lokal in der alten Stadt oben auf dem Hochufer. Der Tourismus scheint hier keine allzu große Rolle zu spielen. Galizische Provinz, wie sie singt und tanzt!
Wer von Ribadeo aus die Segelreise nach Osten fortsetzen möchte, findet auf der Karte bis Gijon wenige Möglichkeiten für einen sicheren Stopp. Dass DAISY auch in den Hafen Cudillero passt, stellt der Skipper erst Wochen später auf der Rücktour fest. Aber wahre Freude löste dieser Besuch weder bei ihm noch bei der Crew aus. Für diesmal sollten die 90 Meilen durchgezogen werden ohne Stopp.
15.07.09 Der Himmel hing voller grauer Wolken als um halb zehn die Maschine gestartet wurde. 45 Minuten später standen Groß, Genua und Besan aber der Südwest gab bald auf und der Nordost brachte auch nichts rechtes zustande. Erst ab 16 Uhr wurde es ein richtiger Segeltag. Zum Abendessen bereitete Ariadne die Chutoletas de cerdo con arroz y salad. Ein Schlemmermahl. Nach Mitternacht musste gar das Groß gerefft werden. Nach dem Umrunden von Cabo de Penas war es wieder aus mit dem Wind. Noch zwei Stunden Motor und DAISYlang backbord längsseits fest in Gijon, der größten Hafenstadt Asturiens.
Hier gab es endlich Churros con Chocolado, das leckere schlangeförmige Gebäck mit heißer Schokolade. Und abends ein Dinner am Plaza Mayor für rund 20 Euro pro Nase. Auch der nächste Schlag sollte durch die Nacht führen: Auf den 90 Meilen bis Santander findet sich auch kein geeigneter Hafen, aber auf dem Weg eine Menge Verkehr. Zwei Halsen wurden erforderlich, um Frachtern auszuweichen. Um 21 Uhr gab es Kartoffelsuppe und um halb acht morgens fiel der Anker vor dem exklusiven Yachtclub von Santander.
Ariadne erbeutete auf dem Markt Doraden und Lubinos so dass es an Bord wiederum ein exquisites Dinner zu feiern gab. Mit Mashpotatoes und Salat.
Nur 28 Meilen weiter östlich fiel der Anker im Fluß vor Santonya. Am nächsten Morgen kam es zu einer folgenreichen Begegnung im Hafen der Stadt. Dort gibt es eine Marina für normale Sportboote mit atemberaubender Architektur, aber es lagen auch zwei größere Segelyachten an der Hafenmauer, als der DAISY-Skipper mit dem Dinghi zwecks Semmelnkauf dort aufkreuzte. Eine hübsche Ketsch, unverkennbar aus taiwanesischer Fertigung und auf ihr ein weißhaariger würdiger Herr, beschäftigt mit Arbeit an den Segeln. Auf dem Heck prangte ein geschwungen geschnitztes Schild mit der goldigen Aufschrift des Heimathafens und der lautete „Leith“, der Handelshafen von Edinburgh.
Good mornig sir, your home is Edinburgh? Yes. Damit war die Bekanntschaft mit John Forsyth perfekt. Kurzer Smalltalk, Austausch der Telefonnummern und E-mail-adressen, und das Treffen in Edinburgh war in trockenen Tüchern. Einen echteren Schotten gibt es nicht. Und einen hilfsbereiteren wohl auch kaum. John und Carola wollten DAISY in Edinburgh erwarten und taten dies auch, nach dem sie ihre schöne Ketsch in Frankreich eingewintert hatten.
Noch schrieb man Montag, den 20.Juli 2009 und DAISY ankerte vor Santonya. Um 13.30 verlegte sie in den kleinen Hafen, an einen Hammerhead zum Wasserbunkern. Immer wieder ein Kitzel in engen Häfen zu manövrieren ohne Bugstrahlhilfe nur mit dem Verstellpropeller und dem Ruderblatt. Wieder nix kaputt gemacht. Um 14.30 kommen die Leinen wieder an Bord. Der schwache Ost animiert niemand, Segel zu setzen. Gegen 18.00 fällt der Anker nur 16 Meilen weiter im Hafenbecken von Castro Urdiales.
Hat auch seinen Reiz, in bekannte Häfen einzulaufen. Für die Crew ist alles neu und der Skipper weiß genau, was ihn erwartet. Diesmal kommt die DAISY in der Hochsaison, und im Becken herrscht sommerliches Gedränge. Aber es geht.
Die Stadt begeistert. Uraltes Gemäuer, eine bisschen windschiefe gotische Kathedrale im Kleinformat auf dem Felsvorsprung, wo sich schon die Römer eingenistet hatten und vor denen sicher Kelten und einige andere Völker. In jeder Kneipe asturische Leckereien, Wein vom Feinsten und eine lockere Urlaubsstimmung mit entsprechendem Touritrubel. Auch wer fast in der Hafeneinfahrt ankern muß, kommt mit dem Dinghi an der Mauer entlang bis zum großen Ponton des Ruderclubs. Da der Wind immer noch Pause macht, verurlaubt die Crew den Tag in dieser reizenden Stadt.
Auch am 22. Juli 2009 tut sich nicht viel unter den Wolken. Es reicht für eine Stunde Segeln vormittags und drei Stunden nachmittags. Konrad und Lothar schaffen in gemeinsamer Leistung eine Makrele an Bord. Kurz darauf dreht der Wind plötzlich auf West - und richtig auf: 20 kn. Groß runter, Genua reffen und ab die Post. Zwei Stunden später heißt es vor Bermero „Segel bergen“. Die Gemeinde feiert die San Madalena-Fiesta. DAISY kommt gerade recht zum großen Bootskorso, auf den Piers drängen sich die Menschen, alle in blauen Kitteln in reichlich cidre-, wein- und bierseeliger Ausgelassenheit. Es wird eine lange Nacht.
Kein Wunder, dass sich tags drauf das Ablegen bisschen verzögert. Aber um 10.35 immerhin wird draußen die Maschine wieder abgestellt und ein Südwest fährt mit gut 25 kn in die gereffte Genua. Erst müssen die Fender geschrubbt werden nach der Nacht an der dreckigsten aller bekannten Hafenwände. Zum Lunch gibt es Makrele und kurz danach keinen Windhauch mehr. Aber da steht DAISY eh schon vor der Einfahrt in die großartige Bucht von San Sebastian. Erst wird an einer Boje festgemacht, doch traut der Skipper ihr nicht recht und wird darin von einem einheimischen Hafentaxifahrer bestärkt. Der Anker der DAISY fällt schließlich weit außerhalb des Bojenfeldes und hält vertrauenswürdig wie eh und je. DAISY liegt auf 43°19.083 N 001°59.686 W. Das Hafentaxi bringt Jon und Ariadne nach herzlichem Abschiednehmen an Land, per Dinghi folgt die übrige Crew.
Am 24. Juli 2009 gelingt es, den Ponton im Hafen der Stadt frei zu bekommen. Wilfried Krusekopf macht mit seiner eleganten HR 38 Platz. Daisy kann anlegen und Wasserbunkern. Zu bleiben empfiehlt sich jedoch wegen der Gezeit, zwei Tage nach Neumond, eher nicht. Am 25. Juli 2009 gehen Lothar und Dorothea von Bord. Auch sie machen den Eindruck, als hätten sie sich recht wohl gefühlt auf der DAISY. Des Skippers Schwiegersohn Mikel, bringt die beiden zum Flughafenbus.
Nun ist Familie angesagt auf dem Schiff. Aingeru lässt sich am Strand überreden, auch mit ins Dinghi zu kommen und an Bord der DAISY. Ein kleines Geschenk macht’s möglich. Dann sind sie alle da: Mutti Julia, Aingeru, Johanna, Cornelia und auch Mikel kommt geschwommen. Onkel Konrad gehört ohnehin zur Crew. Am Strand tobt der Badebetrieb und die Biskaya kann es nicht lassen kleine Grüße in die weite Bucht von Donostia zu senden. DAISY bewegt sich erhaben und gemächlich in den sanften Wellen. Der 31. Juli naht heran und dann wird Geburtstag gefeiert. Julias Tag, deshalb heißt sie ja so. Schwiegereltern Antonio und Coro laden ein auf den Berg hoch über der Bucht. Dort hat man einen verrückten Vergnügungspark angelegt. Die Gastronomie wirkt sehr bemüht aber die Aussicht von dem einstigen Leuchtturm lohnt die vielen Stufen.
Der Tag des Abschieds naht auch dort unweigerlich und am 1. August 2009 ist er da. Der Skipper sammelt im Hafen fünf junge Leute ein, vier Mädels und einen Hahn. Sie wollen mal Segelluft schnuppern auf dem Weg nach Bilbao. Mikel und Julia haben das organisiert. Jeder zahlt ein wenig und schon sieht der Skipper gelassener in den Tag. Wenn man es besser wüsste, wäre der Tag eine Enttäuschung: Erst kein Wind, dann ziemlich heftig aus West. Durch zwei Fronten musst du gehen, um Getxo bei Bilbao zu sehen. DAISY motorte eisern durch.
Hedwig und Philipp kommen an Bord, saßen in derselben Maschine, wie Gabriella, die „Dirigentin“. Doch auf dem Steg traf die superblonde Italienerin in Hotpants später ein. Wäre zu gern an Bord gekommen, allein, sie war verletzt und wollte rein gar nichts bezahlen. Sorry. Am 3. August 2009 traf Gerlinde ein. Die beiden Geschwister des Skippers unternahmen einen Ausflug nach Donostia. Der Rest der Crew trieb sich im und am Guggenheimmuseum herum. Am 4. August wurden Wasser und Diesel gebunkert und um 13.30 abgelegt. Eine Stunde später übernahmen Besan und Genua den Antrieb und drei Stunden später fiel der Anker wieder in Castro Urdiales. Zum Dinner gab es Schwammerl mit Semmelknödeln, ein Gruß aus der Oberpfalz, wo Schwester Hedwig daheim ist.
Mittwoch 5. August 2009. Der Vormittag wird einem ausgedehnten Stadtbesuch gewidmet. Die urtümliche gotische Kathedrale ist eben nur vormittags zugänglich und man sollte sie betreten haben. Wer weiß, wie lange sie noch steht, so abenteuerlich, wie sie gebaut ist. Im frisch renovierten und umgebauten Kastell nebenan gibt es eine nagelneue Ausstellung zu bewundern.
Dann ist es soweit: Per Dinghi sammelt der Skipper die Crew ein samt der Einkäufe für die nächsten Tage. Um 14.20 startet er die Maschine. Um 15.00 sind Groß, Genua und Besan gesetzt. Der Nordwind greift in die Segel und es geht flott voran. Alle genießen die rauschende Reise über die leicht bewegte See. Um 18.15 steht DAISY vor der Einfahrt nach Santonya. Runter mit den Segeln! Um 19.30 ist der Anker eingegraben auf 43°26.301 N 003°26.903 W. Es gibt ein feines Dinner: Steaks mit gerösteten Semmelknödeln und Salat, Bier und Rotwein und um Mitternacht Champagner! Gerlinde feiert ihren 50. Geburtstag an Bord der DAISY! Skipper, Crew und DAISY wissen das sehr zu würdigen. Der Skipper fertigt eine echte rote Torte an.
Noch schnell ein Foto, bevor es Abend wird: Da ankert DAISY in Santonya, em Geburtstagshafen.
Am Geburtstag selbst zieht der Himmel den Vorhang vor die Sonne. Nach dem ausufernden Geburtstagsfrühstück geht die Crew erst mal an Land. Zwei Stunden später sind alle fünf wieder da und der Anker geht hoch. Ab 15.00 wird gesegelt mit Genua, Groß und Besan und Kutterfock. In der Spitze kommen immerhin 7,5 kn heraus. Um 20.00 liegt das Tagesziel eine halbe Meile vor dem Bug: Santander. Der Anker fällt wieder unweit des Yachtclubs. Man kann dort so gut mit dem Dinghi landen. Allerdings sollte es an der seeseitigen Treppe so angebunden werden, dass es der Wind bei Niedrigwasser nicht unter das Haus weht. Sonst sieht es bei Hochwasser etwas befremdlich aus. Es gelang, dies zu verhindern.
Freitag, 7. August 2009 - Wieder schwärmte die Crew am Vormittag aus zum Landgang. Und Santander lohnt. Den Weg zum mondänen Strand auf der anderen Seite des Stadthügels legt man am besten per Bus zurück. Eine sehr spanische Stadt in Asturien, die es wert ist, einen Tag dort zu verbringen. Segeln kann man auch später noch. Der Schlag nch Gijon wurde auf die Nacht verschoben. Um 19.30 gab es Dinner an Bord: Ratatuille mit Rindfleisch und Kartoffeln.
Um Viertel nach acht ging der Anker hoch, um neun befand sich DAISY unter Genua und Groß auf der Biskaya. Der Nordwind erlaubte einen perfekten Westkurs, bei dem auch das Besansegel sehr gut zur Geltung kam. Vierzehn Stunden rauschte sie durch die Nacht bis am 8. August um 12 Uhr der Wind einschlief. Stunde später kam wieder was, aber es waren dann doch noch zwei Motorstunden nötig um nach 92,1 nm seit Santander in den Hafen von Gijon zu kommen. Diesmal bekam DAISY einen Platz in der Schwimmstegbox 606, wo sie achteraus festgemacht wurde. Das gab dem Skipper Gelegenheit, endlich die Kante des Yachthecks neu zu primern. Die Crew genoss ein Dinner in der Stadt mit Lammkoteletts, Schnitzel, Kalamares etc. Am Rezeptionskai gegenüber machte spät nachts noch die große blaue Gaffelketsch „Sirtaki“ fest.
Jenseits vom Cabo de Penas, das westlich Gijon weit in das Meer hinausragt, fand der Skipper doch noch einen kleinen Hafen in der Seekarte. Der Reiz, diese Zwischenstation auszuprobieren wuchs ins Unwiderstehliche. Tatsächlich lud der Sonntagswind nicht gerade ein, eine größere Distanz nach Westen anzugehen. Schon das Kap zu runden, war nur mit Maschinenhilfe möglich. Zwischen 16 und 20 Uhr zog DAISY an der Westseite der Halbinsel an schroffen Klippen entlang unter Genua, Groß und Besan auf südlichem Kurs dahin.
Der kleine Hafen am Fuß des grauschwarzen Küstengebirges ist von ferne kaum auszumachen. Erst als die DAISY weniger als eine Meile vor der Einfahrt steht, kommen die markanten Punkte deutlicher zum Vorschein. Bei auflandigem Seegang in dieses Nadelöhr treffen? Kleine Fischerboote passieren die Einfahrt. Im Glas kann der Skipper ihren Weg verfolgen. Sie erscheinen und verschwinbden hinter einem Felsklotz, tauchen hinter einem anderen wieder auf. Sehr seltsam. Laut Karte geht es in einer engen S-Kurve in das rechteckige Hafenbecken. Und es ging tatsächlich.
Maschine an, Segel runter, Fender vorbereiten und mit dem Seegang auf das alte offene Hafenbecken zusteuern. Als der 20 m hohen Fels steuerbord querab ist, öffnet sich dort eine schmale Einfahrt. Von beiden Seiten steigen die Felsklippen stufenweise ins Wasser ab. Der Seegang lässt das grüne Wasser munter darum herum gurgeln. Tiefe: sechs Meter, dann fünf. Gibt es hier Strom? Ruderlegen hart steuerbord. Drehzahl erhöhen. Daisy folgt souverän dem Fahrwasser. Ruder gerade, etwas backbord. Liegen da Trossen im Wasser? Jetzt ist der Blick frei ins Hafenbecken.
O Gott, welch ein Gedränge. Zwanzig oder mehr kleiner Yachten liegen an Bojen vertäut, eine Boje vorn eine achtern in zwei Reihen, dazu Fischerboote.
Schraube auf Rückwärtsschub, Fahrt aus dem Schiff nehmen. Bug erst mal in den Wind drehen. Tja, was machen wir denn da? Mal sehen. Kleine Fahrt auf nehmen für eine enge Hafenrunde. DAISY gleitet langsam zwischen den Bojenliegern durch. Da wäre eine schmale Lücke, müsste achteraus angefahren werden. Vergiß es, bei dem Seitenwind. Da kommt ein Mann in einem Ruderboot. Ein freundlicher Willkommensgruß. Ja nimm diese Boje. Nein, zu eng. Wir werfen dort vorne im bojenfreien Raum den Buganker und holen die letzte freie Boje mit der Hecktrosse. Si si, est possible tambien. Macht bitte den Anker klar. Ein junges Paar kommt mit einem Paddelboot vorbei, nimmt die Trosse und führt sie durch das Bojenauge. Vielen Dank! Wollte ihr an Bord kommen. Nein vielen Dank wir wollen den Sonnenuntergang sehen dort vorn auf den Klippen. Ah verstehe.
DAISY liegt wohl verankert in Cudillero. Will jemand an Land gehen? Nee, erst mal Abendessen. Es gibt Pasta con tuna und frischen Salat. Danach will auch niemand an Land, also bleibt das Dinghi oben. Die hilfreichen Paddler kommen auch nicht mehr zurück, also verschwinden alle nach Skippers Gute-Nacht-Glas Roten in den Kojen.
Der 10. August beginnt sonnig und um 0830 ist das Frühstück passé, die Maschine springt an und die Heckleine wird losgeworfen, Konrad holt den Anker hoch. Fünf Knoten Wind aus NE reichen einfach nicht für einen Kurs West. Erst um 1100 greifen die Himmelskräfte derart in die Genua, dass 3,5 kn Fahrt draus werden. Mit dem Besan gibt es noch einen Schubs drauf. Dann werden es sogar rund 6 kn. Es wird ein beschauliches Dahinziehen mit einem kleinen Lunch und nach dem Tee geht es schon wieder ans Segel bergen. DAISY steht vor der Einfahrt nach Ribadeo. Die Einsteuerung gestaltet sich etwas tricky. Es müssen zwei Untiefen umschifft und die Peilfeuer in die Flussmündung gefunden werden.
Diesmal geht der Skipper gleich in die Marina, geht erst längsseits am selben Hammerhead, an dem die DAISY das letzte Mal festmachte, doch darf er noch zwei Anlegemanöver üben, ehe sich die Hafenmeister einig sind, wo die Lady liegen darf. 53 Euro Hafengebühr verzeichnet das Logbuch und die Erinnerung an ein ziemlich patziges Hafenpersonal. Das Dinner im Marina-Restaurant ist allerdings als gut und Preiswert vermerkt. Im Fluss vor der Hafeneinfahrt ankerte diesmal eine blaue Gaffelketsch. Ja es war die „Sirtaki“ erstmals gesehen in Gijon.
Der nächste Sprung sollte ja wieder nur um die nächste Ecke führen. Deshalb war vormittags noch viel Zeit zum Einkaufen im GADIS-Supermarkt oben in der Stadt. Ablegen um Viertel vor Zwölf, Segel setzen um 1210 und zwar alle. 5,5 kn SOG kommen dabei heraus. Um 1600 muß das Groß weichen um den Vorsegeln mehr Wind zukommen zu lassen. Die Ketsch segelt raum. Um Viertel nach sechs ist der Segeltag nach 33 sm zu Ende. Die Maschine bringt DAISY in die weite aber sehr gut geschützte Bucht von Viveiro. Um die hübsche Stadt, eingebettet in grünen Hügeln, zu erreichen, fährt man gut 10 Min mit dem Dinghi in die kleine Marina. Also Dinghi zu Wasser, Motor anbauen, Tank und Leitung dazu und ab die Post. Es sind Festwochen an der Küste und in der Stadt ist eine riesige Bühne für ein Rockkonzert aufgebaut. Die Crew wünscht sich einen ausgedehnteren Aufenthalt und dem steht nichts entgegen. Viel Segelwind wird auch nicht verpasst.
Den zweiten Tag nutzt Hedwig zur Produktion eines köstlichen Apfelstrudels, der nach einer Gaspacho serviert wird und der Abend sieht die Crew in der Menge vor der gewaltigen Bühne aber die gewaltigen Töne halten nicht alle aus. Doch der Abend klingt ein paar Ecken weiter am romantischen Stadtplatz versöhnlich ruhig bei einem Glas Rioja aus.
Auch der Skipper darf mal wieder an den Herd, muß dazu aber erst rund 50 Meilen weiter westwärts segeln. Diese teilen sich in 33 Meilen nach Cedeiro, wo DAISY wiederum hinter dem Wellenbrecher preiswert ankert und ca. zwanzig Meilen Richtung Lacoruna. Zu einem verspäteten Lunch bereitet er Pfannkuchen. Sie sind gerade rechtzeitig verzehrt, um die Hände frei zu haben für die Vorbereitung der Fender und Leinen zum Festmachen in der nagelneuen Marina Coruna. Am 14. August 2009 gegen 1800 ist sie dort fest vertäut. Kleiner Schreck in der Rezeption. Als die junge Senorita hinter der Glasscheibe den Schiffsnamen hört, weiten sich ihre schwarzen Augen: DAISY? Hier ist eine Senora, die auf das Schiff wartet. Blond, Hotpants und einen verbundenen Arm? Si senor. Psst! Silencio por favor! Das Mädel grinst verständig. Und Gabriella tritt auch nicht mehr in Erscheinung.
Am Abend findet der Skipper tatsächlich sein Lieblingslokal in der Stadt. Es wird ein Abschiedsmahl, denn von hier treten Hedwig und Konrad die Heimreise an. Gerlinde, Phillip und der Skipper ziehen tags drauf, nachdem die Geschwister an Land gegangen sind, den günstigen Liegeplatz in der Bucht vor Mera der teuren Marina vor. Im Casa Argentina gibt es ein köstliches Muschel-Dinner mit klassischem Streichertrio direkt vor dem Tisch. Ein perfekter Abend. Die lange Reise über die Biskaya nach Brest steht bevor.
Lacoruna - Brest
Am Sonntag den 16. August 2009 um 14.15 startet der Skipper unter einem von Wolken verhangenen Himmel die Hauptmaschine. Anker auf! Um 14.40 stehen Groß. Genua und Besan. Es weht aus NW mit 3 Bft was zu 4,5 kn über Grund taugt. Um 21.40 gibt es Hähnchen provencial mit Reis und Salat. Gegen Mitternacht fällt dem Wind ein, aus NE zu wehen, sehr schwach und auf der Biskaya. Bald muß die Maschine wieder herhalten. Erst Vormittags gibt es wieder bisschen Himmelskraft und dann nachmittags wieder und zwar aus SE.
In diesem Wechsel tingelt die DAISY über die berüchtigte Biskaya und den Golf du Cascogne. Das tollste Etmal sind 116 sm das mieseste 75. Am Ende muss noch heftig aufgekreuzt werden, um überhaupt die Breite von Brest zu schaffen. Segeln pur im Gezeitenseegang der das Schiff gewaschen hat. Der Lohn: eine funkelnagelneue Marina direkt am Stadtkern von Brest. DAISY fand sogleich einen schönen Längsseitsplatz und wurde von einer überaus charmanten Marinera (!) auf englisch begrüßt. Das war am 20.08.09 um 19.45 Uhr.
Brest feierte den letzten Tag seiner Sommerfestwoche. Tausende von Besuchern, Budenzauber und riesige Rock-Show-Bühne. Weil es so schön war blieb DAISY gleich eine zweite Nacht, bis die ganze ‚Wäsche gewaschen war.
Brest - Dartmouth
22.08.09. Wieder ist es 14.15 als der Skipper den Motorschlüssel dreht. Diesmal weht en schwächlicher SW. Mit Besan und Genua schafft es die Dame immerhin auf 5,7 kn. Abe im Canal du Four muß wieder der Ford ran. Mit ein paar Pausen arbeitet er durch die ganze Nacht. Erst morgens schiebt der Wind wieder etwas an. Kurz nach zwölf steht DAISY in der Mündung des Drieux-Flusses. Zwischen eindrucksvoll zerklüfteten Klippen und Felsen schnurrt sie in den Fluss hinauf. Um 15 Uhr weist ein hilfsbereiter Marinero vom Hafen Lezardrieux dem Skipper eine Boje vor den Stegen des kleinen Yachthafens zu. Kostet 32 Euro und die Duschen kosten extra, wie Phillip nach dem ersten Dinghi-Einsatz feststellen muss.
Ausgreifender Landgang in und um dieses malerische bretonische Städtchen. Zum Abschluß Celtic-Bockbier aus Gläsern, die einem Horn nachgeformt sind. Dinner an Bord: entenleber mit Pasta und gemischten Salat.
24.08.09 Mit dem ablaufenden Wasser verschwindet auch die DAISY aus dem Hafen. Um halb elf ist sie weg. Gegen 12 sind Groß, Genau und Besan gesetzt, doch der Wind pausiert mal wieder. Erst nachmittags läuft es richtig gut ohne Diesel. Guernsey kommt in Sicht und um 19.45 liegt DAISY fest an einem Schwimmsteg ohne Landzugang in St. Peter-Port, wie sie es halt immer macht, wenn sie hier ankommt. Diesmal war es wieder genau der letzte verfügbare Platz. Die LORD PORTAL aus Southampton legt sich zu ihr ins Päckchen. Baujahr 1976 ein sehr stabiles GFK-Boot.
Tags drauf wird das Fort-Museum besichtigt und vermittelt erhellende Einblicke in die Historie dieses unabhängigen Gemeinwesens. Weil es so günstig und angenehm ist hier verplempert die Crew einen weiteren Tag auf dem Eiland. Eine busfahrt in den rauen Norden zu den Grand Roques vervollständigt die Impressionen. Und ein Dinner beim Chinesen macht den Tag rund.
Genug gefaulenzt. Um 08.40 brummt die Maschine los. 10 Min später fest an der Tanke. 325 l laufen in den Tank für 192 Guernsey-Pfund. Um 10.30 Uhr liegt unter Vollzeug Kurs Dartmouth an. 322° auf über neun Knoten steigt das Speedometer. Um 19.20 werden bereits die Segel geborgen. Man kann die Küste ahnen, sie haben sich eingenebelt. Aber niemand ahnt, was die DAISY in dem Flusshafen erwartet! Zwischen Kingswear und Dartmouth drängen sich Hunderte oder Tausende Schiffe. Alle Stegplätze dick mit Päckchen von Schiffen bepackt. Drei Schiffe an einer Boje. Ankerlieger überall. Und DAISY legt sich auch noch dazu. Niemand sagt was, die Fähren kurven tapfer um die Gäste herum. Und schon geht die Knallerei los: Feuerwerk! Man feiert die Royal Regatta. Hier soll die DAISY zwei Wochen bleiben!
Die Autofähre zwischen Kingswear und Dartmouth. Die Steuerleute dürfen gern als Artisten angesehen werden.
Schon am nächsten Tag vermittelt die Hafenpatrol einen Bojenplatz weiter Flußaufwärts. Zu dritt an einer Boje, Der rote Gaffelkutter aus solidem Holz »Coet May« von Bob leiht seine gastliche Backbordseite. Die Marinaleute versichern, dass sich am Montag alles entspannen würde. Dann gäbe es auch einen richtigen Stegplatz. Na fein. Hier muß also der Generator heftig arbeiten.
Es heißt Abschied nehmen. Phillip findet den Bus nach Totnes und die Bahn nach London. Tags drauf auch Gerlinde und der Skipper. Christoph übernimmt das Schiff; nutzt es mangels Crew als Ferienwohnung in einer der schönsten Regionen Britanniens.
Dartmouth - Edinburgh - Eckernförde
Freitag 11.09.09 um 19.30 Uhr - Der Skipper ist zurück an Bord. Herrliches Spätsommerwetter. Nach einem gemütlichen Essen mit Christoph im Station-Restaurant in Dartmouth kehren die beiden per Dinghi zur DAISY zurück. Sie liegt dort, wo der Skipper sie verlassen hatte, an der Boje im Päckchen mit der »Coet May«. Das Schlauchboot hat ein wenig Wasser genommen und die Frischwasserpumpe der Daisy scheint defekt, ansonsten zeigt sich das Schiff reiseklar. Der ganze Trubel der Royal Regatta ist vorbei. Es gibt viele freie Liegeplätze.
Hübsche Stadt, schöne Yachten, sicherer Hafen, gutes Klima: Dartmouth.
Tags drauf verlegt der Skipper die DAISY an den Gästesteg. Er macht das allein, Christoph hatte es eilig mit seinem Auto auf den Kontinent zu kommen. Dann prüft der Skipper die Frischwasserpumpe reinigt die Kohlen des E-Motors. Sie arbeitet zunächst mal normal. Die beiden Toiletten bekommen neue Deckel auf die Schüsseln. Sieht piekfein aus. Der Marine-Ausrüster in Kingswear erweist sich wieder als spitzenmäßig sortiert.
Pünktlich um 12.00 steht Wolfgang aus Erlangen auf dem Schwimmsteg. Er kennt die DAISY und den Skipper von der Etappe London – Dublin in 2007. Edgar aus Nimwegen von der roten Ketsch »L’Amitié« kommt an Bord und erzählt, dass er nach Portugal in die Wärme will. Das hätte den Skipper der Daisy nachdenklich machen sollen.
Mit ersten Versorgungseinkäufen fließt der Nachmittag dahin. Zum Dinner kehren Wolfgang und der Skipper im Restaurant »Dolphin« ein. Gar nicht übel für britische Gourmet-Verhältnisse, finden beide. Gegen 18.00 stößt Walter aus Garching bei München dazu. Herzliches Wiedersehen. Palermo – Trogir war seine letzte Etappe auf der Daisy. Zurück an Bord: Das Schlauchboot wird verstaut. Es gibt zwei schnelle Fähren über den Dart-River und die weitere Strecke wird sich am Wind, hart am Wind abspielen. Da ist es besser, wenn das Vordeck frei bleibt. Am Sonntag, 13.09.2009 gegen halb drei kommt Michael aus Xanten an Bord. Die Crew ist komplett.
Am Montag geht die Arbeit nach einem länglichen Frühstück los. Kein mächtiger Antrieb, der Himmel ist bedeckt. Es weht aus NE mit ca. 15 kn. Erst um 11.06 geht die Maschine an. Bald liegt die zauberhafte Mündung des Dart mit ihren uralten zinnengesäumten Befestigungsanlagen achteraus. Um 11.43 verstummt die Maschine. Mit dem 1. Reff im Groß und 2/3 der Fock kommen 4,5 kn nach 110° heraus. Bald werden es 5 und mehr Knoten. Der Wetterbericht spricht von NE 5 – 7 und möglicherweise 8.
Sicherheitshalber und um mehr Speed zu machen wird die Kutterfock gesetzt. Um 13.30 kommt auch das Besansegel dazu. Um 18.00 wird gerefft. Um 22.00 stellt der Skipper beim Wachantritt NNE mit 22 – 25 kn fest. Das Groß ist nun im 2. Reff , 1/3 Fock, Kutterfock und gerefftes Besansegel. Wachrhythmus drei Stunden für drei Mann.
Am Dienstagmorgen lässt der Wind deutlich nach. Der Himmel bleibt bedeckt, den ganzen Tag. Um 21.30 wird Dinner serviert: »Pasta sugo bolognese« nennt Walter seine köstliche Schöpfung. Gegen 23.00 steht Daisy vor dem Hafen Newhaven Marina. Stockfinster. Direkt angrenzend an den Fährhafen zeigt sich ein besetzter T-Schwimmsteg der Marina. An den landwärtigen Kopf des T-Stücks könnte man vor Buganker und Hecktrosse gehen. Dahinter liegen viele Schwimmstege, die dicht an dicht besetzt aussehen.
Schon ist Daisy klar zum Anlegen. Wolfgang am Anker, Michael auf der Heckplattform. Der Anker fällt, das Schiff läuft achteraus auf den Steg zu. Da erschallt eine Stimme aus dem Dunkel: »There is a sixty-feet-berth in the inner harbour«. Der Hafen erweist sich als bestens organisiert. Der Mitarbeiter erklärt dem Skipper den Weg zu dem »very comfortable« Liegeplatz. Es geht in einer S-Kurve durch die Steganlage. »At low-water you stick in the mudd but is only mudd. Its up to you«.
Der Anker kommt hoch. Der beschriebene Platz wird genommen. Nach 164 nm hat die Crew eine optimal ruhige Nacht verdient. Um 23.50 liegt Daisy wohl vertäut stb-längsseits ganz hinten in der Marina. Nachtruhe nach einem Gläschen Roten. Der Wetterbericht kündigt eine Herausforderung an: NE 5 – 6 – 8 Bft. Da Daisy eine Luv-Küste vor sich haben wird auf dem Weg nach Dover, alles halb so wild.
Morgens um 08.45 keine Luftdruckänderung. Um wenigstens ein Stückchen weiter nach Osten zu kommen, wird Ablegen beschlossen. Hafengeld 34,50 GBP bezahlt. Nur der Wind, der macht nicht mit. Trotz mancher Tricks wird die Daisy im Hafen gnadenlos verweht. Aus diesem Loch bei diesem Wind? Keine Chance. Daisy wechselt nur die Stegseite. Eingeweht. Der Wetterbericht wird nun deutlich: Gale-Warning, Dover NE 8 expected later Plymouth NE 8 expected soon.
Nur die Stegseite gewechselt: Daisy war im Hafen beim Versuch auszulaufen, verweht worden. Nix passiert.
Nun gut. Der Skipper zerlegt die Frischwasserpumpe, die immer wieder gehustet hat, reinigt sie und setzt sie wieder zusammen. Nun arbeitet sie erstmal wieder einwandfrei. Newhaven muss man nicht gesehen haben. Wirklich nicht. Aber die Stadt gibt sich Mühe, Heimat darzustellen. Die Leute vom Yachthafen sind überaus freundlich und hilfsbereit. Britannien eben. Noch mal 34,50 GBP.
Ein Tag ist verloren. Uschi, die in Dover zusteigen möchte, befindet sich schon unterwegs nach London. Sie hat eine Freundin dort, die sie eh schon lange mal besuchen wollte. Der Skipper hat beim Bezahlen Dan angefordert, den guten Geist des Hafens. Er kommt mit einem Motorboot, als Daisy zum Ablegen klar ist. Es weht immer noch recht munter. 09.20 Ablegen. Daisy geht achteraus ins Hafenbecken. Dan drückt mit dem Motorboot den Bug der Ketsch durch den Wind. Das war’s dann. Halbe Kraft voraus und in eleganten Kurven hinaus ins Fahrwasser. Ausfahrtsignal jetzt rot, natürlich. Es wird 10.15 bis Daisy den Hafen hinter sich hat und die Maschine verstummt. 2 Reffs im Groß, Genua und ein Reff im Besan, so fängt der Segeltag an. Daisy bleibt hart am Wind den ganzen Tag. Es muss gekreuzt werden. Der NE lässt einen Kurs genau parallel zur Küste nicht zu. Der Sturm kommt nicht, noch nicht.
Gegen Mitternacht steht Daisy vor der Hafeneinfahrt von Dover. Die Einfahrtserlaubnis wird erteilt. Aber was ist das? Die rote Lampe an steuerbord? Wir sind doch in Europa! Gegen den Lichtsmog an Land und im, von Strom und Wind aufgewühlten Wasser und im Schatten der Hafenmauer ein irritierendes Bild. Aber das rote Feuer der westlichen Einfahrt steht tatsächlich einlaufend an steuerbord. Jetzt aber mit Schmackes durch den Querstrom, dann auf die vergleichsweise schmale Einfahrt zur Marina. Um 00.40 liegt Daisy nach 74 nm fest am Hammerhead B stb-längsseits wie von der diensthabenden Hafenmeisterin per VHF empfohlen.
Dieser Freitag, der 18.09.2009 wird ein Hafentag. Erst mal richtig ausschlafen. Vormittags kommt Uschi an Bord. Mittags wandert die ganze Crew zum Dover-Castle hinauf. Fast sonniges Wetter. Perfekte Museums-Show in den Geheimen Tunnels und oben in der Burg bei King Henry II. oder war es der IV.? und seinem Hofstaat. Die Gemächer sind möbliert, den Originalen nachempfunden und bevölkert mit Darstellern, die das Mittelalter vergegenwärtigen. Die 12 GBP pro Kopf haben sich gelohnt, findet der Skipper.
Der wilde Sturm ist vorüber. Eher überhaupt kein Wind mehr. Am 19.09. wird um 10.15 Diesel gebunkert. 165 Liter. Die Maschine läuft den ganzen Tag. Vorbei an der Themsemündung bei diesigem, windlosem Wetter erreicht Daisy Harwich. Um 18.55 liegt sie stb-längsseits an der Halfpenny-Pier nachdem ihr Giles mit seiner kleinen Slup Platz gemacht hatte. Dafür kommt er an Bord - ein lustiger hagerer Kauz, der mit seinem Schiffchen tatsächlich den Kanal gequert hat - und bleibt zum Dinner. Es gibt gebackenes Huhn mit Reis und Paprika.
Tags drauf ablegen bei Seitenwind N 3. Klappt. Aber um den River-Orwell hinaufzusegeln ist der Wind zu wenig und kommt aus der falschen Richtung. Gegen 10.40 passiert Daisy die Schleuse in den Hafen von Ipswich und 10 min später liegt sie wieder einmal in der Neptune-Marina bb-Längsseits.
Ipswich lohnt den Besuch. Eine lebendige Stadt, die sich hübsch herausputzt. Hier kommen die Bord-Fahrräder wieder zum Einsatz. Es wird eingekauft, Wäsche gewaschen. In einem indischen Restaurant gibt es ein exotisches Dinner, weil das urige Lord-Nelson-Pub erst zu später Stunde öffnet.
Montag, 21.09.2009 – Hartlepool heißt das nächste Ziel, es liegt ein längerer Schlag vor dem Bug. Die Sonne lässt sich blicken und der Luftdruck ist gestiegen. Frühstück, Wäsche und Fahrräder verstauen. Um 11.55 geht der Motor an. Hochwasser. Die Schleuse ist offen. Schnelle Flußfahrt auf dem River Orwell mit dem Ebbstrom. Schon dies ein erinnernswertes Erlebnis.
Um 13.00 verstummt die Maschine per Abstellzug. Besan, Groß im 1. Reff und Genua übernehmen den Vortrieb. Daisy segelt das Orwell-Delta hinaus. SW 3 – 4 ist angesagt. Hält aber nur bis 20.50. Es gibt Pasta Carbonara zum Dinner, während die Maschine brummt. Dann um 01.40 gibt es wieder Wind satt. W-SW 5-6 wird angesagt und kommt auch. Raumer Wind. Genua, gerefftes Groß und Besansegel bringen Daisy auf über sechs auch mal sieben Knoten.
Um 04.00 übernimmt Wolfgang die Wache. Daisy läuft automatisch gesteuert nach 320°. Wind aus W - SW. Gegen 06.00 nimmt der Wind noch zu. Und die Krängung. Um 06.30 holt Wolfgang den Skipper aus der Koje. »Die Genua ist zerrissen«. Schneller kriegt man den nicht an Deck. Die Genua, die beste von den dreien,, bzw ihr Rest die an Bord sind, von oben bis unten entzwei. »Eine größere Welle ist in die Genua eingestiegen, das hat sie zerlegt.« Warum wurde sie nicht gerefft, warum nicht gefiert oder der Kurs geädert, um die Krängung zu verringern? Schulterzucken. Wolfgang hat auch den deutschen Hochseeschein.
Die Kutterfock wird geheißt. Die Genua, bzw. ihr Rest, bleibt erstmal aufgerollt.
Um 15.15 schläft der Wind ein. Aber bloß für eine Stunde. Dann wieder eine Stunde segeln und wieder Pause. Dazwischen Dinner: Hähnchenschenkel mit Reis. Und ein Wetterbericht: W-SW 5-7. Die Wirklichkeit: ab 21.00 kein Wind mehr. Um 07.00 am 23.09.09 steht Daisy vor Hartlepool.
Über VHF kommt die Einlauferlaubnis in die Schleuse. Gleich hinter dem »Lock« backbord ein schöner langer Anleger, nach einer Drehung auf dem Teller liegt Daisy stb-längsseits in der Hartlepool Marina. 236 nm stehen auf der Logge. Ein erstklassiger Hafen, nur ein bisschen weit von der hübschen Altstadt entfernt. Aber dafür gäbe es ja Fahrräder an Bord. Erst muss die Genua runter und die zweite angeschlagen werden. Der sympathische Segelmacher Tim Boagey besichtigt den Schaden stirnrunzelnd. Aber sie kann wieder hergestellt werden. Braucht aber ein paar Tage. Hm. Edinburgh streichen, die neue Crew umdirigieren? Hm. Kompliziert. Nein. »Wir segeln nach Edinburgh und von dort wieder nach Hartlepool. Ganz einfach.« Gibt vielleicht auch einen besseren Winkel zum Wind auf dem Kurs nach Skagen.
Den Nachmittag verbringt die Crew im Marine-Museum von Hartlepool. Ein absolutes Muss. Um das älteste noch schwimmende Kriegsschiff der Welt hat man eine historische Hafenmeile errichtet mit allem was im 18. und 19. Jahrhundert einen typischen englischen Hafen bevölkerte. Waffenschmied, Uniformschneider, Schiffsausrüster, Pub, Werftbüro etc. Und dazu eine tolle Museumsshow zum Leben auf der »Trincomalee« im Einsatz. Die 1817 in Indien gewasserte Teak-Fregatte schwimmt im Dock und kann vom Kielschwein bis zum Oberdeck besichtigt werden.
24.09.09 - Die Gezeit lässt es zu, dass die Daisy um 09.00 den Liegeplatz verlässt, die Schleuse passiert und den Kanal entlang ins freie Wasser hinausläuft. Der ist für sie nur 2 h vor und 2 h nach HW tief genug. Um 09.50 sind Groß und Genua gesetzt, die Maschine verstummt. Wieder hart am Wind. Aber es geht flott voran. Eyemouth heißt das nächste Tagesziel.
Der West frischt ordentlich auf. Genua, Groß und Besan müssen gerefft werden. Fast 14 Stunden läuft DAISY die Küste entlang nach Nordwesten. Um 14.00 muss das Groß noch weiter gerefft werden: Im ersten Reff ist eine Naht aufgerissen. 312° liegen um 22.40 an, bei 5,5 kn SOG. Eine Stunde später steht Daisy vor Eyemouth. Stockfinster.
Freitag, 25.09.09 Mitternacht vorbei. Der Skipper weiß um die Klippen zu beiden Seiten der Einfahrt. Vor zwei Jahren kam er hier in der frühen Abenddämmerung bei HW an. Nun war LW vorbei, es wird exakt gepeilt. Daisy steht in schwarzer Dunkelheit ein Kabel vor der roten Lampe und noch immer ist keine Einfahrt auszumachen. Kein Wunder: es geht trickreich um die Ecke in den Zufahrtskanal. Rein und mit einer 180°-Wende in das Hafenbecken.
Drinnen gibt es nur 7 oder 8 m hohe Wände und zwei eiserne Leitern zum Festmachen. Zum Schlafen nach den 86 nm seit Hartlepool reicht es. Dummerweise ist es der Platz, an dem die Fischer gewöhnlich Eis nehmen. Um 07.00 weist der Hafenmeister freundlich darauf hin. Um 07.30 legt Daisy ab.
Blanker Himmel, SW 2. Das kaputte Groß bleibt auf dem Baum. Die aufgehende Sonne beleuchtet die Schottische Küste sehr theatralisch. Noch ein Kap und alles ändert sich: Ein ungeheurer West faucht aus dem Firth of Forth. Harte kurze Wellen schlagen der DAÄISY entgegen. Dagegen aufzukreuzen, das würde zwei Tage dauern bis Edinburgh. Also wird Diesel geopfert. Ein langer Tag.
Endlich um 17.00 taucht die Mole von Granton auf. Um 18.00 passiert DAISY die Einfahrt. Da steht doch ein Paar auf dem Schwimmsteg. John und Carol Forsyth erwarten die DAISY. In Spanien in Santonya hatte der Skipper John getroffen. Jetzt nehmen sie die Leinen an und John hält schon den Schlüssel für den Hafen in der Hand. Freunde der See!
Samstag, 26.09.09 Crew-Wechsel. Uschi geht von Bord. John bemüht sich um ein Hotel für Walter. Vergeblich. Alles ausgebucht. Er bekommt eine Ausweichkoje an Bord. Die Schwestern Brigitte und Gisela treffen ein, dazu Jürgen und Hans-Jürgen. Da Michael auch noch eine Nacht an Bord bleibt, muss Wolfgang für eine Nacht die Kabine mit Hans-Jürgen teilen. Was für ein Problem! Das Groß wird abgeschlagen und John bringt es samt Skipper zum Segelmacher.
Sonntag, 27.09.09 Mittags ist das Groß fertig, John nimmt den Skipper mit, es abzuholen.
Der Generator macht ein Problem: Temperaturanzeige leuchtet rot, obwohl der Generator nicht heiß ist. Rat des Herstellers: Sensor überbrücken! Und wo bleibt die Kontrolle? Hm, gute Frage. John bringt Walter in Hotel unter. Nachmittags John und Carol an Bord. Zum Dinner Steak mit Spezialkartoffel, Salat.
Montag, 28.09.09 – Der Nordwest hat abgeflaut auf 2 – 4 Bft. 08.15 geht die Maschine an. 08.30 Leinen los. 09.40 Genua gesetzt, Motor aus. 5,7 kn SOG nach 86°. Um 19.00 ist das achtere WC verstopft. Kurs Hartlepool bleibt.
29.09.09 Wachrhythmus: 2 Std mit je 2 Personen. Komfortable Crewstärke. 07.00 steht Daisy wieder vor Hartlepool. Zur Unzeit wg. Gezeit. Also Frühstückspause. Der Anker fällt auf 54°41.122 W 001°10.970 E in Vorhafen. Einfahrt wird für 09.45 zugesagt. Als dann der Anker hochkommt, hängt ein Drahtseil drin. Kleiner Kunstgriff erforderlich. 10.20 wird die Maschine abgestellt, Daisy liegt stb-längsseits in der Marina Hartlepool. WC-Schlauch ausbauen. Beim Reinigungsversuch geht er kaputt. Neuen besorgen per Fahrrad. Netter Abend in der schwimmenden Hafenkneipe. So so, die Trincomalee liegt im einzigen Trockendock weit und breit. Das ist jetzt Museum. The local fishermen are not amused about.
30.09.09 Die Genua kommt repariert zurück: ca. 600 GBP. Der Ausrüster bringt den richtigen Schlauch fürs Klo. Generator läuft problemlos. Wetterbericht erzwingt eine neue Planung: Skagen wird gestrichen. Cuxhaven heißt das Ziel. Ein NW mit 9 Bft. ist für die nördliche Nordsee angesagt. Wird direkt aufs Skagerak schwenken. Ergo: Daisy wird südlich der Doggerbank gehen und südlich Helgoland passieren. Die Hafengebühr macht 36 GBP. 13.00 An der Tankstelle gegenüber werden 400 l Diesel gebunkert, dann geht es hinaus.
Die Genua zieht Daisy nach 96° Abends bleibt der Wind aus. Zum Dinner zaubern Gisela und Brigitte Hähnchenbrust in Pfirsichsauce und Reis. Die Maschine brummt durch die Nacht bis 23.45. Genau und Besan bringen es auf 3,5 kn. Wetterbericht kündigt dauernd NW 2 – 5 Bft an.
01.10.09 – Zweier-Wachen im 3-Stunden-Takt. Generator bleibt von selber stehen. Temperaturanzeige! Nun wird sie überbrückt. Von da an läuft der Generator störungsfrei. Etmal um 13.20 enttäuscht: 120 nm. Es wird weiter gesegelt. Eilt es?
02.10.09 – Die letzten Wetterberichte laufen ein, dann ist der Funkkontakt weg. Für diesen Tag ist ab 06.00 NW 3-4 ab 12.00 W 3-4 und ab 18.00 SW 3-4 angesagt. Daisy macht unter Genua und Besan 5 – 6 kn daraus. Etmal 13.20: 130 nm. Dogger liegt im Kielwasser. 17.00 kommt der Daisy die KESS CARGO entgegen, wird eineinhalb Meilen südlich von ihr passieren. Genua und Besan ziehen Daisy mit 3-4 kn nach SW. Der Skipper greift zum Mikro, erbittet Wetterbericht. Für den 03.10. werden erst NW 7-8 und später 8-9 für die mittlere und südliche Nordsee angekündigt. Danke! Segel weg, Maschine an. So schnell wie möglich nach Cuxhaven laufen. Kein Stopp in Helgoland.
03.10.09 – Die Lichter der Ansteuerung von Helgoland bleiben weit Backbords aber gut zu sehen. Daisy brummt weiter eilig nach SE. Der Wind lässt sehr zu wünschen übrig. Der Computer verkündet: LW Cuxhaven 06.25. Um 05.00 steht Daisy vor der Elbmündung. Um 07.30 steuert der Skipper in das Hafenbecken, in der er die Daisy vor zweieinhalb Jahren festgemacht hatte. Diesmal ist da entschieden zu wenig Wasser. Also eine Tür weiter in die Marina. Um 08.05 verstummt dort die Maschine. 361 nm seit Hartlepool. 489 seit Edinburgh. Die Crew lädt den Skipper in seine erste deutsche Hafenkneipe seit dem Ablegen in Cuxhaven am 02.05.2007 und seit etwa 38.000 nm. Gasthof Seeblick, gleich hinterm Deich: Matjes Holländisch mit exzellenten Bratkartoffeln.
Sonntag, 04.10.09 – Hafentag. Beinah sonnig. Die Damen zum Zug begleiten, Besuch im Ringelnatz-Museum. Dinner im Seeblick. Vollmond. Spring-Hochwasser im Hafen! Nur watend an Land.
05.10.09 – 10.10 Besuch bei TO. Stander abgeholt. 10.55 Maschine an, ablegen. 13.45 Einfahrt in die Schleuse des NOK. 14.10 stb. längsseits fest in Brunsbüttel. Frischwasserpumpe ausgewechselt, Hilfe von Werkstatt. Dinner in Brunsbüttel.
06.10.09 – Sonniger Strahletag. 08.11 Maschine an. An Tanke verlegt. 174 l Diesel gebunkert. Ab 09.00 Kanalfahrt. 17.00 Schleuse Kiel Holtenau. 18.20 in Kiel fest, Plast 26 gegenüber von Schwedenkai. Restaurant an der Brücke „Blauer Engel“. 56,1 nm
07.10.09 – Um 08.00 Nieselregen. Telefonanruf vom Hafenamt: Bitte ins Hafenamt kommen und Liegegebühr 22,00 Euro bezahlen. 5. Stock bei Herrn Petersen. Skzeptieren keine Kreditkarte etc. Rechnung nach hause schicken lassen. 09.30 Maschine an und Ablegen. 10.10 Gro’ Genua und besan. 11.00 Wind weg um 11.50 wieder da. Segeln an Eckernförder Bucht vorbei nach Schleimünde. 16.40 Maschine an, Segelbergen. 18.00 stb längsseits fest in Kappeln. 37, nm. Bierakademie!
08.10.09 – Weiter geht’s die Schlei hinein. Anleger vor der Schleiperle in Arnis. Köstlichen Butt direkt am Fenster vor der Daisy. Werft in Arnis besucht. Sonniger Tag. Weiter ins Gunnebyer Noor. Gegen 16.30 fällt der Anker. 54°34.309 N 009°46.558 E. Maschine aus. Herrliche Stille, mystische Landschaft rund umher.
09.10.09 – Sonniger Tag. 09.14 Maschine an. Die Schlei hinaus. Hätte man segeln können? 12.30 draussen. Genua und Besan. Maschine schweigt für zwei Stunden. In der Eckernförder bucht bleibt der Wind weg. 18.10 fest im Eckernförder Hafen. Crew lädt den Skipper in die Taverne KRETA ein. Es werden Lammkoteletts serviert.
10.10.09 um 07.00 geht Wolfgang von Bord. 11.00 Hans-Jürgen und um 12.00 Jürgen. Das Ende einer langen Reise. Der Skipper schleppt 3 Ladungen Wäsche an Land in die Marina-Waschküche. Tags drauf noch mal vier. Erst am Dienstag, 03.11.09 verläßt der Skipper die Daisy und besteigt den Zug nach München. Allerdings ist er im Dezember wieder an Bord.
11.01.2010 Eckernförde
Wohl vertäut an zwei Springs, soliden Vor- und Achterleinen und mit sieben großen Fendern zwischen Steg und Bordwand überließ der Eigner der 54-Fuß-Stahlketsch DAISY sein Schiff dem Yachthafen Jaich in Eckernförde. Einige Freunde hatten zugesagt, nach dem Schiff zu sehen. Bester Dinge reiste der Segler aus Holzkirchen bei München eine Woche vor Weihnachten nach Hause zur Familie. Dann kam das Sturmtief, dem die Meteorologen diesen Namen gaben: Daisy. Es beherrschte schon am Samstag die Schlagzeilen: »Daisy fegt über Norddeutschland« Der Skipper verblüfft: »Das hätte ich dem Schiff nicht zugetraut.«
Gut 35.000 Seemeilen hatte er bei einer Umrundung des Nordatlantiks damit zurückgelegt, mit lediglich einem Segelschaden zuletzt auf der Nordsee. Und nun erwischte im vermeintlich sicheren Hafen dieses namensgleiche Tief die Segelyacht DAISY. Breitseitig. Der Nordost fauchte mit mehr als 30 kn über den Borbyer Hügel, Lachsenbach und das Jungmannufer direkt in den Stadthafen, wo die welterfahrene DAISY längsseits am Betonschwimmsteg festgemacht lag. Sie hatte Mexiko gesehen, New Orleans, Kuba und war die ganze Ostküste der Vereinigten Staaten bis nach Novascotia in Kanada entlang gesegelt, war von dort über die Azoren ins Mittelmeer bis Kroatien gelangt ehe sie wieder an Gibraltar vorbei rund um Westeuropa über Edinburgh und durch den NOK zurück zu ihrem Ausgangspunkt nach Eckernförde kam.
Eine verhängnisvolle Entscheidung, den Winter hier zu verbringen, weiß der Skipper jetzt. Denn in der Nacht zum Sonntag 10.01.2010 hieb Daisy, das Sturmtief dann richtig auf Daisy die Segelyacht ein, machte sie zu seinem Spielzeug. Ein Fender nach dem anderen zerriss und das heftige Auf und Ab der Wellen im Hafen ließ die eiserne Armierung der Schwimmstege gegen die Scheuerleiste des Segelschiffs krachen. Der Eigner des Nachbarschiffes, Dieter Waldmann, opferte zwei seiner eigenen Fender. Daisy der Sturm, erwies sich als stärker. Das Mittelteil der massiven Scheuerleiste brach heraus. Der Betonsteg schrammte den Lack weg und eine besonders heftige Bö ließ den Rumpf gegen das Eisenrohr krachen. Eine kleine Delle wird wohl in der Schiffswand bleiben.
Natürlich alarmierten die Freunde den Eigner im fernen Bayern. »Es war trotz meiner Aufgewühltheit rührend und beruhigend: im Stundentakt fast klingelte das Telefon und die Freunde gaben mir die neueste Entwicklung durch.« Die Helfer, die bis aus Osterby kamen, schleppten Autoreifen an und banden sie auf dem tanzenden Schwimmsteg als Stegfender fest, legten ein neues Elektrokabel und setzten die Achterspring neu. Das Ansinnen des Eigners, sogleich zu seinem Schiff zu eilen, ging sozusagen im Schneesturm unter: Ab Kiel verkehrte kein Zug. Gegen Abend entspannte sich die Lage. Daisy der Sturm macht sich davon. Die Ketsch Daisy wird ihren Namensvetter so bald nicht vergessen. So wenig wie der Eigner die Hilfsbereitschaft seiner Freunde: »Ich bin unendlich dankbar für diese Hilfe. Ein Glück, dass Daisy ein Sonntagssturm war und meine Freunde vor Ort sein konnten.« (Foto-Autor: Dr. Klaus-Peter Meewes)
Endlich taut das eis. Der März zieht ins Land. Vereinbarungsgemäß kommen Elisabeth und Paul an Bord. Paul kennt die DAISY schon. Er wird sie von Bergen nach Dublin segeln. Elisabeth, ebenfalls erfahrene Skipperin, möchte sie kennenlernen. Leider hat die Hauptbilgenpumpe im Eis den Geist aufgegeben. Also baut der Skipper flugs eine neue ein. Dann geht es hinaus auf die Förde.
Ein praktischer Nordwest erlaubt es, mit halbem Wind hinaus und hoch am Wind wieder hereinzusegeln. Noch schwimmen ein paar Eisschollen im Hafen herum. Kaum sind die weg, werden Hafenmanöver gefahren. Gleichzeitig leiert der Skipper die nötigen Reparaturen an. Noch ein Ausflug auf die Förde führt den beiden die Am-Wind-Qualitäten der eisernen Lady vor. Und als Elisabeth längst wieder daheim ist, üben Paul und der Skipper umständehalber Anlegen unter Segeln. Ein Kabel der Anlasserbatterie hatte sich gelockert, was optisch nicht zu erkennen war. Nicht mal der Profielektriker kam dahinter.
Wochen voller Bangen: Wird Daisy fertig zum Start der neuen Reise? Die Dellen an Backbord müssen beseitigt und die Scheuerleiste auf einer Länge von 2,05 m erneuert werden. Erst sagt der Schiffszimmermann, es gäbe kein Teakholz in erreichbarer Nähe. Dann sagt der Werftchef, die Messingleiste sei nicht zu kriegen. Dann kommt es zum vereinbarten Termin, das Schiff aus dem Wasser zu slippen. Der Skipper fährt Daisy auf den Zentimeter genau in die Rungen. Der Slipmotor zieht an. Die Lady steigt aus dem Wasser. Noch ist der Kiel nicht zu sehen, da stoppt die Werft den Vorgang. Dem Chef ist das Risiko zu groß, Daisy könnte samt Slipwagen nach achtern kippen. Er hat noch nie einen gemäßigten Kurzkieler dieses Ausmaßes aus dem Wasser geholt. Und wo sollen wir nun den Unterwasseranstrich machen? Die Opferanoden erneuern? Arnis ist voll mit Winterlagerschiffen, erst in sechs Wochen gibt es ein Fenster.
James, der Werftmechaniker zieht die Dellen aus dem Rumpf, ersetzt ein Stück Fußreling und schweißt anschließend vor jeder der Festmacherklampen Niro-Viertelprofile auf die Fußreling. Endlich scheuern dort die Festmacher nicht mehr den Lack ab.
Nach heftiger Telefonrecherche gelingt es dem Skipper, Teakholz und Messingleiste herbeizuschaffen. Rolly, der Zimmermann kann loslegen. Zwanzig Stunden vor dem Ablegen, die Crew ist bereits an Bord, wird das Werk vollendet. Jetzt fehlt nur noch die EPIRB. Sie durfte eine Woche bei der Yachttechnik Eckernförde dösen, da denen jemand erzählt hatte, diese EPIRB würde in Deutschland nicht gewartet. Zum Glück stand die Berliner Herstelleradresse drauf und der Skipper brachte die Notboje schließlich selbst zur Post. War ja noch eine Woche Zeit. Hat aber nicht mehr gereicht.
Am 11. April 2010 um 09.45 Uhr dreht der Skipper den Zündschlüssel. Der Sechszylinder springt brav an. Daisy liegt längsseits am Schwimmsteg über drei oder vier Boxen hinweg. Vor dem Bug die Betonpier, an Steuerbord die Dalben und 10 kn Wind auf Steuerbord. Mit Maschinenhilfe wird der Bug an Leinen auf der Pier gegen den Wind verholt. Daisy passt tatsächlich, wenn auch knapp, zwischen Dalben und Pier hindurch. In einer eleganten S-Kurve umschifft sie den äußeren Schlengel und richtet den Bug nach Nordosten. Nun bläst es mit mehr als 15 kn. Erstmal 1. Reff ins Groß und vorheißen. Dann die Fock dazu und die Genua. Motor aus. Später kommt noch das Besansegel hinzu, aber die Herrlichkeit dauert nicht lange. Um 16.30 ist der Wind alle. Um 18.55 liegt Daisy fest in Bagenkop auf Langeland in Dänemark. Wenig später fällt eine große Flotte Bavaria-Yachten in den Hafen ein.
Die Crew der Daisy hat sich eingerichtet. Für die nächsten beiden Tage ist ein längerer Schlag geplant: Rönne auf Bornholm heißt das Ziel. Das Wetter ist gut, zu gut, denn der Wind spielt leider nur sehr partiell mit, ab 19.30 wird die Reise zur reinen Motorfahrt. Einer Nacht in Rönne folgen zwei auf der Ostsee auf dem Weg nach Visby. Davor steht ein Verholen zur Tankstelle wo 332 l Diesel gebunkert werden. Bis in die Nacht wird gesegelt, dann geht der Wind auch schlafen um erst nach Mittag wieder zu erwachen. Dann aber läuft es ganz gut nur unter Genua und Besan also bei raumem Wind. Um 10.05 am 16.04.10 werden vor der Hafeneinfahrt von Visby die Segel geborgen.
Die Crew weiß Bescheid um den Vulkanausbruch von Island. Jetzt beginnt das Zittern um die Heimreise. Stefan und Michael gehen in Visby von Bord, möchten mit der Fähre nach Stockholm und von dort irgendwie in ihren Heimatort kommen. Letztlich bekommen sie einen Leihwagen, der One-way nach Düsseldorf überführt werden soll.
Für die Daisy bleibt es bei einer Nacht in dieser gotischen Hanse-Stadt auf Gotland. Am 17.04.10 weht ein genialer SW mit 15 bis 20 kn. Ketschsegeln ist angesagt: Besansegel und Genua bringen das Schiff locker auf sieben Knoten über Grund. Nach 17 Stunden und 106 nm steht Daisy vor dem Yachthafen von Sandhamn, am Eingang zum Stockholmer Schärengarten. Nur noch vereinzelte Schneehaufen auf einigen Schären.
Landspaziergang mit Besuch im königlichen Yachtclub von Sandhamn. Sehr edel. 6,60 € die Halbe. Jedoch will niemand Liegegeld haben. Tags drauf die Fahrt durch die Schären. Kaum Wind und kaum Platz. Aber phantastische Aus- und Durchblicke. Noch fehlt das Grün an den Bäumen, aber die Wiesen werden schon bunt. Der Skipper baut die E-Pumpe des vorderen WCs aus. Jemand hat da Feuchttücher reingeschmissen, die sich nicht auflösen. Läuft wieder. Um 16.50 wird die Maschine abgestellt: Daisy liegt stb. längsseits fest in Vasahamn, mitten in Stockholm.
Im Vasahamn findet Daisy einen Längsseitsplatz. Die Schwimmstege sind allerdings mit großer Vorsicht zu genießen: Die schweren Betonelemente sind mit zu langen Ketten verbunden. Vorsicht vor den Ecken!
20.04.10 Das Vasamuseum, nur ca. zweihundert Meter vom Liegeplatz entfernt, fesselt die Crew für gut fünf Stunden. Einen Tag später gehen auch Thomas und Walter von Bord. Dietmar bleibt noch den Rest der Woche. Dann kommen Bernd und Gerlinde. Vor dem Ablegen muss noch ein Tag Stockholm drin sein. Die Wachablösung vor dem Schloss mit Musik und gut fünfzig blau uniformierten Reitern mit Pickelhelmen, ein hübsches Spektakel. Tags drauf geht’s aber los.
Der Skipper glaubt, einen kürzeren Weg durch den Schärengarten nach Sandhamn gefunden zu haben. Peinlich peinlich. Er hat zwei dünne Striche in der Karte übersehen. Die Brücke hat wirklich nur zwanzig Meter Durchfahrtshöhe. Also sechs Meilen zurück auf den rechten Weg. Doch der Abend im königlichen Segelclub findet dennoch statt.
Der Kalender drängt. Daisy muss irgendwo noch aus dem Wasser und zwar, bevor sie wieder in den salzigen Atlantik segelt. Deshalb stracks nach Helsinki segeln! Anders als in Stockholm steht hier der Hafenmeister schon auf dem Steg, nimmt die Leinen an und verkündet auch gleich die Liegegebühr. An die fünfzig Euro pro Nacht kommen zusammen. Tragbar, wenn man die Kosten über den ganzen Törn verteilt sieht. Wären da nicht die mit Unmengen Luftballons verzierten Freiluftparties der Abiturienten zum 1. Mai, die Stadt würde außer auf ihrer Promenadenstraße und einigen Jugendstilhäusern eher nichtssagend wirken. Weshalb sollte man hierherkommen außer wegen des Hafens? Wegen des langweiligen Rentiergeschnetzelten auf Kartoffelpüree?
Da sieht das nächste Ziel schon anders aus. Erst an Kronstadt vorbei und dann ein meilenlanges Fahrwasser ohne Tonnen! Vom Winter verschluckt. Ober- und Unterfeuer im Lichtsmog der Stadt. Ein gütiger Mensch in der Traffic-Zentrale verfolgt den Kurs der Daisy am Radar und korrigiert per Funk. Tatjana Bykowa dirigiert die DAISY nächtens telefonisch an eine Zollpier am Passagierterminal von Sankt Petersburg. Zwei charmante Beamtinnen warten dort im Finstern. Sie besichtigen das Schiff auch von innen und nehmen den Pass des Skippers mit. „Erst schlafen, morgen kommen in Office“. Tatjana steht morgens auf der Pier und erledigt die Formalitäten.
Die irre Pracht St. Petersburgs kann den Atem rauben. Die durchgeplante Stadt an der Newa scheint auch heute die Reichen des Landes anzuziehen. Im Straßenbild fallen jedenfalls reihenweise Autos der obersten Klassen auf. Dann der Aufmarsch zur Generalprobe für den 9. Mai: 65 Jahre nach dem Ende des Grossen Vaterländischen Krieges, 15 Bataillone auf dem Platz hinter dem Schloss, die goldenen Kuppeln der Kirchen. Die Bekannten von Gerlinde, Beate und Rolf, leben seit langem hier, können viel erzählen, ermöglichen auch einen Opernbesuch: Mozarts Idomeneo in einer deutschen Inszenierung! Die Eremitage, eine schwindelerregende Fülle. Das Literaturcafé, Puschkins letzter Auftritt, mit Piano und klassischer Sängerin, das moderne „Tinkoff“, an diesem Abend eher leer, aber trotzdem gut, die durchweg adrett gekleideten jungen Menschen in den prachtvollen Straßen und Geschäften.
Die Blut-Kirche in St. Petersburg nur einer der Prachtbauten einer märchenhaften Stadt im Meer.
Daisy liegt einsam in der Marina im Central River Yacht Club neben zwei Motorbooten. Einen Tag zu lang. Ausklarieren und ab nach Estland. Weit nach Mitternacht läuft Daisy in die Marina Pirita ein. Die im Internet angepriesene City-Marina nach dem Stadtzentrum existiert noch nicht, soll gleichwohl am 21. Mai ihre Pforten öffnen. Es soll ja Wunder geben.
In der Ober- und in der Unterstadt wird der Geist des Mittelalters beschworen. Marketenderinnen in historischen Kleidern, hübsche selbstbewusste Gesichter, ein Highlight: die Odde Hanse im Rathaus. Ein Muss: Abendessen im „Pfeffersack“. Zu vorgerückter Stunde gibt es ein zünftiges Degen-Duell mitten im Saal.
Wie geplant bleibt Gerlinde interessehalber in Tallinn. Bernd segelt mit dem Skipper weiter. Auch in Tallinn bot sich keine Möglichkeit, das Schiff aus dem Wasser zu nehmen. Telefonisch arrangiert der Skipper das Kranen in Rostock. 400 nm bis Danzig und weitere 285 bis Rostock, das muss zu schaffen sein. Wenn das Wetter mitspielt. Klappt ganz gut.
Liegeplatz gegenüber des Krantores mitten in Danzig.
Danzig hätte freilich eine ganze Woche verdient. Nach Mitternacht läuft DAISY ein, an der Westerplatte vorbei, das Denkmal ist gespenstisch beleuchtet, mitten in die Stadt. In der Marina gegenüber des Krantores entdeckt der Skipper einen hübsch passenden Platz. Das Schiff, das dorthin gehört ist ausgeflogen. Andernfalls wäre es recht eng geworden. Erst mal ausschlafen. Tags drauf - eigentlich ist es derselbe Tag - fasziniert die Stadt. War völlig zerstört in den letzten Tagen des Krieges und wit wieder aufgebaut, fast als wär nix gewesen. Viele Deutsche in der Stadt. Im Restaurant zum Roten Herzen gibt es guten polnischen Mittagstisch.
Da kommt auf der Danziger Bucht einer quer. ein halb so großes Segelboot und ein Crewmitglied hält voll auf die DAISY, mit der Kamera, war bisschen knapp, aber ging gut. Der DAISY-Skipper funkt die JASTER an und jetzt liegt das Ergebnis vor. Marcin Olszewski schickte seine Fotos aus Polen, herzlichen Dank! DAISY läuft gerade an die fünf Knoten bei fast halbem Wind und man sieht kaum eine Bugwelle. Sie schneidet einfach klasse durchs Wasser.
Na ja, so knapp war es in Wirklichkeit nicht. Dank Teleobjektiv kommt DAISY da mächtig nah daher...
Und dann ist sie auch schon vorbei und muss bald den Kurs ändern um aus der Bucht hinauszusteuern.
Nach der Danziger Bucht geht es heftig nach Westen. Erst paßt der Wind, aber dann! Sechzig Meilen vor Rügen wird der West so stark, dass den beiden die Lust vergeht, dagegen zu bolzen. Nur 17 nm bis Rönne.
Zwar liegt dort die königliche Motoryacht „Danebro“, weil der Prinz von Dänemark in den Wäldern Bornholms für zwei Tage auf die Pirsch geht, aber die Restaurants haben allesamt schon geschlossen. Also gibt es Langue de Boef in Madeirasauce und Tomatensalat an Bord. Erholsamer Tiefstschlaf, dann der letzte Sprung: 115 nm an Kap Arkona auf Rügen vorbei, am Darss vorüber und bei kräftigem NW mit sieben und mehr Knoten SOG nach Warnemünde und Rostock. Ankunft um acht Uhr. Um 13.30 Uhr steht Daisy auf der Pier der SAB-Marina und Bernd sitzt im Zug nach Hause.
Bei SAB Barmow in Rostock wurde DAISY aus dem Wasser geholt und der Bauch gepinselt. Das Unternehmen stellt eigentlich Notstromaggregate her. Stammt aus Hamburg und zog an die Warnow. "Weil schon mal so ein hübscher Tiefwasserhafen dabei war, machen wir eine Marina draus," erklärte Herr Evers, der Inhaber, dem Skipper. In der Tat: es gibt bereits einen tadellosen Sanitärblock mit Duschen, Waschmaschinen, Trockner, Strom- und Wasser am Steg.
Zwei Stunden nach dem Auskranen kommt Reinhardt auf das Betriebsgelände gefahren. Zufällig trifft er den Skipper, der gerade von der Hotelsuche zurückkommt - auf dem aufgebockten Schiff darf er nicht nächtigen - und fragt, ob er sich hier auskenne. Hier stehe doch eine Yacht namens... „Ja klar das ist meine“. Reinhardt möchte den Skipper nach Kopenhagen begleiten.
Es wird eine gemütliche und geradezu harmonische Reise. Reinhardt fährt als Maschinist auf Schleppern und weiß eine Unmenge Geschichten zu erzählen auch aus den gut dreißig Jahren DDR, die ihm das Leben servierte. An Bord der DAISY erfüllte er zwei langgehegte Wünsche des Skippers: Der Dieseltank für Generator und Heizung hat nun eine Entlüftung nach außen. Damit wird der Dieselgeruch in der Achterlast unterbunden. Auch der Wassertank der Heizung entlüftet nun nach außen.
In Rostock hatte der Skipper die beiden Ventile besorgt, im Stadthafen, wohin ihn Walter und Michael aus Hamburg fuhren, die eigens herübergekommen waren, um sich für den Törn von Eckernförde nach Visby und Stockholm zu bedanken. So nette Leute gibt’s! Und direkt neben dem Ausrüster gibt es ein gemütliches Hafenrestaurant. War gut. Danke Michael.
Mit Reinhardt läuft Daisy den dänischen Hafen Hesnaes an. Dort lässt sich unvergleichliche Ruhe genießen. Auf den 49 nm gab es keinen nennenswerten Wind. Der Diesel schaffte die Strecke mit leisem Gebrumm. Der nächste Schlag brachte es auf 65 nm und sechs Motorstunden. Dann liegt DAISY im Langelinie Havn, Kopenhagen.
Die Kleine Meerjungfrau war ausgeflogen, nach Schanghai und wird durch eine Videowand vertreten. Wieso hat man nicht einfach einen Abguss, eine Kopie angefertigt? Die Menschen sind manchmal recht sonderbar. Nach dem Anlegen serviert der Skipper Putensteak mit Spezialkartoffeln und Tomatensalat.
Reinhardt verschwindet um 07.15 Uhr. Zwei Stunden später muss der Skipper DAISY auf einen anderen Platz verlegen. Mittags trifft pünktlich die neue Crew ein: Gabi und Reiner. Der Skipper hatte DAISY mit Reinhardts und dessen Lebensgefährtins Hilfe schon in Rostock ausgerüstet, so dass nun keine Zeit mit Einkaufen – in Dänemark eh viel zu teuer – verplempert werden muss. Kopenhagen genießen! Aber am Sonntag gehts los. Nach Helsingör. Nicht der ganz große Schlag aber an der Kronsburg kommt keiner vorbei. Eine Motorstunde für die 24 Meilen, bei Öresundwetter, wie immer: bedeckt, regnerisch.
Der Statshavn meldet sich nicht auf Kanal 12 und nicht auf Kanal 16, obgleich sie riesengroß auf die Hafenmauer gepinselt haben, man müsse eine Genehmigung fürs Einlaufen einholen. Die Marina hat keinen Platz für die DAISY. Also Statshavn, ging auch ohne permission. Schlossbesichtigung, Ortsrundgang. Aber dann kommt’s dicke.
Anholt heißt das Ziel und das Verkehrstsrennungsgebiet gebietet erst mal heftiges Kreuzen. Um 16 Uhr geht eine Front durch und dann ist erst mal wieder der Diesel gefragt, bis der Wind zurückkommt und zwar mit Wucht. Schließlich sind es gut sechs Bft aus NW mit zünftigem Seegang und an ein Einlaufen in Anholt ist nicht zu denken. Da kreuzt noch eine Yacht von Süden her auf Anholt zu. Eine sehr kleine. Ihr Skipper ruft den „Anholt-Harbourmaster“. Der befindet sich offenbar ebenfalls noch im Winterschlaf. Als DAISY vor der Südküste der ehemals größten dänischen Sandwüste vor Anker geht, tut es ihr die GAAL aus Kaarst in Deutschland gleich. Nur spürt das Acht-Meterschiff den Seegang ungleich heftiger als die lange und schwere DAISY.
Tags drauf hat sich das Tief verzogen. DAISY läuft mit perfekt ausgeschlafener Besatzung in Anholt ein. Es sind gerade mal ein Dutzend Schiffe im Hafen. Die Hafenmeisterin fordert 50 Euro und die Crew wandert durch den grünen Teil der Insel. Den Skipper plagt die Wellendichtung schon seit geraumer Zeit. In Rostock hat er sie nachgestellt, mit mäßigem Erfolg. Die Gummimuffe rutscht offenbar auf der Welle. Telefonisch findet er eine Möglichkeit, DAISY noch mal kurz aus dem Wasser zu heben. In Strandby, nördlich Frederikshavn. Nach 86 nm und eine halbe Stunde nach Mitternacht liegt DAISY dort im Hafen.
Um 11.30 hängt sie in den Schlingen und um 13.50 ist sie wieder im Wasser. Die Wellendichtung ist nun heftig nachgestellt und eine zusätzliche Schelle verhindert das Rutschen. „Normally it is proof for lifetime“, erklärt der Fachmann. Der Test bestätigt es erstmal: sie hält dicht.
Um 15.40 legt DAISY ab. Der ursprünglich angedachte Übernachttörn wird in einen Übertagtörn umfunktioniert. Erst mal den Katzensprung nach Skagen, was man ja gesehen haben muss, um dann am folgenden frühen Morgen die Strecke nach Kristiansand, in Norwegen anzugehen. Die Kraft, die man nicht fassen kann, lässt es aber ungehörig an Mitarbeit fehlen. Auf den 100 nm werden sieben Motorstunden gebraucht inkl. Ab- und Anlegen, bzw. Auffassen einer Boje. Die Stege hat man entweder ganz gestrichen oder die Saison hatte noch nicht begonnen. .Das Dinghi kommt am folgenden Sonnentag zum Einsatz von Gabi frech als „Spritzboot“ tituliert. Es wird aber niemand nass beim Übersetzen. Der Außenborder springt erstaunlich rasch an und das nach der langen Winterpause.
Um 16 Uhr ist das Wesentliche besichtigt und Reiner holt die Leine ein. Die 28 nm zum Kva-Fjord gestalten sich umständehalber als reine Motorfahrt zwischen eng liegenden Inseln, sehr eng liegenden Felseilanden, ehe im Kva-Fjord der Anker fällt. Die Norweger sagen Kvofjord. Warum sie dann Kva schreiben?
Am nächsten Tag macht ein kräftiger NE alles wieder wett: Es pfeift schließlich mit 30 und mehr Knoten in die Genua und DAISY rauscht mit acht, neun und mal mehr Knoten gen Westen. Der Seegang entwickelt sich entsprechend, aber sogar Gabi fühlt sich pudelwohl. Das läuft so bis in den Abend. Erst um 19.25 muss der Skipper die Maschine wieder anwerfen. Um 20.00 liegt DAISY In Egersund und wenig später hockt die Crew in einem urgemütlichen Lokal zum Abendessen. Nur eine Motorstunde auf den sechzig Meilen dieses Tages. Trotzdem wird tags drauf an Dieselbunkern gedacht, aber die Tanke in Egersund verrät keinen Literpreis also wird das Bunkern aufgeschoben. Bange Minuten unter der 22-m-Brücke aber dann durch einen malerischen Fjord hinaus auf die Nordsee.
Zum nächsten Ziel ist kreuzen angesagt. Der Wind hat auf West gedreht, kommt eher nordwestlich. DAISY muss also weit ausholen, um Weg nach Norden zu machen. Das türkisgrüne Nordseewasser begeistert einfach. Man muss ja nicht gleich hineinspringen, es sieht einfach wunderschön aus im Gegensatz zur eher güllefarbenen Ostsee. Wegen der Kreuzerei wird es später Abend, bis die Einfahrt nach Tananger erreicht ist. Macht nix, ist ja bis 23.15 hell und die Dämmerung dauert lange. DAISY macht längsseits fest. Eine geruhsame Nacht in einem verschlafenen Ort. Den wichtigen Ölhafen samt Raffinerie auf dem östlichen Teil der Insel nimmt man kaum wahr.
Nach Haugesund ist es nur ein Katzensprung. Schon nachmittags liegt DAISY dort an der Promenade. Beim Rundgang fallen die vielen leerstehenden Geschäfte auf. Die Crew tut das Ihre, um das Blatt zu wenden: Sie kauft ein. Reiner und der Skipper erwerben neue Seestiefel. Die alten des Skippers sind nach vier Jahren dabei, sich aufzulösen und Reiner möchte endlich warme Füße haben. Gummistiefel taugen für diese Breiten einfach nicht.
So gerüstet geht es flugs weiter nach Norden. Den Languenenfjord hinauf lässt es sich prima segeln. Es stellt sich eine kleine Irritation bei der Suche nach einem schnuckeligen Überachtungsplatz ein: der Skipper steuert Kolbeins Hamn an, kommt aber an der Einfahrt zu einer benachbarten Bucht vorbei. Sie sieht so verlockend aus, dass er kurzerhand einsteuert und tatsächlich findet sich dort ein langer Steg über sechs Meter Wasser. Aber auf dem Haus, das ein Geschäft und eine kleine Sommerkneipe enthält steht groß „Kolbeins Hamn“ Hm. Ja, wo sind wir denn nun? Ein Bäcker hat leider auch nicht auf.
Morgens schleicht ein kleiner Trimaran herein, aus Lauterbach, Rügen. Der Einhandsegler hockt sich nur kurz mit seinem Laptop auf den Stegansatz und verschwindet wieder. DAISY trifft an diesem Tag auf eine weitere deutsche Yacht. Die Slup läuft von Westen kommend mit ihr den Fjord nach Norden, Richtung Bergen. Es entspinnt sich eine kleine Wettfahrt bei leichtem Wind. DAISY segelt nur unter Groß und Genua, hat also relativ wenig Fläche gesetzt und schafft es letztlich doch, an dem 10-m-Boot vorbeizuziehen.
Das kleine Race wird abgebrochen, weil nun wirklich Diesel in den Tank muss. Die Übergabe an Christoph steht bevor. Es wird ein kleines Fiasko mit gutem Ende: An der Tanke in Vagen, Bergen, macht ein Motorboot nur zögernd Platz. Nach aufwendigem Anlegen erweist sich der Schlauch als zu kurz und der Preis sowieso als viel zu hoch. Schließlich findet Reiner im Crusing Giude einen Hinweis auf eine andere Tankstelle, vier Meilen westlich in Akoy. Die liegt aber so gut versteckt in einer Felsenbucht, dass sie gut als Geheimtipp durchgeht. Ein freier Steg, einer langer Schlauch und ein annehmbarer Preis mit 7,50 Kronen/l. 436 l laufen in den Tank.
In Bergen aber bahnt sich schon das Wochenende an: Alle hübschen Liegeplätze vor dem Hanseviertel Bryggen besetzt. Ein riesiger Kystwakt-Kreuzer belegt allein den halben Raum. Also erst mal gegenüber an die Baustelle. Am Morgen drauf dann entdeckt der Skipper ein freies Plätzchen vor dem Bug des Kreuzers. Am Nachmittag hat Daisy einen Päckchenlieger am folgenden Abend sind es vier oder gar fünf?! S gibt keinen Strom an diesem Kai. Der Generator ist gefragt und tut seinen Dienst leise grummelnd aber ohne Murren.
Am Samstag trifft Christoph ein mit seiner Crew. Erst am Montag will er ablegen, weiter nach Norden, nach Trondheim.
Es hat alles soweit ganz gut geklappt. Christoph ist mit seiner Crew nach heftigen Sturm- und Nachtfahrten in Trondheim gelandet. Das mit den Nachtfahrten war freilich eher Essig zu dieser Zeit und in diesem Land: Es wird einfach nicht dunkel.
In Trondheim kommen Konrad aus München, Ralf aus Dresden und Klaus aus Hamburg an Bord. Der Skipper trifft erst am Samstagabend ein. Die Kojen werden verteilt, das Schiff ausgerüstet und los geht’s zu einer Reise voller Überraschungen. Gut, das zeichnet Segeltörns ohnehin aus, schon wegen der Abhängigkeit vom Wetter. Aber diesmal sollte noch mehr drin sein.
Ralf hat schon etliche Törns selbst organisiert und geskippert. So klappt die Zusammenarbeit auf Anhieb bestens. Trondheimfjord: Sanfte Berge, Landwirtschaft rundum. Fjordsegeln. Aber bald muss die Maschine helfen. Storfossna ist ein aufregendes Ziel: Eine Insel, die eine große Bucht wie einen See umschließt. Schmale Zufahrt von Osten durch Felsberge, draußen mit Klippen gesäumt, deshalb mit Peilfeuern ausgestattet. Drinnen ankert man auf 10 bis 15 Metern, umgeben von Landwirtschaft und rauen Felshügeln, total ruhig. Es gibt auch einen kleinen Hafen des örtlichen Segelvereins mit Supermarkt. Allerdings nix für die DAISY. Und bei Regen bleibt man eh lieber an Bord und betreibt die Pantry.
Torghatten, der Berg mit dem Loch, die sieben Schwestern, der Gebirgszug mit den sieben Gipfeln, Alstahaug, die Bucht mit dem Peter-Dass-Museum liegen am Weg nach Norden. Genau dort, wo in der Bucht von Alstahaug der Anker der DAISY fallen sollte, wo er 2007 auch schon zweimal gefallen war, dort prangt nun eine großes gelbes Schild: Ankering forbud. Wegen irgendeiner Leitung. Also ein paar Hundert Meter weiter in die Bucht rein, aber aufgepasst wegen der Gezeit! Vorne beim Museum gibt es immerhin jetzt einen Schwimmsteg als Dinghi-Anleger.
Das supermoderne Museum hat nun seit August 2007 geöffnet. Skippers erster Besuch dort zeitigte nun überraschende Folgen. Damals wollte er das Gedicht „die Trompete des Nordlandes“ von Peter Dass erstehen. Es war nicht verfügbar. Als er jetzt wieder danach fragte, stutzte Margit Landseth, die Dame hinter dem Tresen. »Sagen Sie, haben Sie eine Internetseite?« Als der Skipper dies einräumt, weiten sich ihre hübschen Augen: »Ich kenne Ihre Seite. Sie waren schon mal da! Ich habe zwar die Trompete des Nordens nicht in Deutsch komplett da aber ich mache Ihnen eine Kopie eines älteren Buches über die Barockdichter Skandinaviens. Dort ist wenigstens der Beginn von „Die Trompete des Nordlandes“ abgedruckt. Sehen Sie sich bitte inzwischen den Film über Peter Dass an.« Und so kam die Crew zu einer Extra-Vorstellung im perfekten Kinosaal des Museums und der Skipper endlich zu den Versen von Peter Dass, dem bedeutendsten Barockdichter Norwegens. In Norwegisch liegt der Text natürlich vor neben einer ganzen Menge anderer Bücher zu Geschichte und Landschaft des Alstahaug.
Und was die Leitung in der Bucht betrifft, die das Ankern vermiest: Es handelt sich um 300 m Wärmetauscherschlauch, mit dem das kühn in den Fels geschnittene Museum klimatisiert wird.
Anker auf und weiter nach Norden. In Gravviksvagen findet DAISY wieder einen wunderschönen Ankerplatz. Und kaum ist der Anker unter dem Bug in ca 18 m Tiefe fest, tönt es von der Heckplattform: »Ich habe einen Fisch!« Klaus hatte die Angel ausgebracht und Konrad hilft ihm den Dorsch an Bord zu holen. In kurzer Zeit sind zwei weitere Prachtexemplare geangelt und ausgenommen. Das Abendessen ist gesichert. Mit Salz, Pfeffer und Zitrone sind sie in Alufolie gewickelt im Backofen rasch zubereitet.
Weiter über den Polarkreis! Kräftiger West fegt durch die Fjorde. DAISY kreuzt in Höchstform Richtung Bodö an einer Kutterketsch aus Bergen vorüber bis kurz vor den Hafen. Der erweist sich als randvoll nicht nur mit Wasser sondern auch mit Schiffen. Ein Luvplatz bietet sich an und da passiert`s: Der Anleger glückt ausgezeichnet aber die vier Fender werden glatt, total platt und die eine Schraube, die aus einem Balken ragt, drückt sich in die Bordwand. Der West flaut ab, die kleine Beule bleibt.
Die Crew versucht den Ärger bei einem norwegischen Dinner im Thonshotel zu verdrängen. An Bord gibt es noch einen Roten drauf. Die Nächte bleiben immer heller. Man muss nach Uhr schlafen, das Nacht-Gefühl ist völlig weg.
Die Tage fliegen konturlos. Der Abstecher nach Svolvaer bringt nicht nur einen vollen Dieseltank, sondern auch einen überraschenden Besuch bei Sig Tobiasson, dessen Gemälde nach wie vor den Salon ziert. Voller Freude schenkt er dem Skipper ein weiteres kleines Bild, wenn auch eine Kopie.
In der kleinen Marina von Narvik hat man gleich steuerbords nach der Einfahrt einen Schwimmsteg verankert. DAISY kommt kurz nach Hochwasser an, kann die Einfahrt über fünf Meter Wasser passieren und festmachen. Muss allerdings die Position gegen Abend ändern, weil genau unter dem Kiel ein gratiger Fels liegt, auf dem sie nicht würde stehen können, wie der Hafenmeister und sein Bootsmann erläutern. Also wird sie soweit verholt, dass nur noch der Bug schräg am Steg liegt.
Inge trifft ein. Sie wird von Einheimischen einfach mitgenommen am weit entfernten Flughafen Evenes. Die mitternächtliche Seilbahnfahrt auf den Berg über Narvik offenbart, dass die Sonne hier den Null-Horizont nicht mal berührt. Sie verschwindet nur mal kurz hinter einem Bergrücken.
Bergfahrt zur Mitternacht: Herrlicher Blick bis hinüber zu den Lofoten. Das Foto entstand etwa um 23.50 auf der Bergstation hoch über Narvik. Um 01.00 müssen alle wieder unten sein, da stellt die Bahn den Betrieb ein.
Tags drauf kommt Brenda aus Berlin auf den Steg gelaufen. Sie hatte die Bahnvariante über Kiruna gewählt. Sie betritt zum ersten Mal eine Segelyacht. Ralf verfügt nun über einen Mietwagen, weil er in den Vesteralen noch bisschen Wandern möchte. Das erleichtert die Schiffsversorgung beträchtlich. Und noch samstags kann DAISY wieder ablegen, Richtung Lofoten.
Zuerst steuert sie den Trollfjord an. Das Wetter hält sich bedeckt. Am helllichten Abend ankert sie in Ulvöja, im Raftsundet. Die Pumpe des Fäkalientanks schaffte ihre Arbeit nicht mehr. Ein Glück, dass Ersatzteile aus der alten Pumpe zur Verfügung standen. Während die Crew mit dem Dinghi die Insel im Raftsundet erkundete, gelang es dem Skipper, die Pumpe zu reparieren. Sievarbeitet wieder ganz normal.
Beinah zum Greifen nah rauscht ein Hurtigruten-Dampfer an der DAISY vorbei. In Svolvaer wird die Daisy-Crew die NORDKAPP besichtigen.
Auf dem Weg nach Svolvaer überhlt der Hurtigruten-Kreuzer NORDKAPP die Daisy. Sieliegt im Hafen als die Segler dort aufkreuzen. Ein Schlauchboot mit Taucher-Flagge fllt ins Auge. Man sucht nach einem tags zuvor von einem Motorboot gefallenen jungen Mann aus Bodö. DAISY macht am Kai des Hotels ANKER fest. Blödes Gefühl, immer darauf gefasst sein zu müssen, im Hafen einer Leiche zu begegnen.
Im Übrigen jedoch ein erneuter entspannter Aufenthalt in der Lofoten-Hauptstadt. Der Liegeplatz bietet keinen Strom- und keinen Wasseranschluss. Doch DAISY ist mit beidem versorgt. Sturm ist angesagt. Ein Hurtigrutenkreuzer muss eine Stunde vor dem Hafen bleiben, ehe das Schiff die schmale Einfahrt passieren kann. DAISY bleibt, bis das Wetter sich bessert. Die Crew einer HR 39, ein Paar aus Stade erzählt von ihren Norwegen-Erlebnissen. Der Skipper besucht die neue Galerie von Sig Tobiasson. Konrad und Klaus unternehmen einen Bus-Ausflug in das Wikingermuseum.
Als hätte man die Alpentäler geflutet, denkt der Bayer, der in Norwegen segeln geht.
07.07.10 um 10.50 springt die Hauptmaschine an. Ablegen. Auf dem Weg nach Bodö liefert der Wind gerade mal für zwei Stunden die nötige Energie. Um 22.45 stellt der Skipper die Maschine ab. AISY liegt am selben Platz wie eine Woche vorher. Nur jetzt ohne Wind und ohne gefährliche Schraube. Die hatte Konrad schon entfernt.
Ein Erlebnis der seltenen Art erwartet die DAISY im Holandsfjord. Dort, wo der Swartisengletscher mit einer Zunge fast das Meer leckt, hat man einen massiven Holzsteg gebaut und daran eine Schwimmbrücke angehängt. Sie ist mit Stromanschlüssen ausgestattet und hübsch beleuchtet für besuchende Yachten. DAISY hat dort 2007 schon gelegen, als die deutsche MS Columbus im Fjord ankerte und ihre Fahrgäste genau gegenüber der Yacht anlandete.
Beim Einsteuern in den Fjord wurde DAISY diesmal von dem portugiesischen Kreuzfahrtschiff Princess Danae überholt. Der Dampfer ankerte in der Bucht. Als DAISY den Steg ansteuerte, der lediglich von einer norwegischen Slup am einen Ende und gegenüber von einem kleinen Motorboot belegt war, erhoben zwei Norweger in weißen Polohemden mit Swartisen-Logo lautstark Protest. Der gipfelte in dem Satz: »You are not welcome in Swartisen«. Und der Seglerkollege empfahl dem Skipper zusätzlich, lieber vor Anker zu gehen, bis der Kreuzfahrer sein Programm durchgezogen hat. Dabei wären auf der anderen Brückenseite gut fünfzig Meter frei gewesen für das Anlanden der Passagiere.
Das Dinner am Anker ließ den Ärger vergessen. Anderntags machte sich die Crew zum Gletscher auf und umrundete den Gletschersee, musste dabei den Gletscherfluss durchwaten. Pfarrer Kneipp hätte seine Freude gehabt.
Nochmal 70 nm in den Süden und DAISY ankerte wieder in Alstahaug. Margit Langseth hatte diesmal Urlaub, dafür bekam die Crew echte Bunads zu Gesicht: in der kleinen Kirche das Peter Dass schloss ein Paar feierlich den Bund fürs Leben und drei reifere Damen zierten das Fest in der norwegischen Tracht. Nach sanftem Segeln zog im Süden auf, was der Wetterbericht bereits verkündet hatte: Ziemlich heftiger Wind aus NE. DAISY verzog sich in den Gravviksvagen-Fjord, ankerte auf 20 m im Grünen: 64°59.762 N 011°46.605 E. Ein echter Seeadler zog seine Kreise über ihr und strich dann nach Norden ab. Inge und Brenda, Klaus und Konrad verfolgten ihn mit dem Skipper voller Ehrfurcht.
Nach Rörvik begleitete der Starkwind samt Regen nicht nur die DAISY. Die US-Yacht Elcano aus Rhode Island suchte dort ebenfalls Schutz und bot der DAISY ihre Backbordseite. Die Eignerfamilie befand sich damit auf Europareise. Doch zeigte sie kein Sternenbanner, auch nicht, als sie tags drauf unter Maschine an der segelnden DAISY vorüber zog.
Die Storfosnabucht präsnetierte sich diesmal von der angenehmen Seite: Grüne Wiesen, blauer Himmel. Bloß der Außenborder wollte nicht. Zündkerze verschmutzt. Dann ab zum Landgang. Später servierte Konrad Pfannkuchen an Bord. Für die Nacht im kleinen Selva war wieder eine geringe Hafengebühr zu berappen. In der Flakkbuchten im Trondheimsfjord liegt man dagegen gratis gegenüber einer malerischen Viehweide, die in eine felsige Halbinsel mit hübschen Hütten drauf ausläuft. In Trondheim Skansen darf der Skipper nicht an einer hellblauen Maxiyacht anlegen. Der Hafen ist voll. Ausweiche in den Stadthafen erst am nächsten –Tag wird in Skansen der Steg frei. Ingeborg und Brenda verabschieden sich.
Als Weg nach Süden wählt der Skipper diesmal die Inlandsvariante. Die schmalen Durchfahrten passiert DAISY gelassen. Der Haken an der abwechslungsreichen Binnenstrecke: Es gibt praktisch keinen Platz zum Verweilen, gar zum Übernachten, nicht für diese Schiffsgröße. Die Buchten sind zu tief zum Ankern, die Anleger zu klein. Anleger zu klein. Also gleich weiter bis Bergen. Und noch ein Stückchen mehr: in die Bucht mit der günstigen Dieselquelle: Akoy. Und weil sie so kuschelige Ruhe bietet, wird hier auch übernachtet. Allerdings wies die einladend freie Pier zu wenig Tiefe auf aber der Eigner einer Bavaria 38 bot die Steuerbordseite an. Es klappte in diesem stillen, von hohen Felsen umstandenen Teich einwandfrei.
In Bergen war die Hölle los. Kein vernünftiger Liegplatz in Sicht. DAISY musste sich wieder an den Bauzaun legen, ohne Stromanschluss und mit halsbrecherischem Landzugang. Da kam rasch die Idee auf, zum Crewwechsel nach Hjellestadt zu verlegen. Eine Möglichkeit bot sich noch: Am nächsten Morgen lag gegenüber auf einem 20m-Platz eine kleine norwegische Slup, ca. neun Meter lang. Die Idee des Daisyskippers, dorthin zu verlegen und die kleinere Yacht ins Päckchen zu nehmen, wurde von den Seglern allerdings mit einem entrüsteten »Offcourse not!« beschieden.
Also ab nach Hjellestadt. Ein langer starker Schwimmponton mit Strom- und Wasseranschluss gegen Westen von Inseln geschützt und mit dem Taxi nur ein paar Minuten zum Flughafen. Dazu ein kleiner Supermarkt direkt am Landzugang. Die neue Crew war rasch verständigt und der Wechsel ging mit viel Wiedersehensfreude von statten. Rüdiger war wieder da und Paul brachte in nagelneues I-Pod mit allen Karten Europas mit. Der Skipper machte sich auf den Heimweg.
Auf der Nordsee fehlte der DAISY es sehr an Wind. Für den Kaledonischen Kanal nahm sich die Crew drei Tage. Der E-Motor des Autopiloten braucht neue Kohlen. Der Skipper besorgt sie in der Heimat. Windreiuche Fahrt durch Schottland. In Douglas, Isle of Man, bekommt die DAISY sogar einen Platz im Hafen. Auf dem Weg nach Dublin kommt es zu einem Riss im Groß beim dritten Reff. Am Donnerstag 19. August macht die DAISY in Dublin fest. Am Freitag 20. 08.2010 ist der Skipper weder an Bord. Am Samstag trifft die neue Crew ein: Simon und Cara aus München, Felix aus Crailsheim, Lukas aus Bottmingen in der Schweiz, Gregor aus Norden, Tim aus Saarbrücken. Tja, und dann steht da noch Reiner auf der Crew-Liste, Zufall mit Nachnamen. Allerdings sieht den keiner. Aber der Skipper schärft allen ein, sein Wirken in Grenzen zu halten.
Noch am Samstag geht die Crew Proviant besorgen und am Sonntag ist das Schiff seeklar. Der SE bringt die DAISY auch ganz gut voran, doch nachmittags muß der Ford-Diesel helfen. Um 20.15 läuft sie in Arklow, Irland ein, und macht dort fest, wo sie es immer tat, in diesem Hafen. Zwei einheimische Jungfischern gelingt es, sich fest im Gedächtnis der Crew zu verankern mit ihrem klaren Geständnis: »I hate this kind of boats«. Möglicherweise Ausfluss übergroßen Biergenusses. Zum Dinner glänzt Lukas mit Pasta und Geschnetzeltem in Tomatensauce.
Der freundliche Hafenmeister erinnert sich an die DAISY. Das freut den Skipper natürlich. Er bekommt den neuesten Windfinder ausgedruckt. Am 23.08. legt DAISY um 12.50 Uhr ab mit Ziel Milford Haven in Wales. Es ist ein Übernacht-Törn geplant mit Ankunft in den Vormittagsstunden. Allein der Wind hat anderes vor.
Felix, offenbar der Segler in mit der meisten Hochsee-Erfahrung der neuen Crew, wird zum Vize ernannt und los geht’s. Genua und Groß im ersten Reff. Die Logge pendelt dauernd zwischen acht und elf Knoten. Die 90 nm sind in knapp zehn Stunden geschafft. Um 00.30 Uhr am 24.08.2010 werden im Fjord von Milford Haven der Motor gestartet und die Segel geborgen. Um 01.25 h liegt das Schiff im Lock fest. Um 03.15 öffnet die innere Schleuse und um 03.30 liegt DAISY wohl vertäut im Hafen.
Starker Südwind und Regen sind angesagt. Also bleibt DAISY im Hafen. Es gibt genug zu tun. Die Kühlbox braucht einen neuen Deckel, das Verklickerlicht muss repariert, die Herdverriegelung optimiert werden. Zum Dinner servieren Cara und Simon Lammkoteletts mit Rosmarinkartoffeln und Bohnen im Speck.
Das Morgenhochwasser mit Öffnung des Locks wird verpennt. Also legt DAISY um 16.50 ab. Das Ziel heißt Scilly Islands und der Wind bläst aus NW. Also Genua und Besan gesetzt und ab die Post. Das Schiff rauscht nach Süden. Der Wachplan führt durch die Nacht. Je zwei Leute drei Stunden. Der Skipper bleibt erstmals überhaupt wachfrei. Nominell jedenfalls. 25 Stunden nach dem Ablegen fällt der Anker südlich der Insel Tresco in mitten der Scillys. Herrliches Wetter.
Dinghi klar. Im New Inn gibt es ein erstes Insel-Bier. Tags drauf die große Insel-Expedition. Am Abend große Fete im New Inn: Die Mongolian-Mission dreier Scilly-Burschen muss gefeiert werden. Die Inseljugend ist versammelt und auch sonst sind alle da. Zurück auf dem Schiff gibt es die unheimliche Überraschung: Springtide und Nordwind lassen Niedrigwasser noch niedriger ausfallen als berechenbar. DAISX berührt einige Male den Grund. Offenbar ein kleiner Hügel neben dem Kiel. Nach zwanzig Minuten ist der Tiefpunkt überschritten, genug Wasser unter dem Kiel.
Um 09.40 h am 29.08.2010 geht der Anker hoch. Um 10.40 läuft das Schiff unter Groß im ersten Reff, Genua und Besan nach Süden. Der Wind frischt auf. Besan bergen und Genua verkleinern. Die Logge zeigt wieder über 10 kn. Der Wachplan wird leicht modifiziert. Das Verkehrstrennugsgebiet vor Brest wird umfahren.
Frankreich
Um 08.29 am 30.08.2010 startet Felix die Maschine. Gerade kentert der Tidenstrom bei der Einfahrt in die Bucht von Brest. Um 10.19 h stellt er die Maschine wieder ab. 154 nm sind zurückgelegt seit der Nacht vor Tresco. Fest in der neuen Marina von äBrest. Herrlich großzügig angelegt. Abends französischer Festschmaus im "Oceanique": Musceln, Fisch, und richtiges Brot! Na ja und bisschen Wein.
Es gibt wieder allerhand zu tun. Im Groß hat sich eine Naht gelöst. Die ca. 30 cm lange offene Stelle muss geschlossen werden, um weitere Schäden zu vermeiden. Also wieder abschlagen. Der Segelmacher kommt, holt das Tuch, bringt es repariert noch am gleichen Abend zurück. 50 Euro. Die vordere WC-Anlage mit Fäkalientank gibt schon länger zu denken. Nun findet der Skipper die Lösung: Die Pumpe muss über die Wasserlinie versetzt werden. Lukas besorgt die erforderlichen Schläuche. Abends ist die Operation erfolgreich abgeschlossen.
Biscaya
Um 20.40 h wird die Hauptmaschine gestartet. Hinaus in die Nacht der Biscaya. Genua und Besan genügen zunächst vollauf, um gelassen durch die Nacht zu kommen. Der Seegang steigt erheblich.
Ostwind ist angekündigt. Viel Ostwind. Der ist brauchbar. Aber San Sebastian lässt sich nicht ansteuern unter diesen Bedingungen, jedenfalls nicht besonders komfortabel. Erst am nächsten Nachmittag nimmt der Skipper das Groß dazu, im zweiten Reff allerdings. Dann spricht er einige ernste Worte mit dem Meer nach Lee, und kehrt sogleich an seinen Arbeitsplatz in der Navigation zurück.
Spanien
insulpoNächster Hafen Santander. Diesmal Einsteuerung bei Nacht. Die Leuchtfeuer weisen den Weg. Aha. Dort zeichnet sich der Real Club Nautico ab, vor der prächtig erleuchteten Promenade. Der Anker rasselt ins Wasser. Nachtmahl. Boot zu Wasser.
Dann geht es weiter nach Osten, immer schön an der Küste entlang. Der Wind erlaubt teilweise zügiges Vorankommen. Castro Urdiales, Bermeo. Dort beißt der Skipper nächtens in einen verdorbenen Pulpo. Die Fischvergiftung legt ihn tagsüber lahm. Der Hafen wird aus der Liste möglicher künftiger Visiten gestrichen.
Startvorberietungen. Daisy verlegt an die Tankstelle. Beim Kühlwassercheck gibt es einen Schock: Es fehlen etwas mehr als zwe Liter. War noch nie da. Sie sind rasch aufgefüllt. Das Öl ist okay. Start. Nach 40 Min schweigt die Maschine wieder. Es wird gesegelt. Bis Kap Finisterre. Da wäre die Maschine wieder gefragt. Aber es kommt nur ein "Plong". DAISY segelt bis vor die Hafeneinfahrt von Portosin bei unglaublich wenig Wind. Dauert bis 10.00 vormittags.
Rocco, der Hafenkapitän schleppt sie persönlich rein. Spricht perfekt deutsch. Hat in Dortmund in der Fleischfabrik gearbeitet. Jose der Mechankier bittet, die Maschine zu starten. Sie läuft problemlos an. Aber José findet Slaz im Kühlwasser. Der Wärmetausche muss raus. Er wird dicht gemacht, gelötet. Dauert einen Tag. Ein Wetterfentser öffnet sich. Aber der Skipper findet Wasser im Motoröl. Der Mechaniker José wechselt die Zylinderkopfdichtung aus. Es pfeift wie blöd aus Süd. Kein Weg nach Lissabon.
Portugal
Erst Freitagabend läßt der Wind nach, dreht auch etwas. Also los. Maschinenfahrt. Aber nach zehn Stunden steigt die Kühlwassertemperatur. Also segeln, irgenwie aufkreuzen. Wasser nach füllen und weiter. Die neue Crew wartet.
Nach Mitternacht einlaufen in Oeiras. Wiedermal. Tanke ist kaputt und am Steg gibt es keinen Strom. Der Sturm der letzten Tage hat alles zerstört. Sogar das Marinabüro soll geflutet gewsen sein. DASY bleibt nur bis zum Nachmittag. Genug Diesel an Bord. Mit neuer Crewgeht es nach Süden. 202°. Der NW läßt zwei Tsge den Zielkurs zu. Bis ein kleines Tief aufkreuzt. Platzregen, Windhosen. Was ist bloß los hier? Dann Flaute. Die Maschine st gefragt. Spielt einwandfrei mit. Aber nach zwei Stunden steigt die Temperatur. Kühlwasser fehlt. Öl spritzt aus dem Meßkanal.
Maschinen-Reparatur in Lanzarote
Unter Segeln bis Arrecife, Lanzarote. In deer Hafeneinfahrt kommt ein Salvamento-Kreuzer längsseits und nimmt DAISY mit an die Pier. Antonio. der Mechaniker findet am Montag 3 gebrochene Schraubenführungen im Zylinderkopf. Aber ansonsten ist das Teil dicht. Wie kommt Wasser in das Öl und zwar viel? Die Fachleute haben nur Vermutungen. Also muss die Maschine raus, zerlegt und untersucht werden.
Das ist geschehen. Der Skipper hat alle anderen Aggregate abgebaut, dann kam der Kran. Am 20. Oktober 2010 gegen 15 Uhr wurde der Motorblock durch das Mittelcockpit herausgehoben.
Am Abend ein einfaches aber sehr leckeres Essen in einer Fischerkneipe um die Ecke. Abschiedsstimmung. Astrid und Ralf gehen von Bord. Sie fahren mit dem Bus nach Playa Blanca und schiffen sich dort auf der Yacht von Jan und Laslo ein. Die beiden kamen aus Harlingen herübergesegelt, Abiturienten aus Karslruhe und nehmen die DAISY-Crew mit nach Las Palmas. Der Skipper bringt seine Crew zum Bus. Am Schiff zurück trifft er auf Antonio, den Mechanikus. Wir brauchen nur den Zylinderkopf neu, die Dichtung und ein paar Kolbenringe. Der Block ist nicht beschädigt. Er könnte es in einer Woche schaffen, die Maschine wieder fit zu machen. Sechs neue Zylinder, sechs neue Kolben, neue Dichtungen. Die geborstenen Schraubenführungen könnten ersetzt werden. Die Maschine wäre am Ende generalüberholt, fast wie neu. Nach vielen Telefonaten mit Fachleuten willigt der Skipper ein.
Aber die Ersatzteile kommen nicht aus Madrid, wie zunächst angenommen, sondern aus UK. Dauert drei Tage länger. Dann das lange Wochenende mit dem Feiertag. Walter trifft an Bord ein. Anna reist an, mit dem Vorsatz mit nach Teneriffa zu segeln, sobald die Maschine heil ist. Ein Leihwagen wird angemietet, die Insel erkundet. Gigantische Vulkanwüste. Touritrubel in Playa Blanca. Rochus und Andrea kommen auch. Noch gibt es Hoffnung auf Segeln. Die beiden ziehen in ein Hotel, machen Badeurlaub.
Aber die Arbeiten ziehen sich. Antonio scheint mit dem Zeitplan überfordert. Schließlich kündigt er den Einbau für Montag den 8.11. an. An dem Tag wollte der Skipper von Teneriffa aus nach hause fliegen für eine Woche. Grenzenlose Enttäuschung. Der Flug ist gebucht, 330 Euro.
Der Ford kommt zurück: Samt montiertem Zylinderkopf wird die Maschine durch das Nittelcockpit wieder an ihren Platz gehoben.
Die Crew reist wieder ab. Am Montag um 12.20 steht der Kran vor dem Schiff auf der Pier. Antonio und sein Sohn bugsieren unterstützt vom Skipper die Maschine wieder an ihren Platz. Sind einige Tricks notwendig und eine Traverse erschlägt beinah Antonio. Um 17.50 startet der Glückspilz erstmals die Maschine. Negativ. Einspritzpumpe will eingestellt sein. Dann klappt es. Ein Kühlwasserschlauch platzt ab. War nicht festgeschraubt. Dann läuft alles rund. Um 20.00 schließt der Skipper das Cockpit wieder.
Tags drauf dreht Antonio noch ein neues Gewinde in eine Motorhalterung. Der Skipper baut den Schrank wieder ein. Dann geht er abends noch Proviant einkaufen. Ein riesiger Supermarkt: „Hyper-Dino“ An den zehn Kassen warten mit ihm vielleicht hundert Menschen. Da kommt die Durchsage: Sorry, alle Kassen ausgefallen. Bitte verlassen Sie den Markt. Gar nicht witzig. Er lässt den vollen Wagen stehen und holt sich an der Tanke nebenan die Frühstückssemmeln.
Am 10.11. nach dem Frühstück zweimal Wasser holen mit dem Dinghi jeweils 40 Liter. Dann die Wäsche wegbringen und die Post aufgeben. Bei einem Probelauf zeigt sich noch ein defekter Kühlwasserschlauch. Der Skipper ersetzt ihn noch am Abend.
Der letzte bezahlte Liegetag bricht an. Boot an Deck stauen, Wäsche abholen, Ersatzfilter für den Generator besorgen. Ein Britisches Kreuzfahrtschiff beglückt Arrecife mit tausend Touris. Der Skipper kämpft sich durch die Gassen. Heute muss alles erledigt und Mittags abgelegt werden.
Es ist soweit. Die Maschine läuft, eine Spring ist schon weg, da hält oben ein riesiges Feuerwehrauto. Die Crew steht an der Kante und einer fragt: Ist das Schiff zu kaufen? Im Prinzip ja, aber nicht jetzt. Sie machen die Leinen los. Ein Winken geht hin und her. Daisy findet den Weg aus dem Hafen. Der Wind ist gut für typisches Ketsch-Segeln: Genua und Besan. Mit sechs Knoten zieht sie dahin. In der Passage zwischen Lanzarote und Fuerteventura wird es Abend. Herrlicher Sonnenuntergang, wunderbarer Sternenhimmel.
Während die Lichterkette von Playa Blanca verschwimmt, wird eine Halse nötig. Weiter geht’s auf dem anderen Bug. Ein hell erleuchteter Kreuzfahrer quert das Kielwasser. Wohl auf dem Weg nach Las Palmas. Oder nach Britannien.
Halbstundenschlaf. Eigentlich ist die Nacht zu schön dazu. Am Vormittag fordert der Wind auch das Groß. Vollzeug. Sieben Knoten auf ruhiger See. Na ja, bisschen 2-m-Welle mit langer Frequenz. Abends steht die DAISY im Finstern vor der Hafenmauer von Santa Cruz. Segel bergen. Millionen Lichter verschlucken Alles, was der Seefahrer jetzt sehen sollte. Bernhard, der Vizeskipper für die Atlantiktour ist schon im Hafen. DAISY läuft durch die Südeinfahrt und dann langsam durch das schwarz spiegelnde Hafenbecken. Die Erinnerung kehrt zurück. Da ist ja der freie Schwimmsteg. Der Skipper dreht das Schiff behutsam und legt es stb längsseits an den zu kurzen Steg. Bernhard nimmt die Vorleine an.
Tags drauf trifft die übrige Crew ein. Tim, Rochus und abends Joe. Erster Provianteinkauf bei einem deutschen Super-Discounter. Für Sonntag und Montag mietet Rochus ein Auto. Abenteuerliche Passfahrt durch das steile, ja schroffe aber immerhin sehr grüne südliche Gebirge. Essen auf 900 m Höhe. Für den Besuch auf dem 3.000 m hohen Teide bleibt keine Zeit. Noch mal Proviant einkaufen und am Dienstag kommt der Tankwagen. DAISY muss dazu verlegt werden. 548 l werden gebunkert. Dann verstopft ein Klo. Der Skipper bringt’s in Ordnung. Um 16.50 ist es soweit. Er lässt die Maschine an. An Bord: Joe (47) aus Arizona, USA, Bernhard (63) aus Ingolstadt, Rochus (53) aus Freising, Tim (38) aus Saarbrücken und der Skipper (60), Holzkirchen. DAISY gleitet aus dem Hafen. Erst muss der Vizeskipper noch ein paar Manöver fahren. Übungshalber, für den Fall, dass.
Endlich raus aus dem Hafen. Genua und Besan. 6,2 kn über Grund. Um 22.10 Halse. Der Skipper stellt um 17.20 Uhr die Maschine ab. Schon läuft DAISY unter Genua und Besan 6,2 kn SOG. Morgens um 04.15 Halse. 7,5 kn SOG. Im Süden Teneriffas haucht der Wind erst mal seine Kraft aus.
Der Besuch in Hierro wird gestrichen. Zurück auf Kurs Kap Verden. 3,5 kn SOG. Am 17. wird die Gasflasche getauscht. 100 Meilen Etmal! Frust. Tags drauf Vollzeug. Bis 7 kn SOG. 125 nm Etmal. Die Reise läuft an. Rochus ist Gastwirt und fabriziert zum Dinner erstklassige Fleischpflanzl. Bouletten, Frikadellen, Hamburger, alles auf einmal. Mit bayerischem Gurkensalat.
Die Nachtwachen: jeweils drei Stunden von 22 Uhr an. Bis dahin macht’s der Skipper und kommt dann bei Bedarf dazu. Und das ist oft genug der Fall. Neulinge an Bord. Tim betrat mit der DAISY in Dublin erstmals eine Segelyacht, um auf das Meer zu fahren. Rochus absolvierte nach dem BR-Törn einen Adriatörn mit anderem Skipper. Bernhard skippert seit vielen Jahren selbst, Joe erlebt seine dritte Seereise an Bord der DAISY.
Es heißt aufpassen für den Skipper. Der Respekt vor den Gefahren der See muss noch verinnerlicht werden. Mann-über-Bord-Manöver wirken da eher kontraproduktiv. Der Fall darf nicht eintreten. Also predigt der Skipper: Nicht an der Reling entlanglaufen, immer in der Schiffsmitte bleiben, niemals über Bord pinkeln, niemals auf Bugkorb oder Heckkorb sitzen, immer eine Hand am Schiff, nachts nie das Cockpit verlassen, und wenn es wirklich nötig ist, dann nur angeleint und beobachtet von einem zweiten Mann und mit Licht. Wenig Alkohol und auf Wache überhaupt keinen! Immer möglichst vertikal segeln, eher zu wenig als zu viel Tuch fahren, also Wetter beobachten und frühzeitig reffen. Die Regeln haben sich bewährt.
Nächstes Etmal 167 nm, dann 136 und 127. Am 22.11. um 10 Uhr hilft auch der Genuabaum nichts mehr. Der Motor muss schieben.
Die kahlen Berge von St. Vincent tauchen am Horizont auf. 28 Stunden später liegt DAISY stb längsseits fest an der Tanke in Mindelo. Der Tankwart erklärt freundlich, dass er genau ab jetzt für zwei Stunden „Lunchtime“ hat. „See you.“ Einklarieren? Immigration hat auch zwei Stunden zu. Ausruhen, Geduld haben. 177 Liter Diesel für 0,70 Euro/l. Dann achteraus Einparken in der nagelneuen dicht besetzten Marina mit Schwimmstegen und Moorings, Sicherheitseinrichtungen, einwandfreien Sanitäranlagen.
Und doch: Angekommen in Afrika! Bunte Welt ohne europäische Standards. Das Leben läuft langsamer, gelassener, es ist heiß. Einklarierungsprozedur, weite Wege. Der Skipper holt ein Fahrrad aus der Vorpiek. Die alte Gasflasche muß gefüllt werden. Die neue reicht zwar leicht über den Atlantik, aber sicher ist sicher. Arthur (12) und Leonardo (14), zwei schlaksige Buben tragen die Flasche den Kilometer bis zur Füllstation. Morgen die gefüllte abholen! Kostet 12 Euro.
Dinner in der lebensvollen Stadt. Die charmanteste Bedienung, die sich denken lässt. Chicken-legs with Frites Potatoes. Bettelnde Hände an jeder Ecke. Tagsdrauf Gasflasche abholen, Ausklarieren.
Um 12.50 ablegen. 13.10 Maschine aus. 5 kn SOG nach 265°. Um 19.00 ist der Wind ganz weg. Maschine an. Daisy hat knapp 1000 l Diesel im Bauch. Erst am nächsten Tag um 11.30 bringen Genua, Groß und Besan 5,2 kn zusammen. Etmal 130 nm. Wo bleibt der Passat? Mal einen Tag segeln mal ein Paar Stunden motoren. Der Skipper will ihn im Süden erreichen.
Am 03.12. ist es soweit. Auf einer Breite von 11° 56.763 N beginnt es endlich zu blasen. Um 8 Uhr morgens wird die Maschine abgestellt. Genua und Besan genügen. Es kommen gute 5 kn zusammen. Abends gibt es Hühnchenschenkel mit Kartoffel und Gurkensalat. Am nächsten Abend Kotelett mit Bratkartoffeln und Rote Beete. Die Etmale bewegen sich um die 140 nm. Am 5.12. stellt sich der Generator erstmals selbst ab. Die Temperaturleuchte lässt auf Überhitzung schließen.
Bald steht fest: der Motor ist es nicht. Von nun an muss die elektrische Energie von der Hauptmaschine kommen. Alle sechs Stunden zwei Stunden Motor an. Das verbessert das Etmal nur geringfügig. DAISY segelt mit sechs, sieben bis acht und mehr Knoten. Die Etmale liegen jetzt über 150 nm. Am 08.12.10 teilt Tim mit, dass er in Trinidad das Schiff verlassen möchte. Eigentlich wollte er bis New York bleiben. Hochseesegeln ist kein Kinderspiel.
Regenschauer ziehen auf. Es wird im Cockpit geduscht, Regenwasser aufgefangen, eine köstliche Erfrischung. Aber jede dieser Störungen kommt mit heftigen Böen bis 25 und mehr Knoten daher. Also erst mal reffen und dann duschen. Dabei raumt der Wind zum Teil kräftig und DAISY muss nach Nord drehen, um eine klare Luvseite zu haben und nicht ganz so wild zu rollen vor dem Wind. Dann ist der bequeme Sitz, den Rochus und der Skipper für den Bugkorb gebaut haben, nicht mehr benutzbar. Zu anderen Zeiten lassen sich dort herrlich die Wellen studieren und die Delfine beobachten.
Schon bricht der 10.12. an. Tobago ist passiert und der Wind raumt stark. Eine Halse wird unumgänglich. Der Wind schwächelt im Schatten der Insel. Wegen E-Energie muss die Maschine sowieso laufen. Geht plötzlich aus. Kein Wunder. Die Maschine schlürft nun aus den tieferen Bereichen des Tanks. Filter hat dicht gemacht. Wird flugs gewechselt. Aber dann kommt richtig Wind. Erst zaghaft dann heftig. Die grünen Berge Trinidads an Backbord nur zwei, drei Meilen entfernt. Der Weg in die Bucht noch etwa 18 nm. Der Skipper stellt die Maschine ab. Strom genug. Filter schonen, Diesel sparen. Manche haben es jetzt wirklich eilig an Land zu kommen.
Die enge Durchfahrt in die Bucht von Chaguaramas fordert natürlich die Maschine. Um 12.30 liegt DAISY stb längsseits am Customs-pier. Immigration hat zu, Lunch-time. Nachmittags werden die Formalitäten erledigt, abends ist der ungeduldigere Teil der Crew bereits von Bord. Skipper will noch Diesel bunkern. Aber die Tanke ist busy und ausserdem viel zu teuer: mehr als ein Euro der Liter! Geduld zahlt sich aus. Ein großes holländisches Motorschiff bietet dem Skipper einen Tag später den Liter für 50 Eurocent. Immer noch teuer aber den Umständen entsprechend tolerierbar. Er bunkert 10 l mehr als 2007.
Dinner zu dritt im Crews Inn. Sehr schön. Eher wunderbar schön. Chicken in coconut-fantasie. Mittendrin Telefon: Marion ist in Port of Spain gelandet und der Immigration-Beamte will sie nicht ins Land lassen. Sie hat eine Hotelreservierung aber kein Rückflugticket. Der Skipper schnappt sich ein Taxi und fährt hin. Der Taxifahrer regelt das Problem auf seine Art. Joe bleibt noch ein paar Tage an Bord. Erst am Montag kann das Generatorproblem angegangen werden. Richard vom Fischer-Panda-Service sieht sich am Dienstag, 14.12. die Sache an: Dioden kaputt. Muss neue bestellen, dauert ungefähr eine Woche.
Wenn die Sache so einfach wäre. Eins hat der Skipper hier erfahren: Den Fischer-Panda-Service-Partner in Chaguaramas, Trinidad, darf man getrost vergessen. Da passiert so gut wie nichts, was irgendwas mit Service zu tun haben könnte. Der Skipper baut die drei Dioden selbst aus, weil sie die Typennummern der alten brauchen, um neue zu bestellen. Da war schon Mittwoch. Am Donnerstag fragt er nach. Nun misst Richard die Dioden durch. They might be good. Put them in again. We have to check it. Ja ist dann die Wicklung kaputt? May be. But I go tomorrow to Tobago, one week holiday. I try to organise somebody, who check it tomorrow morning.
Es ist Freitag. Niemand erscheint auf der DAISY. Der Skipper entscheidet, dann eben ohne Generator weiter zu segeln. In Martinique soll es auch einen Fischer-Panda-Experten geben. Und von Fischer-Panda Deutschland kommt die Nachricht: Eine defekte Wicklung wird nicht heiß und gibt keine Spannung ab. Na, das klingt doch beruhigend. Gibt aber noch allerhand zu erledigen. Generator wieder zusammenbauen, neuen Schlauch ins achterliche WC einbauen, Dieselrücklauf der Hauptmaschine prüfen, Altöl beseitigen, Dichtring in Lukenriegel erneuern, hübschen Spiegel in der Mittelkabine montieren, Fahrrad verstauen, ausklarieren, einkaufen, Dinghi an Deck stauen. Noch mal duschen. Abendessen. Auslaufen vorbereiten. Frohe Weihnachten!
Am 18.12.10 um 16.50 startet der Skipper die Maschine. Um 18.50 stehen Genua und Besan. Daisy segelt durch die Nacht an Grenada vorbei. 108 nm später fällt der Anker vor Ronde Island. Erstes Bad in der Karibischen See. Es gibt Hühnchenschenkel mit Reis und Tomatensoße. Marion lebt vegetarisch. Nun wird das karibische Flair genossen. Nach 21 nm fällt der Anker schon wieder in einer winzigen Bucht vor Carriacou. Hier verfinstert sich der volle Mond. Der Erdschatten schiebt sich in die gelbe Kugel.
Der nächste Schlag endet schon nach sechs Meilen. Das Wasser um Petit St. Vincent ist zu verführerisch. Der nächste Mittag sieht Daisy fünf Meilen weiter in Union Island. Einklarieren in den Staat St. Vincent and the Grenadines. Jutta, die Deutsche, die dort eine Boutique betreibt, hat sich mit zwei ziemlich offensiven Hunden umgeben. Schade. Der Besuch wird gestrichen. Aber die Kneipenszene ist nach wie vor bunt. In Lambis Bar allerdings ist nix los. Im Yachtclub gibt es die erste Pinacolada.
Ins Horse-shoe-reef in den Tabago Cays sind es auch nur vier Meilen. Dicht gedrängtes Ankerfeld. Es gibt immer einen, des sich noch dazwischen klemmt. Und dann noch mit einem peinlichen Problem: I lost my dinghi, can you help me?. Mitten in der Nacht! Wo soll man da suchen? Achteraus öffnet sich die Karibische See. Da geht es bei 15 bis 20 kn Wind aus Ost nach Hispaniola, Jamaika, Mexiko. Das Gummiboot macht da locker drei bis vier Knoten. Ein Nachbar düst los mit seinem starken Motorboot, kommt aber bald zurück. Keine Chance.
Weihnachtsabend in der Wallalibu Bay, St. Vincent. Ankunt nach 40 nm im letzten Licht. Daisy gegen unliebsamen Besuch gesichert. Der Buganker fällt, die Landfeste wird von einem hilfreichen Boy um eine Palme geschlungen. Der Weihnachtsspaziergang führt am ersten Feiertag zu einem Wasserfall, um den herum ein Erholungspark angelegt wurde. Finanziert von der EU. Die Attraktion erscheint etwas dürftig aber schattig und zumindest mit exotischen Blumen ausstaffiert. Der Weg führt allerdings an einem interessanten Künstleratelier vorbei. Er fertigt aus Motorteilen witzige Skulpturen, sie aus getrockneten Palmenblättern hübsche Sonnenhüte und kunstvoll bestickte Taschen.
Die Soufriere-Bucht zu Füßen der Pitons in St. Lucia ist ein Must. Peter, der Chiefranger erinnert sich an die DAISY und an den Skipper: You had an accident in St. Vincent and one of the crew flew to Europe, right? Diesmal organisiert er erst einen reibungslosen Chek-in. Daisy hat wegen der Feiertage keine Clearance von St. Vincent. Geht auch so. Und dann besorgt er einen Chauffeur für einen Ausflug zu Vulkan und Wasserfall. Dort gibt es jetzt ein richtig pompöses Visitor-Center.
An der Marigot-Bay kann man auch nicht einfach so vorbeisegeln. Dort gibt es vor Anker Pfannkuchen mit Apfelmus. Mit 6 -7 kn SOG rauscht Daisy tags drauf nach Martinique hinüber. Erste Reff im Groß, ¾ Genua und Besan. Segel Bergen in der Grand Anse. Inzwischen hat sich Ingrid angesagt. Sie war in der Dom Rep auf einem Segelboot gelandet, das nicht segeln wollte. Jetzt wollte sie in Martinique auf die Daisy kommen. Der Badestop in der bucht bestätigt die Erfahrung des Skippers: Irgendwelche Viecher pieksen dort in die Haut.
Ingrids Flieger hat tolle Verspätung wg. Motorschaden. Doch dann wartet sie im McDonalds von Fort de France. Daisy ankert vor der offenbar neu ausgebauten Uferpromenade. Verpflegung ergänzen, die Statue von Josephine aufsuchen, die jetzt auch noch den Kopf verloren hat, und zurück auf das Schiff. Am nächsten morgen fährt der Skipper in eine Erinnerungslücke: An der Brücke, wo er Wasser bunkern möchte, gibt es zwar einen ergiebigen Regenschauer aber keinen einzigen Wasserhahn. Irgendwie ein Missverständnis. Aber die Tanks sind ja noch nicht leer.
Der Bug wird nach Nordwesten gewendet. Kräftig greift der Nordost in die Segel. Unter Genua und Besan läuft Daisy ständig zwischen 6 und 8 kn. In der Abdeckung von Martinique muss mal der Ford aushelfen, dann wird wieder auf Wind gebaut: 7 kn SOG bis gegen 17 Uhr Rosseau auf Dominica an steuerbord liegt. Der Anker liegt schon klar zum Fallen, aber dann bietet sich doch wieder eine Boje an. Auf Landgang wird verzichtet. Es muss jetzt bisschen mehr Strecke nach Norden gemacht werden, nach der Bummelei in den Cays.
Kaum verlässt Daisy den Windschatten von Dominica geht das Groß hoch im ersten Reff und die Genau wird ausgerollt: 6 – 9 kn SOG. Die Petit Anse in den Les Saints wird zum Nachtquartier. Das Dinghi wird klar gemacht. Ein nettes Hotelrestaurant jenseits des kleinen Sandstrandes lockt. Aber der Außenborder sträubt sich, als ob er wüsste, dass ein Regenschauer die Crew richtig taufen würde. Sie fügt sich und bleibt an Bord, auch als die Maschine endlich doch läuft.
Der Yachtservice bringt Baguette und Gebäck an Bord zum Frühstück an folgenden Morgen. Es pfeift gewaltig über den niedrigen Hügelrücken vor dem Bug. Aber was soll’s? Die Daisy ist ein Segelschiff. Groß im zweiten Reff und eine kleine Genua bringen sie aus der Inselgruppe mit ihren Klippen und auf den Weg nach Guadeloupe. 40 min nach dem Start sind die Segel gesetzt aber im Lee von Guadeloupe läuft bald gar nix mehr. Um 17.20 stellt der Skipper die Maschine ab. Der Anker liegt 10 m tief in der Bucht Deshaies im Norden von Guadeloupe und hält nur mangelhaft. Er wird noch mal und noch mal gesetzt. Was soll man schon machen in der Sylvesternacht? Ein paar Raketen an Land markieren den Jahreswechsel. Der reizende Film „Brot und Tulpen“ begeistert die Crew.
Nur die Hälfte des Weges nach Antigua wird pur gesegelt. Der Ost ist zu stark und die Zeit reicht nicht, um zu kreuzen. Es ist knapp nach 18 Uhr als DAISY in Nelsons Versteck fest macht: Buganker und Hecktrossen. Feines Dinner im benachbarten Restaurant. Die meisten Läden haben zu.
Antigua - Boca Chica, Dominikanische Republik
Die neue Crew trifft ein. Rainer, gelernter Automechaniker und Sigi, Elektrofachmann, bringt die neuen Dioden an Bord, und Uschi, Krankenpflegeunternehmerin. Die Männer bemühen sich um den Generator. Die Dioden werden eingebaut. Ab er der Motor springt nicht an. Auch der Mechaniker vor Ort kann nicht weiterhelfen. Ingrid und Sigi geraten hart aneinander. Der Schlichtungsversuch scheitert. Sie packt ihre Sachen und geht von Bord. Nicht alle Menschen sind kompatibel.
Volltanken und auslaufen. Der Anker fällt in einer herrlich billigen Bucht im Westen Antiguas: Five Islands Harbour. Nur knapp 50 nm weiter fällt er wieder in einer hübschen Bucht der Insel Nevis. In Basseterre auf St:Kitts kann DAISY längsseits gehen. Bill der Taxi-Driver vermittelt einen interessanten Ausflug in den Dschungel. Kevin, der Guide, erzählt viel über die früheren Zeiten als die Rumproduktion in der alten Brennerei noch nicht solange vorbei war.
Marion versteht sich auf Anhieb mit Kevin, dem Mann aus dem Dschungel von St. Kitts.
Baumriesen und Lianenschwung: Im Urwald von St. Kitts
Tags drauf wird vor Oranjestad auf Statia geankert. Der Landausflug zeigt einen properen Ort hoch über der Küste und schließt mit einer Pinacolada in einem Strandrestaurant. Nach nur 23 nm erreicht DAISY die Simpson Bay auf St. Marten. »Das ist aber kein reulärer Liegeplatz« mahnt eine stämmige Dame auf der mastlosen holländischen Yacht BLUE FIN, die den Hammerheadplatz des einzigen Steges der »World-of-water-Marina« belegt. Der Daisy-Skipper hat einen Dalben entdeckt und dazu zwei Klampen auf dem Ende des Hammerheads. »Dann machten wir eben einen draus,« lacht er zurück. Der Buganker fällt und DAISY läuft rückwärts an dem Dalben vorbei auf den Steg zu. Der holländische Skipper nimmt die Leine an. Aber er fiert und fiert, so dass DAISY vertrieben wird. Aber der Skipper legt die Trosse auf die Winsch und holt und holt, so dass DAISY an den Steg gelangt. Rainer geht rüber, legt die zweite Leine fest und fertig. Maschine aus, Küche an. Uschi hat Pfannkuchen versprochen. Superlecker.
Große Hoffnungen setzt der Skipper in die Firma Electec in St. Marten, die angeblich mit Fischer-Panda-Generatoren sehr vertraut ist. Der Mechaniker misst leider nur die halbe Kompression, die für einen Start erforderlich wäre und nimmt den Zylinderkopf ab. Da war Seewasser drin. Der Werkstattchef zuckt die Schultern und macht dem Skipper deutlich, welcher Murks im Fischer-Panda-Generator steckt. Hilfe gibt es hier in erwartbarer Zeit auch nicht.
Ein neuer Zylinderkopf, neue Laufbuchse und neuer Kolben samt Ringe muss her. Die Firma in Deutschland sagt die Lieferung zu. Der Skipper nennt Boca Chica in der Dom Rep als Lieferadresse. Es wird ausklariert und ab durch die Brücke, die die Simpson Bay von der übrigen Karibischen See trennt. Die 83 nm durch die Nacht werden wieder zu einem romantischen Segelerlebnis: Mond, Sterne stetiger Wind.
British Virgin Islands und Puerto Rico
Gegen 07.30 Uhr fällt der Anker im Gorda Sound, der wohl schönsten Bucht in den Britisch Virgin Islands. Baden und Schnorcheln sind angesagt. Gemächlich wird auch der folgende Tag: 33 nm bis St.John. Der Port of Entry ist leider überfüllt. Also wird wieder an eine Boje gegangen und gebadet. Diesmal in der Caneel Bay. Die Bojenbenutzung kostet 15 USD, welche auf einen kleinen Schwimmponton in einen Briefkasten geworfen werden müssen.
Tags drauf ist der Hafen neben der Bucht immer noch überfüllt, so dass der Bug Richtung Isla Culebra gerichtet wird. In der genial geschützten Ensenada Honda fällt der Anker auf sieben Meter. Im Restaurant Dinghi-Dock gibt es ein karibisches Dinner. Doch der einsame Officer der Customs-and-Border-Protection tags drauf am Flughafen der kleinen Insel, fühlt sich überfordert, die Crew nach USA einzuklariern. Sie muss nach Fajardo in Puerto Rico segeln und sich im dortigen Customs-House der Einklarierungsprozedur unterziehen. Diese betraf nur die drei CMs, die zwar ein ESTA-Visum in der Tasche hatten, was aber nicht gilt, weil nur in Verbindung mit dem Ticket eines großen Reiseunternehmens. Nun sind 65 USD fällig pro Nase, »or you depart imideately«. Wer privat in der Karibik kreuzen möchte, tut gut daran über einen US-Airport einzureisen. Dann gibt es keine Probleme.
Noch zwei Tagesschläge und die Ensenada de Boqueron, die schönste Bucht Puerto Ricos ist erreicht. Einlaufen in der Dunkelheit allerdings bei Mondlicht. Sagenhaft stilles Wasser, aber leider mit Schwebstoffen angefüllt, die das Wasser hellgrün erscheinen lassen, wie mit Pastell gemalt.
Dominikanische Republik
Samstag, 22.01.11, der Skipper möchte Geld holen vom ATM in der benachbarten Marina Nautic Club. Der Automat rückt aber nix raus, sondern behält die EC-Karte. Der Skipper hat schnell Kontakt zu anderen Seglern. Katy fährt ihn zur Banco Popular in Boca Chica. Nix zu machen. Am Montag ist Feiertag. Am Dienstag könnte die Karte wieder herausgenommen werden.
Der letzte Schlag dieser Etappe geht über 142 nm direkt in die Marina Zar Par in Boca Chica, Dominikanische Republik. Raumer Wind über die Mona-Passaage, eine Rauschefahrt bei Mondlicht. Um 16.55 am 21. Januar 2011liegt DAISY bb längsseits fest an der Tanke der Marina. Zoll, Geheimdienst, Polizei und Immigration kommen an Bord. Am Strand nebenan turbulenter Badebetrieb, Musik aus riesigen Boxen. Die durchweg jungen Beamten tänzeln beschwingt durchs Schiff. 190 USD werden kassiert, dann kann die Flagge Q eingeholt werden.
Boca Chica, Dominikanische Republik - Montegobay, Jamaika
Crewechsel. Für Marion, die sechs Wochen an Bord war, wird der Abschied besonders schwer. Theo und Felix treffen ein. Am Sonntag fahren alle in der Großraumlimousine von Sony, dem Taxi-Driver. nach Santo Domingo. Sigi, Uschi und Rainer gehen am Montag von Bord. Es ist Feiertag in der Dom Rep. Die Teile von Fischer-Panda sind nicht da und wurden auch gar nicht gesandt. Es fehlte eine Prüfnummer der Creditcard. Und die EC-Karte des Skippers soll erst am Dienstag aus dem Bankomat der benachbarten Marina geholt werden. Zeit, das Schiff zu putzen.
Und Geburtstag zu feiern. Felix wird 29! Es gibt Hühnchenschenkel mit Spezialkartoffeln und einen erstaunlichen Roten: Rijoa Crianza. Am Dienstag heißt es, dass die EC-Karte erst am Mittwoch aus dem Automat geholt werden kann. Die Panda-Teile lässt der Skipper nun nach Montego-Bay, Jamaica schicken.
25.01.11 – Fahrt zur Banco Popular: Negativ. Ausruhen. Zum Dinner gerät die Crew auf Abwege: In einem der tagsüber recht belebten Strandrestaurants östlich der Marina gibt es Chicken mit gebackenen Bananen und Salat. Sehr malerisch auf ziemlich grob zusammen gezimmerten Sitzmöbeln unter verwitterten Palmendachschirmen, wo die einbrechende Nacht noch schwärzer wird als irgendwo. Eine Glühbirne erhellt einige der leeren Tische in diesem Dschungel am Strand. Die Köchin bringt die Rechnung in Begleitung von drei stämmigen Burschen. Der Größte will diese gleich mal um ein Drittel erhöhen. Der Skipper lehnt ab. Es bleibt bei 1500 Pesos, umgerechnet 50 USD für drei gute Essen und drei große Flaschen Bier. Die drei begleiten die Crew noch bis zum Schlagbaum der Marina, nicht ohne allerlei Forderungen und Angebote vorzubringen. Die Daisy-Crew wechselt recht hurtig in die hell erleuchtete Marina.
26.01.11 – Die WAPPEN VON BREMEN III liegt achteraus der DAISY. Vielleicht sieht man sich wieder in Cuba oder Jamaika. Der DAISY-Skipper will endlich ablegen. Die EC-Karte ist wieder da. Hat gedauert und noch eine Motorradfahrt des Skippers auf dem Sozius nach Boca Chica erfordert. Die Bank hat um 16 Uhr eigentlich schon zu aber der Marinero hatte sich telefonisch angekündigt und die überaus charmante und hübsche Frontdesk-Dame reicht die Karte durch den Türspalt. Zurück zur Marina.
Dort wartet die Dame von der Immigration auf Polizei, Geheimdienst und Marina de Guerra. Als diese die DAISY endlich durchsucht haben, ist alles zu spät. DAISY sitzt solide im Sandgrund. Sie kann mühsam zwei Meter nach achtern verholt werden aber dann steckt der Kiel in einem weiteren Hügel. Noch zwanzig Minuten bis Sonnenuntergang. Der Skipper bricht das Manöver ab. Noch eine ruhige Nacht im Hafen. Felix bereitet ein Tappas-Dinner. Es werden noch ein paar weltgeschichtlich bedeutsame Dinge besprochen.
27. Januar 2011 nach dem Frühstück: Eddie der hilfreiche Schwabe von der AIR BORNE, der sich im richtigen Leben in Deutschland offenbar sehr erfolgreich mit Pflasterarbeiten befasst, ist zu jeder Handreichung bereit. Die hier doch recht lang erscheinende DAISY aus dieser Box in die schmale Gasse zu bewegen und ins Fahrwasser zu bekommen, scheint ihm doch eine knifflige Sache zu sein. Allein die Bedingungen erweisen sich als ideal: Kaum Wind und der von der richtigen Seite, ablandig. Genug Wasser unter dem Kiel. Maschine an, Leinen los.
DAISY biegt ohne fremde Hilfe achteraus in die Gasse, am Bug der WAPPEN VON BREMEN III vorbei, hat schon fast das Fahrwasser erreicht, da hemmt es den Kiel schon wieder. Vollgas achteraus und DAISY zieht eine Furche durch den Sand, dann schwimmt sie frei. Sie lässt sich auch von dem Uniformierten nicht mehr aufhalten, der auf dem Steg was von »Marina de Guerra« ruft. Der Skipper hat da den Bug schon zur See gedreht. Schließlich ist DAISY längst ausklariert. Der Mann war wohl von der neuen Schicht. Vorbei an der schäumenden Sandbank, Fender und Leinen verstauen und Segel setzen.
Um 10.45 verstummt der Diesel. Segeln im Passat. Bis 28.01.um 01.40 läuft DAISY unter Vollzeug so zwischen 6 und 7 kn. Dann muss nachgeladen werden. Und der Wind bleibt auch weg. Um 11 Uhr fällt der Anker mal wieder in der Ensenada de los puercos, die Schweinebucht westlich vom Cabo Beata an der Südküste Hispaniolas. Ein Fischer offeriert Langusten und Fische. Eine köstliche Mahlzeit steht bevor.
Diesmal dauert es nur drei Stunden, ehe die Marina de Guerra auftaucht. Und diesmal tragen die vier Männer richtige Uniformen und wollen sogleich an Bord entern. Doch als der Skipper dies entschieden zurückweist, verharren sie erst mal verunsichert. Der Sprecher mit dem M-16 im Arm - er erinnert etwas an den sympathischen Indianerhäuptling in dem Streifen »Der mit dem Wolf tanzt« - meint, der Kommandant dürfe aber an Bord gehen.
Der Skipper gibt nach und weist ihm einen Platz im Mittelcockpit an, um das Despacho zu kontrollieren. Dann kommt noch ein anderer hinzu, der es abschreiben soll. Nun ja, schließlich hocken alle vier im und ums Cockpit. Keiner macht Anstalten unter Deck zu gehen. Der Skipper vermeidet ihnen die Peinlichkeit, nach einem »Regalo« fragen zu müssen, in dem er jedem eine Dose Bier hinstellen lässt. Dass einer der Beamten lieber was Schärferes hätte, prallt am Schulterzucken ab: No tienemos.
Eindringlich wird der Skipper aufgefordert, den Ankerplatz zu verlassen, weil der zu gefährlich sei: Banditeros, oder so. Er verspricht ihrem Vorschlag zu folgen und nach dem Essen in das Lee der Isla Beata fünf Meilen südöstlich zu kommen. Mit dieser Zuversicht brechen die vier wieder auf. Der Fisch im Ofen ist fertig. Die Kartoffeln auch. Zum Dessert wird Anker auf gegangen und das Weite gesucht, im Westen versteht sich. Ein Besuch dieser Herren reicht.
Cuba
Rund 24 Stunden später haut den Skipper eine mittelschwere Lebensmittelvergiftung um. Zwar setzt er noch das Groß, holt es auch weder herunter aber dann liegt er unbrauchbar in der Koje. Die Bordmedikation scheint zu wirken. Zur Nachtwache ist er wieder an Deck. Und zur Ansteuerung von Santiago de Cuba am 31.01.2011 hat er das Ruder wieder in der Hand. Um 14.20 läßt Theo den Buganker vor der Marina Marlin fallen. Eine Stunde später kommt die Aufforderung, an der Zollpier festzumachen. Die Festmacher-Klampen dort sind eigentlich schon nicht mehr vorhanden. Die ganze Marina macht einen ausgesprochen desolaten Eindruck.
Aber zunächst alles Sonnenschein: Welcome to Cuba! Dann kommt der junge Mann mit dem Spaniel. Mag er keine Staubsauger, die unter einer Koje verstaut sind? Die Lage wird ernst. Die Polizeipräsenz steigt sprunghaft. Der herbeigeholte junge Fahnder leert penibel auf dem Salontisch den fast neuen Staubsaugerbeutel auf weißes Papier. Findet ein – in Worten: ein einziges Krümelchen und behauptet, es handele sich um Mariuhana. Er macht einen chemischen Test, positiv. Das Zeug wird rot. Der Skipper auch. Wo kann das herkommen? Wer war an Bord, wer kommt in Frage? Das Zeug wird geraucht. Also sind erst mal Raucher im Visier.
"Wenn sich das Zeug rot färbt, handelt es sich um Mariuhana"
Ein halbes Dutzend Formulare werden ausgefüllt, unterschrieben, gestempelt. Kostet nach kubanischem Recht 120 CUC Strafe. Das sind ebenso viele Euro. Erst am nächsten Morgen wird dem Skipper der Zusammenhang klar: In Antigua hat er den Staubsauger-Beutel gewechselt. Dort wurde an Deck gesaugt und ein Nachbar, ein Boot aus den USA, bat um den Staubsauger. Deshalb der US-Dime im Staubbeutel. Nie wieder Staubsauger herleihen.
Die einzige Pier für Yachten in Santiago de Cuba. Strom und Wasser vorhanden, bei ungünstigem Wind Schwefelniederschlag vom Kraftwerk.
Inzwischen wurde auch die WAPPEN-VON-BREMEN einklariert. Eine hübsche Slup von gut 55’ ohne Rollfock, ohne elektrische Ankerwinsch, ohne Autopilot! Aber: Mit funktionierendem Fischer-Panda-Generator. Allerdings weiß nicht mal der Skipper, welcher Typ an Bord ist und was er leistet.
Natürlich treffen sich alle Touris in der Loggia des Grand-Hotels im Stadtzentrum: Hübscher Blick, Schatten, Musik, gute Drinks. Und wer torkelt da zur Mittagsstunde mit glasigem Blick von Dame zu Dame? Die W-V-B hat vielleicht auch schon kompetentere Skipper erlebt. Die DAISY-Crew trifft in der Musikkneipe, wo der Buenovista Socialclub zuhause auf Miguel. Der agile untersetzte Mittvierziger führt sie in ein Privatrestaurant mit Laube auf der Dachterrasse. Beim Essen – gegrilltes Hähnchenteil mit Reis und Salat – entsteht ein Plan für den folgenden Tag: Rundfahrt mit einem aufpolierten Chevi aus den Fünfzigern. Vier oder fünf Destinationen in und rund um Santiago.
Liebevoll gepflegter Chevi aus den Fünfzigern des vergangenen Jahrhunderts.
Miguel, Mitte 40, öffnet offenbar alle Türen, kennt alle Händler und weiß, was Touris sehen wollen - und verdient überall mit. Angeblich arbeitet er in einer Bar, wo er 15 CUC im Monat verdient und immer nach zwei Tagen Arbeit zwei Tage frei hat. Morgen auch. Noch während des Essens preist er kubanischen Rum an: Matusalem, 15 Jahre alt. Das Gesöff besteht die Probe. Drei Flaschen gehen über den Tisch. Nachmittags führt er durch sein Viertel: Balcon des Velasquez, dem Stadtgründer, Casa Traditional, eine Musikkneipe. Acht Musiker produzieren charaktervollen Sound mit starken Rhythmen vor fünf Zuhörern. Am Abend soll es voll sein hier. An den Wänden: Castro-Karikaturen und Vodoobilder. Für den folgenden Tag wird eine Ausflugsfahrt in einem alten Chevi vereinbart. Abends noch Besuch von der WAPPEN VONBREMEN III
Der Ausflugswagen der DAISY-Crew erregt natürlich Aufsehen.
Die Bahia de Santiago de Cuba: Rechts die Dreckschleuder von Kraftwerk, gleich links daneben die Marina. Die Stadt schmiegt sich in die Hügel dahinter.
Am 2. Februar gegen 10.00 Uhr bezahlt der Skipper die Drogen-Strafe. Die drei Beamten füllen drei Formulare aus, führen dabei einen Affentanz um ihre Plätze am Schreibtisch auf. Draußen vor der Marina wartet Miguel mit seinem Fahrer und dem Chevi von 1955. Fast topp in Schuss das Gefährt. Zweifarbenlackierung, alles original. Nur die Fensterheber und die Türgriffe liegen nicht so richtig im Futter. Große Rundfahrt um Santiago de Cuba. Heldenfriedhof, Wallfahrtskirche, Rumfabrik von ehedem, Markthalle, Castillo Morro. 130 CUC waren vereinbart, mehr wird auch nicht bezahlt.
Der 3. Februar 2011 bricht an. Der Skipper hat schon tags zuvor angemeldet, dass er um 14 Uhr ablegen möchte. Der Liegeplatz kostet umgerechnet etwa 32 USD. Das Deck will geputzt sein. Das naheliegende Kraftwerk versprüht hässlich gelben Dreck in der ganzen Gegend. Alle Schiffe in der Marina sind total verdreckt. Zum Glück gibt es auf der DAISY nicht zu große weiße Flächen. Der Franzose nebenan blickt verzweifelt über das gelbgesprenkelte Deck seines großen Katamarans. Er hat eine Putzkolonne bestellt.
Um 13.55 Uhr sind die Formalitäten erledigt, das Schiff noch mal untersucht auf blinde Passagiere, nun kann es losgehen. Noch in der Hafenbucht geht das Groß hoch. Drei Angler auf Autoreifen in der Ausfahrt. Wollten die mit? Draußen steife Brise aus Ost. Genua raus und ab geht’s. Theo entdeckt ein Loch von 5 cm im Groß. Skipper klebt es provisorisch zu von beiden Seiten. Den nächsten Segelmacher gibt es erst in USA. Der Ost dreht auf NE. Blöd bei einem Kurs von 235°. Anfangs geht es, aber der Wind dreht immer weiter auf NE. Das Groß muß gerefft werden. DAISY läuft unter gereffter Genua, gerefftem Groß und Besan zwischen 7 und 9 kn SOG.
Fünf Wachen a drei Stunden. Raume Rauschefahrt. Vormittags am 4.2.11 nimmt der Skipper das Gross ganz weg. Ketschsegeln. Um 14.30 fällt der Anker vor dem Yacht-Club von Montego Bay. Doch Mike, der Hafenmeister empfiehlt die Boje zu nutzen. Kein leichtes Manöver bei dem NE-Wind und dem Glasbodenboot,das da genau daneben vor Anker liegt. Soll verkauft werden. Endlich liegt DAISY an der Boje fest mit dem Heck gegen den T-Kopf des Steges.
Die Aufnahme in Jamaika gestaltet sich nahezu herzlich. Immigration, Zoll, Gesundheitsdienst warten geduldig, geben Anweisung zum Ausfüllen der vielen Formulare. Das größte Problem stellt die schummrig dürftige Beleuchtung im Yachtclublokal dar. Dort gibt es abends erstklassiges Buffett. Der Einstieg in den Pineapple-Cup, der tags drauf startet und zwar 15 Uhr in Fort Lauderdale. 21 Yachten segeln das Race von Fort Lauderdale in Florida nach Montego Bay. Hier findet der Skipper noch keine Spur von Ersatzteilen aus Deutschland für den Generator. Aber Ritschie, der Kanadier an der Bar, der hier mit seiner Dame urlaubt, weiß einen Raschy, einen Allroundmechaniker.
Der Skipper wird allenthalben wieder erkannt und freundlich begrüßt: He man, I rember your face! Ruft ihm Lintay zu und Zasa von der damals benachbarten Motoryacht, bietet spontan seine Hilfe an. Er fährt Felix und den Skipper zum Supermarkt. Obwohl die DAISY nun eine offizielle Erlaubnis für das Segeln entlang der Küste Jamaikas hat, nimmt der Skipper die Gelegenheit wahr, noch eine Nacht im MBYC zu bleiben. Heimatgefühl.
Am 6. Februar 2011 um 12.40 läuft sie aus Montego Bay aus. Die Genua ganz allein zieht sie im kräftigen Passat nach Westen die Küste entlang. Im Lucea Harbour fällt gegen 16.20 der Anker. Zum Abendessen gibt es dank Felix’ Kochkunst knusprige Hühnerbeine mit Bratkartoffeln. Nach morgendlichem Bad und Frühstück geht’s weiter nach Negril.
Um 14.20 ankert DAISY vor dem Strand der Long Bay. Zweifellos einer der schönsten Strände, die der Skipper je gesehen hat. Jetzt gut 50 % mehr Strandbars, Restaurants und Geschäfte als 2008. Am Ankerplatz 18°26.730 N 078°09.406 W hat das Schiff noch knapp einen Meter Wasser unterm Kiel über weißem Sand. Der Strand vielleicht 200 m entfernt wird mit dem Dinghi wie im Flug erreicht. 100 m weiter nördlich ankert die INDIGO, eine schmucke Slup aus Wilmington, South Carolina. Ein junger Australier ist an Bord und Felix knüpft rasch Kontakt.
Baden und Strandleben genießen. So vergehen zwei weitere Tage. Der Skipper hat sich in ein hübsches Gesicht verguckt und düst am dritten Tag noch mal rüber, um es an Bord zu holen. In der Werkstatt des Bildschnitzers Mike Woolery findet er noch andere faszinierende Werke, doch diesmal kommt nur die schwarze Schönheit Maley mit. Nun begrüßt sie jeden, der den Salon besucht.
Auf dem Rückweg nach Montego Bay übernachtet DAISY im Mosquito Cove. Sehr exakte Einsteuerung erforderlich und drinnen sorgfältige Auswahl des Ankerplatzes. 4 m Wasser. Keine Luftbewegung kräuselt das Wasser. Die Gelegenheit, das Heck neu zu Primern. Nach dem Anker-auf-gehen steckt DAISY prompt im Schlamm. Doch nach einer entschlossenen Drehung ist sie wieder frei. Raus auf See und hoch das Groß! In zwei Kreuzschlägen gen Osten zeigt Daisy endlich mal wieder ihre Am-Wind-Qualitäten.
Zurück im MBYC: Großer Trubel, dicht gedrängt liegen die Rennziegen am Dock und im Hafen vor Anker. Der Pineapple-Cup ist ausgesegelt. Und ganz hinten ankert die Yacht mit dem roten Streifen. Richtig, die WAPPEN VON BREMEN. Sieht ziemlich verlassen aus. Nachmittags trifft Jürgen aus Herne ein. Und Heather Vernon,die Clubsekrtärin händigt dem Skipper die Frachtpapiere der Generatorteile aus: »On Monday you can get the parcel at the airport.«
Die Siegerehrung mit Preisverteilung nimmt Formen an: Gedeckte Tische vor dem Clublokal, der Präsidiumstisch erhöht und prächtig herausgeputzt. Am Abend dann die Fete. Und wer führt das große Wort am Mikro: Eine propere Dame im schwingenden Cocktailkleid mit langem Pferdeschwanz und 5 cm langem Goldsticker in der Ohrmuschel? Evelyn! 2005 bis 2007 Commodore des Clubs. Der Skipper erkennt genau jene Dame, die ihn im Februar 2008 so herzlich an der Bar begrüßt hatte, als er ganz allein hier angekommen war. Ja auch sie erinnert sich. Danke für die Wiederkehr!
Die vierköpfige DAISY-Crew feiert am Rande mit. Am nächsten Morgen verlässt Felix das Schiff. nachmittags bekommt DAISY einen Platz am Dock und kann endlich Diesel bunkern. 324 l passen rein. Für 436 USD. Sonntags werden die Fahrräder ausgepackt. Die Crew erkundet die Stadt, der Skipper hat genug zu tun: Im Club gibt es Internet kostenlos. Die WVB hat wieder Crew und die will nach Negril. Der DAISY-Skipper berät navigationstechnisch.
Am Montag am Airport. Drei Stunden vergehen von Dienststelle zu Dienststelle, jeweils mit sehr freundlichen Damen besetzt, im Cargo-Center und schon hat der Skipper das Fischer-Panda-Paket in Händen. Jetzt kann es losgehen. Lintay hilft.
Der Generator wird in den Navi-Flur gestellt und zerlegt. Der Kolben wird ausgebaut. Und das war`s dann. Der Versuch die Laufbuchse auszubauen, erfordert den ganzen Dienstag, bringt aber keinen Erfolg. Selbst ein Ausziehgerät, rasch mit Hilfe eines Schlossers gebaut aus 8 mm Stahl, bleibt Versuch. Die Crew fürchtet weitere Liegetage. Am Abend packt der Skipper, bisschen entnervt, alles wieder weg: In Cancun gibt es einen Fischer-Panda-Laden und da ist eine Woche Zeit. Macht klar Schiff Leute, morgen legen wir ab.
Montegobay, Jamaika - Purto Morelos, Mexiko
Jürgen war noch nie in Kuba und schon gar nicht in Cienfuegos. Die Stadt der Hundert Feuer, Weltkulturerbe. Aber erst möchte er auch noch den Strand von Negril kennenlernen. Kein Problem. Ausklarieren und ab 12.00 Uhr in einem Rutsch durch. Der Ost schiebt kräftig an. Allerdings bricht die Nacht herein ehe die Südbucht Negril, dort wo es für tiefer gehende Schiffe reingeht, erreicht ist.
Der alte Ankerplatz wird sicher gefunden, allerdings wagt sich der Skipper zu nah an den Strand, bzw. Daisy wird beim Ankermanöver vom Wind etwas zu weit nach Osten versetzt. Jedenfalls furcht er Kiel zwei, drei mal durch den Sand. Also wird der Platz weiter nach Westen verlegt, wo sich sichere 5 m finden. Dinghi klar und Landgang zum Dinner.
Ein Künstler aus Jamaika: Mike Woolerey schafft eindrucksvolle und ausdrucksstarke Schnitzereien aus der Welt der Rasterman. Hey man, Respect! Das Teil ziert nun den Salon der DAISY.
Tags drauf Baden und den Carver Mike Woolerey besuchen. Er versteht seine Kunst und der Skipper kann nicht widerstehen, ihm noch ein Stück abzunehmen. Während die Crew einen Supermarkt heimsucht, trifft der Skipper Maria aus Niederbayern wieder. Perspektive: Die ehemalige Realschullehrerin, die sich in Jamaika niedergelassen hat, möchte vielleicht mit ihrem Adoptivsohn mitsegeln, im Mittelmeer. Vorerst versorgt sie den Skipper mit einer Salbe (Lamisil AT) gegen Ringwürmer; die man sich am Strand einfangen kann. Sie glaubt eine entsprechende Verletzung an Skippers Beinchen gesehen zu haben, weil er sich da immer kratzt. Kann nicht schaden.
17.02.11 - Um 15.45 startet die Maschine. Anker auf mit Ziel Cienfuegos. Bläst kräftig aus NE. Groß und Genua jeweils 1. Reff. Wird Zeit, mal wieder einen Vizeskipper einzutragen. Und das wird Jürgen als erfahrener Charterskipper. Die Nacht wird heftig. Der Skipper nimmt die erste Wache von 19 bis 22 Uhr und wird ordentlich getauft: Starkwind und Platzregen. Während Jürgens Wache brist es weiter auf. 2. Reff ins Gross. Seegang gut 3 m, aber von steuerbord. Theo »out of order«. Tagsüber schwächeln auch die Himmelskräfte. Am 18.02. passiert es: Beim Nachziehen des 2. Reff reißt das Groß fast einen halben Meter ein. Skipper wohl zu gut genährt. Also wird im dritten Reff weitergesegelt. Ob es in Cienfuegos einen Segelmacher gibt? Immerhin ein Charterstützpunkt.
19.02.11 – Um 15.30 wird die Maschine abgestellt. Daisy liegt fest vertäut in der Marina Marlin in Cienfuegos, die Stadt der 100 Feuer. Auf den Booten von Platten-Sailing herrscht Hochbetrieb. Es ist Samstag und die russischen Crews übernehmen ihre Katamarane und Bavaria-Yachten. Gibt es einen Segelmacher? Ramiros der Hafenmeister bejaht stolz. Der Skipper fragt auch Adolf Platten, den er von Vrsar her kennt. »Ich hab einen Segelmacher, ja. Der Louis macht das« Aha. Genau den wird auch Ramiros zur Daisy schicken. Die Einklarierungsprozedur läuft ab, mit Drogenhund etc. Diesmal ohne Komplikation. Tags drauf steht Louis mit Ramiros am Steg: Groß abschlagen.
Die Crew hat drei Tage Zeit die Stadt kennenzulernen. Der prächtige »Yacht-Club« neben der Marina beeindruckt mit seiner Terrasse zur Bucht von Cienfuegos. Der Mojito erweist sich als eher dünn fürs Geld, aber die Terrasse entpuppt sich als Treffpunkt der etwas betuchteren Jugend. Überhaupt sprüht die Stadt von Leben. Die Menschen sind stolz auf sie und auf ihre Sauberkeit. In den äußeren Stadtvierteln wie Pastoria leben die Menschen allerdings in windigen Hütten. Es fehlt an vielem, vor allem an Geld. Doch sind die Leute meist hübsch gekleidet, stolz auf den bescheidensten Wohlstand.
Aber da ist der Motorradverleih gleich neben dem Yacht-Club mit rund 20 Maschinen. Leider keine verfügbar, alle außer Betrieb. Da ist die Familie, bei der der Skipper eingeladen ist: Kein Öl im Salat. Nicht bezahlbar. Das eine Haus eine löchrige Bretterbude, das andere gleicht einem Betonbunker. Von 20 USD lebt eine Familie einen Monat so gerade eben.
Am 22.02. liegt das Groß repariert im Büro von Ramiros. Louis bekommt 60 CUC dafür und er hat gute Arbeit geleistet. Die Crew möchte gern die Isla Juventud besuchen Der Skipper erkundigt sich bei der Guarda Frontera. Kein Problem. Die »Permision por navigacion in los aguas de la Republica de Cuba« kostet 20 CUC. Und natürlich kann er nach dem Besuch von Cayo Largo und Juventud dort ausklarieren. Ganz einfach. Schön. Das Papier ist gekauft.
Um 16.30 wird abgelegt in Cienfuegos. Nicht viel Bewegung in der Luft nach Verlassen der weiten Bucht. Erst ab 02.50 schweigt die Maschine. Groß, Genua und Besan fangen genug Wind für 4,5 kn. Herrliches Segeln durch die Mondnacht.
Am 23.02. um 13.30 liegt DAISY vor Anker in Cayo Largo. Auf fünf Meter klarem Wasser, ideal zum Baden und Schnorcheln. Tags drauf macht sie achteraus in der Marina vor der kleinen Siedlung fest. Guarda Frontera und der PR-Beauftragte der Marina kommen an Bord. Die Papiere werden ausgefüllt. Danach bisschen Versorgung. Es gibt nur sehr zweifelhaftes Brot. Aber eine Bank, wo man sich mit Barem versorgen kann. 14.30 Ablegen.
Cayo Largo. Dieser Schwimmsteg ist eigentlich für die Taucherboote reserviert. Aber die kommen erst spät nachmittags wieder. Da war die DAISY schon wieder weg.
Cayo Largo, sieht paradiesisch aus. Treffpunkt der Taucher und Schnorchler.
Gleich kommt das Übliche auf den Tisch: Hühnchen oder Fisch, dazu je ein Bucanero für Theo (r) und Jürgen und ein Christal für den Skipper (l).
Nächstes Ziel: Marina de Siguanea auf der Isla Juventud, die früher Isla de Piños hieß. In den Siebzigern soll sich hier die sozialistische Jugend der Welt zur zünftigen Zitronenernte getroffen haben. Daher die Namensgebung. Aber weder sozialistische Jugend noch Zitronen sind heute noch vorhanden. Statt dessen ein Hotel und ein Wachposten mit dem Konterfei des Nationalheiligen auf dem Turm: Che Guevara. Von da aus soll es nach Mexico gehen.
Ach du dicke Palme: Marina Siguanea auf der Insel Juventud. Am Ende des Stegs draußen befand sich vor Jahren mal eine Mojito-Bar. Ein Hurrikan und der Zahn der Zeit haben sie genommen. In manchen teuren Handbüchern wird noch fröhlich Appetit darauf gemacht.
Geht nicht, sagt der Guarda-Beamte mit Nachdruck. Dies ist keine Internationale Marina. Da müssen Sie schon nach Maria la Gorda segeln. Wo ist das? Ähm, ja im Westen. Und wo genau? Ähm, im Westen halt. Der Skipper legt ihm die Seekarte vor. Wo bitte? Àhm… Der Skipper holt das Küstenhandbuch und liest die Koordinaten von Maria la Gorda, überträgt sie in die Seekarte und sagt: Da vielleicht? Si si, aqui. Sind bloß 100 nm westlich. Auf dem Weg nach Mexico, ungefähr jedenfalls.
26.02.11 - Nerviger Vorwindkurs. Gesteuert werden 275 Grad und der Wind kommt aus 80 Grad oder so. Schon weil der Generator kaputt ist, muss die Hauptmaschine zeitweise laufen zur Stromgewinnung. Am 27.02. um 07.40 stellt der Skipper fest, dass die Einspritzleitung Nummer eins ein Loch aufweist. Das Motorengeräusch hat sich verändert, ein Zylinder läuft leer mit. Um 11.50 fällt der Anker vor Maria la Gorda, die dicke Maria auf fünf Meter Wasser. Baden und Schnorcheln ideal. Hübsche Fische und Korallen rundherum. Der Skipper baut eine Ersatzleitung ein. Die Maschine läuft wieder rund.
Die Ausstattung des Restautants in Maria ls Gotda mutet italienisch an, der Service charmant, aber die Speisenkarten dürftig wie übrrall in Kuba.
Zwei erstaunlich hübsch ausstaffierte Restaurants hier bei der dicken Maria. Viele Tauchfreunde aus Deutschland. Und ein vielleicht zukunftsweisendes Erlebnis. Die Crew nimmt im ersten Restaurant zum Mittagessen Platz. Noch ohne Kontakt zur örtlichen Guarda Frontera. Glasfront zum Strand, draußen schwoit DAISY ganz allein am Anker. Der sehr beflissene Ober nimmt die Bestellung entgegen. Es gibt das Übliche: Hühnchensteak oder gegrillten Fisch. Die Crew speist. Da erscheint draußen der Angehörige der Trupas Guarda Frontera. Der Ober geht hinaus und tritt ihm entgegen. Nicht zu hören, was er sagt. Aber der Beamte zieht ein grimmiges Gesicht und schließlich wieder von dannen. Der Kellner kommt mit leicht angestrengtem Gesicht zurück. Sagt aber: Todos buen. Er hat der Behörde klar gemacht, dass die Gäste nun nicht gestört werden sollten. Devisen braucht das Land, nicht Bürokraten. Deshalb wird für den Ankerplatz eine Gebühr erhoben: 7,50 CUC!
Dann kommt der Tiefschlag. Ausklarieren nach Mexico? Hier nicht. Da müssen Sie schon nach St. Antonio segeln. Wo das ist? Weiter westlich jedenfalls. Weit gefehlt. Die angeblich internationale Marina St Antonio liegt auf der Nordostseite der westlichsten Halbinsel Kubas. Gar nicht auf dem Weg nach Mexico. Besteht die Crew aus Bürgern Kubas oder gar aus Fidels Gefangenen? Eher nicht. Also segelt die DAISY diretamente nach Puerto Morelos in Mexico. Vor allem Jürgen drängt darauf, sich der bürokratischen Irrfahrt zu entziehen. Aber auch er reist damit illegal aus dem Arbeiter- und Bauernparadies aus. In zehn Monaten will er hier eine Charterreise antreten. Ob das gut geht?
Der Wind steht prächtig. Genua, erstes Reff im Groß und Besan. Daisy rauscht an die Sieben-Knoten-Marke heran. Herrliche Sonne, tiefblaue, heftig bewegte See. Glückliche Crew. Spät muss die Maschine Strom für die Lichter liefern. Und dann vor der Küste Mexikos, bleibt auch der Wind wieder weg. Gibt es da eine Korrelation?
Am 1. März 2011 um 15.28 liegt DAISY fest an der Tanke in der Marina El Cid, Puerto Morelos. Eine nahezu perfekte Marina. Über vier Meter tief, ausreichend Platz, nicht zu groß. Der Skipper geht zum Einklarieren. Hier gibt es mehr Papier auszufüllen als sonst wo. Aber Armando der Dockmaster spricht nicht nur perfekt amerikanisches Englisch sondern macht fast alles selber. Einklarieren kosten 186 USD. Keine Clearance von Kuba? Schreib bitte eine Declaracion wie es dazu kam. Der Skipper hatte in der Nacht schon so was in Spanisch aufgesetzt. Mit Theos Hilfe, der viele Jahre in Argentinien zugebracht hatte, wird der Text perfekt. Armando ist zufrieden, der Hafenkapitän auch. Aber, sagt er, nach Kuba brauchst jetzt nicht mehr segeln.
Dem Skipper geht der Gedanke durch den Kopf, das Problem per Internet zu regeln. Die Behörden in Kuba müssen doch ein Einsehen haben, wo der Tourismus doch so wichtig ist für das Land. Ist Kuba per Internet zu erreichen?
Der Generator! Armando telefoniert Michel herbei. Ingenieur seines Zeichens und Inhaber der Firma MECANICA Y SERVICIOS „NAUTICA MORELOS“. Groß, hager, schwarzer Lockenkopf, Vollbart, Brille. Sehr kompetent. Drei Stunden später steht der Fischer-Panda auf dem Steg und Michel holt ihn ab samt den neuen Ersatzteilen. Einen Tag später will er ihn fertig haben. Mal sehen. Die Crew macht auf Sightseeing. Cancun, Tulum, Playa Carmen. Die Marina gehört zu einer großzügig angelegten Hotelanlage »El Cid«. Vier Sterne mindestens. Das Marinarestaurant bietet hervorragende Küche zum bezahlbaren Preis in sehr angenehmer Atmosphäre. Oder einfach normal, im Vergleich zu Kuba.
08.03.11 – Donald und Marion kommen an Bord und zwei Tage später Gerald aus Österreich. Michel hat die Laufbuchse aus dem Kubota-Motor des Generators ausgebaut. Harte Arbeit für 120 USD. Der Skipper baut den Generator wieder zusammen. Jetzt fehlen die Gummifüße der Maschine. Michel besorgt zunächst die falschen, weil viel zu klein, dann die falschen, will zu groß. Der Skipper schneidet sie zurecht, bringt den Generator wieder an Ort und Stelle im Achterschiff. Schließt ihn an. Schweißtreibende Arbeit. Start. Aber das Ding macht nur Grrrrrrr.
Michel hat kurzfristig keine Zeit. Die Crew auch nicht. Also wird ausgelaufen und alle Hoffnung auf Isla Mujeres gesetzt. Ein herrlicher Segeltag. Kräftiger Wind aus Ost, Halbwindkurs. Aber dann die Einsteuerung hinter der Insel. Eine halbe Meile zu früh eingeschwenkt, Grundberührung. DAISY sitzt fest im Sand. Es weht kräftig aus Ost, aber die Insel hält den Seegang ab. Der Skipper kann das Schiff drehen, aber die Maschine schafft es nicht, sie zurück ins tiefere Wasser zu schieben. Also wird die Genua gesetzt und dicht geholt. Krängung und die starke Maschine befreien DAISY. Nun aber schnell auf die sichere Seite. In stockfinsterer Nacht findet der Skipper den Weg zum Ankerplatz in der Bucht von Isla Mujeres. Ein paradiesischer Platz. Auf fünf Meter Wasser fällt der Anker. Zeit für ein Bier, Red Stripe aus Jamaika. Oder zwei.
Am Morgen muss der Skipper mit der Fähre nach Cancun, um bei der Capetaneria eine temporäre Einfuhrerlaubnis für DAISY in Mexico zu erwerben. Kostet 50 USD und gilt 10 Jahre. Die charmante Dame hinter dem Tresen in der Capetaneria von Cancun ruft für den Skipper den kubanischen Konsul an. Auskunft: Segelt einfach nach San Antonio, Kuba. Kein weiteres Problem.
Zurück auf die Frauen-Insel. Enrique, der Betreiber der Steganlage des Club de Yates und der Tankstelle ist leider nicht selber da. Aber sein Vertreter vermittelt tags drauf David, den Mechaniker für Dieselmotoren. Der Skipper holt ihn und José-Jesus vormittags an Bord. Die beiden nehmen den Anlasser mit. Am Abend steht fest: Anlasser okay, Batterie kaputt. Es wird per Dinghi eine neue beschafft. Der Generator springt sofort an.
17.03.11 – 15.30 Ausklarieren aus Mexico. Dazu sind noch acht Kopien anzufertigen. Die Capetaneria verfügt nicht über einen funktionierenden Kopierer. Also begibt sich der Skipper in eine Papelleria. Dann ist alles hübsch gestempelt und 306 Pesos sind perdu. Donald wird zum Vice-Skipper erklärt. Anker auf. Um 16.53 befindet sich DAISY in der Strasse von Yucatan, erstes Reff im Groß und in der Genua. Auf Backbordbug. Gesteuert wird 125 Grad. Der Strom versetzt DAISY nach 110 ja nach 100 und manchmal nach 90 Grad. Fein. Der eigentliche Kurs nach Kuba wäre 70°. Aber da genau kommt der Wind her.
18.03.11 – 00.15. Der Generator startet, bleibt aber gleich wieder stehen. Impeller der Seewasserpumpe kaputt. Skipper wechselt ihn aus. Generator läuft. 13.50 Wende auf 20°. Nun schiebt der Strom mit. Aber nicht gleichmäßig, mal heftig mal gar nicht. 15.00 Kartoffelsuppe fast fertig aber Gasflasche leer. Auswechseln und weiter kochen. Es ist längst Nacht als das Feuer von Cabo San Antonio auf Cuba an stb. am Horizont aufblitzt. Originalton von einem selbsterklärten Mitglied der Seefahrergilde: „Guck mal, ein Schiff mit Rundumlicht.“ Nun ja. Die Zwei-Meter-Seen verschlucken im Schimmer des fast vollen Mondgesichts das Gelächter. Cabo San Antonio wird passiert. Die vier Männer an Bord teilen sich die Nacht in sechs Wachen. Je zwei Stunden, von acht bis facht.
Der Halbwind-Kurs mutiert nach dem Passieren des Kaps zum Am-Wind-Kurs. Die See wird heftiger. Passatwetterlage. Mit rund 25 Knoten bürstet der Nordost das Wasser gegen den Strom. DAISY läuft mal acht Knoten mal sechs, dann auch mal drei.
19.03.11 – Der Frachter DELPHINUS weicht aus. Später auch CARNIVAL FREEDOM, ein riesiger Cruiser. Gegen Abend müssen die Segel auf das 2. Reff reduziert werden. Die Crew nimmt den heftigen Seegang eher gelassen. Manche vermindern die Nahrungsaufnahme beträchtlich. Einer verkehrt sie ins Gegenteil. Der Skipper brät Hühnchenschenkel. Donald bereitet Salat zu und produziert ein leckeres Nudelgericht.
20.03.11 – 12.30 Die achtere Toilette verstopft. Der Skipper behebt die Panne. Das Seewasserventil war zugesetzt. Eine Stunde später läuft sie wieder. Die NORWEGIAN SUN passiert an stb. Weitere 15 nm in die Florida-Straße segeln oder gleich wenden und hoffen, der Strom würde stärker mitschieben?
DAISY segelt um ein Sperrgebiet herum und kann dann fast die Hemingway-Marina anliegen. Aber nur fast. Der Wind dreht zu ihren Ungunsten. Schließlich muss die Maschine helfen auf den letzten acht nm. Es wird Mitternacht. Die Funkanmeldung in der Marina wurde entgegengenommen. Wo ist die Ansteuerungstonne? Da tauchen rote und grüne Lichter auf. Der Einfahrtskanal. Genau in der Mitte flammt ein mächtiger Scheinwerfer auf. Genau auf die DAISY gerichtet. Prima. Man erwartet sie. Ist das der Einsteuerungskurs? Nein, ist er nicht. Der Stahlkiel der DAISY läuft auf Sand. Der Skipper dreht sie um sie kommt rasch frei. Das war klassische Irreführung. Dort an Basckbord tanzt die Ansteuerungstonne. Kurzer Blitz rot, dann10 s dunkel. Das kannst Du nur mit Glück und Ausdauer erkennen.
Havanna, Kuba
21.03.11 - 00.30 DAISY legt an der Einklarierungspier an. Die Behörde wartet schon: Junge Beamte wurden zu nachtschlafender Zeit in den Dienst geholt. Zwei schlafen prompt während der Einklarierungsprozedur im Salon der DAISY ein. Natürlich kommt die DAISY direkt aus Mexico. Kein Wort von ihren Besuchen in den südkubanischen Gewässern. Alle Papiere, die darauf hinweisen könnten, hat der Skipper aus dem Unterlagenordner entfernt. Die Beamten haben offenbar keine Ahnung davon. Waren Sie schon mal in Kuba: Sicher. Vor drei Jahren. DAISY verholt in den Kanal 2, ein hübscher Längsseitsplatz mit Strom und Wasser.
Erster Stadtbesuch. Ein Kleintransporter nimmt die Crew mit, gegen 10 CUC, das sind 10 USD. Mit 20 USD lebt der Kubaner einen Monat lang. In Havanna scheint sich der Aufschwung freie Bahn zu brechen. Zahlreiche Häuser renoviert, viele neue Restaurants, Kleingewerbe allerorten. Salm-Bier aus hohen Glaszylindern am Plaza Viejo erfreut sich größter Beliebtheit. Auch Nelson, der hilfreiche Marinero kennt den feinen Laden, ist aber für ihn zu teuer. Die alten Straßenkreuzer geben der Stadt einen ganz eigenen Charme. Super mondän: das Hotel Parque Central mit seiner Dachterrasse samt Pool, einem klassischen Lichthof mit blitzendem Restaurant und flitzenden Obern in schwarzen Smokings. Ist das das sozialistische Kuba?
Einheimische erzählen, dass ein Uniprofessor in Havanna viel anschiebt. Die Restaurierungen und Erneuerungen sollen auf sein Konto gehen. Die eigentliche Regierung besteht aus vier Leuten: Fidel, sein Bruder Raul und zwei Generalen, die allerdings nichts zu schnabeln haben. Plakatiert wird überall das Führungsduo: Fidel, der gnädig auf seinen Bruder herabblickt, der nur im Halbprofil zu erkennen ist. Beide in grüner Uniform.
Seit 52 Jahren kennen die Kubaner nur Fidel als ihren Übervater. Offenbar hat er es geschafft, der Mehrheit eine sozialistische kubanische Identität zu vermitteln, die sie nun auslebt. Der Tourismus bringt hartes Geld, das haben inzwischen alle begriffen. Deshalb wird er gefördert wo wes nur irgendwie geht. Die DAISY-Crew genießt einen herrlichen Flamencoabend, knüpft Kontakte zu Menschen, die in Havanna leben.
Es keimt der Wunsch in die Cayos der Nordküste zu segeln. Nelson schleppt die Seekarte ran. Aber Varadeiro gibt im Grunde nix her außer Touriburgen und die Bucht weiter östlich liegt zu abseits. Das würde den Abreisetermin der Crew von Miami gefährden. Also muss geschieden sein von Kuba.
24.03.11 – Ausklarieren. Plötzlich steh ein junger Mann an der Reling. Julian. Der Franzose aus Le Mans trampt um die Welt und sucht einen Lift nach USA. Hm. Visum? Ja ein ESRA-Visum. Vergiss es. Gilt nur für öffentliche Verkehrsmittel. Aber zwei der DAISY-Crew haben auch nicht mehr vorzuweisen. Ein Stempel aus Mexiko im Paß? Ja aber schon ein Jahr alt. Aber einen von Haiti, ganz neu. Hm. Okay. Wir haben Dich in Isla Mujeres aufgegabelt. Die Dame vom Aduana der Republik Kuba zieht die Stirn kraus: Eigentlich müsste er 72 Stunden vorher anmelden, dass er auf eine ausländische Yacht geht. Sie schafft es in einer halben Stunde. Julian holt sein Gepäck. Der Preis für die Koje ist vereinbart und die Beteiligung an den Verpflegungskosten. Ablegen.
Key West, Florida, USA
Der versprochene Süd entpuppt sich als Ost. Ab er der Golfstrom schiebt mit durch die Nacht. Der Skipper beschäftigt sich am Morgen noch einmal mit der achteren Toilette. Irgendwie routiniert. _Da braust ein Motorboot heran. Customs and Border-Protection. We are the face of our nation! Die Burschen kommen längsseits fragen höflich, ob sie übersteigen dürfen. Zwei Mann kommen an Bord. Einer prüft mit dem Skipper im Salon die Papiere. Woher? Na von Cancun. Okay no guns? No. Where you go? Key West. Okay, safe trip. Donald wünscht sich hübsche Bilder vom Motorboot. Die Herren tun ihm den Gefallen und brausen ein paarmal mit ihren 600 PS schäumend um die DAISY.
Nachmittags Einlaufen in Key West. Bunter Touristentrubel schallt der Crew entgegen. Erst mal an der Rezeption der Key West Bight Marina. 177 USD für eine Nacht. Das schmerzt, geht aber durch fünf. Das geht. Zumal das Einklarierungsprozedere bevorsteht. Dazu muß die Crew zum Flughafen fahren. Der Liegeplatz wird für einen Tag akzeptiert.
Die Taxifahrerin will acht Dollar pro Person. Okay, poor sailors, 35 for all. Der Ofificer von der Customs and Border-Protection behandelt erst ein Paar aus Kanada. Kam aus Kuba. Did you read that? Die Cruising Licence liegt vor ihm auf dem Tisch. Den Satz kannte der Skipper. Der Kanadier: Sorry no. Der Officer: But you signed it. Der Kanadier: Sorry no, the officer who issued the paper did that. Der Officer: Oh, yes. But you know there is a law in the United States… So do not repead it.
Kein Problem. Die DAISY kommt ja aus Mexiko. Der Officer runzelt zwar die Stirn ob der vorgelegten Esra-Visa. Aber da alle einen klaren Abreiseplan vorlegen können, stempelt er jedem eine passende Aufenthaltsgenehmigung in den Pass. Die Crew taucht in den Trubel der Ferieninsel ein. Sunset-Point: Gaukler und Musikanten zwischen vielen hundert Urlaubern. Alle anderen hocken in den zahllosen Restaurants.
26.03.11 – Ablegen kurz nach High noon. Jetzt schon lossegeln? Da kommen wir ja in der Nacht an. Wenige Minuten später liegt DAISY zwischen den Inseln vor Anker. Ausruhen. Tags drauf nach dem Frühstück Anker auf.
Miami, FL
Wenig Wind aber kräftiger Strom. DAISY erreicht gegen 15.00 die Breite Miamis. Die Skyline schimmert durch eine tief hängende Gewitterwolke. In dem Moment, in dem der Skipper die Genua birgt, faucht die erste kalte Bö daher. Die Maschine bringt DAISY in die Miami Bayside Marina. Wieder einmal. Liegekosten diesmal: 158 USD. Zwei Nächte sind geplant. Donalds Heimflug steht fest. Gerald, der mit Theo das Vorschiff bewohnt, entschließt sich kurzfristig ebenfalls schon jetzt den Flieger zu nehmen.
Der Skipper hat Gelegenheit, Theos Internetseite zur Kenntnis zu nehmen. Als er dort liest, dass sich bei jeder Welle die Bordwand der DAISY durchbiege und zwar mit jeweils einem Knall, macht er den Autor darauf aufmerksam, dass dies kaum denkbar ist. Er habe wohl die Stöße der Wellen falsch interpretiert. Durch vier Zentimeter Steinwolle-Isolierung und die solide Holzbeplankung im Inneren sei eine Bewegung der Außenhaut nicht feststellbar, sollte es tatsächlich eine geben. Wenig später teilt Theo mit, dass er auch einen Heimflug gebucht habe. Nun ja.
Herzlicher Abschied von Donald und Gerald ein solider Händedruck für Theo, mit den besten Wünschen. Eine Stunde später motort DAISY aus dem Hafen von Miami. Südwind, strahlende Sonne. Besan, Genua und der Golfstrom jagen sie geradezu nach Norden. Drei Stunden später ist die Breite von Fort Lauderdale erreicht. DAISY segelt in den Hafen, der Skipper und Marion bergen dort die Segel und motoren in den ICW nach Süden.
Denn dort leben Ana und Assi, Freunde des Skippers. Sie betreiben die Firma allpopart.com. Hier kann sich jeder aus einem normalen Foto eine poppiges Gemälde machen lassen, hübsch auf Canvas und gerahmt und ungerahmt: www.allpopart.com Die 15 Künstler arbeiten wirklich perfekt. Die Werke werden sehr zügig in alle Welt versandt.
Schon nach dem Passieren der ersten Kanalbrücke die Dana Beach Bridge tut sich ein passender Liegeplatz auf: Eine alte Holzpier mit verfallenem Steg. Am Rand des Nationalparks. Mangroven gegenüber, eine hübsche Kneipe neben an. Ana und Assi kommen am nächsten Mittag an Bord. Gemeinsamer Lunch und für die Einkäufe bekommt die Crew einen schönen Nissan zur Verfügung. Phantastisch.
04.04.11 - Sie sind gezählt, die schönen Tage von Florida. Dinner mit Ana und Assi an Bord, kleiner Sonntagsausflug in die Everglades zu einem Stamm der Seminolen-Indianer, der sehr komfortabel in hübschen Bungalows lebt und ein prächtiges Museum betreibt (9 USD). Dann prüft der Skipper nochmal das Rigg und muß feststellen, daß die Dirk eine Schadstelle ganz oben aufweist. Also muß eine neue her.
Da steht ein junger Mann vor der Reling und meint, er sei der Eigner dieses Geländes und möchte 100 Bugs per Night. Weiß aber nicht wie lange DAISY schon da liegt. Zwei Tage? Fragt der Skipper: How can I check, that you are the owner? And there is no sign that's a private dock. Okay, sagt der Fremde: I am back in five minutes. Okay, DAISY legt ab und zwar sofort. Findet weiter südlich einen Platz für 80 USD per night. Doch nix for free in the States. Nochmal Einkaufen fahren zu West Marine wegen der neuen Dirk. Am Abend holen Assi und Ana den Nissan ab.
Am folgenden Morgen taucht tatsächlich ein Fischer-Panda-Mechaniker auf. Ein netter Kerl japanischer Herkunft. Als ihm der Skipper erklärt, dass es sich um einen AGT 4000 handelt, gibt er gleich zu, dass er davon keine Ahnung habe. Er müsse sich erst ein arbeiten und das würde doch recht teuer werden. Er will sich schon verabschieden, da taucht eine Streife der Customs and Border-Protection auf, will die Papier und das Schiff prüfen. Erst furchtbar dienstlich, dann doch recht freundlich. Fertig zum Ablegen. Der Generator arbeitet eigentlich ganz gut.
Daisy ist klar zum Auslaufen. Proviant an Bord für den 120 nm-Schlag nach Cape Carneval, vulgo Cape Canaveral, wo das Spaßcenter, bzw. Spacecenter zu besichtigen wäre. Dort gibt es eine Werkstatt direkt an der Marina.
Cape Carneval blieb wegen Starkwind links liegen. Saint Augustine war plötzlich viel einfacher. Außerdem gibt es an Bord niemand, dem das Spaßcenter neu wäre. Also St. Augustine, die erste europäische Stadt auf dem amerikanischen Kontinent.
Saint Augustine
10.04.11 – Seit 08.04.11 in Saint Augustine. Viel Arbeit am Schiff ist erledigt. Bugkorb, Heckkorb, Reling, Wantenspanner, Ankerwinde geputzt und poliert, Ankerbox ausgeräumt, Dirk ausgetauscht, Travellerleine ersetzt, Holz gepflegt, Genua gewechselt. Das wurde nötig, weil die aktive Genua drei kleine Schäden aufwies. Doch Linda, die Segelmacherin von St. Augustine, sie kommt aus Irland weshalb sie ihre Company »Irish Lady Sails« nennt und neuerdings mit einem sehr sympathischen Schotten verheiratet ist, muss feststellen, dass die Genua kaum noch zu retten ist. An Bord befinden sich jedoch noch zwei Ersatzsegel. Also wird die etwas größere Genua angeschlagen. Alles bei Sonne und etwa 35° C Außentemperatur.
Die Stadt gehört mit ihrem Historical District zu den begehrten Urlaubszielen in Florida entsprechend groß der Trubel. Auf dem Spanischen Fort St. Marco spielen sie bisschen Krieg und so alle zwei Stunden rummst ein Kanonenschuss über die Bucht, den River und den Intracostalwaterway. Dazwischen die Sirene der Bridge of Lions, die alle Stunde fast für Segler oder andere Fahrzeuge aufklappt und den gesamten Straßenverkehr von und zur Insel Anastasia aufhält. Marion läßt sich von all dem kaum stören: Sie malt Shirts. Farbenfrohe Motive inspiriert von den erlebten Kulturen.
Künstlerin an Bord: Marion bemalt Shirts mit tibetischen und indianischen Motiven.
Fast hätte DAISY possierlichen Zuwachs bekommen. Vor dem Supermarkt WinnDixie parkt ein Kombi einer Tierrettungsorganisation. Die Türen weit offen. Ein süßer Pomenade schaut dem Skipper in die Augen. Ein hübsches Wollknäuel auf vier Beinen, ein richtiger Bordhund. Wie heißt der? »Mr. Wilson« sagt die freundliche Dame, holt ihn aus dem Käfig. »Here, hold for a while« fährt sie fort und drückt dem Skipper die Leine in die Hand. Ein raffinierter Trick.
Der Skipper wird weicher und weicher. So ein hübscher Hund, wie der einen anschaut! 80 USD und er gehört Dir. Schon hält ihm die zweite Dame ein Formular hin. »Sign here! Mr. Wilson is a lovely friend, healthy and very attentive. Test him for a day.« Ein Bordhund? Muss mal überlegen. Er gibt die Leine zurück. Der kleine Kerl sieht ihn mit großen Augen an, tanzt um ihn herum. Mr. Wilson! Ein Tier verlangt viel Fürsorge. Man müsste ein Netz besorgen, eine Hundeschwimmweste und und. Gibt es nicht genug Arbeit an Bord? Gestern Abend Studentenkneipe mit Karaoke und Cider! Ja, es ist was los hier.
Aber heute muss geschieden sein. Charleston wird angepeilt. Ca. 200 nm weiter nördlich. Wieder eine hübsche Südstaatenstadt mit dem reizvollen Flair des Aufbruchs aus der Kolonialzeit in eine neue Nation.
11.04.11 - 10.00 Aufbruchstimmung. Das Dinghi kommt wieder an Deck, wird geputzt und verstaut. Sein Platz ist nun schon seit langem in der Vorpiek. 13.50 Klar Schiff zum Leinen los machen. Maschine an und hinaus auf die blaue See. Halbwind: Groß, Genua, Besan. Flugs stehen fünf kn SOG auf dem GPS-Schirm. Werden gegen Spätmachmittag sechs aber der Wind dreht auf SE. Also Groß runter. Und plötzlich sind sie da: Rund ums Schiff zig Delphine. Vielleicht auch 100. Spielen in der Bugwelle springen aus dem Wasser rund um die DAISY! Was für ein Erlebnis. Alle sechs Stunden läuft der Generator eine Stunde. Der Skipper wacht bis Mitternacht oder etwas länger, dann löst ihn Marion ab.
Tags drauf um elf dreht der Wind auf SW. Segel schifften. SOG pendelt zwischen 6 und 7 kn. Nachmittags dreht der Wind weiter, fällt vorlich ein. Der Skipper holt die Fock raus, weil der Wind stark auffrischt. Mitternacht holt er sie wieder runter. Um 02.00 Motorstart. Einsteuerung in den langen Kanal nach Charleston. Ein riesiger Frachter überholt im Kanal. Ein Schleppverband kommt entgegen. Das Fahrwasser verzweigt sich, toller Lichtersalat vor der Stadt, aber die Peilfeuer sind deutlich. Der Anker fällt genau an der richtigen Stelle, jedenfalls beim zweiten Mal. 05.25: Motor aus. DAISY liegt vor dem Megadock der City Marina von Charleston im Ashley-River vor Buganker: 32°46.544 N 079°57.201 W. Es gibt noch ein Cider, dann ab in die Koje.
Charleston, SC
13.00 Dinghi klar. Kurios: Kein Internetzuang aber e-Mail-Verkehr klappt über Outloook-Express ausgezeichnet auch Skype. Nachfrage im Marina-Office: WIFI-Schlüssel nur für Hafenlieger. Doch der Liegeplatz am Megadock kostet nun 2 USD per Fuß. 120 USD pro Nacht? Danke. Mit dem Dinghi kommt die Crew in ca. drei Minuten an Land. Stadtspaziergänge: Hübsche Galerien. Eine sehr stylische Buchhandlung, die nur Kochbücher anbietet, und Blumen und Bilder eines einheimischen Künstlers. Ein junges Paar begtreibt den Laden. Der Skipper wünscht den netten Leuten viel Erfolg. Die Oysterbar ist proppenvoll. Der Edelsupermarkt Harry Teeter versorgt die Crew mit leckeren Sachen. Alles per Rucksack! Marion backt leckeren Kuchen.
Dann ein Phänomen: DAISY liegt im Gezeitengewässer, dreht sich entsprechend alle sechs Stunden mit allen 22 anderen Ankerliegern und kommt dabei immer mal wieder durch einen Fleck mit unzureichenden Satellitensignalen. Ausgerechnet im Starkwind, der mit bis zu 27 kn über die Stadt und den River fegt. Skipper meint schon, das GPS hätte einen Defekt. Peilt den Standort mit Landmarken. Der Anker hält verlässlich, eisern sozusagen, nur die CHAKAYA, eine Slup mit US-Flagge kam gestern und ankert »pretty close«. Gerade noch tolerierbar. Der stählernen DAISY würde der Kontakt mit Plastikboot kaum schaden aber umgekehrt? Kaum dreht sich DAISY, sind die Satelliten-Signale wieder da. Seltsam. Zwischendurch repariert der Skipper den Starterzug des Außenborders. Dann wieder Landgang. Es gibt so viele hübsche Häuser hier.
18.04.11 – Schluss mit dem Müßiggang, mit dem nächsten Ebbstrom wird ausgelaufen. Dinghi verstauen, Maschine an, Marion am Steuer, Anker hoch. Mit acht Knoten über Grund hinaus auf die wieder zauberhaft blaue aber total platte See. Die SPIRIT OF SOUTHCAROLINA, ein stolzer Gaffelschoner von gut vierzig Metern Länge mit Dutzenden jungen Leuten an Bord überholt im Kanal und biegt nach S ab für MOB-Manöver. DAISY wendet den Bug nach NE. Langsam kommt ein Luftzug auf. Dann werden aus den 3,5 kn die Genua, Groß, Besan und Fock zustande bringen, vier und fünf Knoten. Der Abend bringt der Crew eine spannende Schachpartie!
19.04.11 – Vor Sonnenaufgang flüchtet der Wind komplett. Zwei Motorstunden! Mit der Sonne läuft’s wieder. Vormittags Stundenlang drei und weniger Knoten. Nachmittags wird es richtig aufregend: Wieder haufenweise Delphine ums Schiff. Und dann streikt der Generator. Spritpumpe läuft nicht. Relais hat gewackelt. Kontakte hinbiegen. Rennt wieder. Da kommt eine Plattform in Sicht. Dort in NE. Peilung Ein Uhr. Die Nacht bricht herein. Kein Licht auf der Plattform, nichts. Die steht einfach so da im Finstern. Nur die rote Boje steht östlich davon. Nichts in der Karte, die nicht sehr alt ist. Spinnen die hier? Skipper macht das RADAR an. Kein weiteres Objekt, aber fünf Frachter auf Gegenkurs acht bis zwölf Meilen Abstand zur DAISY.
Unter Besan und Genua rauscht die DAISY durch die Vollmondnacht. Bis zu 7,5 kn SOG bei bis zu 22 kn NW. Ja, wenn jetzt weniger Bewuchs am Rumpf wär! Am nächsten Morgen dreht der Wind ziemlich rasch auf N. Vollzeugsegeln: Genua, Fock, Groß und Besan. Mittags dreht der Wind weiter und nimmt heftig zu. Bis zu 27 kn aus NE! Genua weg, zweites Reff ins Groß, Reff in das Besansegel. Das Besan bringt Höhe, darauf will der Skipper nicht verzichten. Das Cape Hatteras ist passiert! Die Klimaschwelle. Skipper steigt nun auch in die Ölzeughose. Der Norden hat ihn wieder. Es wird kühl, ja kalt. Marion friert. Zum Glück hat sie sich in Saint Augustin einen hübschen Windbraker mit kuscheliger Kapuze gekauft. Die Schiffsheizung läuft. Die ganz dicke Seejacke des Skippers muss her.
Das Meer ist hier nur 15 bis 20 m tief. Der Skipper lässt das Radar laufen. Stehen hier noch mehr Türme rum? Endlich ist die Kursänderung möglich. Das Groß muss weg. Am 22.04. um 05.30 Uhr krächzt eine Stimme aus dem Funkgerät: USS Warship SEVEN. Skipper gibt kurz bekannt, wo er hin will. Roger, go ahead. Bewachen Sie jetzt schon die Einfahrt zur Chesapeak Bay? Heftiger Seegang vor dem Kap Henry. Danger Area. Mit einem kleineren Boot sollte man hier nicht längs kommen. Tatsächlich klatscht eine See gewaltig über Deck und einige Liter pritscheln den achteren Niedergang hinunter. Kurze steile, brechende Seen. Aber gleich ist es geschafft.
DAISY segelt südlich des Hauptfahrwassers in die Bay. An Backbord glitzern im Licht der Morgensonne die Hochhäuser von Virginia Beach. Kontaktversuch mit der Traffic-Control. Negativ. Bisschen abfallen und in die riesige Bucht rauschen. Acht Frachter liegen auf Reede. DAISY segelt mitten durch das Feld. Da ankert auch die USS 7. Was ist das? Das Achterschiff des grauen Riesen hängt bisschen tief im Wasser. Huch, das Heck ist offen wie ein Scheunentor. Da kommt ein mittlerer Frachter, beladen mit LKW, Kontainer und allem Möglichen Gerät daher und fährt in die Öffnung, verschwindet einfach in dem Kriegsschiff. Und dann donnert noch ein mächtiger Hoovercraft daher in einer gewaltigen weißen Gischtwolke lärmt das Ungetüm der Navy vorüber.
DAISY lässt noch einen Frachter und einen weiteren Navy-Kreuzer passieren und segelt dann mit fünf Knoten über den Tunnel, in den die beiden Brücken links und rechts münden. Damit hat sie ruhiges Wasser erreicht. Mit achterlichem Wind immer den Bojenstrich entlang. Das Wasser ist braun, der Himmel grau, es regnet leicht. Ziemlich kühler Empfang. Dann nach backbord abbiegen. Die Kriegsschiffe reihen sich aneinander. Da kommt der Navy-Kreuzer wieder herein, wird ans Dock bugsiert von zwei bulligen Schleppern.
Chesapeak Bay
Segel bergen. Im Hafen zu segeln wird nicht so gern gesehen. Da an backbord liegt die Marina. Der kleine blaue Pavillon erinnert den Skipper an den letzten Aufenthalt hier. Kanal 68. Kontaktversuch negativ. Also einfach rein. Sorry, please dock outside. Auch gut. Anlegen backbords gegen den Wind. Marion wirft die Leinen. Alles klappt wie am Schnürchen. 1,5 USD per Fuß. Spring legen Stromkabel einstecken, Cider trinken Brotzeit machen, beim Hafenmeister anmelden. Der Skipper und die DAISY finden sich noch im System. Kleiner Landspaziergang und ab in die Koje. Was für ein Schlaf nach 451 nm und vier durchsegelten Nächten!
Zwei Tage ausruhen, Internet schreiben, telefonieren, Kleinigkeiten reparieren, Kuchen backen, einkaufen. Die Karten der Chesapeak Bay studieren. Am Ostermontag solls weitergehen.
25.04.11 – Die Wassertanks sind aufgefüllt, die Liegegebühr bezahlt, klar zum Ablegen. Es geht aber zunächst nur quer über die Hafenbucht zur Tanke in der Ocean Marina: 81 Gallonen gehen rein. 314 USD. Nochmal Ablegen um 14.10. Halbe Stunde später läuft DAISY unter Segel: Genua und Besan. Der Schiebewind taugt aber bald nichts mehr. Bis in den Poquoson River wird motort und um 21.15 fällt dort in einer schnuckeligen bucht der Anker. Lauter Adler um das Schiff.
Der nächste Tag bringt nur vier Stunden Segeln. Nicht viel los windmäßig in der Chesapeak Bay. Aber es ist Starkwind angesagt. Um 18.20 liegt DAISY in Deltaville in der Fishing Bay, sehr malerisch. Kommt tagsdruaf nach dem Frühstück ein die FABULA vorbei, eine einheimische Slup und der Skipper empfiehlt eine noch kleiner bucht, weil diese hier in den nächsten Stunden ehr ungemütlich werden könne. Also wird verlegt in den Wilton Creek. 37°31.165 N 076°24.845 W. Da liegt sie nun wirklich bei Adlers: Weißes Köpfchen, scharfer Schnabel, braun Gefieder und ein Schrei: Adlers fliegen um die Wette schaffen Fisch und Mäuschen bei. Auf den Pfählen nisten sie in abenteuerlich zusammengeschusterten Horsten.
Dann faucht es ordentlich bis zu 35 kn. Doch DAISY liegt wie ein Castle im Creek. Der Skipper bekommt Zeit zum Schreiben. In den Südstaaten wüten 200 Tornados.
29.04.11 – Um 08.00 Anker auf. Aber erst mal gefühlte zwei Stunden Kette und Anker putzen. Hatte sich gut in den Schlammgrund gegraben. West mit 3 – 4 kn. Wird aber bald mehr. Ab 10.00 reicht’s für 5 kn SOG auch mal 6 unter Groß, Genua und Besan. Im letzten Licht gelingt die Einsteuerung in Solomons Island. Einfach hart backbord ins Hafenbecken und Anker fallen lassen: 38°19.257 N 076°27.325 W. Das waren 62 nm hübsch gesegelt. Es gibt wieder ein feines Men aus der Bordküche. Aber die Frischware geht zur Neige. Also wird tags drauf eine Marina aufgesucht: Zahnisers Yacht-Center. 1,5 USD/ft. Feine Anlage mit Fahrrädern. Erleichtern den Einkauf.
01.05.11 – Um 08.00 muss es weitergehen auch ohne Wind. Dann wird es doch ein Motor-Segel-Tag, der um 18.30 in Anapolis endet. Ankerplatz direkt vor der Navy Academy. Es gibt Fischfilet mit Salzkartoffeln und Avocadosauce. Mousse aux Chocolate. Eine neue gebrauchte Genua wird nun doch nicht angeschafft. Linda, die Segelmacherin hatte ja hier eine passende ausfindig gemacht. So eine ist aber schon an Bord. Um 09.20 wird deshalb der Anker gelichtet. Wieder ein Motorsegeltag. Viel Holz kommt der DAISY entgegen. Hat wohl irgendwo Wetter gehabt. Südlich der Halbinsel Sassafras fällt der anker um 19.15 bei 39°22.724 N 076°01.027 W.
Am 03.05.11 wird eine längere Strecke fällig: Durch den Chesapeak-Delwaware-Canal bis nach Philadelphia. Marions Cousine und Cousins warten schon. Pure Motorfahrt zunächst. Bis dann im Delaware River plötzlich der richtige Wind loslegt: Unter Genua und Besan segelt DAISY fast bis an die Benjamin-Franklin-Bridge heran. Wo aber nun parken? Die Marinas sehr teuer, öffentliche Liegeplätze nicht zu finden, der Ankerplatz in Camden angeblich zu gefährlich im Sinne von kriminell.
Da passiert die DAISY ein Hafenbecken mit passendem Hammerhead-Schwimmsteg. Tief genug? In der Karte steht nix. Der Typ am Steg nickt. Also gegen den Tidenstrom einsteuern. Scheint zu passen. Doch dann: DAISY wird sehr sanft gestoppt. Da steht sie im Schlamm. 2,2 m sagt das Echolot. Nix mehr geht. Aber bald winken die Verwandten am Ufer hinter einem Maschendrahtzaun. Freudige Begrüßung auf Distanz. Kommt rüber per Dinghi! Der Skipper macht das Boot klar. Aber da funkt ein Securuty-Mitarbeiter dazwischen: There is a law, you can not do that. Your ship is not docked. Oh my goodness!
Aber die Flut kommt und um 22.30 ist DAISY wieder frei. Eine Einfahrt weiter klappt es: Der Hafen weist 6 m auf: Philadelphia Marina-Center. Alle Verwandten an Bord! Cousine Christina legt am nächsten Morgen ihre Creditcard auf den Tisch: 500 USD für die Woche. I want to know you safe! Danke Christina! Die Crew und der Skipper beteiligen sich allerdings dann doch.
Und da gehört bald Gisela aus Xanten dazu. Erst folgt aber ein ausführliches Besuchsprogramm. Einladung zum Dinner mit Bob, Sue und Amy, in den Night-Club mit Amy und Mathew. Bob besorgt das richtige Silicon, um den Ventildeckel dicht zu machen, der seit der Justierung der Rücklaufleitung etwas geleckt hat. Sonntag noch Barbeque. Montag geht’s los und zwar um 07.20. Um 07.35 schweigt die Maschine. Genua und Besan genügen um über 5 kn zu laufen. Vor dem Wind in der Delaware Bay kreuzen Richtung Atlantik! Wird aber noch nicht erreicht. Um 20.00 fällt der Anker auf 39°22.729 N 075°27.225 W nach 50,2 nm. Es gibt Spanischen Reis mit Hühnchen und Salat.
Jetzt aber mal früher los: Um 07.10 startet die Maschine, Anker auf. 15 Min. später schweigt sie wieder. Die Genua zieht. Aber nur drei Stunden. Kommt tatsächlich mal ein deutscher Frachter vorbei: Polarlicht, Hamburg. Von 12.15 bis 17.10 wieder Motor. Aber dann unter Genua und Besan bis zur Hafeneinfahrt von Cape May. Um 20.00 sitzt der Anker fest auf 38°57.042 N 074°53.082 W. Gisela bereitet Pasta mit Krabbensauce. Danach Vanillepudding mit Obst von Marion. Verwöhnungsstufe 2 für den Skipper. Mindestens.
Endlich wieder auf dem richtigen Meer. Aber Wind hat’s dort auch keinen. DAISY müsste heftig kreuzen und den Weg mindestens verdoppeln. Also Motorsegeln. Um 19.00 liegt sie längsseits in Atlantik-City an einem ziemlich versch…mutzten Schwimmsteg zwischen Hochglanz-Architektur. Nachts in allen Farben leuchtend, erinnert an Vegas.
New York
Am 12.05. gibt es richtig Segelwind: Groß, Besan und Genua und Fock bringen DAISY auf 6 kn. Munterer Seegang setzt Marion bisschen Schach matt. Also vollenden Gisela und der Skipper den Apfelquarkkuchen. Zum Dinner an Deck gibt es Rinderfilet und Pellkartoffeln mit Avocadocreme. Erst lange danach um 01.00 am 13.05.11 fällt der Anker nach der spannenden Einsteuerung rund um Sandy Hook. Ein ruhiges Plätzchen 40°27.450 N 074°01.087 W .
New York! Wolkenverhangener Himmel auf den 22 nm bis in den Hudson River. Da steht sie grün wie eh und je reckt sie die Fackel der Freiheit in die Höh: The Statue of Liberty! War gut gemeint. Aber Europa bietet da heute mehr. Dazu die Nachricht von der Execution des islamischen Terrorschefs. Wildwest irgendwie.
Liberty Landing Marina. Ein hübscher Platz in der Gasse F ganz hinten. Marion geht von Bord. Bisschen hektisch der Taxifahrer drängt: 140 USD zum Airport! Gleichzeitig versucht Gudula verzweifelt zur Marina zu kommen. Der Taxi-Driver hat keine Ahnung. Abends trifft Skippers Tochter Christiane ein. Sehr relaxed. Und dann die anderen Mädels: Lori die Mom von Camille (15) und drei Freundinnen. Da kommt Leben in die Bude.
Long Island Sound
Die Fahrt nach New Haven bleibt windlos. Um Manhatten herum regnet’s, die Wolkenkratzer ragen in die graue Masse. Auf dem Long Island Sound wenigstens weitgehend trocken. Die Marina in New Haven hat der Segelclub von Bridgeport übernommen, der Pequonnock Yacht Club. Herzliche Aufnahme durch Susan Morrissey. Die Clubkassiererin nimmt 100 USD für die Nacht. Dafür gibt es keinen Strom, aber ein Glas Roten für den Skipper in der riesigen Clublounge. Davor hat Dad Russ die Mädels in seinen Truck eingeladen. It was a great experience! Die Damen waren richtig happy. ^
Zu dritt weiter nach Norden. Am Mittwoch soll’s Sturm geben. Also Strecke machen, damit Boston annähernd erreicht wird, wo Christiane wieder an Land gehen möchte. Aber der angekündigte Südost wird zum Nordost. Genau auf die Nase. Seegang satt: 2 – 3 Meter kurze steile Welle. Wind gegen Strom. Acht Knoten über Grund. Aber die Damen finden es nicht sehr lustig. Vor allem wo der Strom aufs stehende Meerwasser trifft: Schäumende Overfalls. Mit dem letzten Licht in den Great Pond von Block Island. Mystische Stimmung. Ein paar Yachten ankern in der weiten ruhigen Bucht. Schemhaft Häuser auf dem malerischen Ufer. Bojen sind ausgelegt, aber der Skipper vertraut sich lieber dem Anker an.
Tags drauf das gleiche Programm noch mal. Allerdings mit Segeleinlage. Vor dem Cape Cod-Canal finden Christiane und der Skipper in eine kleine Bucht südlich Wings Neck. Erholsam ruhig. Es gibt Gemüsereis und Rindersteak. Von hier nach Plymouth sind es nur sechs Stunden Mit der Tide durch den Kanal und dann mit ein bisschenwind nach Plymouth. Aber die Einsteuerung liegt in dichtem Nebel. Ca 50 m Sicht in S-Kurven durch die vorgelagerten Sandbänke. Gudula assistiert und es geht prima. Plymotuh nimmt ‚Daisy ebenfalls wieder herzlich auf. Dort drüben liegt die Mayflower. Auf geht’s an Land, sagten schon die Pilgrimsfathers.
Von hier aus lässt sich gut ein Besuch in Boston organisieren. Spart eine Menge Liegekosten. In der Stadt der Tea-Party nehmen sie glatt 4,5 Dollar pro Fuß. Bus und Bahn kosten um die 40 USD. Und am Steg des Plymouth Yacht-Clubs zahlt man nur 1,75 pro Fuß. Dafür liegt die Dieselpreis über den Wolken. Daisy tankt dennoch 81 Gallonen. Der Preis soll nach Norden nicht günstiger werden, sagt man. Christiane geht von Bord, nimmt von Boston den Greyhound und fliegt ab NY nach hause. Ein Marinamitarbeiter fährt sie zum Bus. Skipper seufzt.
Neu England: Maine
Am 21. Mai wird abgelegt. Und wieder ist Radar gefragt. Erst am frühen Nachmittag können die Segel richtig ziehen. Schon ist die Nacht hereingebrochen als Daisy an die Boje in Marblehead geht. Dicht an dicht liegen in der Bucht die Yachten an Bojen. Von hier startet ein regional berühmtes Race nach Lunenburg, aber nicht jetzt, im Nebel. Gemütlich an Bord, auch wenn reichlich Schwell in die Bucht steht. Gudula bereitet ein vorzügliches Dinner zu.
Jetzt wird es kalt. Das passt zum Ziel. Die Isles of Shoals. Erst kaum Wind, dann geht doch was. 4,5 kn SOG. Graugrünes Meer, mutet eisig an. Nachmittags wieder Motor, die Inseln in Sicht. Flach, grün und grau, altes Hotel drauf. »Das Gewicht des Wassers« heißt der Roman, in dem Anita Shreeve den Mord von Smuttynose verarbeitet hat. So heißt eine der Inseln. Ist natürlich an Bord und wird von Gudula verschlungen. Geheimnisvoll irgendwie liegen die Felsen im Meer. Wieder ein Bojenmanöver in der ruhigen Bucht. Position: 42°58,774 N 070°36,851 W.
23. Mai 2011 – Ab 11.10 Uhr wird wieder gesegelt, Backstagsbrise, Genua und Besan. Wieder in den Nebel aber mit 5 kn SOG. Zwischen den Inseln vor der Küste verläuft sich der Wind, wieder nix. Die Insel könnte auch Kleinirland heißen auf der DAISY landet. Peaks Island, gegenüber von Portland. Alles Irish dort, Essen, Bier, Leute. Liegeplatz am hölzernen Schwimmsteg ohne Power 20 USD. Stay as long you want. Nun ja bis nach dem nächsten Frühstück auf jeden Fall. Das nimmt die Crew ausnahmsweise an Land ein, in einem Irish-Bistro. Danach wird noch Proviant gekauft. Mr Hannigan wirbt für seinen Supermarkt – vermutlich der einzige - mit dem Satz: What we have’nt, you do’nt need.
12.20 Ablegen, rum um die Insel und rauf mit den Tüchern. Es weht! Die Spitze wird mit 8,2 kn SOG erreicht. Bis 17.40. Dann beginnt die Einsteuerung nach Boothbay Harbor. In weiten Fjord hinein mit flachen bewaldeten Ufern – und sehr hübschen Häusern, Feriengegend. Um 19.10 liegt Daisy fest an einer Boje »25«. Pos: 43°50.787 N 069°38,093 W
Eigentlich war hier kein längerer Aufenthalt vorgesehen. Aber als der Skipper am Morgen die Maschine startet, hört sie sich sonderbar an. Die Einspritzleitung zum 3. Zylinder! Dinghi klar machen und an Land fahren, zu der Werft, dort drüben. Die Leute sind sehr hilfsbereit. Cirk schweißt das Loch in der Leitung zu, ist aber nicht sicher, ob das lange halten wird. Es gelingt, eine nagelneue zu bestellen: Ford-Power-Products in Michigan hat 19 davon auf Lager. Am Freitag, 27. Mai wird sie geliefert. Eine Stunde später hat der Skipper sie eingebaut. Eric, der Werftchef kassiert 15 Euro für die Boje pro Nacht. Na ja, der Werft geht es vielleicht nicht so gut. Hatte ein Angebot gemacht, die Daisy aus dem Wasser zu holen und neu zu streichen. War wohl zu günstig. Scheiterte letztlich an den Gezeiten. Immerhin ist er als Berater von Nova Scotia engagiert beim Refit bzw. Neubau der Bluenose II. See you in Lunenburg!
Acadia National Park
Jetzt wird’s noch nebliger als neblig: Geplant ist, durch die Nacht nach Barharbor zu segeln, im Acadia National-Park. Doch fehlt dazu der Wind. Und aus dem Hochnebel wird richtig dicke Suppe. 50 m Sicht vielleicht. Skipper hockt nur in der Navi am Radar und steuert von dort das Schiff durch die Inselwelt. Irgendwie gespenstisch, wie ein U-Boot-Törn. Um 10.40 am folgenden Morgen liegt Daisy an der Boje vor Barharbor. Der Ort ist zu erkennen. Dinghi klar und an Land gehen. Gudula lädt zum Lobster-Dinner. Danke! Beginnender Ferientrubel. Der Saisonstart liegt aber deutlich nach dem Memorialday und der wird erst Montag begangen am 30.Mai. Die Nation hat also ein superlanges Wochenende. Das erklärt die vielen Gäste hier.
Sonntags bricht Gudula auf zum Mount Cadillac. Skipper hat genug zu tun. Abends noch mal Flanieren im Ort. Aber dann der Montag: Zwei Feuerwehrautos sind auf der großen Pier aufgefahren, haben ihre Leitern in den Himmel gereckt und halten dazwischen ein riesiges Sternenbanner. Militär-Musik spielt. Skipper fährt an Land um die Bojengebühr zu löhnen. Hört sich einen General an, der von Afganistan, Irak und Pearl Harbour spricht. Und ein solennes Trompetensolo, zu dem die Männer ihre Mützen und Hüte abnehmen, ausgenommen die Soldaten, die ihre Hände zum Gruß an denselben gebrauchen. Das Mädchen, das den Hafenmeister vertritt, meint: »Every year the same.« 60 Doller für zwei Nächte. DAISY war die zweite Besucher-Yacht des Jahres. Das erfährt der Skipper allerdings erst in Kanada.
30. Mai 2011 – Raus aus der Frenchmen Bay unter Maschine. Aber dann Gr, Be, Ge rauf. Reicht bis 5,6 SOG. Der Wind dreht, das Groß muß wieder runter. Gudula übernimmt die Wache am 31.05. um 22.50 Uhr. Um 04.45 ist der Skipper wieder da. Um 12.10 werden die Segel geborgen, die Einsteuerung in den langen schmalen Fjord von Yarmouth beginnt, weil kaum Wind und der auf die Nase samt Ebbstrom. Um 13.30 fest stb längsseits in der Yarmouth Killam Marina, genau vor der PELAGIA einer Najad 376. Tony Diment und seine Frau Christine nehmen die Leinen der DAISY an.
Mal wieder Customs an Bord. Erst ein langes Telefoninterview, für das Paul, der herzlich nette Hafenmeister sein Cellphone zur Verfügung stellt. Dann sind die Beamten »on their way«. Freundlich und neugierig durchsuchen sie die DAISY, schreiben die Papiere ab und geben dem Skipper eine CANPASS-Nummer. Die soll er auf einen Zettel schreiben und in jedem kanadischen Hafen ans Cockpitfenster pappen, damit jeder sieht, dass das Schiff einklariert ist. Und jetzt darf die Q-Flagge runter.
Pub-Besuch in Yarmouth gleich neben der Marina. Da sitzen ja die Nachbarn. Tony und Christine von der PELAGIA aus Dorset, GB. Er hat mit einigen Kollegen 17 Jahre lang die "Blue Water Round the World Rally" organisiert. Gibt viel zu erzählen. Darüber schließt das Pub. Der Abend wird auf der DAISY fortgesetzt. Und die nächste Party findet tags drauf auf der PELAGIA statt, mit Ken, einem Segler aus Maine, der seine Slup im wahrsten Sinne einhand segelt. Er verlor bei einem Arbeitsunfall einen Arm, den linken. Tony und Christine erzählen, dass sie Barharbor gar nix gelöhnt hätten. Der Hafenmeister hätte sie als die erste Yacht des Jahres begrüßt. Das war einen Tag bevor die DAISY dort auftauchte. Dann hatte sich der Hafenmeister ein freies Wochenende genommen. Tja, Pech halt gell. Und darauf ein Glas Bier. Draußen tobt ein Unwetter. Es hat die DAISY veranlasst hier zu bleiben. Bis 30 kn aus Süd.
2. Juni 2011 - blanker Himmel, Baro im Keller. Vorhersage: Klasse Wind für die Fahrt nach Nordosten, nach Lunenburg. Liegegebühr: 77 Dollar pro Nacht. Herzlicher Abschied. Leinen los. Erst mal gen Süden um die ganzen Felsen rum, dann Gr im zweiten Reff, Be und Ge. Läuft gut bis der Strom kentert. 5 kn durchs Wasser 2,2 über Grund. Je weiter sich DAISY vom Land entfernt, um so besser wird’s. Aber auch kälter. Skiunterwäsche wird nötig, doppelte Pullover, Seestiefel sowieso. Nach dem Brazil-Rock ist plötzlich der Wind weg. Einheimische Segler bestätigen später, dass das ganz normal ist. Zwei Stunden motoren, dann dreht der Wind auf NW und lässt DAISY direkt auf Kurs Nord in die Bucht von Lunenburg rauschen. Zwischendurch muß noch die Gasflasche gewechselt werden. Gudula backt Rohrnudeln mit Vanillesoße. Hm! Um 18.30 werden die Segel geborgen, um 19.50 liegt DAISY wieder mal in Lunenburg. Anlegen achteraus, steuerbord längsseits, dort, wo gewöhnlich die BLUENOSE II ihren Platz hat. »Have you been here before« Man erinnert sich tatsächlich an die DAISY.
Lunenburg, Nova Scotia
Sylvie, die dem Skipper schon vor drei Jahren hier hilfreich zur Seite stand, will sonntags vorbeischauen und Gudula zum Flughafen Halifax bringen. Und für Freitag hat sich die Atlantik-Crew angesagt. Bis dahin bleibt der Skipper allein zuhaus. Die Wellenanlage soll überprüft werden. Ist wohl ein neues Lager fällig. Spenden werden nicht zurückgewiesen...
Nein, war kein neues Lagerfällig. DAISY wird unten rum neu gestrichen, der Rumpf geputzt, die Wellendichtung nachgezogen. Alles paletti. Kostet halt. Aber weniger als in Europa. Der Dollarkurs machts.
Der Skipper organisiert einen Mietwagen und holt die sechsköpfige Crew vom Flughafen Halifax ab. Eine illustre Truppe: Thomas Lachenmeyer aus Nördlingen, der die Turmglocken Europas repariert, Sigmar Solbach aus München, der erst jüngst im Münster-Tatort einen bösen Buben gab, Prof. Dr. Elmar Entholzner auch aus München, Spezialist für Anästhesie, Horst Ramisch, Münchner aus Hamburg, Spezialist für Krankenversicherungen und Segelreise-Organisator, Bernd Unverhau, Fahrschulinhaber aus Bargteheide und Hans Peter Bruns aus Horw bei Luzern, Spezialist für Elektrik und Elektronik. Horst holt wie vereinbart einen zweiten Wagen – zwei sind tatsächlich billiger als ein größerer – und los geht’s nach Lunenburg. DAISY steht noch hoch und trocken und am Wochenende arbeitet die Werft nicht. Also Sightseeing. Und es gibt Einiges zu sehen.
Da will auch er hin: Sigmar Solbach im Visitor-Center Bluenose II in Lunenburg, Nova Scotia, mit dem Finger auf dem Ziel im Atlantik: Faial, die Azoreninsel. Kein Film, echtes Abenteuer.
Nebenan wird die BLUENOSE II in einer riesigen Halle neu gebaut. Das Wahrzeichen Nova Scotias und Kanadas war nach 47 Jahren nicht mehr segelklar. Nun entsteht sie als Refit – einige Teile der alten Decksausrüstung und des Riggs werden weiterverwendet – im Grunde völlig neu. Ein Konsortium aus verschiedenen Firmen in Lunenburg und Umgebung führt die Arbeiten aus, die etwa 14,2 Millionen Canadische Dollar kosten werden. Die YACHT wird demnächst darüber berichten. Der Skipper ein paar Informationen weitergereicht. Etwa die, dass die neue BLUENOSE II keine Wettfahrten mehr bestreiten wird.
Die Crew der Daisy in der Werfthalle, in der die Bluenose II entsteht. Lunenburg, Kanada.
Erstens weil es an Konkurrenz mangelt – niemand baut mehr Topstagsegel-Gaffelschoner von 55 Metern Länge - und zweitens käme ein zweiter Platz für eine Königin des Nordatlantiks ohnehin nicht in Frage, wie die Dame im Visitor-Center lächelnd bemerkt. An die 7000 Besucher haben sie hier seit Januar 2011 registriert. Die Leute kommen bis aus den Neuenglandstaaten der USA, Schulklassen aus Kanada und Besucher wie die DAISY-Crew sogar aus Europa. Jeder bekommt einen Helm und eine Staubschutzbrille verpasst und kann dann den Schiffszimmerleuten zuschauen, wie sie Planke an Planke fügen und so den mächtigen Rumpf aus Holz formen. Die DAISY Crew unternimmt noch einen Ausflug nach Halifax, liefert die Mietwagen ab und kommt per Bus nach Lunenburg zurück.
Am Montag ist es soweit. DAISY kehrt ins Wasser zurück. Es wird eingekauft für eine dreiwöchige Seereise von sieben Männern. Die Landessen werden zum großen Teil im »Rumrunner« eingenommen, dem Restaurant von Jürgen und Eva Ziegler aus Nürnberg. Sie betreiben außerdem noch zwei Hotels in Lunenburg und setzen so den traditionellen deutschen Akzent in dieser Gründung deutscher Siedler fort. Noch ein Foto der gesamten Crew unter dem BLUENOSE II-Schild mit der Daisy im Hintergrund, im Nieselregen, und dann werden endlich die Leinen losgeworfen. Noch in der Bucht werden die Segel gesetzt und DAISY gleitet hinaus auf den Atlantik. Fängt techt sonnig an und der Skipper erinnert gern an seine erste Reise auf dieser Strecke: Raumschots, Sonne nach zwei Tagen Nebel. Diesmal alles klar rundherum. Aber nach drei Tagen zieht die erste Front über die DAISY hinweg. Horst hat einen Wachplan über die volle Zeit ausgetüftelt: Wechselnde Paarungen, nachts drei Stunden, tagsüber vier Stunden samt Backschaft. Der Skipper genießt die Entlastung.
Abschied von Lunenburg im Nieselregen: Die Welt dahein sieht zu per Webcam
Es wird viel gelacht, selbst wenn das Ölzeug trieft. Das zweite Reff, die kleine Fock, Reff im Besansegel. DAISY läuft zweitweise zehn und mehr Knoten durchs Wasser. Spitzen-Etmal 164 nm, im Schnitt über 140 nm. Dann wird mal wieder das dritte Reff nötig. Es bläst mit mehr als 30 kn. Ratsch, da war das Segel durch. Von nun an mit Genua und Besan. Aber dem Speed tat das nur wenig Abbruch. Die Kurstreue der DAISY verbreitet Erstaunen. Stur zieht sie ihre Bahn durch das Getöse. Kein Klappern, kein Ächzen, kein Scheppern.
Bagstagsbrise: Genua, Kutterfock und Besan fangen genug Wind ein. Ketschsegeln.
Der Atlantik beruhigt sich. Aber der Wind dreht auf Ost!
Dann ist das Tief mit seinem letzten Ausläufer durch und DAISY wärmt sich in der Sommersonne. Die See beruhigt sich. Doch das Glück wärt nur etwa bis 40 nm vor dem Ziel. Der Nordost dreht auf Ost. Die Position ist sowieso etwas zu weit südlich geraten. Der Nordost hatte da wenig Einsehen. Also wenden und auf Nordkurs gehen. Prima, bald sind sogar 50 Grad drin. Purer Ost mit Regenfront. Eine nasse Nacht. Dann schläft der Wind ein und die Maschine ist gefragt. Längst steht der breite Kegel von Faial am fahlen Horizont. Da tauchen die ersten Fischerboote auf.
Hart auf Seefestigkeit geprüft: Die Crew der DAISY auf dem Weg zu der Azoreninsel Faial.
Endlich rundet DAISY das Kap der Peninsula da Guia, Punta Cabras und um 16.40 Uhr Orstzeit zieht der Skipper den Motorstopp-Zug. DAISY liegt steuerbord längsseits an der Hafenpier der Marina Horta. Die Tankstelle wird von der OPAL belegt, ein Schoner aus Esbjerg in Dänemark. Dennoch darf DAISY dort längsseits gehen und 400 Liter Diesel bunkern. Dann bekommt sie einen ruhigen Platz im Innenbecken des Hafens an dritter Stelle im Päckchen. Ja, der Hafen darf als gut besucht bezeichnet werden.
Fein säuberlich stehen da noch die Namen: »DAISY: Bärbel, Gisela, Hermann 2008«, wie Gisela und Bärbel sie damals hingemalt haben. Und immer noch sind Segler am Malen und sichern sich irgendwo ein Eckchen auf der berühmten Pier. Erst am Abend nach dem Dinner fällt die DAISY Crew ins Café Sport ein. Es wird zur Stammkneipe in den nächsten Tagen. Als Dessert stellt der Ober schließlich eine Schokotorte mit dem Schriftzug »2011 DAISY« auf den Tisch. Segler aus aller Welt rund herum. Viele junge Leute vor allem von den großen Traditionsseglern, aber auch eine ganze Reihe reiferer Paare.
Ein Holländer bietet sein hübsch gemaltes Stahlschiff: zum Verkauf an: 15 Jahre Segeln sind genug. Er hat sich auf Faial niedergelassen. Ein Paar lebt seit 13 Jahren auf See und denkt nicht ans Aufhören. Sie kamen aus St. Helena nach Horta. Non Stop versteht sich. Die OVERLORD aus England läuft ein. Eine schlanke Holzslup aus den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Gemischte Crew. Der Skipper verrät, dass das Schiff in Deutschland gebaut wurde und als Kriegsbeute nach England kam. Jedenfalls ist sie sehr gut in Schuss. Dann legt die Dreimastbark RARA AVIS aus Brest. Die vielköpfige Crew senkt das Durchschnittsalter im Café Sport erheblich.
Für Samstag hat sich eine neue DAISY-Crew angesagt: Gerda und Arno aus Otterfing bei München und Petra aus Frankfurt möchten mit nach Lissabon segeln.
Der Tag des Abschieds bleibt unvermeidlich. Stunden nach dem die Lunenburg-Crew, Hampi ausgenommen, sich in zwei Taxen zum Flughafen begeben hatte, stehen Arno und Gerda und Petra auf der Pier. Es gibt für den Skipper noch allerhand zu tun, DAISY für die Weiterfahrt klar zu machen, während die Crew für den Proviant sorgt. Das Dinner natürlich im Café Sport. Man kann sich dort einfach günstig satt essen. Der Skipper packt die Fahrräder aus. Sonntag wird Strandtag für die Crew Der Montag dient letzten Einkäufen und Bordarbeiten. Die 90 Meilen nach Praia da Vittoria auf Terceira sollen über Nacht zurückgelegt werden. Am Abend ist das Schiff klar.
Das Ablegemanöver macht noch bisschen Sorgen, weil nachmittags noch ein munterer Wind in den Hafen steht und die 18 m lange DAISY halt immer noch kein Bugstrahlruder besitzt. Umdrehen in diesem engen von hübschen Plastikyachten gesäumten Becken? Die beinah völlig zugeparkte Ausfahrt lässt nur etwa eineinhalb Meter mehr Raum als das Schiff breit ist. Hm. 19.35 springt die Maschine an. Der Wind ist total eingeschlafen und DAISY kann unbehelligt den Bug zur Ausfahrt drehen, ohne irgendwo anzuecken, wenn auch ein paar Crews der Nachbarschiffe etwas mehr als interessiert zuschauen.
Es ist 19.50 als DAISY Übungskringel im weiten Außenhafen dreht. Jedes Crewmitglied soll mit der Maschinenbedienung vertraut sein, bevor es auf die See hinaus geht. Umdrehen, Aufstoppen, Achterausfahrt. Dann verlässt sie den Hafen. Um 21.22 schweigt die Maschine. Groß und Genua fangen genug von dem NNW ein, um auf etwa sieben Knoten Speed zu kommen. Paarweise übernimmt die Crew jeweils für drei Stunden die Wache. Der Skipper macht’s allein. Er verzichtet nachts auf die Maschine und segelt mit zwei bis drei Knoten in die richtige Richtung. Die Windschwäche führt dazu, dass es 18.45 wird, bis Daisy in Praia da Vittoria stb längsseits fest liegt.
Hier will der Skipper den Fehler finden, der dazu führt, dass der Fischer-Panda-Generator nach etwa einer Minute problemfreier Ladetätigkeit wegen eines Temperaturproblems von einem seiner vier Thermosensoren abgeschaltet wird. Alle Bemühungen bleiben ohne Erfolg. Dann eben ohne Generator.
Der Schlag nach Ponta Delgada auf der Insel Sao Miguel gelingt bis 23.59 desselben Tages. Allerdings mit 13 h Motoreinsatz. Die Stadt begeht die Fiesta DIVINO SPIRITO SANTO: Musik in den Straßen, Umzug und Tombola alles gleichzeitig. Die DAISY-Crew genießt Gegrillte Makrelen und andere Leckereien im »D’AVION« einer kleinen Kneipe ganz hinten.
9. Juli 2011. Jetzt geht’s richtig auf den Atlantik. 10.00 ablegen, bedeckt kaum Wind. Erst mittags ziehen Groß, Genua und Besan. Zur Teezeit muss wieder die Maschine her. Aber danach läuft’s ganz gut. Die Wachwechsel sind eingespielt. Es wird wirklich gesteuert und Batterie-Strom gespart. DAISY segelt nach NNE, um möglichst weit im Norden in den angekündigten Nordwind einzusteigen. Nur so wird sie ins längst verschwundene Kielwasser jener Caravelle PINTA gelangen, die vor geraumer Zeit ins galizische Bayona eingelaufen war, nachdem sie an der Entdeckung der Karibik mitgewirkt hatte.
Sechs Tage braucht DAISY für die Strecke, die Etmale können sich sehen lassen, das Beste liegt mit 173 nm nur wenig unter dem Rekord des Skippers als »Fliegender Holländer«. Am 14. Juli, Stunden bevor die spanische Küste in Sicht kommt, laufen der DAISY sieben große Yachten entgegen ziehen teils am Horizont teils näher nach Südwest. Alle mit Spi bei gut 22 kn Wind und mehr. Offenbar ein Regattafeld der SCO. Dann wird die Dampferstraße vor der Küste gequert und schließlich beginnt die spannende Einsteuerung nach Bayona. Als die Nord- und die Südtonne identifiziert sind, ist alles klar im hellen Mondenschein. DAISY geht in der Marina Deportiva an einen langen Schwimmsteg. Europa hat sie wieder.
Paella Marisco und spanischer Wein! Touristentrubel und eine von sanften grün bewaldeten Hügeln umgebene Bucht, Spaziergang rund um den Parador Conde do Gondomar mit Blick auf die Replik der PINTA und auf die brodelnde Brandung an den Klippen.
16. Juli. Üppiges Frühstück an Bord und ab geht’s. Die 71 nm sind bis 22.05 Uhr Bordzeit geschafft. DAISY liegt wieder mal in Leixoes, nördlich von Porto. Ein Glück nur, dass Portugal zwei Stunden früher dran ist: Die DAISY-Crew kann um 20.30 Ortszeit gemütlich ein feines Restaurant einkehren. Dorade mit Reis und Gemüse, dazu einen traumhaften Weißen. Davor Queijo de Azeijo und geräucherter Schinken, danach ein köstlicher Flan… Und tags drauf natürlich Porto. Nur ein paar Minuten mit dem Bus. Das ganze Programm: Kathedrale, Promenade am Duro, Flußfahrt, Portweinkellerei samt Probe, City-Café und abends Bacalhao mit Fadogesang von Wirt und Wirtin in einer Altstadtkneipe mit fünf Tischen. Unglaublich.
Das bunte Treiben in der Markthalle von Figuera da Foz liegt nur 66 nm weiter im Süden. Hier wird Frisches eingekauft unter anderem Lachs für das Borddinner in Nazare. Die Fahrt dorthin wird ein Nachmittagsschlag von 38 nm, das Anlegemanöver ein Abenteuer. Die Marinastege sind voll. 20 bis 25 kn Wind stehen in den engen Hafen. Zwischen zwei massiven Beton-Piers muss gewendet und gegen den Wind mit Backbordbug zwischen zwei Yachten angelegt werden. Es klappt beim dritten Anlauf wie am Schnürchen. Der Skipper der achteraus liegenden Chiquita – Stahlketsch aus holländischer Fertigung - nimmt die Leinen entgegen. Danke! Dinner an Bord bei Kerzenschein. Lachssteaks mit Spezialkartoffeln und Salat, na endlich.
Mike, der Hafenmeister überbringt eindringlich den Wetterbericht: 8 bis 9 aus Nord die nächsten Tage! High waves up to six meters! Na ja, von Land aus sieht das Meer so hübsch aus. Die Hafengebühr von 32 Euro – kein Strom, kein Wasser – wird beglichen, DAISY klar gemacht und los geht’s. Draussen sind gerade mal 20 kn NNW am Werk. Volle Genua und Besan. Schnelles Segeln bei raumen Winden bis ums Cabo Carvoeiro. Keine Spur von den sechs Meter Wellen zwischen der Insel Berlenga und dem Kap. War Mike bloss scharf auf weiteres Liegegeld? Vor der Suedostmole des kleinen Hafens faellt endlich mal wieder der Anker. Ein sehr griabiger Abend bricht an. Gerda produziert Pasta mit Kaese/Zuchini/Sauce und Salat.
Morgens ankerauf. Volle Genua und Besan. Eine Reihe von Stunden geht das wieder ganz gut. Bis das Cabo Roca in Sicht kommt.
Kapeffekt. Und dann die Böen von der rund 500 m hohen Serra de Sintra. Die hauen mit gut 45 kn aufs Wasser, dass es nur so schäumt und spritzt. Die Genua wird zur ganz kleinen Fock, das Besansegel bleibt gefiert stehen. Arno wirbelt am Ruder, türkisblaues Wasser, weisse Gischt, Sonne, blanker Himmel, vielstimmiges Pfeifen in den Wanten. Noch vier Meilen! Das flache Cabo Raso mit dem markanten Leuchtturmhaus, schon liegt es backbord achterlicher als querab. DAISY rauscht über Seen, die fast so hoch und lang scheinen wie sie selbst. Die Wellen rollen unter ihr durch, die weissen Kämme brechen hinter, neben und vor ihr, aber nur wenige Spritzer gelangen an Deck. Die Böen wollen sich offenbar gegenseitig übertreffen. Das Speedometer geht schon mal auf 11 und 12 Knoten. Dann ist endlich das Kap umrundet. Schluss mit Seegang, nur noch Wind.
Und dann ist auch der weg auf dem Tejo. Wie abgeschnitten. Es taumeln nur noch ein paar Böen durch die Gegend, mal von da mal von da. Der Skipper denkt schon an den Zündschlüssel. Dann sieht er weit voraus die ersten Schaumkrönchen. Und schon fährt die erste Böe in die Genua. Das wären dann wieder so an die 25 kn Wind, aus Nord diesmal. In einer halben Stunde macht DAISY die restlichen vier Meilen bis Oeiras. Segel weg und bei diesem Gefauche rein in den Hafen. Hoffentlich ist der Stammplatz frei gleich neben der Tanke, der Skipper hat morgens extra angerufen. Enge Einfahrt. 180-Grad-Schwenk um die Hafenmauer nach steuerbord. Ein Glück, der Platz ist leer. Arno und Petra springen auf den Schwimmsteg, Leinen rüber, noch bisschen verhohlen zum Tanken. 216 Liter gehen rein. Verhohlen zum Liegeplatz eine Schiffslänge voraus und fertig.
Beim Anlegerbier im Mittelcockpit wird kurz mal Bilanz gezogen: 3159, 3 nm hat Hampi in sechs Wochen auf der DAISY erlebt. Seit Lunenburg in Nova Scotia. 1216,5 nm haben Gerda und Arno und Petra mitgemacht seit Horta auf Faial. Jetzt kennen sie Schiff und Skipper, und muessen wieder heim. What a pitty! Bis zum naechsten Mal!
22.07.11 - Abschieds-Dinner bei Oma und Opa in Cascais. Leckere Dorade mit Salzkartoffel. Einfach und gut wie immer.
23.07.2011 – Marion aus Regensburg trifft als erste ein. Kaethe kommt aus Eckernförde, Anika aus Oerlinghausen, Gabi wie eh und je aus Stuttgart und Werner aus Heimertingen ist auch wieder an Bord. So besetzt wird DAISY in den nächsten zwei Wochen Malaga anstreben und dann ohne Gabi und Anika weiter nach Ibiza segeln.
Es gibt noch einen Lissabon-Tag, aber am 25. Juli fliegen die Leinen. Nach dem Übungsmanöver auf dem Teijo kommen Genua und Besan zum Einsatz und DAISY rauscht ab in einen ruhigen und doch energiegeladenen Segeltag. Um 17.55 fällt in Sesimbra der Anker. Leider hält er nicht sicher und die Hafenbehörde bittet auch darum etwas weiter nach Süden zu verlegen. Tatsächlich greift er dort jenseits des Kleinbootefeldes richtig gut. Das war dem Skipper nicht ganz unbekannt, aber er wollte halt einen ruhigeren Platz im Schutz der Hafenmole wählen. Dafür serviert er zum Dinner Spezialkartoffeln und anschließend gibt’s Flan.
Am 26.07. kann um 11.35 Vollzeug gesetzt werden. Bei einer stetigen SW-Brise lässt DAISY eine deutliche Bugwelle hören. Spitzenwert des Tages:10,2 kn durchs Wasser. Um 16.55 liegt sie in der kleinen aber feinen Marina von Sines backbord längsseits fest. Das waren nun schon 37 nm 10 mehr als am Tag zuvor. So eine Art Tollwood-Festival empfängt die Crew bei der abendlichen Wanderung in die Stadt hinauf. Den Höhepunkt bildet eine leicht schräge und sehr farbenfrohe Hippiekapelle vor der massiven Fassade der Kirche.
Der 27. Juli bringt einen längeren Schlag. Zunächst kaum Wind aber eine Stunde nach dem Ablegen, also ab 11 Uhr fangen Genua, Groß und Besan genug ein, um die DAISY auf sechs Knoten zu bringen. Schönstes Raumschotssegeln im Portugalpassat. So geht es in Windeseile um das Kap und um 20.45 sitzt der Anker fest in der Ensenada de Sagres. 66,5 nm auf dem Zähler! Acht Yachten ankern in der wilden Bucht auf 36°59.988 N und 008°56.626 W. Grund genug im Mittelcockpit ein Glas Sagres, das süffige Portugalbier zu genießen.
Jetzt sind es nach Lagos nur noch 17 nm. DAISY bekommt Platz 1 am Steg N zugewiesen, was ganz ganz hinten im verwinkelten Hafen der erste Platz an einem Schwimmsteg für 16 m –Yachten bedeutet. Das Anlegen klappt in gewohnter Ruhe, ohne irgendwas zu touchieren. Vor dem Bug liegt die MENELDOR aus Holland, eine 60’-Slup aus Holland, die sich auf das ARC 2011 vorbereitet. Im Restaurant „Conventu viejo“ oben in der Stadt genießt die DAISY-Crew Seebrasse und andere Leckereien. Der Skipper zahlt 25 Euro für ein komplettes Dinner mit allem. Danach gibt es tatsächlich noch einen Mojito unten in einer der Marina-Kneipen.
29. Juli. Sieben Knoten aus SW. Mit Genua Groß und Besan werden daraus immerhin 4,7 kn über Grund. Aber umhalb drei bleibt der Lufthauch ganz weg. Nebel zieht auf. Richtig dicke Suppe fordert das Radar. Und wie bitte, soll man da die Einfahrt in die Lagune von Cabo de Santa Maria bei Faro finden? Es klappt wieder mal. Um 19.55 fällt nach 43,5 nm der Anker auf 36°58.618 N und 007°52.233 W. Zum Dinner wird Pizza gebacken.
Ein geruhsamer Strandtag folgt. Per Dinghi geht es zur Düne hinüber. Anika, Marion und Käthe genießen den Atlantikstrand an der Algarve. Das nächste Ziel liegt ca. 80 nm weiter südöstlich, eine Distanz, die sich gut durch die Nacht bewältigen lässt. Also geht um 17.50 der Anker hoch. Bis auf dreieinhalb Stunden Windlosigkeit kann recht munter gesegelt werden. Um halb elf vormittags liegt DAISY stb längsseits in dem Flusshafen Puerto Santa Maria gegenüber von Cadiz. Diese ehrwürdige Stadt, von Lord Byron angeblich als die schönst, die er je zu Gesicht bekam bezeichnet, liegt übrigens an der Schweinbucht: Bajo las Puercas!
Hier verliert die Crew eine Stunde, denn um 14.05 Bordzeit ist es hier 15.05 spanische Zeit, MESZ. Mit der Fähre geht es nach Cadiz hinüber. Die leckeren Backwaren dort prägen die Stadtnochmal so gut in die Erinnerung. Abends sicht die Crew den Trubel von Puerto de Santa Maria auf, wo ein ganz unglaublicher Rummel in den hübschen Straßen um die Festung herrscht. Das Restaurant allerdings erweist sich als Reinfall. Wenn sie schon mal keine Acetunas zu bieten haben, sollte man wirklich gleich wieder gehen.
1. August 2011 – Der Wetterbericht erzählt was von 3 – 4 Bft aus NE, die Sonne lacht und Gabi beschließt, hier in Puerto de Santa Maria gegenüber von Cadiz von Bord zu gehen und den Rest der Strecke nach Malaga auf dem Landweg zurückzulegen. Ein Hotelbett warte dort auf sie. DAISY verlässt um 13.50 den Hafen. Die Strecke nach Gibraltar bietet sich als Nachtfahrt an. Doch dann kommt’s ganz dick und zwar von vorn. Kaum aus der Bucht von Cadiz faucht ein Südost mit sechs bis sieben Beaufort über das Küstenmeer. Schnell steht eine kurze steile Welle und DAISY stampft hoch am Wind tapfer dagegen an. Das wäre gut eine Zweinächtefahrt geworden, hätte der Skipper nicht den Entschluss zum Umdrehen gefasst.
Nun steht aber leider Puerto de Santa Maria nicht mehr zur Verfügung. Man erwartet dort ein Regatta-Feld. Dann eben wieder mal Puerto Sherry. In der Hafeneinfahrt weht es noch mit gut 5 Bft. Um am Rezeptionsanleger festzumachen muß das Schiff gegen den Wind gedreht werden etwa um 180 Grad. Das gelingt perfekt, allerdings fällt der Halbkreis um ca. fünf Zentimeter zu weit aus. Ausgerechnet dort, wo der Bug den Schwimmsteg passiert, haben sie eine massive Klampe angebracht. Das starre Wasserstag der DAISY hakt dort kurz ein und erhält so eine elegante S-Form.
Nach der Anmeldung bekommt DAISY einen anderen Platz zugewiesen und dort fällt bei einer sanften Annäherung an den Schwimmstegausleger der Plastikschutz der Aluleiste ab, die sich folglich an der Steuerbordseite der DAISY im Lack verewigt. Der Skipper kennt vergnüglichere Augenblicke. Zum Trost sucht man abends ein schickes Lokal an der Waterfront auf und lässt sich Brochetas de Pollo und einen erstklassigen Weißen munden.
Morgens greift der Skipper zum Spachtel und zeichnet sorgsam und schützend die markanten Spuren nach. Nun muß nur noch geschliffen und gemalt werden. Nun weht der Südwest mit 2 – 3 Bft. Angenehmstes Segeln bis in die Nacht, wenn auch der Wind schlafen geht. Kaum ein Luftzug in der Straße von Gibraltar. Das kennt der Skipper auch anders. Nur Strom und zwar heftig und schnell wechselnd. Abseits des dichten Frachterverkehrs schnurrt DAISY durch die gurgelnden Fluten. Am 3. August um 08.50 liegt sie fest vertäut in der Queensway Quay Marina in mitten in Gibraltar. Hier soll der Generator mal genau unter die Lupe genommen werden. Hat doch das Kühlsystem eine Macke? Ein beratender Elektriker unterstreicht den Verdacht. Doch das Kühlsystem scheint in Ordnung zu sein. Aber bei den Arbeiten streift der Skipper mit der Armbanduhr über den Plusanschluss des Anlassers. Auweia, Loch im Handgelenk!
Immer wieder ein Erlebnis, die offene Atmosphäre dieses Ortes. Die Borniertheit der Festungsmentalität längst überwunden, ins kleine Museum verbannt. Das Gemisch der Ethnien und Kulturen lebt eine friedvolle Leichtigkeit. Fish and Chips im Pub, leckere Paella bei Pepe dem Spanier. Die angejahrte doch klassische CRUISADER aus Glasgow von Tim und seinem Terrier liegt immer noch da. Gleich daneben die monströse, blitzende hochmoderne Motoryacht mit dem Originalschriftzug „After Eight“ in Silber und über das ganze Heck! Die Marina übrigens arbeitet sehr serviceorientiert und effizient. Liegekosten für die DAISY 29 Euro per night. Das Büro liegt jetzt direkt neben der Einfahrt, die von 21.00 bis 09.00 geschlossen ist. Much more comfortabel to work, strahlt die Dame hinter dem Desk, die den Skipper nun schon zum dritten Mal begrüßt.
05.08.11 – Um 09.25 wird abgelegt. Erst im halb zwei kann auf den Diesel verzichtet werden. Ein gnädiger Südwest treibt DAISY unter Genua und Besan auf 5,4 kn. Zurück im Mittelmeer! Um halb vier macht der Südwest Feierabend und um halb sieben liegt DAISY in Fuengirola. Zum Abschied von Anika ein Paella-Abend abseits vom Trubel bei Pepe de Terre. Am nächsten morgen nimmt sie nicht gerade leichten Herzens den Bus zum Flughafen von Malaga. Ist von hier näher als von der großen Hafenstadt, in der Transityachten nicht so gern gesehen sind. DAISY wechselt von der Seefahrt in die Sphäre des Business-Yachting. Seefahrernationen empfangen ein Schiff im Hafen. Tourismusnationen zocken es ab.
DAISY verlegt sich in Spanien aufs kostenneutrale Ankern. Neben der Marina del Este: Ensenada de los Berengueles 36°43.281 N 003°43.594 W. Sehr hübsch zum Baden! Am 07.09.11 rund 62 nm weiter östlich: Eine wunderbare Nacht vor Roquetas del Mar. Kleines Feuerwerk über der hell erleuchteten Stadt. 36°45.609 N 002°36.193 W.
08.08.11 – Um 06.50 startet die Maschine. Ab 08.30 Uhr wird gesegelt. Der Nordost liefert 15 bis 20 kn woraus die DAISY unter Vollzeug 5 – 7 kn Speed macht. Der Skipper refft das Groß für die Nacht. Cartagena soll der nächste Hafen sein. Phantastisches Segeln durch eine herrliche Nacht.
Am 09.08.11 um 13.00 liegt die Hafeneinfahrt vor dem Bug. Die Maschine springt an. Aber der Skipper stellt sie gleich wieder ab. Der Auspuff lief trocken. Der Seewasserkreislauf der Motorkühlung bekommt kein Wasser. Impellerschaden. Gleich auswechseln oder später? Per UKW deb Hafen verständigt. „Ich komme unter Segeln rein“ Um 17.10 steht DAISY im Hafen vor den Stegen der Marina. Ein Begleitboot ist da. Der Skipper startet die Maschine. Zum Anlegen wird wohl reichen. Doch sieh da: Wasser läuft. Es war das letzte Zucken des Impellers. Bei einem weiteren Test am folgenden Tag, versagt er wieder und wird ausgetauscht. Tatsächlich fehlen ihm sechs Zähne. Gegenüber liegt die PETRONELLA OF WHIGT aus Southampton von Martin und Tina. Sie sind auf dem Weg in die Karibik. Martin hilft beim Entlüften des Kühlkreislaufes. Freunde auf See.
Noch ein lukullischer Abend in der hübsch und teuer herausgeputzten Stadt. Aber am 11.08. um 08.10 geht’s los. Leider mit wenig Wind. Erst ab halb elf schweigt die Maschine. Nachmittags ist dann Vollzeug gefragt: Hoch am Wind bei 3 – 4 Bft. Abends gibt es Steaks mit Salzkartoffeln und gemischten Salat aus der Bordküche. Um 00.00 wäre dann die Maschine noch mal gefragt. Aber es läuft kein Kühlwasser. Skipper sucht nach Fehler. Um 01.00 startet er noch mal. Alles palletti. Maschine läuft, Kühlwasser spritzt. Sind wohl die letzten Teile des alten Impellers rausgeflogen. Maschine muss leider bis Mittag laufen.
Daisy segelt wieder in die östliche Hemisphäre: Die Greenwich-Länge wird passiert. Ibiza kommt nachmittags in Sicht. Um 17.30 wartet DAISY an der Tanke in der Marina Botafoch. Geduldsprobe. 277 l laufen endlich rein nachdem sich der Fahrer eines unglaublich krachenden Rennmotorbootes einfach vordrängte. Tröstlicher Dieselpreis: 1,21/l. Der Hafen Eivissa ist knackvoll und die wenigen leeren Plätze sind reserviert. Der Wind lässt es gerade eben noch zu in der benachbarten Bucht Botafoch zu ankern. Werner und Käthe gehen noch am Abend von Bord. Gemeinsames Dinner im La Punta. Köstlich und gediegen, wie die Rechnung.
Tags drauf stehen um 09.00 Uli und Erwin aus Nürnberg vor dem edlen Lokal. Der Skipper holt sie mit dem Dinghi an Bord. Der Wind dreht mehr und mehr auf Ost. Der Ankerplatz wird ungemütlich. Ankerauf und weg. Drei Stunden später fällt er wieder und zwar in der Ensenada de La Canal. Stelldichein der größeren Segelschiffe. Hier liegt es sich fabelhaft bei Winden aus West über Nord bis Ost. Der Balearenführer vom DK-Verlag schweigt sich darüber erfolgreich aus. Man kann am Strand landen und hat vom Hostal Mar y Sal (Salinas) Bus und Taxi zum nahen Flughafen und in die Hauptstadt Eivissa. Hier kommt auch spät abends Mathias ebenfalls aus Nürnberg an Bord.
Dann geht’s rund, nämlich um Ibiza herum, im Uhrzeigersinn. Nein, nein ganz anders. Erst schlägt der Skipper vor - und zwar auf dem Weg nach Formentera - einen Ausflug zum spanischen Festland zu wagen. Bei diesem wunderbaren Nordost ein Kinderspiel. Also Wende und Kurs auf eine Bucht im Westen Ibizas. Der Anker fällt um 19.10 im Schutz der Isla Conejera. 38°59.129 N 001°12.858 E. Dinner an Bord. Pasta mit Tomatensauce. Und Rioja rot.
Aus der Traum heißt es am nächsten Morgen. Aus dem anfänglichen SW mit 2 – 3 Bft. wird ein warmes Nichts je weiter DAISY in die See nach Westen sticht. Motoren um jeden Preis? No. Um 14.15 fällt der anker im Puerto San Antonio. 38°58.325 N 001°18.046 E. Nudelsuppe als Zwischenmahlzeit, während die Crew an Land auf Entdeckungstour geht. Aber abends: Die Bordküche bringt Rindersteak mit Gemüserisotto und zum Dessert Käse sowie Bananencreme mit Apfelkuchen auf den Tisch. Ulis Kochkünste und Marions Backkunst. Hm.
Am Ankerplatz liegt DAISY ein gerahmt von der La Perle Noir einem dicken Katamaran aus Australien, den der Skipper schon in diversen spanischen Häfen wahrgenommen hat, und der dunkelblauen BLUE BANANA aus den USA. Nach einer Shoppingtour verlässt DAISY den freundlichen Hafen – es gibt sogar ein spezielles Dinghi-Dock – und tuckert durch die Windstille nach Puerto San Miguel. Auch dort hält der Anker super gut. 39°05.076 N 001°26.449 E. Dinner: Merluza mit Salzkartoffeln. Ulis Kochkünste schon wieder!
Dann wagt sich der Skipper doch mal in einen Hafen. Santa Eularia. Dort gibt es sogar auf Anhieb Platz. Außerdem soll es hier einen leistungsfähigen Partner von Fischer-Panda geben. Aber schon der erste Anruf lässt nicht gutes ahnen: „Leider keine Zeit. Morgen vielleicht.“ Immerhin eine deutsch geführte Firma. Offensichtlich ist man dort nur an Großaufträgen interessiert. Der Firmeninhaber zeigt prompt einen riesigen 12-Zylinder vor, den es Instand zu setzen gilt. „Ja bringen Sie doch mal die Dioden vorbei.“ Der Skipper baut die Dioden des Generators aus. Bringt sie ins Büro. Holt sie nach drei Stunden wieder ab. Ungeprüft. Er prüft sie mit Mathias selbst. Sie sind gut. Die Hafengebühr: 225 Euro
18.08.11 – Die Inselrunde wird komplett hinter dem Cabo Falco, der hübschen Badebucht in der Ensenada de La Canal, diesmal näher am Strand. 38°50.334 N 001°23.109 E. Ausflug in die Stadt. Auch am 19.08. zieht es die Crew nach Eivissa. Auch der Skipper fährt rein und bestellt bei Yamaha - NAUTICA ERESO eine neue Halterung für den Außenborder.
Noch ein letzter Segeltag für Erwin und Uli. Leider ohne Wind. DAISY verlegt nach Botafoch, an die Tanke. Dort können Uli und Erwin bequem an Land gehen samt Gepäck. Das Schiff wird vollgetankt, was wieder erheblich Geduld erfordert. Auf der Motoryacht vor der DAISY wird nach dem Bunkern in aller Ruhe das Mittagessen serviert auf dem Achterdeck, statt den Platz frei zu machen. Glücklicherweise wird vor dem Bug des PS-Berges ein Platz frei. DAISY nimmt 90 l Diesel und 13 l Benzin für den Außenborder. Der Abschied von Uli und Erwin fällt nicht so leicht, auch wenn sie nur eine Woche an Bord waren..
Noch am selben Tag verlegt nach Pta Arabi, in der Bucht von Santa Eularia 38°59.402 N 001°30.602 E. Der Anker hält gut und wenn es nicht gerade aus SE bläst, liegt man dort sehr gut. Der Absprungplatz nach Malle.
Am nächsten Morgen weht es immer noch aus NE was einen nördlichen Kurs zulässt aber eben nicht Mallorca anzuliegen erlaubt. Also wird auf die Breite 39°29 N gesegelt und dann auf die Länge 002°25 motort. Na ja und noch drei Minuten Breite dazu gemogelt. So landet die DAISY nach 61 nm im letzten Licht in der Cala Andritxol, bzw. Camp del Mar. Eine wunderschöne Badebucht mit gutem Ankergrund. Eine stolze Jongert 22 liegt da mit GB-Flagge. Die Jongerts messen sich nach Metern!
Es wird ein Badetag eingelegt. Der Skipper bekommt Kontakt zur Firma MOTECH in Palma de Mallorca. Klingt viel versprechend. Landausflug. Welch lauschige Plätze es dort gibt zwischen all den Hotels. Mathias und der Skipper gönnen sich eine Paella.
Tags drauf noch mal zum Shoppen in den Ort und um 11.20 Anker auf. Es ergibt sich lediglich eine Stunde unter Segeln in die Bucht von Palma. Bange Anfrage per Telefon bei der Marina Alboran: Es gibt eine neue Marina, La Lonja, im Fischerhafen. 60 Euro pro Nacht. Alles klar. Strom, Wasser, Internet, aber keine Sanitäranlagen. Die sind gerade im Bau.
24.08.11 – Der Skipper baut den Generator aus. Der wird um 10.10 von MOTECH abgeholt. Um 14.40 segelt DAISY unter Groß, Besan und Genua nach Nordosten. Die Umrundung Mallorcas hat begonnen. Wird sie klappen? Der erste Ankerplatz Pta de St. Jordi. 39°19.8 N 002°59.2 E lässt sich gut an in der Bucht von Santa Eulalia.
Zum z
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